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Ölpreis: Über die Schwierigkeiten am Preisanstieg zu partizipieren

Was lag näher, als scheinbar risikolos auf einen exponentiellen Anstieg beim Ölpreis zu setzen, nachdem die Coronakrise abflaute? Aber das war eine Falle

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Wie stark leidet der Ölprteis unter der schwächeren Nachfrage der Coronakrise? Das Jahr 2020 ist geprägt von einem historischen Einbruch nahezu aller Wirtschaftsbereiche in der ersten Jahreshälfte. Einen Lockdown, bei dem zeitweilig zwei Drittel der weltweit werktätigen Bevölkerung zuhause bleiben mussten, das gab es bisher noch nicht. Daher stürzten auch die Rohstoffe in ungeahnte Tiefen – so wie der Ölpreis. Jetzt hat sich die Weltwirtschaft schon wieder deutlich erholt, zumindest von ihren Tiefs, insbesondere in China – also müsste ein Investment auf das schwarze Gold doch eine sichere Angelegenheit gewesen sein, könnte man meinen. Dass dem nicht so ist, zeigen folgende Übersichten.

Ölpreis: Die Crux für die OPEC

Was für ein Jahr für die Öl-Länder, vertreten in der Organisation erdölexportierender Länder, die ein Katastophenszenario nach dem anderen überstehen mussten. Konnte man früher noch mittels konzertierten Aktionen die Entwicklung des Ölpreises noch ein wenig steuern, so hatte man es 2020 zunächst mit einem Kampf jeder gegen jeden zu tun. Mengenausweitungen durch Saudi-Arabien, um Russland in die Knie zu zwingen. Dazu alle zusammen gegen die US-Fracker und fehlende Förderdisziplin – und dann doch notgedrungen die Brachiallösung: Die 23 Staaten umfassende Opec-plus-Allianz um Saudi-Arabien und Russland konnte nicht mehr anders, als mit einer historischen Kürzung von schlagartigen zehn Prozent den Ölpreis zu stabilisieren. Was zunächst gelang, auch verursacht durch den rapide ansteigenden Bedarf des sich erholenden Nachfrageriesen China. So konnte sich der Ölpreis von seinen Tiefs erholen, Brent von seinem Tief von elf Dollar und WTI von seinem unglaublichen angebotsbedingten minus 37 Dollar.

Brent notiert aktuell um die 42 Dollar, das amerikanische Pendant WTI um die 40 Dollar. Für Staaten (und deren Budgets) und Ölfirmen in vielen Fällen ist das immer noch viel zu niedrig.

Damit liegt man aber in beiden Ölsorten um etwa 35 Prozent hinter dem Preisniveau zu Jahresanfang zurück. Ein Ausbruch aus der 10-Dollar-Range (35 – 45 Dollar) ist kaum zu erwarten, zu sehr drückt die Pandemie auf die Nachfrage – Stichworte Luftfahrt und Tourismus.

Das bedeutet aber für viele Anleger, die seit Monaten in börsengehandelten Ölindexprodukten (ETPs) sitzen oder auch in den Ölaktien, Exxon und Co, ein unglaublich schlechtes Szenario. Abwarten und Aussitzen funktioniert bei diesen Produkten noch schlechter als in anderen Assets.

Underperformance, wohin man blickt

Indexprodukte, die auf Futurebasis operieren, performen in Seitwärtsphasen schlechter als der Markt. Hier sei nur der riesige US Oil Fund genannt, ein milliardenschwerer ETF auf den US-Ölpreis WTI. Dieser liegt auf Jahressicht mit minus 70 Prozent doppelt so tief im Keller wie der Ölpreis. Ähnliches gilt auch für die europäischen Produkte auf Brentöl zum Beispiel aus dem Hause der DWS. Über die Gründe wurde bei FMW durch Spezialisten schon mehrmals berichtet, es geht um die so genannten Rolleffekte. Grundlage für die Fonds sind Lieferkontrakte, die von Termin zu Termin verlängert (gerollt) werden müssen, da die Fonds natürlich nicht an der physischen Lieferung des Rohstoffs interessiert sind. Das ist mit Kosten verbunden, die immer wieder anfallen. Diese fallen besonders hoch aus, wenn es auf kurze Sicht genügend Öl gibt. Bei jedem Anstieg beim Ölpreis könnten die Fördermengen sehr schnell wieder hochgefahren werden, dies begrenzt das Potenzial nach oben.

Kaum besser sieht es bei einer Investition in Ölaktien aus, die weniger schwankungsfreudig sind als der Ölpreis. Der Index für Europäische Öl- und Gaswerte fiel zu Jahresbeginn um 50 Prozent und damit weniger als der Ölpreis (-60 Prozent). Die großen Ölfirmen haben sich seit dem Corona-Ausverkauf zwar um 25 Prozent erholt, was aber sowohl gegenüber der Erholung des Ölpreises als auch gegenüber dem Gesamtmarkt eine starke Underperformance darstellt.

Man kann es auch fast täglich auf den Übersichten erkennen, die die Sektorenentwicklung an der Wall Street abbilden: Energy ist das Schlusslicht, eben wie der S&P 500 Energy Index, der im Jahresvergleich etwa 45 Prozent im Minusbereich steht. In Europa steht das Pendant bei etwa minus 35 Prozent.

Die große Hoffnung für die Ölbranche lautet analog wie die des Gesamtmarktes: Ein Impfstoff muss (zeitnah) kommen.

Fazit

Wie viele Anleger dürften in diesem Jahr auf die Nase gefallen sein, mit der sachlogischen Annahme, dass ein Rohstoff, der „par ordre du mufti“ nicht mehr nachgefragt wird, stark im Preis fallen muss – um anschließend, nach Beendigung des Ausnahmezustandes, nur stark nach oben ziehen zu können? Eben das schwarze Gold, welches in der Schifffahrt, dem Luftverkehr sowie dem Straßenverkehr so essenziell ist, aber für mehrere Woche nur in kleinen Mengen benötigt wurde. 60 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs gehen auf das Konto des Transportsektors. Die Lager für Öl quollen im Frühjahr 2020 über, selbst ankernde Tanker wurden als Notlagerstätten benutzt. Daraus resultierte die Absonderlichkeit eines auf Kontraktbasis negativen Ölpreises, bisher unvorstellbar.

Was also lag näher, als scheinbar risikolos auf einen exponentiellen Anstieg beim Ölpreis zu setzen? Wie gerade dargelegt, war dies nicht so einfach durch das Preisgefüge infolge rollender Ölkontrakte. Ein Gesetz der Marktwirtschaft im Spiel von Angebot und Nachfrage erwies sich als Renditefalle. Aber bestand das Jahr 2020 für Anleger nicht aus lauter kleinen Fallen, kleiner schwarzer Schwäne:

  • das Kuriosum eines negativen Ölpreises
  • die Börsenentwicklung mit einer V-förmigen Erholung während einer dicken Rezession
  • die Kursentwicklung mancher Hightechs (insbesondere von Tesla, einer Firma, die so teuer wurde, wie fast alle Automobilunternehmen der Welt zusammen)
  • negative Realzinsen in den USA
  • das gigantische Auseinanderdriften von Value und Growth im Bewertungsmaßstab

Man könnte die Liste noch weiter fortsetzen.

Eine Warnung an alle diejenigen, die für die Börsenentwicklung auf irgend einem Gebiet sagen: „So etwas wird es nie geben!“

Wobei ich wieder bei meiner Lieblingsthese wäre: Es gelingt höchstens einer Handvoll Menschen auf diesem Planeten, als Investoren, den Markt über viele Jahre hinweg zu schlagen.

Der Ölpreis macht selten das, was man erwartet

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Segler

    15. Oktober 2020 21:13 at 21:13

    Hallo Wolfgang. Schöner Bericht.
    Gewinne machen mit Rohstoffen funktioniert halt nicht mit ETF oder ähnlichen Instrumenten.
    Dies hast Du einigermassen klar rübergebracht.
    Leider ziehst Du daraus den Schluss, dass es generell nicht möglich sei, an Rohstoffen zu verdienen und dass es nur sehr wenige ‚Erdenbürger‘ gäbe, die den Markt „schlagen“.
    Ich muss Dir vehement widersprechen !
    Du liegst komplett falsch und hast mit Deiner Meinung eine enge, einseitige und absolut falsche Position.
    Tatsache ist: Es gibt KEINEN anderen Bereich, wo man derartig viel Geld verdienen kann, wie in den Rohstoffmärkten !
    Ich kenne mehr als 50 Händler, die in Rohstoffen sehr viel Geld verdienen.
    Und ich kenne sie persönlich und kenne deren Konten und deren Trades.
    Einige von Ihnen belegen regelmässig seit Jahren die ersten Plätze der offiziellen Weltmeisterschaft im Trading. (WCT)
    Auch ich handle fast ausnahmslos Rohstoffe und schaffe eine Performance, die im Schnitt zwischen 10-20 Prozent pro Monat liegt.
    Seit Juni handle ich ein Konto, welches ich veröffentliche und bei dem ich die Erläuterungen zu meinen Trades poste.

    Dieses Konto habe ich in knapp vier Monaten verdoppelt.
    Real Money. Real Trades – Real Account.
    Alles ist dokumentiert. Kein Geschwätz im Konditional und kein Wellenzählen.
    Jeder, der es wirklich will, kann es erlernen.
    Auch Du ! – Ruf mich einfach an (hast ja noch meine Nummer, sonst frag Lossless)
    Herzliche Grüsse nach München vom Sailing Trader

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