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Ölpreis: Warum das Drama wohl gerade erst beginnt!

Öl-Bohrstelle Beispielfoto - Ölpreis weiter gen Süden?

Die OPEC+ ist sich einig, Förderkürzungen sind vereinbart, die ersten Länder fahren ihre Wirtschaft wieder hoch. Alles alles wieder ok in der Ölindustrie? Werden die Kurse wieder steigen? Ich meine, die Probleme für die Industrie haben gerade erst begonnen und werden noch Jahre andauern. Dass der Ölpreis in diesem Jahr drastisch fiel, ist das eine Problem der Industrie. Das andere ist, dass sich selbst beim derzeitigen Ölpreis niemand auf die nötigen Förderkürzungen einigen konnte. Die OPEC+-Staaten erklärten sich nach langem Ringen bereit, die Förderung um 9,7 Millionen Barrel zu kürzen. Doch in der Vergangenheit hielten sich viele Staaten nicht an ihre Kürzungszusagen. Und 9,7 Millionen Barrel pro Tag weniger sind weniger als ein Drittel soviel, wie benötigt würden, um Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen. Das Überangebot wird also nur verringert. Solange es Überangebot gibt, können die Preise nicht steigen.

In den USA kann mit dem aktuellen Preis kein Fracking-Unternehmen überleben

Das ist zwar auch für die OPEC-Staaten ein Problem. Doch bei denen sprudelt das Öl in der Regel ohne größere Vorarbeiten einfach aus der Erde. In den USA hingegen wird teures Fracking eingesetzt. Bei dem aktuellen Ölpreis-Niveau ist die US-Ölindustrie zum schnellen Sterben verurteilt. Vor allem die US-Ölindustrie hatte schon vor dem diesjährigen Preiseinbruch zu kämpfen. Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte. Und doch überlebte die US-Industrie als ganzes und erreichte im vergangenen Jahr ein neues Fördermaximum. Dank der Fracking-Methode können sich die USA wieder vollständig selbst mit Öl und Gas versorgen und sogar Energie exportieren.

Aufgrund des Überschusses machte sich die US-Regierung auf die Suche nach neuen Abnehmern. Die Sanktionen gegen Nordstream 2 und der auf Europa ausgeübte Druck, mehr Flüssiggas aus den USA zu importieren, sind auch Folgen des Förderüberschusses in den USA. Mit dem nun sehr niedrigen Preis wird der Boom aber auch schnell die Unternehmen dahinraffen, die die Krise 2015 noch überlebten. Branchenbeobachter rechnen mit hunderten Unternehmenspleiten, sollten Ölpreis und Gaspreis bis kommendes Jahr auf dem aktuellen Niveau verharren. Ist das rund ums Fracking entstandene Netzwerk von Unternehmen jedoch erst einmal zerstört, wird es Jahre brauchen, um wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können.

40% bankrott mit 40 US-Dollar Ölpreis – nun liegen wir bei 20 US-Dollar

Nach der jüngsten Umfrage der Federal Reserve Bank of Dallas unter rund 200 Öl- und Gasförderern in den USA lohnt sich die Erschließung einer neuen Ölquelle erst bei Preisen zwischen 46 und 52 US-Dollar pro Barrel. Derzeit liegt der Ölpreis (WTI) bei knapp 20 US-Dollar. Einzelne Ölsorten in Nordamerika werden praktisch verschenkt oder handeln unterhalb von 5 US-Dollar. Die befragten Unternehmen rechnen für Jahresende im Durchschnitt nur mit einem Ölpreis von 40,50 US-Dollar pro Barrel. Im vorherigen Quartal hatten die Unternehmen in ihrer Prognose den Durchschnittspreis des Quartals übrigens bis auf 1,70 US-Dollar genau getroffen.

In der Fed-Umfrage gaben 15% der Unternehmen an, innerhalb von weniger als 12 Monaten bankrott zu sein, wenn der Ölpreis 40 US-Dollar betragen sollte. Weitere 25% würden binnen zweier Jahre pleite gehen. Lediglich 50% gaben an, länger als vier Jahre mit einem Preis von 40 US-Dollar überleben zu können. Und das ist bereits eine optimistische Prognose. Denn derzeit kostet ein Barrel weniger als halb soviel.

Manager zahlen sich sechs Tage vor Insolvenz 13 Millionen Dollar Bonus

Angesichts dieser dramatischen Lage im Zuge des Ölpreis-Crash haben einige Unternehmensführer bereits aufgegeben und sich auf Untreue konzentriert, um wenigstens ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Der US-Förderer Whiting reichte am 1. April den Insolvenzantrag ein. Der Wert des Unternehmens sank von 15 Milliarden US-Dollar am Hoch im Jahr 2011 auf nur noch 32 Millionen US-Dollar. Der Wert der von bisherigen Aktionären gehaltenen Aktien schrumpfte jedoch weiter auf nur rund 900.000 US-Dollar. Denn die 2,2 Milliarden US-Dollar Unternehmensschulden wurden in Eigenkapital umgewandelt, womit die bisherigen Gläubiger nun 97% des Unternehmens besitzen und Altaktionäre nur noch 3%. Aus 15 Milliarden wurden also weniger als eine Million US-Dollar. Soweit, so schlecht. Sechs Tage vor dem Insolvenzantrag änderte der Aufsichtsrat das Vergütungsschema für das Management, um fast 15 Millionen US-Dollar Bonus auszuschütten.

Ich weiß nicht, wie die Rechtslage in den USA ist. Aber in Deutschland wäre diese Auszahlung angesichts der absehbaren Insolvenz als Untreue klar rechtswidrig und würde mit Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.



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7 Kommentare

  1. In Deutschland??? Ich sage dazu nur Zumwinkel…

  2. Man muss halt verstehen wie die Amerikaner ticken. Den letzten beißen die Hunde und die Führungsebene bereichert sich immer. Das Verhalten haben wir von unseren amerikanischen Freunden sehr gut adaptiert.
    Ich bin gespannt ob irgendwann die Amerikaner drauf kommen das Sie einer Strategie zum Opfer geworden sind.

  3. „In den USA hingegen wird teures Fracking eingesetzt. Bei dem aktuellen Ölpreis-Niveau ist die US-Ölindustrie zum schnellen Sterben verurteilt. Vor allem die US-Ölindustrie hatte schon vor dem diesjährigen Preiseinbruch zu kämpfen. Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte.“

    „Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte. Und doch überlebte die US-Industrie als ganzes und erreichte im vergangenen Jahr ein neues Fördermaximum. Dank der Fracking-Methode können sich die USA wieder vollständig selbst mit Öl und Gas versorgen und sogar Energie exportieren.“

    Wie gesagt, die Saudis möchten eine „Marktbereinigung“…

  4. Wenn Firmen so kriminell ausgebeutet werden, muss man nicht staunen wenn der Unkriminelle Normalbürger Waffen kauft um mindestens sein Nichtvermögen zu verteidigen.
    Sowas kann nur mit Bürgerkrieg enden. Sind denn nicht schon die Gefängnisse plattvoll.
    ABSURDISTAN MIT PRÄSIDENT BLÖDISTAN IM ENDSPURT AUF DEN UNTERGANG.

    1. Kommentar zu Stan Absurdi,

      Den Kommentar hättest du dir sparen können, totaler Schwachsinn!

  5. @ Marco Schmidt, meinen Text kann man kritisieren, was es ausdrückt ist sicher richtig.Wenn man die Ausbeuterei gut findet u.vielleicht selbst ein Ausbeuter ist kann man es auch schwachsinnig nennen .Es gibt auch Leute denen Trump-Bashing nicht gefällt, Sie können mir mitteilen zu welcher starksinnigen Klasse sie gehören.

    1. Welch ein Unsinn!! Welcher Arbeitnehmer oder eben nur Konsument in einem Industrieland ist denn kein Ausbeuter??? Wer Zugang zu google und diesem Medium hier hat ist einhergehend Ausbeuter der Natur…Heuchelei ohne Worte…

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