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Ölpreis: Warum das Drama wohl gerade erst beginnt!

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Öl-Bohrstelle Beispielfoto - Ölpreis weiter gen Süden?

Die OPEC+ ist sich einig, Förderkürzungen sind vereinbart, die ersten Länder fahren ihre Wirtschaft wieder hoch. Alles alles wieder ok in der Ölindustrie? Werden die Kurse wieder steigen? Ich meine, die Probleme für die Industrie haben gerade erst begonnen und werden noch Jahre andauern. Dass der Ölpreis in diesem Jahr drastisch fiel, ist das eine Problem der Industrie. Das andere ist, dass sich selbst beim derzeitigen Ölpreis niemand auf die nötigen Förderkürzungen einigen konnte. Die OPEC+-Staaten erklärten sich nach langem Ringen bereit, die Förderung um 9,7 Millionen Barrel zu kürzen. Doch in der Vergangenheit hielten sich viele Staaten nicht an ihre Kürzungszusagen. Und 9,7 Millionen Barrel pro Tag weniger sind weniger als ein Drittel soviel, wie benötigt würden, um Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen. Das Überangebot wird also nur verringert. Solange es Überangebot gibt, können die Preise nicht steigen.

In den USA kann mit dem aktuellen Preis kein Fracking-Unternehmen überleben

Das ist zwar auch für die OPEC-Staaten ein Problem. Doch bei denen sprudelt das Öl in der Regel ohne größere Vorarbeiten einfach aus der Erde. In den USA hingegen wird teures Fracking eingesetzt. Bei dem aktuellen Ölpreis-Niveau ist die US-Ölindustrie zum schnellen Sterben verurteilt. Vor allem die US-Ölindustrie hatte schon vor dem diesjährigen Preiseinbruch zu kämpfen. Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte. Und doch überlebte die US-Industrie als ganzes und erreichte im vergangenen Jahr ein neues Fördermaximum. Dank der Fracking-Methode können sich die USA wieder vollständig selbst mit Öl und Gas versorgen und sogar Energie exportieren.

Aufgrund des Überschusses machte sich die US-Regierung auf die Suche nach neuen Abnehmern. Die Sanktionen gegen Nordstream 2 und der auf Europa ausgeübte Druck, mehr Flüssiggas aus den USA zu importieren, sind auch Folgen des Förderüberschusses in den USA. Mit dem nun sehr niedrigen Preis wird der Boom aber auch schnell die Unternehmen dahinraffen, die die Krise 2015 noch überlebten. Branchenbeobachter rechnen mit hunderten Unternehmenspleiten, sollten Ölpreis und Gaspreis bis kommendes Jahr auf dem aktuellen Niveau verharren. Ist das rund ums Fracking entstandene Netzwerk von Unternehmen jedoch erst einmal zerstört, wird es Jahre brauchen, um wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können.

40% bankrott mit 40 US-Dollar Ölpreis – nun liegen wir bei 20 US-Dollar

Nach der jüngsten Umfrage der Federal Reserve Bank of Dallas unter rund 200 Öl- und Gasförderern in den USA lohnt sich die Erschließung einer neuen Ölquelle erst bei Preisen zwischen 46 und 52 US-Dollar pro Barrel. Derzeit liegt der Ölpreis (WTI) bei knapp 20 US-Dollar. Einzelne Ölsorten in Nordamerika werden praktisch verschenkt oder handeln unterhalb von 5 US-Dollar. Die befragten Unternehmen rechnen für Jahresende im Durchschnitt nur mit einem Ölpreis von 40,50 US-Dollar pro Barrel. Im vorherigen Quartal hatten die Unternehmen in ihrer Prognose den Durchschnittspreis des Quartals übrigens bis auf 1,70 US-Dollar genau getroffen.

In der Fed-Umfrage gaben 15% der Unternehmen an, innerhalb von weniger als 12 Monaten bankrott zu sein, wenn der Ölpreis 40 US-Dollar betragen sollte. Weitere 25% würden binnen zweier Jahre pleite gehen. Lediglich 50% gaben an, länger als vier Jahre mit einem Preis von 40 US-Dollar überleben zu können. Und das ist bereits eine optimistische Prognose. Denn derzeit kostet ein Barrel weniger als halb soviel.

Manager zahlen sich sechs Tage vor Insolvenz 13 Millionen Dollar Bonus

Angesichts dieser dramatischen Lage im Zuge des Ölpreis-Crash haben einige Unternehmensführer bereits aufgegeben und sich auf Untreue konzentriert, um wenigstens ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Der US-Förderer Whiting reichte am 1. April den Insolvenzantrag ein. Der Wert des Unternehmens sank von 15 Milliarden US-Dollar am Hoch im Jahr 2011 auf nur noch 32 Millionen US-Dollar. Der Wert der von bisherigen Aktionären gehaltenen Aktien schrumpfte jedoch weiter auf nur rund 900.000 US-Dollar. Denn die 2,2 Milliarden US-Dollar Unternehmensschulden wurden in Eigenkapital umgewandelt, womit die bisherigen Gläubiger nun 97% des Unternehmens besitzen und Altaktionäre nur noch 3%. Aus 15 Milliarden wurden also weniger als eine Million US-Dollar. Soweit, so schlecht. Sechs Tage vor dem Insolvenzantrag änderte der Aufsichtsrat das Vergütungsschema für das Management, um fast 15 Millionen US-Dollar Bonus auszuschütten.

Ich weiß nicht, wie die Rechtslage in den USA ist. Aber in Deutschland wäre diese Auszahlung angesichts der absehbaren Insolvenz als Untreue klar rechtswidrig und würde mit Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    pithappy

    17. April 2020 09:58 at 09:58

    In Deutschland??? Ich sage dazu nur Zumwinkel…

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    Scheer

    17. April 2020 11:04 at 11:04

    Man muss halt verstehen wie die Amerikaner ticken. Den letzten beißen die Hunde und die Führungsebene bereichert sich immer. Das Verhalten haben wir von unseren amerikanischen Freunden sehr gut adaptiert.
    Ich bin gespannt ob irgendwann die Amerikaner drauf kommen das Sie einer Strategie zum Opfer geworden sind.

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    Marko

    17. April 2020 13:47 at 13:47

    „In den USA hingegen wird teures Fracking eingesetzt. Bei dem aktuellen Ölpreis-Niveau ist die US-Ölindustrie zum schnellen Sterben verurteilt. Vor allem die US-Ölindustrie hatte schon vor dem diesjährigen Preiseinbruch zu kämpfen. Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte.“

    „Bereits 2015 ging eine Welle von Pleiten durch die USA, als sich der Preis auf damals 56 US-Dollar etwa halbierte. Und doch überlebte die US-Industrie als ganzes und erreichte im vergangenen Jahr ein neues Fördermaximum. Dank der Fracking-Methode können sich die USA wieder vollständig selbst mit Öl und Gas versorgen und sogar Energie exportieren.“

    Wie gesagt, die Saudis möchten eine „Marktbereinigung“…

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    Stan Absurdi

    17. April 2020 16:12 at 16:12

    Wenn Firmen so kriminell ausgebeutet werden, muss man nicht staunen wenn der Unkriminelle Normalbürger Waffen kauft um mindestens sein Nichtvermögen zu verteidigen.
    Sowas kann nur mit Bürgerkrieg enden. Sind denn nicht schon die Gefängnisse plattvoll.
    ABSURDISTAN MIT PRÄSIDENT BLÖDISTAN IM ENDSPURT AUF DEN UNTERGANG.

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      Marco Schmidt

      18. April 2020 18:58 at 18:58

      Kommentar zu Stan Absurdi,

      Den Kommentar hättest du dir sparen können, totaler Schwachsinn!

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    Stan Absurdi

    19. April 2020 06:31 at 06:31

    @ Marco Schmidt, meinen Text kann man kritisieren, was es ausdrückt ist sicher richtig.Wenn man die Ausbeuterei gut findet u.vielleicht selbst ein Ausbeuter ist kann man es auch schwachsinnig nennen .Es gibt auch Leute denen Trump-Bashing nicht gefällt, Sie können mir mitteilen zu welcher starksinnigen Klasse sie gehören.

    • Avatar

      pithappy

      19. April 2020 11:43 at 11:43

      Welch ein Unsinn!! Welcher Arbeitnehmer oder eben nur Konsument in einem Industrieland ist denn kein Ausbeuter??? Wer Zugang zu google und diesem Medium hier hat ist einhergehend Ausbeuter der Natur…Heuchelei ohne Worte…

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

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Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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