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Roboter-Muldenkipper beschleunigen Entlassungswelle in Kanadas Ölindustrie

Von Claudio Kummerfeld

Die kanadische Ölindustrie produziert Öl so teuer wie niemand sonst auf dem Planeten. Der niedrige Ölpreis führt sie ins Verderben. Kosten müssen gespart werden. Wo setzt man zuerst an? Beim Personal…

Muldenkipper von Komatsu
Ein „normaler“ Muldenkipper von Komatsu.
Foto: Cvmontuy / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der Ölpreis-Schock in Kanada

Die Ölvorräte in Kanada liegen in der Provinz Alberta. Hier liegt das Öl im sogenannten Ölsand, aus dem es erst einmal aufwendig extrahiert werden muss. Dazu müssen gigantische Mengen Sand von Minen in die Raffinerien gefahren werden. Dies ist äußert personalintensiv. Aufgrund des Prozesses und der Transportkosten ist die Ölindustrie in Kanada die teuerste der Welt. Lohnen tut sich das wirklich nur bei einem Ölpreis ab ca. 80 US-Dollar, grob geschätzt.

Ölpreis

Die kanadische Notenbank hat im Zeichen dieser dramatischen Entwicklung erst letzte Woche ihre Zinsen gesenkt, um Kredite für die Industrie billiger zu machen. Wird kaum etwas nützen, wenn der Ölpreis fällt und fällt.

Ölsand-Abbau in Kanada
Ein Abbaugebiet für Ölsand in Kanada. Sehr schmutzig, sehr umweltschädlich, sehr personalintensiv und im Augenblick völlig unrentabel.
Foto: TastyCakes / Wikipedia / Gemeinfrei

Die Arbeitslosigkeit in der Ölindustrie in der Provinz Alberta hat sich im Zuge des Ölpreis-Crash (Preis halbiert) auf aktuell 8,2% verdoppelt (seit Juni 2014) – Tendenz steigend. Laut der „Petroleum Labor Market Information“ können noch weitere 185.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Aktuell werden hunderte Muldenkipper-Fahrer entlassen. Grund hierfür ist die Automatisierung von Muldenkippern, die auch in so schwierigem Gelände inzwischen im Alltag angewendet werden kann.

Roboter ersetzen Muldenkipper-Fahrer

Wie uns mit der Materie vertraute Personen berichten, geht die Ölindustrie in Kanada jetzt dazu über Muldenkipper-Fahrer durch Roboter zu ersetzen, also ferngelenkte LKWs (kein Witz) mit Bewegungssensoren, damit man nicht mit anderen Fahrzeugen kollidiert. So werden tausende Fahrer weggespart und werden nie wieder benötigt. Kaum vorstellbar, dass die Arbeitgeber sie bei einem höheren Ölpreis nur aus Nächstenliebe wieder einstellen werden. Der Arbeitgeber spart pro entlassenem Muldenkipper-Fahrer locker ein sechsstelliges Jahresgehalt, dann man verdiente dort bisher enorm hohe Gehälter – verständlich bei dem Knochenjob in der Umgebung.

Auch der „Calgary Herald“ berichtete bereits über diese fahrerlosen Riesen-Muldenkipper, die große Mengen Sand aus den Minen zur Raffinerie transportieren. Der Branchenprimus Suncor Energy entlässt derzeit reihenweise Fahrer und „stellt“ Roboter dafür ein. Vorreiter ist hier der japanische Hersteller Komatsu, die diese fahrerlosen Muldenkipper “ Autonomous Haul System“ nennt. Die Firma bewirbt das System aktiv auf ihrer Webseite, Zitat:

„Komatsu developed AHS to deliver these key benefits for our customers:
• Reduced number of drivers working in hostile and remote condition
• Increased safety on mine sites
• Reduced operating costs – extended tyre life
• Increased productivity and efficiency

Komatsu is the first manufacturer in the world to commercialise Autonomous Haulage Systems in the mining industry. Each autonomous dump truck is equipped with vehicle controllers, a high precision GPS system, an obstacle detection system and a wireless network system. These features allow the dump truck to safely operate though a complex load, haul and dump cycle and to integrate with the dozers, loaders and shovels that are also part of the autonomous system. The Autonomous Haulage System (AHS) allows unmanned operation of ultra-class mining trucks.“

Aber bei den Muldenkippern macht die Automatisierung nicht halt. Unabhängig vom Ölsand arbeitet die Ölindustrie für normale Bohrlöcher daran mobile Bohrtürme für den realen Einsatz zu konstruieren, damit man die Arbeiter einsparen kann, die an der Bohrstelle bisher mühsam ganze Fördertürme + Anlagen auf- und abbauen, und dann woanders erneut aufbauen mussten. Zukünftig muss man dann nur noch mit der mobilen Förderanlage von A nach B fahren.

Der große Anfang lag in Deutschland

Einen ersten großen sichtbaren Anfang nahm diese Art von Automatisierung ausgerechnet in Deutschland. Als das neue Hamburger Containerterminal „CTA“ im Jahr 2001 eingeweiht wurde, sah man auf dem Terminalgelände keine Menschen mehr. Die Transportgeräte, die die Container vom Schiff abholen und zu ihren Lagerpositionen fahren, und dann von dort zu den Abhol-LKWs, fahren ohne Menschen. Im Boden eingelassene Sensoren zeigen ihnen den Weg. Überwacht werden sie von einer kleinen Anzahl von IT-Spezialisten in einem Bürogebäude.

Container Terminal Altenwerder in Hamburg
Container-Terminal Altenwerder (CTA) in Hamburg. Die Transportvehikel fahren führerlos.
Foto: Heje / Wikipedia (CC BY 3.0)

Jetzt landet diese Technik in ausgereifter Form bei kanadischen Ölsand-Produzenten. Der nächste große Schritt ist dann der Rest der Bergbauindustrie (Kohle- und Erzabbau). Das dürfte weltweit hunderttausende LKW-Fahrer arbeitslos machen. Gerade Länder wie Australien dürften davon arg getroffen sein. Auch hier hat diese Art der Automatisierung schon begonnen.



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1 Kommentar

  1. Soviel zur viel gepriesenen Industrierevolution 4.0!

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