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Schweiz – SNB mit Zinssenkungsrhetorik trotz Wachstumsbeschleunigung

Hannes Zipfel

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am

Bergpanorama als Symbol für die Schweiz

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, erwartet für die Schweiz eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums von 0,8 Prozent in diesem Jahr auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr. Gleichzeitig stellt die Schweizer Nationalbank weitere Zinssenkungen in Aussicht.

Die Schweiz ist ein Land der geldpolitischen Extreme

Mit einem Leitzinsniveau von -0,75 Prozent ist die Schweiz Weltmeister bei den Negativzinsen. Selbst für eidgenössische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit muss man jährlich 0,54 Prozent auf den Tisch legen, um investiert bleiben zu dürfen. Auch bei der Aufblähung der Bilanzsumme ihrer Notenbank SNB sind die Schweizer Weltmarktführer: Satte 125 Prozent misst das Verhältnis der Notenbankbilanz in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). In Zahlen ausgedrückt erreichte die Bilanzsumme der SNB zum Ende des dritten Quartals 2019 ein Volumen von 858,89 Mrd. Franken. Der zweite Platz geht mit 100 Prozent Bilanzsumme in Relation zum BIP an die Bank of Japan.

Verlauf Leitzinsen in der Schweiz

Auch dank dieser extremen geldpolitischen Maßnahmen wächst die eidgenössische Volkswirtschaft seit 2009 ununterbrochen. In diesem Jahr ist eine Expansionsrate von 0,8 Prozent geplant, für 2020 eine Wachstumsbeschleunigung auf dann 1,4 Prozent.

Bruttoinlandsprodukt in der Schweiz

Prävention de luxe in der Schweiz

Der Grund, warum die SNB seit Jahren trotz Aufschwungs eine derart aggressive Geldpolitik betreibt, liegt in ihrer starken Exportabhängigkeit. Der Anteil des Außenhandels am gesamten BIP beträgt gut zwei Drittel. Im Jahr 2013 waren es sogar noch 72 Prozent. Im Vergleich dazu betrug dieser Anteil für die ausgewiesene Exportnation Deutschland im Jahr 2018 lediglich 42,3 Prozent. Umso wichtiger ist der Wechselkurs des Franken im Verhältnis zum US-Dollar als Welthandelswährung sowie zum Euro.

Die Intention der SNB liegt also im Währungsdumping, zur Aufrechterhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Da der Franken nach wie vor als sicherer Hafen unter den Währungen dieser Welt gilt, steht er unter permanentem Aufwertungsdruck durch den Markt. Dieser Druck wurde dadurch verstärkt, dass andere Zentralbanken, wie z. B. die EZB und die US-Fed, ihrerseits die Zinsen im Zeitverlauf gesenkt haben. Die EZB ging im Zuge der Weltfinanzkrise und der sich direkt daran anschließenden Eurokrise besonders aggressiv vor. Damit zwang sie die Nationalbank der Schweiz dazu, mit noch extremeren Maßnahmen gegenzuhalten, um eine starke Aufwertung des Franken zu verhindern.

Neben rekordhohen Negativzinsen schwächt die SNB den Franken auch mittels massiver Devisenmarktinterventionen. Zu diesem Zweck erzeugt sie digital, also quasi nahezu kostenfrei, Unmengen an Franken und kauft damit Vermögenswerte, die in US-Dollar, Euro, Yen, Pfund, Kanada-Dollar und Austral-Dollar denominiert sind – sogar Cannabis- und Rüstungsaktien. Spöttisch wird die Schweiz daher bereits als einer der größten Hedgefonds mit angeschlossenem Staat bezeichnet.

Gebracht hat es der SNB neben einem für die Exportwirtschaft günstigen Wechselkurs auch eine auf das Siebzehnfache des Eigenkapitals aufgeblasene Bilanz sowie einen sehr ansehnlichen Gewinn. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres verdiente die SNB mit ihren internationalen Kapitalanlagen 42,7 Mrd. Franken. Der Gesamterlös bezifferte sich gar auf 51,5 Mrd. Franken. Die Kosten der SNB sind hingegen relativ gering: Für Aufwendungen und Abschreibungen fielen im gleichen Zeitraum lediglich 295 Mio. Franken an. Jeder der 923 Mitarbeiter erwirtschaftete damit im Schnitt der ersten drei Quartale einen Erlös von 55,3 Mio. Franken. Damit gehört die SNB neben dem Ölriesen Saudi Aramco zu den profitabelsten „Unternehmen“ der Welt.

SNB – Gefangene des Währungsdumpings

Aus der skizzierten Politik der SNB ergeben sich jedoch Probleme. Die SNB folgt nicht mehr der Konjunkturlage in der Schweiz, sondern der Geldpolitik andere Staaten und betreibt nahezu ausschließlich Wechselkurspolitik. Solange die EZB die Zinsen unten hält und ihre Bilanz weiter aufbläht, so wie seit neuestem auch wieder die US-Notenbank, solange muss die SNB weiter intervenieren. Andernfalls würde der Franken stark aufwerten und die alles dominierende Exportwirtschaft der Schweiz in eine Rezession schicken. Aufgrund ihres politischen Mandats kann die SNB das aber nicht zulassen.

Dies hat zu der grotesken Entwicklung geführt, dass gestern der Präsident der SNB, Thomas Jordan, gegenüber der „NZZ am Sonntag“, weitere Zinssenkungen in Aussicht stellte, während gleichzeitig die OECD für 2019 eine Wachstumsbeschleunigung für die Schweiz erwartet. Umso erfolgreicher die Schweiz wirtschaftlich ist, umso mehr droht der Franken aufzuwerten, umso aggressiver muss die SNB die Zinsen senken und Franken drucken. Verrückt!

Fazit

Die Geldpolitik der Schweizer Nationalbank ist exemplarisch für das Dilemma aller bedeutenden Zentralbanken: Ihre Politik ist eigentlich eine für depressionsgeplagte Volkswirtschaften. Aber das BIP der Schweiz steigt und das Wachstum beschleunigt sich sogar. Der Grund dafür, warum die Zentralbanken selbst in Ländern mit expansiver Wirtschaft nicht mehr anders können, als den Weg der Negativzinsen und Geldschwemme weiterzugehen, ist die mittlerweile hohe Abhängigkeit des Wachstums von diesen Notfallmaßnahmen und den Interdependenzen zwischen den Notenbanken – mit allen bereits bekannten und noch unbekannten Nebenwirkungen für die Zukunft.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

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am

Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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Warum wir technische Innovationen unterschätzen – Werbung

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Lieber Börsianer,

als damals zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die ersten Autos über die Straßen rollten, wollte niemand so richtig an die Zukunft dieser Vehikel glauben. Sie waren schmutzig, laut und nicht besonders zuverlässig. Lediglich besonders wohlhabende Menschen und technikaffine Bastler interessierten sich für diese Entwicklung. Der Verkehrsalltag wurde, auch nach der Erfindung des Automobils von Kutschen und Pferdekarren dominiert. Die meisten Menschen glaubten daran, dass sich das wohl nie ändern würde. Kaiser Wilhelm II soll gesagt haben: „Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Diese Geschichte lehrt uns, wie falsch die meisten Menschen die Tragweite von technischer Innovation beurteilen. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind Autos und Lastkraftwagen zur Normalität geworden. Das Pferd als Transportmittel ist hingegen zu einem Exoten für Liebhaber geworden.

Die technische Innovation schreitet seit Menschheitsbeginn immer schneller voran und keine Branche ist davor geschützt, plötzlich obsolet zu werden. Die Kunst liegt darin, diese Veränderungen frühzeitig vorherzusehen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, denn den meisten Menschen fällt es schwer das Potential neuer Technologien zu erkennen.

Während sich viele Unternehmen auf eine spezielle Branche fokussieren, kämpfen andere gleich an zahlreichen Fronten. Ein gutes Beispiel ist Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt. Kaum ein Konzern hat die Entwicklung moderner PCs so maßgeblich beeinflusst wie das Unternehmen aus Cupertino. Seit der Jahrtausendwände dringt Apple regelmäßig in neue Märkte vor. Mit dem iPod hat Apple die Branche für mobile Mediaplayer quasi erfunden. Mit dem iPhone revolutionierte Apple den Handymarkt und drängte die großen Player wie Nokia und Blackberry in die Bedeutungslosigkeit. Auch das iPad war das erste massentaugliche Gerät seiner Klasse.

Vor fünf Jahren hat das Unternehmen mit der Apple Watch einen neuen Markt betreten. Anfangs wurde die Computeruhr von vielen belächelt. Geringe Akkukapazität, geringe Leistung. Jetzt auch noch die Armbanduhr jede Nacht ans Ladegerät hängen zu müssen, war für viele Menschen, die erst kurz zuvor von den alten Handys mit schier ewiger Akkuleistung auf die energiehungrigen Smartphones umgestiegen sind, eine Horrorvorstellung.

Die meisten dachten wohl, die Apple Watch wird ein Nischenprodukt für Technikfreaks. Niemand rechnete damit, dass Apple eine ernsthafte Konkurrenz für die altehrwürdige Luxusuhren oder für die Hersteller auf dem Massenmarkt werden könnte.

Wer so dachte, unterlag dem gleichen Irrtum wie einst Kaiser Wilhelm II. Innerhalb weniger Jahre stieg die Apple Watch zur meistverkauften Uhr der Welt auf. Im Jahr 2019 verkaufte Apple 31 Millionen Stück seiner…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Aktuell: Risk Off treibt US-Dollar – Dax, Goldpreis und Euro fallen

Claudio Kummerfeld

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Da hatten wir gerade erst darüber berichtet, dass man als Gold-Trader genauer auf den US-Dollar schauen sollte, dann bewegt er sich kurz darauf tatsächlich. Nur halt in die falsche Richtung, aus Sicht der Gold-Bullen. Der Dollar-Index (Währungskorb gegen Euro, Pfund, Franken etc) prallte bei 92,80 Indexpunkten zum siebten Mal in zehn Tagen nach oben ab, und steigt die letzten Stunden auf aktuell 93,32 Indexpunkte.

Risk Off beeinflusst US-Dollar

Risk Off nennt man das. Hat der Markt aufgrund bestimmter Umstände plötzlich Angst, flieht man in sichere Häfen. Und heute ist dies der US-Dollar. Euro, Pfund und Franken verlieren heute alle gleichzeitig gegen den US-Dollar. Und wenn er schnell steigt, leidet oft auch der Goldpreis. Manchmal ist beim Risk Off auch Gold als sicherer Hafen der große Gewinner. Aber schon seit Wochen schielt der Goldpreis in erster Linie auf den US-Dollar, und nimmt logischerweise die gegenteilige Positionierung ein. Der Goldpreis verliert daher seit heute früh von 1.954 auf aktuell 1.931 Dollar.

Dax, Euro und Goldpreis fallen gleichzeitig

Der Euro verliert seit heute früh gegen den US-Dollar von 1,1870 auf aktuell 1,1784. Von einem schwächeren Euro profitiert in der Regel der exportlastige Dax. Aber nicht so in einem Corona-Umfeld mit steigenden Infektionen und immer mehr Beschränkungen (ganz aktuell zum Beispiel in Bayern). Sowas macht auch in angelsächsischen Medien die Runde, dass sogar im so „erfolgreichen“ Deutschland nun wieder mehr Corona-Restriktionen um sich greifen! Der Dax verliert im Vergleich zu Freitag Abend gut 450 Punkte. Im Chart sehen wir seit Freitag den heute steigenden US-Dollar gegen den gleichzeitig fallenden Dax und Goldpreis.

Chart zeigt Kursverläufe von US-Dollar, Goldpreis, Dax

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