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Vercharterung nach Deutschland kostet 200.000 Dollar pro Tag Globaler Kampf um schwimmende LNG-Terminals – von 48 nur 6 nicht gebunden

Ein globaler Kampf um schwimmende LNG-Regasifizierungseinheiten ist im Gange. Die Charterraten gehen durch die Decke.

Gas-Flamme

Europa bemüht sich mehr denn je um Flüssiggas (LNG) aus Übersee. Und jetzt, wo die Pipelines Nord Stream 1 und 2 durch offensichtliche Sabotage-Akte erstmal ausfallen, und mehr denn je für Europa keine verlässliche Lieferquelle mehr darstellen, wird die Nachfrage nach LNG noch weiter zunehmen. Deutschland wird in Windeseile die Anlandungskapazitäten von LNG an den eigenen Küsten ausbauen. Dafür sind mobile Regasifizierungseinheiten (FSRU) nötig – oder einfacher ausgedrückt schwimmende LNG-Terminals (hier dazu eine genauere Erläuterung). Denn der Bau von Anlagen an Land dauert. Über FSRU kann man LNG quasi sofort anlanden.

Über mobile LNG-Terminals Anlandekapazitäten schnell ausbauen

Der Vorgang läuft so: Gas wird zum Beispiel in den USA per Fracking aus dem Boden geholt, dann per Pipeline an die Küste gepumpt, unter anderem nach Texas oder Louisiana. Dort wird das Gas verflüssigt in das LNG. In dieser Form kann eine deutlich größere Gasmenge über Tanker transportiert werden. Kommen die Tanker dann zum Beispiel am Bestimmungsziel Deutschland an, muss es wieder regasifiziert werden, also von LNG zurück in seinen normalen Zustand. Dann kann es in das europäische Pipeline-System eingespeist werden, um dann an Stadtwerke oder Speichereinrichtungen gepumpt zu werden.

Die FSRU werden derzeit dringend benötigt, um kurzfristig die Anlandungskapazitäten von LNG gerade in Europa zu erhöhen. Und was bedeutet das für den Preis? Wenn das angebotene Produkt (FSRU) nur in einer bestimmten Anzahl vorhanden ist, aber die Nachfrage plötzlich schnell ansteigt, geht der Preis durch die Decke. Und genau diese Entwicklung kann man aktuell beobachten.

Die sich verschärfende Energiekrise in Europa führt zu einem Mangel an schwimmenden Flüssiggas-Terminals (LNG-Terminals), wodurch sich die Mietpreise für die Spezialtanker verdoppelt haben, so berichtet es aktuell Bloomberg. Die Nachfrage nach LNG-Importen wird sich noch verstärken, nachdem die Brüche im wichtigen Nord-Stream-Pipelinesystem jede Aussicht auf eine Wiederaufnahme der russischen Gasversorgung zunichte gemacht haben. Die europäischen Länder greifen zunehmend auf die schwimmenden Speicher- und Regasifizierungseinheiten (FSRU) zurück, bei denen es sich im Wesentlichen um mobile Terminals handelt, die den supergekühlten Brennstoff entladen und in die landseitigen Netze einspeisen.

Defizit bei schwimmenden LNG-Terminals – Preise steigen kräftig

„Letztes Jahr gab es einen Überschuss an FSRUs und dieses Jahr gibt es ein Defizit“, sagt Per Christian Fett, globaler Leiter der LNG-Abteilung beim Schiffsmakler Fearnley LNG in Oslo. „Bis jetzt gab es genügend Schiffe auf dem Markt, aber da die meisten jetzt schon vergeben sind, wird es schwieriger“.
Laut Kaushal Ramesh, einem leitenden Analysten des Beratungsunternehmens Rystad Energy, sind weltweit 48 schwimmende LNG-Terminals oder FSRU in Betrieb, von denen bis auf sechs alle in Laufzeitcharterverträgen gebunden sind. Da das Angebot an Schiffen so knapp ist, haben sich die Kosten für die jüngste Vercharterung nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahr auf 200.000 US-Dollar pro Tag verdoppelt.

Goldene Zeiten für Verleiher von FSRU

Das ist weit entfernt von dem, was noch vor einem Jahr üblich war, als FSRU-Eigner „jeden Charter genommen hätten, den sie bekommen konnten“, so Ramesh. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass sich die Knappheit entspannt. Die Werften sind voll ausgelastet, und selbst die Umrüstung vorhandener Schiffe dauert mindestens drei Jahre, so Ramesh. Bei einem FSRU-Neubau kann die Wartezeit länger sein.

Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine zwingen die hohen Energiepreise die Regierungen dazu, den Einsatz von FSRU zu beschleunigen, da diese schneller zu errichten und viel billiger sind als eine Regasifizierungsanlage an Land. Länder von Deutschland bis Italien und Finnland haben sich schwimmende Terminals gesichert, und die Niederlande haben im vergangenen Monat mit dem Import von LNG aus zwei neuen FSRUs begonnen.

Hohe Nachfrage

Das texanische Unternehmen Excelerate Energy Inc. wird in den nächsten 16 Monaten drei FSRUs nach Europa schicken. Die Schiffe haben zusammen eine Durchsatzkapazität von 15 Milliarden Kubikmetern Gas, was etwa 10 % der Pipeline- und LNG-Importe aus Russland im Jahr 2021 entspricht, so das Unternehmen.

Doch die Nachfrage nach den Terminals ist in Europa so groß, dass es für Schwellenländer weniger erschwinglich sein könnte, FSRUs für ihren eigenen Bedarf zu nutzen. „Das Risiko ist real, dass nicht ausgelastete Anlagen in anderen Regionen der Welt nach Europa verlegt werden könnten, wenn die bestehenden Charterbedingungen dies zulassen“, so Ramesh. „Sowohl FSRUs als auch LNG sind sehr gefragt“, so Fett von Fearnly. „Europa beschafft FSRUs und versucht, sich Ladungen zu sichern, während andere Länder dies teuer finden. Es handelt sich um eine Kombination aus hohen LNG-Preisen und der Schwierigkeit, eine Infrastruktur zu finden.

FMW/Bloomberg



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4 Kommentare

  1. Bericht der BILD
    Aktuell weiß die Regierung nicht über den Status der Gsspeicherung bescheid und damit auch nicht wie viel Gas im Winter zur Verfügung steht. Sie tappt anscheinend im Dunkeln

    „Kenntnisse darüber, wohin das einzelne eingelagerte Gas fließt, liegen der Bundesregierung nicht vor.“

    Die Bundesnetzagentur betonte daraufhin:
    „Das gespeicherte Gas ist in weiten Teilen Eigentum von Gashändlern und -lieferanten, die häufig europaweit agieren.“

    Tja woher soll´s auch kommen :
    Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck betonte bereits in der Vergangenheit, dass er zu wenig Wissen über den deutschen Energiemarkt habe.

    1. Ha,ha ich sags doch, der Ami hat seine Pforten überall drin und statt Solidarität gibt’s die fette Rechnung. 200.000 pro Tag mal 16 Monate x 3….Klassedeal für Texas.

  2. Und wenn dann das sehr teuer am Weltmark eingekaufte LNG-Gas, durch die angemieteten LNG-Terminals in die deutschen Gasspeicher gelangt, dann kann es sein, dass es an Nachbarländer verkauft wird.
    Wieviel eigentlich?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Keine Angst Helmut, das Gas bleibt im Blödland. Kein anderer Staat in der EU wird nämlich die Preise für das teure Lagergas zahlen können und wollen. Die deutschen Importeure/Lagerbetreiber haben jeden Preis bezahlen müssen (Anweisung aus dem Ministerium) für alles was sie bekommen konnten. Jetzt müssen diese Betreiber gerettet werden, das war der Deal. Nun gehen Blödland die Mittel aus und man spekuliert auf noch höhere Preise. Das geht aber in die Hose, weil günstigere Lieferungen bereits anlanden.

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