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Shanghai Lockdown: Chinas Machthaber extrem nervös – „antichinesische Kräfte“

Die 25-Millionenstadt Shanghai ist im Lockdown - und die Machthaber in China werden immer dünnhäutiger

Shanghai Lockdown China

Die 25-Millionenstadt Shanghai ist im Lockdown – und die Machthaber in China werden immer dünnhäutiger. Was dieser Lockdown in der Realität bedeutet, zeigen viele viral gehende Videos: Menschen, die in einen Supermarkt eindringen wollen und rufen: „wir verhungern“. Drohnen, die die Menschen in Wohnblocks zur Odnung rufen, weil diese ihre Wut und auch ihre Nöte aus den Fenstern schreien (siehe dazu hier).

Shanghai Lockdown: Chinas Führung reagiert auf Kritik dünnhäutig

In der Praxis ist die Versorgung der in ihren Wohnungen eingeschlossenen 25 Millionen Bewohner von Shanghai natürlich eine ungeheure logistische Herausforderung, keine Frage. Trotz Lockdown liegen die täglichen Infektions-Zahlen in der chineischen Wirtschaftsmetropole nach wie vor über 20.000 Infizierten pro Tag. Zwar hat die Lokalverwaltung in Shanghai die Maßnahmen etwas gelockert – etwa wenn in Wohnblocks kein einziger positiv auf Corona getestet wurde. Die Stadt hat daher einen 3-Stufenplan entwickelt – aber in der Praxis bringt das wenig für die allermeisten Bewohner der Stadt, wie ein Kommentar eines in Shanghai lebenden Deutschen auf den Punkt bringt:

„Der 3-Stufenplan ist nichts wert, fast alle Compounds sind weiterhin für mindestens 14 Tage geschlossen, es funktioniert nichts mehr. Ich selber lebe im Zentrum Shanghai’s und wir kommen weiterhin nicht an Essen oder Trinkwasser. Dazu kommt, dass sich Nahrungsmittel, wenn man sie denn bekommt, teilweise im Preis verzehnfacht haben. Die Verwaltungen sind komplett überfordert und führen nach alter Apparatschik-Manier nur „hirnlose“ Anweisungen aus. Shanghai wird noch mindestens bis Ende April überwiegend im Lockdown verbleiben. Ein absolutes Trauerspiel!“

Am 8.April hat die Europäische Handelskammer in China einen offenen Brief an den Vize-Premier des Landes (Hu Chunhua) geschrieben. Nach einer sehr höflichen Einleitung und viel Lob für die Regierenden schlägt dieser von Jörg Wuttke verfaßte Brief vor, sich an den in Singapur getroffenen Maßnahmen zu orientieren:

„The European Chamber therefore respectfully recommends revisions to the current epidemic prevention measures, to bring them in line with the successful model that has been adopted in Singapore, which has allowed the country to simultaneously prioritise protection for all its citizens and economic growth“.

Wuttke schlägt also einen Mittelweg vor nach dem Muster Singapurs, weil die derzeitigen Maßnahmen zu massiven wirtschaftlichen Problemen für deutsche udn westluche Frimen verursachen würden.

Aber die Herrschenden in China sind dünnhäutig – und so holt die Regierungs-nahe „Golbal Times“ zu einem Gegenschlag aus und bezeichnet diese doch sehr vosichtig, höflich und sachlich vorgetragene Kritik als „anti-chinesische Kräfte“, erklärt also de facto Jörg Wuttke also zum Staatsfeind:

„But these anti-China forces in the West completely ignore the fact that China has avoided serious loss of life and mounted the most impressive economic recovery among major economies from the pandemic, because they are blinded by their bias toward China and has only focused on the most extreme situations in the country’s broader fight against the virus and to keep ensure steady economic development (..)

What’s puzzling is that why at this time Western forces are stepping up their smearing campaign against Shanghai’s battle against the virus. Maybe this has much to do with the fact that many Western countries have essentially surrendered to the virus, no matter what nice names they call it.“

Während die weisen Machthaber Chinas also um das Leben ihrer Bürger besorgt seien, habe der Westen keinerlei Recht, die Maßnahmen zu kritisieren, weil der „track record“ der westlichen Länder alles andere als beeindruckend sei, so also die Global Times.

Was sich vor dem Lockdown in Shanghai wirklich abgespielt hat

Was aber hat sich vor dem Beschluss, die Metropole Shanghai in den Lockdown wirklich abgespielt? Hier ein in Shanghai lebender Beobachter, der unter einem Pseudonym (aus berechtigert Furcht vor Repressalien) die Entwicklung so darstellt:

„Besonders der Lockdown in Shanghai ist ein Vertrauensverlust. Bis Samstagabend trat die Stadtverwaltung von Shanghai Gerüchten über einen Lockdown immer wieder entgegen. Zuletzt mit einer langen Erklärung, warum Shanghai nicht in den Lockdown gehen könne: Weil Shanghai ein wichtiger Wirtschaftsstandort sei. Weil Shanghai Chinas Finanzplatz sei. Weil China Sitz vieler internationaler Firmen sei. Am Sonntagmorgen hing schon der Schleier des kommenden Lockdowns über der Stadt, der dann mittags verkündet wurde. Danach brach das Chaos aus: Die Supermärkte, convenience stores und Märkte wurden gestürmt und alles gekauft. Pudong traf es dann gleich am Sonntag, in Puxi hatten die Menschen noch Zeit bis Donnerstag, sich vorzubereiten. Es ist ein Vertrauensverlust, denn der Lockdown sollte nach vier Tagen beendet werden.

Vorausgegangen war offenbar ein Machtkampf zwischen dem Shanghaier Bürgermeister Gong Zheng, der 2020 das Amt auf Geheiß von Xi Jinping vom – von der Shanghaier Bevölkerung ungeliebten – Ying Yong übernahm, der als Parteisekretär nach Hubei weggelobt wurde, und dem Vizepremierminister Sun Chunlan. Sun forderte dem Vernehmen nach schon länger einen Lockdown. Am Sonntag gewann er den Machtkampf.“

Die eingesperrten Menschen jedenfalls werden diesen Zickzack-Kurs der Herrschenden nicht vergessen – die Autorität des angeblich unendlich weisen Führers Xi Jinping hat durch diesen Vertrauensverlust erheblich Schaden genommen!



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3 Kommentare

  1. Wie schon mal erwähnt: Da hat sich die Führung in Peking in einen klassischen Dead Lock begeben. Soviel zu der Behauptung das die Führung dort immer alles voll unter Kontrolle hat. Abgesehen davon das das in einer komplexen Welt und einem Land mit 1,4 Mrd. Bewohnern eh nicht funktioniert. Auch wenn Klaus und seine Freunde das hoffen. Mann nennt das übrigens Kontrollfiktion. Ist auch unter Börsianern sehr verbreitet.

    1. Kontrollfiktion ist auch unter Notenbankern sehr verbreitet. Teilweise auch bei Chefs von deutschen Wirtschaftsinstituten.

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