Folgen Sie uns

Indizes

Spannung vor den BIP-Zahlen Deutschlands für das vierte Quartal 2018 am Donnerstag – drunter oder drüber? Ein etwas „gewagte“ Analyse

Warum fällt der Dax angesichts des sich immer weiter eintrübenden Umfelds nicht weiter?

Avatar

Veröffentlicht

am

Im Januar 2018 hatte es geheißen: Der Aufschwung vollzieht sich weltweit synchron, ein Jahr später spricht man von einem gleichzeitigen, globalen Abschwung, mit Ausnahme der USA (noch, denn die billionenschwere Steuerreform hält Konsumenten und Arbeitsmarkt bei Laune).

Die große Sorge betrifft den Wachstumstreiber des letzten Jahrzehnts – China und im Schlepptau Deutschland, der Exportnation schlechthin. Chinas Frühindikatoren sind unter die Wachstumsschwelle von 50 gefallen, Deutschland kämpft mit dieser Marke. In der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts geht es seit einiger Zeit abwärts, Q3 (2018) brachte mit -0,2% eine negative Wachstumsrate und morgen bekommen wir die offiziellen Zahlen für Q4 – positiv oder negativ? Der deutsche Aktienindex ist 2018 mit minus 24,5% in den Bärenmarkt abgetaucht, der Frühindikator für die Wirtschaft, was könnte dies für 2019 bedeuten? Eine kleine historische Spurensuche.

 

Deutschlands Bärenmärkte

 

Seit 1960 sind die Kurse im deutschen Leitindex, den es als Dax erst gut 30 Jahre gibt, 14 Mal über 20% gefallen, der durchschnittliche Verlust betrug  37%, das Maximum von 2000 bis 2003 jedoch unglaubliche 72,7%. Die durchschnittliche Dauer des Bärenmarktes hingegen betrug nur 16 Monate. Betrachtet man das zyklische Hoch in diesem Aufschwung, so datiert dies bereits auf den 23. Januar 2018, also schon fast vor 13 Monaten (13559 Punkte). Im Gegensatz zu den USA handelt es sich in Deutschland nicht um einen 10-jährigem Bullenmarkt, denn der Dax durchlief bereits zwei heftige Bärenmärkte (2011 -32,6% und 2015/16 -30%).

 

Wie sind die Aussichten für 2019?

Angesichts der Frühindikatoren (Ifo), der Industriedaten für Januar, insbesondere der Automobilzahlen im Januar, muss man von einer weiteren Schrumpfung der Konjunktur ausgehen, zumal Deutschlands Hauptmarkt, die EU, auch ganz schwache Wachstumsdaten aufweist.

Warum also fällt der Dax angesichts des sich immer weiter eintrübenden Umfelds nicht weiter? Vielleicht, weil der Dax der früheste aller Frühindikatoren ist und, so wie es aussieht, eine Erholung der deutschen Wirtschaft im zweiten Halbjahr einpreist. So unlogisch wie es für unser logisch-lineares Denken auch sein mag, gilt zumeist: Wenn die Rezession durch die offiziellen Stellen bekanntgegeben wird, ist es mit dem großen Kurssturz schon vorbei.

 

Wo liegen die großen Fallstricke?

 

Diese Indikation des Dax würde Makulatur, wenn die Weltwirtschaft sich in Richtung Rezession weiter abschwächen würde. Folgende Faktoren sind aus meiner Sicht unabdingbar, damit der Index recht behält:

  • Kein weiterer stärkerer Einbruch in China
  • Keine Eskalation im Handelsstreit mit höheren Zöllen
  • Kein harter Brexit
  • Keine Rezession in den USA in naher Zukunft
  • Kein Aufflammen einer EU-Krise und das Wichtigste
  • Keine weiteren stärkeren Zinsanhebungen 2019 durch die Fed, inklusive Tapering, im Rest der Welt „wait and see“

 

Auch wenn ich noch davon ausgehe, dass der Dax seine Tiefs von Dezember von 10300 Punkten noch einmal testet, bin ich nicht mehr davon überzeugt, dass in den Jahren 2019/2020 ein Kurseinbruch von 40/50% kommen wird, als Normalfall am Ende eines Zyklus.

Dafür gibt es ein paar Argumente.

Der Zinssatz der EZB lag vor den letzten schweren Kurseinbrüchen (2000 – bei 4,75%, 2008 – bei 4,25%, 2019 – bei 0%), zusätzlich gibt es für das Parken von Geld Strafzinsen. Wo sollen die milliardenschweren Kapitalsammelstellen beim Ausstieg aus den Aktienmärkten in Europa (mit Dividendenrenditen von bis zu 3%) ihre Kapitalverpflichtungen verdienen? Die Notenbanken haben wieder TINA (there is no alternative) aktiviert.

Wichtigstes Argument. Donald Trump wird alles daran setzen, dass in den USA vor „seiner Wahl“ keine Rezession auftritt. Koste es was es wolle, auch wenn er seine „Schwiegermutter verkaufen muss“, umgangssprachlich ausgedrückt (die arme Frau Knavs aus Slowenien).

Alles in allem, eine gewagte Prognose, die notwendige Bereinigung muss in einer Marktwirtschaft kommen, aber hat nicht auch der von mir sehr geschätzte Ökonom Dr. Krall eine heftige Rezession für die Jahre 2021 ff prognostiziert?

 

Kurzfristig:

Die Märkte spekulieren seit Wochen auf einen Kompromiss im Handelsstreit , wenn er kommt, könnte es heißen: „sell the facts“.

 

Von I, Manfred Heyde, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2439055

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Columbo

    13. Februar 2019 10:26 at 10:26

    @Wolfgang, sehr ausgewogene Analyse!
    Von den Punkten, die Sie anführen, werden Handelsstreit und Brexit wahrscheinlich nicht dramatisch werden.
    Gefährlich ist in meinen Augen ein Aufflammen der EU-Krise. Markus Krall sieht nicht nur eine Rezession 2021, sondern, schlimmer, eine schwere Bankenkrise im Euroraum, die jederzeit ausbrechen kann.

    Gruß

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Rüdiger Born: Aktuelle Lage und Chancen bei Dax und Dow

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Im folgenden Video bespreche ich direkt am Chart die aktuelle Lage bei Dax und Dow Jones, und welche Chancen für Trader vorhanden sind.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Nicht Fisch, nicht Fleisch!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Das Bild zur Börseneröffnung wirkt uneinheitlich. Die soeben veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind auch Thema, vor allem aber die steigenden Corona-Zahlen in Europa.

weiterlesen

Aktien

Optionen: Experte Jens Rabe erklärt, wie sie funktionieren!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Optionen sind in den letzten Monaten immer wichtiger geworden für das Geschehen an den Aktienmärkten – das gilt ganz besonders für die Kursentwicklung einzelner Aktien wie etwa Apple, Amazon oder Tesla. Vor allem Wetten auf steigende Kurse (Calls) sorgten für einen Höhenflug der US-Tech-Werte: Broker, die diese Optionen an Kunden verkauften, mussten das entsprechende underlying (also etwa die Aktie von Apple etc.) kaufen, um sich gegen eigene Risiken abzusichern – so konnte aus meist eher kleinvolumigen Käufen schnell eine Hebelwirkung entstehen, die für eine spektakuläre Rally der US-Tech-Werte und des Nasdaq sorgte. Es sind dabei in den USA vor allem (kleine) Privatinvestoren, die mit Optionen massiv auf steigende Kurse zocken.

Folgenes Schaubild zeigt, wie aus einem Kauf von Optionen (Calls) auf die Amazon-Aktie im Volumen von 1500 Dollar letztlich Käufe der Amazon-Aktie von 230.000 Dollar resultieren:

Optionen und die Rally von US-Tech-Aktien

Optionen – wie funktionieren sie?

Optionen – das ist zunächst zentral – haben nichts mit den in Deutschland sehr beliebten Optionsscheinen zu tun. Optionsscheine wie auch CFDs sind in den USA verboten, daher greifen Spekulanten in Übersee neben Futures, ETFs und dem direkten Investment in Aktien verstärkt auf Optionen zurück. Wer verstehen will, was an der Wall Street wirklich gespielt wird, sollte sich daher mit Optionen und ihrer Handhabung beschäftigen!

Dafür jedoch braucht man ein gewisses know-how. Vor allem sollte man wissen, dass die Volatilität eine zentrale Rolle spielt, inbesondere die „implizite Volatilität„:

„Während die historische Volatilität die Schwankungsbreite eines Wertpapiers oder Rohstoffs in der Vergangenheit angibt, ist die implizite Volatilität ein Maßstab für die Markterwartungen an die künftige Volatilität.“

Daneben gibt es Begriffe wie „im Geld“ oder „aus dem Geld“. Dirk Schuhmanns hat dieses Prinzip als ein maßgeblichen und wahrscheinlich bewußt inszentierten Treiber etwa für den Höhenflug der Aktie von Tesla ausgemacht – und zeigt, wie oben im Schaubild anhand der Amazon-Aktie dargestellt, wie das in der Praxis funktioniert:

„Das Prinzip dahinter ist, Call-Optionen kurzer Laufzeit relativ weit aus dem Geld zu kaufen, also mit Ausübungspreisen oberhalb des aktuellen Kurses. Diese Optionen sind günstig und der Optionsverkäufer muss nur wenige Aktien kaufen, um sein Risiko abzusichern. Jetzt braucht es noch eine Zündung des Gemisches. Irgendetwas muss dafür sorgen, dass der Aktienkurs überhaupt erst einmal zu steigen beginnt. (..) Doch wenn der Aktienkurs steigt und sich dem Ausübungspreis der gekauften Optionen nähert, müssen die Market Maker als Verkäufer der Optionen immer mehr Aktien nachkaufen, um ihr steigendes Risiko zu kompensieren. So kann sich eine Absicherungsposition schnell von drei Aktien pro Optionskontrakt auf 80 oder 90 steigern, während der Optionskäufer vielleicht nur den Gegenwert von fünf Aktien investieren musste. Diese zusätzliche Hedging-Nachfrage ist es dann, die den Kurs antreibt. Der Optionskäufer wiederrum kann durch kontinuierliche Nachkäufe neuer Optionen mit höherem Strike dieses Spiel am Laufen halten.“

Wer mehr über Optionen wissen will, ist bei Jens Rabe auf jeden Fall an der richtigen Adresse. In folgendem Video erklärt er Grundprinzipien der Optionen:

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen