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Steht Europa vor japanischen Verhältnissen? Ein Vergleich nach der gestrigen Zinsentscheidung der EZB

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Entwicklungen in der EU und Japan..

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Zehn Jahre nach der Finanzkrise und dem Kurstief an vielen Aktienbörsen sah EZB-Chef am Mittwoch mehr Risiken für die europäische Wirtschaft als in vielen Jahren zuvor. Die Aktienkurse (z.B. der Dax) haben sich zwar verdreifacht, die Zinsen stehen aber immer noch auf absolutem Krisenniveau, es gilt immer noch Draghis „Whatever it takes“. Bekommen wir damit japanische Verhältnisse? Auch wenn es große Unterschiede in vielerlei Hinsicht gibt, zeigen sich doch einige Parallelen.

 

Wachstum, Inflation, Zinsen

Japans Wirtschaft wuchs im Jahr 2018 um 0,7%, Europa ist nach dem bisherigen Jahresverlauf auf dem besten Weg dorthin. Der Einlagesatz für die Banken liegt unverändert bei -0,1%, mit Freibeträgen, und damit ist Mario Draghi sogar noch unbarmherziger zu den Geldhäusern als die Japaner. Der Leitzins der BoJ steht seit drei Jahren unverändert bei -0,1%, nachdem er vorher acht Jahre lang bei +0.1% dahinvegetierte. Eine starke Ähnlichkeit mit Europa. Die japanische Inflationsrate senkte sich nach 1% im Gesamtjahr 2018 auf zuletzt 0,7%. Genau wie bei der EZB liegt das „inflation target“ aber bei 2%. Soviel zu den bisherigen Gemeinsamkeiten.

 

Schuldenlast und Notmaßnahmen der BoJ ängstigen

Während in Europa der Schuldenstand (EU 28) im Vergleich zum BIP bei 80% liegt, trotz der stark verschuldeten Südländer Griechenland, Italien und Portugal, bewegt sich diese Rate in Japan seit geraumer Zeit bei atemberaubenden 238%. Die Schulden befinden sich zwar in heimischen Händen, aber allein die Notenbank hat hiervon 40% der Anleihen in ihren Büchern. Aber nicht genug der Staatsfinanzierung. Mit der bewilligten Summe von 630 Milliarden Euro jährlich steuert die Zentralbank die Zinskurve, bei der die 10-jährige Staatsanleihe bei 0,0 Prozent gehalten werden soll.

Nicht zuletzt kauft die Notenbank auch japanische Aktien-ETFs. Hierfür stehen jährlich 6 Billionen Yen bzw. 46 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit hat die Bilanzsumme der BoJ inzwischen den Wert des nominalen japanischen Bruttoinlandsprodukt erreicht – in etwa 4,4 Billionen Euro.

Hoffentlich denkt Mario Draghi mit seinen zur Verfügung stehenden „Instrumenten“ nicht an derartige Dinge.

Das war ein kurzer Blick, isoliert auf die Finanzpolitik Japans, mit einigen Parallelen zu unserer Eurozone.

 

Fazit

Es bleibt zu hoffen, dass das bevölkerungsjüngere Europa nicht den Weg Japans einschlägt. Nicht nur, dass den Sparern dann die Phase einer ganzen Generation an Nullzinsen für ihre Spareinlagen bevorstünde, auch die Aktien-Performance wäre kein Szenario, welches irgendwelche Vorteile haben würde.

Der Nikkei 225 stand am 29.12.1989 bei 38915 Punkten und gestern nach gut 29 Jahren bei 21600 Punkten.

Aber: Vorausgegangen war in Japan eine bisher einmalige Immobilienbubble – die Immobilien in Japan wurden 1989 mit dem 4-fachen Wert des gesamten US-Marktes bepreist und dieser ist und war eine ganze Ecke größer. Allein um die Bewertung des Kaiserpalastes in Tokyo kursieren Legenden. Es war eine Bubble in historischen Dimensionen und das ist vielleicht der Trost für die Anleger im Noch-Draghi-Land.

 

Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko

Von State Department photo by William Ng / Public domainEast Asia and Pacific Media Hub – President Obama at the Welcome Ceremony in Japan | Flickr – Photo Sharing!, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32359800

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    11. April 2019 09:51 at 09:51

    Ist dem wirklich so? Ausgehend von der Bevölkerung welche etwa 2.5 mal kleiner ist als in den USA wäre der Immobilienmarkt also 8-9x über seinem Tasächlichen Wert gehandelt worden, unter der Voraussetzung das der Amerikanische Immobilienmarkt „fair“ also weder unter noch Überbewertet war zum Vergleichszeitpunkt.

    Ich glaube eines der grössten Probleme heute ist das ein Spiegel fehlt, da alle Schulden machen, würde man zB man Annehmen die schweizer hätten da nicht mitgemacht wo würde wohl der Euro Bzw der Dollar heute stehen zum Franken…..Was hätte das wohl für einen Einfluss auf Immobilienpreise und wie sind unsere Märkte den heute überhaupt Bewertet….günstig wohl au h nicht gerade…

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    Dr. Helmut Becker

    11. April 2019 10:13 at 10:13

    Lieber Herr Mueller, es lebt sich in Japan (ich wohne auf dem Land) fuer die Bewohner vor allem deshalb vorzueglich, weil die Gesellschaft nicht auf „Experimente“ wie in Deutschland
    abgerichtet ist und „Greta“ kein Mensch kennt. Ohne Frage tuermen sich riesige Probleme auf.
    Aber warum wird der Yen bei jeder internationalen Krise fester? Sie kennen doch die Antwort.
    Wenn nicht, dann verbreiten Sie bitte nicht Ihre Halbwahrheiten auf diesem Forum.
    Mit besten Gruessen aus Japan, Helmut Becker

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    Wolfgang M.

    11. April 2019 10:41 at 10:41

    Hallo Herr Dr. Becker.
    Habe ich behauptet, dass es sich in Japan nicht gut leben lässt? Ich habe nur auf den Kampf von Regierung und Notenbank hingewiesen, gegen Deflation und für Wachstum, unter Inkaufnahme gigantischer Staatsverschuldung. Also rein auf finanzpolitische Aspekte mit den ungewissen Folgen. Wieso sind die Zahlen über Wachstum, Zinsen und Staatsschulden Halbwahrheiten? Und glauben Sie, dass die Umweltproblematik für Japan sekundär ist?
    Viele Grüße

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    Marko

    11. April 2019 11:22 at 11:22

    Hallo Herr Müller,

    eins sollte schon gesagt sein : die EU, der EUR, die EZB wird, bei allem nötigen Respekt, unterschätzt.

    Klar war doch damals schon , dass für den EUR, die DM bzw. die Bundesbank in ihrer Politik das große Vorbild war und ist.

    Na klar kommen die Briten mit ihrer Brexit-Muppet-Show an, aber : sein wir doch mal ehrlich, was würde den Briten sogar ein „geregelter“ Brexit in unserer globalisierten Welt eigentlich „bringen“ : gar nix ?!?

    GB wäre dann ein Drittstaat, bei den EFTA-Staaten haben sie auch schon „gebettelt“, die EFTA-Statten sagten „NEIN“, weil mit der EU/Europa gäbe es dann früher oder später, sowieso „Stress“.

    So, Europa handelt eher rational, d.h. nicht Aktienmarkt-orientiert, unsere Banken zahlen an die EZB Negativ-Zinsen.

    Was doch klar sein sollte, die Amis sind da etwas „anders“, aber : Es kann und darf nicht sein, dass diese Schere zwischen den manipulierten Anleihemärkten und den Aktienmärkten da ist !

    Und da sind die südeuropäischen EU/EUR–Mitglieder wohl die Verlierer.

    Weil, diese Nullzinspolitik, hat mit der Konjunktur „NULL“ zu tun, NULL !

    Nach über 10 Jahren nach Lehman, muss die EZB reagieren, natürlich gemäßigt.

    Also : das Übliche : 0,25 % pro Quartal nach oben, mit den Zinsen.

    Deshalb, gerade wegen ihrer sehr defensiven Notenbankpolitik ist die EZB die mächtigste Notenbank der Welt.

    Und die FED musste auf die „Bremse treten“, weil die EZB „nix macht“.

    Solange die EZB „nix macht“, wird der Aktienmarkt, so gesehen, gar keinen 1929-was-weiß-ich-Crash sehen können ? Weil so was unlogisch ist.

    Diese Nullzinspolitik, von beiden Banken, war eine Reaktion auf das Lehman-Desaster. Sollte es zu einem Aktiencrash kommen, dann belasten die Banken Eurer Girokonto so um die MINUS 1-5 % ? Den Bufu locker auf über 200 Punkte, oder sogar 300 Punkte ?
    Das würden die Menschen mitmachen ?
    Dann hebe ich meine ganze „Kohle“ ab – „Bargeld lacht“, so einfach ist das.

    Das würde, so gesehen, das Ende der Finanzmarktwelt bedeuten ?

    Macht das aus der FinazmarktWelt-Sicht Sinn? Ich denke, eher nicht. Und die EZB spielt definitiv in einer anderen Liga als der 08/15 -YEN und von einer Immobilien-Blase ist in Europa, jedenfalls im Vergleich zu japanischen Verhältnissen nichts zu sehen.

    Wie gesagt, die Zinsen müssen rauf, damit Ihr, liebe Bären, eine realistische Chance auf irgendeinen Aktien-„Crash“ habt…

    Abwarten, und britischen Tee trinken… :D

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    Notenbank- Ungläubiger

    11. April 2019 11:57 at 11:57

    Nur keine Panik Herr Becker, es haben doch Beide Recht.
    Einige Bemerkungen meinerseits:
    – Ja die Greta kennt man wohl nicht, aber die Leute laufen in Tokio mit Mundmasken herum.
    – Der Yen ist neben dem Matterhorn Franken die beste Währung weil die Verschuldung im eigenen Land ist, d.h. Nettoverschuldung = Null
    – Das Beispiel Japan ,wie es Wolfgang M. immer wieder bringt sollte man allen Permabullen u. Notenbankgläubigern täglich einhämmern, als Beweis, dass jeder Boom, vor allem wenn er künstlich gepusht wird einmal endet, u. je grösser die Übertreibung desto grösser der Fall. ( Nikkei Fall über 80%)
    – Anderseits sind die Japaner realistischer u.haben nach dem Atom – Unfall nicht mit einem Schnellschuss die Energiewende ausgerufen wie andere Länder ,ohne Alternativen bereit zu haben. Das eigentliche Problem war ja der Tsunami mit den zu nahe am Meer gelegenen Atomkraftwerken.

    • Avatar

      BrettonWood

      11. April 2019 12:04 at 12:04

      Das ist Ansichtsache ob die Schulden bei Matterhorn Franken wirklich im Inland sind, der Grossteil ist in Fremdwährungen und zusätzlich im Aktien und Anleihemarkt. Die Nationalbank der Schweoz hat mehr Facebook Aktien als Mark Zuckerberg….

      Natürlich werden die Entsprechenden Schuldtitel gehalten weder das Geld ist aber im Inland noch in der eigenen Währung….

      Die Nettoverschuldung ist daher abhängig von der Kursentwicklung und als solch grosse Eigner kann man gar ni ht mehr deinvestieren ohne das es zu erhebmichen Bewegungen kommt….die Nettoverschuldung mit 0 zu bezeichnen ist daher gewagt…

  6. Avatar

    frank

    11. April 2019 13:08 at 13:08

    was wäre an den japanischen Verhältnissen denn so schlimm? Japan ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt und hat in allen Bereichen Stabilität. Es ist das Land mit der geringsten Armut, einem Wohlstand für alle und geringen sozialen Spannungen. Seit 40 Jahren wird vor „Japanischen Verhältnissen“ gewarnt, gefährlich seien vor allem die hohe Staatsverschuldung und die niedrigen Zinsen, aber Japan fährt genau mit diesem Modell hervorragend seit 40 Jahren. Deshalb sage ich Japanische Verhältnisse – ja bitte!

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    Dünnfisch

    11. April 2019 13:30 at 13:30

    @Bretton-.Wood, Sie haben Recht ,ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die MatterhornNotenbank ein riesiges Risiko hat als stark gehobelter Anleger. Die These von vielen Gurus, dass man eine Baisse einfach ausstehen soll, geht bei selbstgedrucktem Geld nicht. Das Team ist bei wichtigen Entscheiden rund um die Uhr präsent um die Buchgewinne zu schützen.Entweder sie müssen absichern oder verkaufen, denn nur schon ein Börsenfall von 20 bis 30% würde das ganze Eigenkapital vernichten. Gemäss Zeitungsberichten hatte die SNB immerhin ein gutes Näschen u.hat im August 2018 einen Teil FANG Aktien glattgestellt. Ob dieser Dickfisch sogar einer der Gründe für die spätere Korrektur war, ist nicht auszuschliessen. Immerhin ist der Vorgänger des SNB Chefs nun in führender Position bei den Bläckröcklern. Könnte ja sein ,dass die DICKFISCHE neben dem Golfspielen hie u.da Zeit haben um Strategien auszuhecken.

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Nasdaq: Ist eine Korrektur der Tech-Werte unausweichlich?

Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird?

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Die US-Wahlen stehen in Kürze an, viele Marktteilnehmer sinnieren über mögliche Folgen für die US-Wirtschaft, aber auch für die Aktienmärkte –  vor allem dürften die heiß gelaufenen Titel aus dem Nasdaq im Fokus stehen. Seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 haben sich die Werte im Nasdaq 100 mehr als verzehnfacht. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Investoren nicht mehr an die Fortsetzung der Wachstumsstory, zumindest mit dieser Geschwindigkeit, glauben.

Nasdaq: Microsoft machte den Auftakt

Die Zahlen des Software-Konzerns, die dieser am Dienstag nachbörslich bekanntgab, lagen über den Erwartungen: 30 Prozent plus bei Umsatz, 12 Prozent bei, Gewinn, die Corona-Pandemie hat die Geschäfte des Konzerns weiter beflügelt. Der Ausblick wurde hingegen mit einem Umsatzanstieg von etwa acht Prozent (ca. 40 Milliarden Dollar) taxiert, was das Problem der Highflyer, nicht nur von Microsoft, verdeutlicht: In diesem Jahr ist der Börsenwert des Konzerns bereits um ein Drittel auf 1,6 Billionen Dollar gestiegen. Die Aktie verlor nachbörslich trotz der guten Zahlen um 1,5 Prozent.

Am Mittwoch war der Wert mit minus fünf Prozent sogar der schwächste Wert im Dow Jones.

Am heutigen Donnerstag veröffentlichen die Schwergewichte im Nasdaq Apple, Amazon, Alphabet und Facebook ihre Quartalszahlen, mit den Ausblicken auf die nahe Zukunft. In jedem Fall werden die Zahlen ein Fingerzeig für das Kommende nach einer überragenden Entwicklung, nicht nur in der jüngsten Vergangenheit.

Die Entwicklung des Nasdaq ist nicht fortsetzbar

Man muss sich nur die Entwicklung der Aktienmärkte und beaonders der Aktien im Nasdaq seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 zu betrachten:

Nasdaq Composite plus 895 Prozent
Nasdaq 100 plus 1102 Prozent
S&P 500 plus 497 Prozent
Dax plus 328 Prozent (Kurse vom 28.10. zur Mittagszeit)

Durch das Gewicht der FANGMAN-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google, Microsoft, Apple, Nvidia) in den großen Indizes hat sich das Kurs/Gewinn-Verhältnis des MSCI World Growth nach oben geschaukelt. Mittlerweile ist es fast doppelt so hoch wie das des MSCI World Value, eine extreme Divergenz, die es nur während der Internet-Bubble um die Jahrtausendwende gegeben hat.

Klar ist die aktuelle Pandemie eine Phase, die die neuen Technologien und damit die Aktien im Nasdaq anfeuert und begünstigt, die digitale Welt inmitten des Social Distancings.

Kursgewinne locken aber seit jeher Anleger in einen Sektor, Euphorie entsteht, da leichtes Geld über einen längeren Zeitraum erzielt werden kann – die Hausse nährt die Hausse. Das Wachstum ist irgendwann satt eingepreist, gerade im Bereich der Growth-Titel hatten wir so etwas fast in einem jeden Jahrzehnt.

Das Beste ist eingepreist

Aber: Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird? Obwohl das Kurs-Buch-Verhältnis auf über acht gestiegen ist und die Kurse den Unternehmensgewinnen allein im letzten Jahr um etwa 50 Prozent davongelaufen sind? Die besseren Wachstumsaussichten der Hightech-Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Kursen enthalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der FAANG-Aktien betrug vor Kurzem etwa 61, damit hat es das Dreifache des KGVs des Gesamtmarktes erreicht. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firmen in Zukunft dreimal so gute Geschäftszahlen bringen müssen, als der Gesamtmarkt, um nur die Bewertung zu erhalten. Sollte dies nicht geschehen, wäre eine Korrektur des Nasdaq unausweichlich.

Ist Microsoft, zweifelsohne ein Konzern mit einer Ausnahmestellung, nicht ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl? Heute kommen vier der ganz Großen im Nasdaq mit ihren Zahlen – vor allem Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt.

Vor gut zwei Wochen habe ich die Divergenz zwischen Börsen- und Geschäftsentwicklung bei Apple schon einmal so skizziert:

Das Technologieunternehmen mit seinen 157.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 260 Milliarden Dollar (2019) hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt und einen Börsenwert von über zwei Billionen Dollar erreicht. Soll sich dieses nur annähernd so fortsetzen mit einer weiteren Verdoppelung? Bei vier Billionen Dollar hätte man eine höhere Bewertung als die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, Deutschland, mit ihren über 44 Millionen Arbeitnehmern und Hunderten börsennotierten Unternehmen und Famillienunternehmen, in denen sich wiederum hunderte Weltmarktführer aus verschiedenen Branchen tummeln. Ehrlich gesagt, kaum vorstellbar.

Aber, um noch einmal auf den Nasdaq zurückzukommen: Im Verlauf der Internet-Bubble war der Technologieindex am 10. März 2000 bis auf 5048 Punkte gestiegen, um dann bis zum 8. Oktober 2002 bis auf 1114 Punkte zu korrigieren. Growth und Value hatte sich wieder angenähert. Klar waren die Werte damals extrem überspekuliert und bei vielen Titeln ohne Substanz. Aber die aktuelle Hausse des Nasdaq und des Nasdaq 100 mit einer groben Verzehnfachung binnen eines guten Jahrzehnts ist fundamental aus dem Ruder gelaufen.

Die Kursentwicklung des Nasdaq während der Internet-Bubble:

Die Performance des Nasdaq

Die Quartalssaison Q3 und die Reaktion der Märkte

Die heutige Situation hat es in sich. Unmittelbar vor einer ziemlich entscheidenden US-Wahl geraten die Weltbörsen ins Straucheln, dennoch erleben wir bisher eine Berichtssaison, die überaus überraschende Ergebnisse liefert: Bislang übertrafen die Unternehmen um etwa 85 Prozent die Unternehmenserwartungen, selbst die Ausblicke auf Q4 wurden bisher fast bei einem Fünftel der Unternehmen angehoben. Dennoch werden die Ergebnisse nicht honoriert und selbst bei Microsoft hatte man ein Sell on good News praktiziert.

Werden Apple und Amazon heute einen Umschwung einleiten können?

Das Hard- und Softwareunternehmen aus Cupertino, welches erst kürzlich die neue Smartphone-Generation im 5G-Netz präsentiert hat und Amazon, das jetzt vor dem Weihnachtsgeschäft sogar 100.000 Saisonarbeiter in den USA und Kanada eingestellt hat, um im Bereich der Logistik das erwartete Online-Bestellaufkommen zu bewältigen. Kann diese Entwicklung in Zukunft fortgesetzt werden? Darum geht es.

Fazit

Es ist sicherlich kein Muss für die allernächste Zeit, aber wie es die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, ein sich immer wiederkehrender Vorgang an den Finanzmärkten – Mean Reversion, Regression zum Mittelwert, wie immer man es auch bezeichnen will. Exponentielles Wachstum, egal in welcher Branche, ist nicht aufrechtzuerhalten. Der Technologieindex Nasdaq 100 hat sich von Ende 2018 bis September 2020 mehr als verdoppelt, dies ist nur dann haltbar, wenn die entsprechenden Unternehmensgewinne steigen oder die Zahl der Aktien, durch „Buybacks“ entsprechend reduziert werden. Ist dies nicht der Fall, so kommt es irgendwann zur Angleichung von Wachstum und Kursentwicklung – auch wenn es im Zeitalter der finanziellen Repression, inklusive TINA, etwas länger dauert, es wird kommen.

Bei Einzelaktien dauert es mitunter noch etwas länger, vor allem wenn ein Unternehmenschef „magische“ Fähigkeiten besitzt.

Ist die glorreiche Zeit des Nasdaq schon vorbei?

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Finanznews

Dax & Co: Abverkauf – aber Erholung am Super-Donnerstag? Videoausblick

Markus Fugmann

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Der Dax gestern mit dem größten Verlust seit März, die Indizes an der Wall Street mehr als drei Prozent im Minus. Treiber des Abverkaufs vor allem beim Dax war der „differenzierte Lockdown“. Was aber passiert heute, am „Super-Donnerstag“? Denn heute stehen nicht nur wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda (US-BIP, US-Ertsanträge), sondern auch die Zahlen der vier Tech-Giganten Apple, Amazon, Alphabet und Facebook mit einer Marktkapitalisierung von mehr als fünf Billionen Dollar. Dazu dann noch die EZB-Sitzung (von der allerdings heute nur Verbal-Rhetorik zu erwarten ist). So oder so: was wir derzeit sehen unmittelbar vor der US-Wahl ist ziemlich unegwöhnlich – hat Trump gestern gewissermaßen die Wahl verloren?

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Indizes

DAX daily: Dax-Absturz – Fortsetzung oder folgt die Gegenbewegung?

Stefan Jäger

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Die nächste Ausverkaufswelle hat den Dax im gestrigen Handel massiv getroffen. Aus der anfänglichen Nervosität hat sich mittlerweile eine erste Panik entwickelt. Infolgedessen fiel der Dax wie ein Stein und musste erneut kräftige Verluste von über 4 % hinnehmen. Im Handelsverlauf rutschte der Index bis auf ein Tagestief bei 11.457 ab, damit notiert er wieder auf dem Niveau von Ende Mai. Das Tageshoch lag zuvor noch bei 11.852 Punkten. Den Handelstag hat der deutsche Leitindex schließlich mit einem Abschlag von 503 Punkten (-4,17 %) bei 11.560 beendet. Seit dem September-Hoch bei 13.460 bis zum gestrigen Tief ging es somit schon 2.000 Punkte (ca. 15%) abwärts.

Im Tageschart hat der Dax gestern das 38,2 % Retracement (11.474) der gesamten Erholung vom März-Tief zum September-Hoch erreicht. Dieser Bereich könnte den Abverkauf abfedern, wodurch die Möglichkeit einer Stabilisierung im Dax besteht. Nachdem der Index in den letzten Tagen wie ein Stein gefallen ist, wäre es nicht untypisch, wenn sich eine Zwischenerholung einstellt. Das ist aber kein Muss, es kann auch noch weiter runter gehen. Eine entscheidende Rolle spielen die Quartalszahlen der FAANG-Aktien, die heute nachbörslich veröffentlicht werden.

News und fundamentale Daten

Es hatte sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet, dass Frau Merkel und die Länder-Chefs weitere Restriktionen einführen könnten. Am Mittwochnachmittag bestätigten sich letztendlich die Befürchtungen der Anleger, denn der Bund beschließt einen Lockdown (light), der ab dem 2. November in Kraft tritt. Dadurch dürften sich die Wirtschaftsdaten und die Geschäftsaussichten in manchen Branchen deutlich eintrüben. Folglich wird das in die Dax-Kurse eingepreist.

Heute gibt es die volle Palette an Konjunkturdaten und Bilanzberichten. Los geht es um 9:55 Uhr mit der Veränderung der Arbeitslosigkeit und der Arbeitslosenquote in Deutschland. Danach folgt um 13:30 Uhr die mit Spannung erwartete Vorabschätzung des US-Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal. Um 13:45 Uhr veröffentlicht die EZB dann die Zinsentscheidung sowie den geldpolitischen Begleittext. Anschließend findet um 14:30 Uhr die Pressekonferenz der EZB statt. Insbesondere gilt die Pressekonferenz als ein Trading-Event und kann für Bewegung im Dax und an den Märkten sorgen. Zuvor erscheint um 14:00 Uhr auch noch der Verbraucherpreisindex aus Deutschland.

Wenn es einen Peak in der Berichtssaison gibt, dann ist dieser heute erreicht. Bevor die vier Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Alphabet nachbörslich ihre Zahlen vorlegen, sehen wir zuvor noch diverse Bilanzen deutscher Unternehmen. Zum einen erscheinen die Zahlen der Dax-Unternehmen Volkswagen, Fresenius, Fresenius Medical Care und MTU Aero Engines. Zudem noch von Unternehmen aus der zweiten Reihe wie Airbus, Symrise, Kion, Nemetschek, Wacker Chemie usw.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Nachdem der Dax diese Woche schon über 1.000 Punkte am Stück gefallen ist, könnte sich heute ein Boden bilden und eine Erholung einsetzen. Ungefähr eine Stunde vor Börseneröffnung notiert der Dax nahe seines gestrigen Schlusskurses bei 11.575. Über der 11.610 steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Erholung. Ein Rücksetzer bis 11.571 mit einem anschließenden Anstieg wäre auch noch eine Möglichkeit. Kann sich der Dax nachhaltig über der 11.610 halten, dann ergeben sich Ziele bei 11.650, 11.770, 11.852.

Unterschreitet der Index jedoch die 11.571 mit Momentum, dann könnte es wieder in Richtung des gestrigen Tagestiefs bei 11.457 gehen. Ein unterschreiten der 11.457 wäre ein Sell-Trigger und würde tiefere Kurse mit sich bringen. Folglich könnte sich noch eine Abwärtswelle anschließen. Daraus ergeben sich Ziele auf der Unterseite bei 11.391, 11.340 und 11.220. Es wäre auch möglich, dass der Kurs zwischen 11.650 und 11.500 erst einmal hin und her pendelt, bevor es zu einer Richtungsentscheidung kommt.

DAX daily: Tagesausblick 29.10. - M15-Chart - Erholung oder weiter abwärts?

Heutige Pivot Punkte (PP):

12.155 – Pivot Punkt R2

11.843 – Pivot Punkt R1

11.649 – Pivot Punkt

11.337 – Pivot Punkt S1

11.143 – Pivot Punkt S2

Dax Unterstützungen (US):

11.474 – 38,2 % Retracement (8.256 – 13.460)

11.457 – Tagestief 28.10.

11.391 – Gap vom 25.05.

11.340 – Ziel der 1.000-Punkte-Range

11.220 – 100 % Ziel SKS (Hoch 13.460; Nackenlinie 12.340)

Dax Widerstände (WS):

11.650 – 23,6 % Retracement (12.279)

11.770 – 38,2 % Retracement (12.279)

11.852 – Tageshoch 28.10.

11.960 – 61,8 % Retracement (12.279)

Disclaimer

Die hier angewandte technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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