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Steht Europa vor japanischen Verhältnissen? Ein Vergleich nach der gestrigen Zinsentscheidung der EZB

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Entwicklungen in der EU und Japan..

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Zehn Jahre nach der Finanzkrise und dem Kurstief an vielen Aktienbörsen sah EZB-Chef am Mittwoch mehr Risiken für die europäische Wirtschaft als in vielen Jahren zuvor. Die Aktienkurse (z.B. der Dax) haben sich zwar verdreifacht, die Zinsen stehen aber immer noch auf absolutem Krisenniveau, es gilt immer noch Draghis „Whatever it takes“. Bekommen wir damit japanische Verhältnisse? Auch wenn es große Unterschiede in vielerlei Hinsicht gibt, zeigen sich doch einige Parallelen.

 

Wachstum, Inflation, Zinsen

Japans Wirtschaft wuchs im Jahr 2018 um 0,7%, Europa ist nach dem bisherigen Jahresverlauf auf dem besten Weg dorthin. Der Einlagesatz für die Banken liegt unverändert bei -0,1%, mit Freibeträgen, und damit ist Mario Draghi sogar noch unbarmherziger zu den Geldhäusern als die Japaner. Der Leitzins der BoJ steht seit drei Jahren unverändert bei -0,1%, nachdem er vorher acht Jahre lang bei +0.1% dahinvegetierte. Eine starke Ähnlichkeit mit Europa. Die japanische Inflationsrate senkte sich nach 1% im Gesamtjahr 2018 auf zuletzt 0,7%. Genau wie bei der EZB liegt das „inflation target“ aber bei 2%. Soviel zu den bisherigen Gemeinsamkeiten.

 

Schuldenlast und Notmaßnahmen der BoJ ängstigen

Während in Europa der Schuldenstand (EU 28) im Vergleich zum BIP bei 80% liegt, trotz der stark verschuldeten Südländer Griechenland, Italien und Portugal, bewegt sich diese Rate in Japan seit geraumer Zeit bei atemberaubenden 238%. Die Schulden befinden sich zwar in heimischen Händen, aber allein die Notenbank hat hiervon 40% der Anleihen in ihren Büchern. Aber nicht genug der Staatsfinanzierung. Mit der bewilligten Summe von 630 Milliarden Euro jährlich steuert die Zentralbank die Zinskurve, bei der die 10-jährige Staatsanleihe bei 0,0 Prozent gehalten werden soll.

Nicht zuletzt kauft die Notenbank auch japanische Aktien-ETFs. Hierfür stehen jährlich 6 Billionen Yen bzw. 46 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit hat die Bilanzsumme der BoJ inzwischen den Wert des nominalen japanischen Bruttoinlandsprodukt erreicht – in etwa 4,4 Billionen Euro.

Hoffentlich denkt Mario Draghi mit seinen zur Verfügung stehenden „Instrumenten“ nicht an derartige Dinge.

Das war ein kurzer Blick, isoliert auf die Finanzpolitik Japans, mit einigen Parallelen zu unserer Eurozone.

 

Fazit

Es bleibt zu hoffen, dass das bevölkerungsjüngere Europa nicht den Weg Japans einschlägt. Nicht nur, dass den Sparern dann die Phase einer ganzen Generation an Nullzinsen für ihre Spareinlagen bevorstünde, auch die Aktien-Performance wäre kein Szenario, welches irgendwelche Vorteile haben würde.

Der Nikkei 225 stand am 29.12.1989 bei 38915 Punkten und gestern nach gut 29 Jahren bei 21600 Punkten.

Aber: Vorausgegangen war in Japan eine bisher einmalige Immobilienbubble – die Immobilien in Japan wurden 1989 mit dem 4-fachen Wert des gesamten US-Marktes bepreist und dieser ist und war eine ganze Ecke größer. Allein um die Bewertung des Kaiserpalastes in Tokyo kursieren Legenden. Es war eine Bubble in historischen Dimensionen und das ist vielleicht der Trost für die Anleger im Noch-Draghi-Land.

 

Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko

Von State Department photo by William Ng / Public domainEast Asia and Pacific Media Hub – President Obama at the Welcome Ceremony in Japan | Flickr – Photo Sharing!, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32359800

8 Kommentare

8 Comments

  1. BrettonWood

    11. April 2019 09:51 at 09:51

    Ist dem wirklich so? Ausgehend von der Bevölkerung welche etwa 2.5 mal kleiner ist als in den USA wäre der Immobilienmarkt also 8-9x über seinem Tasächlichen Wert gehandelt worden, unter der Voraussetzung das der Amerikanische Immobilienmarkt „fair“ also weder unter noch Überbewertet war zum Vergleichszeitpunkt.

    Ich glaube eines der grössten Probleme heute ist das ein Spiegel fehlt, da alle Schulden machen, würde man zB man Annehmen die schweizer hätten da nicht mitgemacht wo würde wohl der Euro Bzw der Dollar heute stehen zum Franken…..Was hätte das wohl für einen Einfluss auf Immobilienpreise und wie sind unsere Märkte den heute überhaupt Bewertet….günstig wohl au h nicht gerade…

  2. Dr. Helmut Becker

    11. April 2019 10:13 at 10:13

    Lieber Herr Mueller, es lebt sich in Japan (ich wohne auf dem Land) fuer die Bewohner vor allem deshalb vorzueglich, weil die Gesellschaft nicht auf „Experimente“ wie in Deutschland
    abgerichtet ist und „Greta“ kein Mensch kennt. Ohne Frage tuermen sich riesige Probleme auf.
    Aber warum wird der Yen bei jeder internationalen Krise fester? Sie kennen doch die Antwort.
    Wenn nicht, dann verbreiten Sie bitte nicht Ihre Halbwahrheiten auf diesem Forum.
    Mit besten Gruessen aus Japan, Helmut Becker

  3. Wolfgang M.

    11. April 2019 10:41 at 10:41

    Hallo Herr Dr. Becker.
    Habe ich behauptet, dass es sich in Japan nicht gut leben lässt? Ich habe nur auf den Kampf von Regierung und Notenbank hingewiesen, gegen Deflation und für Wachstum, unter Inkaufnahme gigantischer Staatsverschuldung. Also rein auf finanzpolitische Aspekte mit den ungewissen Folgen. Wieso sind die Zahlen über Wachstum, Zinsen und Staatsschulden Halbwahrheiten? Und glauben Sie, dass die Umweltproblematik für Japan sekundär ist?
    Viele Grüße

  4. Marko

    11. April 2019 11:22 at 11:22

    Hallo Herr Müller,

    eins sollte schon gesagt sein : die EU, der EUR, die EZB wird, bei allem nötigen Respekt, unterschätzt.

    Klar war doch damals schon , dass für den EUR, die DM bzw. die Bundesbank in ihrer Politik das große Vorbild war und ist.

    Na klar kommen die Briten mit ihrer Brexit-Muppet-Show an, aber : sein wir doch mal ehrlich, was würde den Briten sogar ein „geregelter“ Brexit in unserer globalisierten Welt eigentlich „bringen“ : gar nix ?!?

    GB wäre dann ein Drittstaat, bei den EFTA-Staaten haben sie auch schon „gebettelt“, die EFTA-Statten sagten „NEIN“, weil mit der EU/Europa gäbe es dann früher oder später, sowieso „Stress“.

    So, Europa handelt eher rational, d.h. nicht Aktienmarkt-orientiert, unsere Banken zahlen an die EZB Negativ-Zinsen.

    Was doch klar sein sollte, die Amis sind da etwas „anders“, aber : Es kann und darf nicht sein, dass diese Schere zwischen den manipulierten Anleihemärkten und den Aktienmärkten da ist !

    Und da sind die südeuropäischen EU/EUR–Mitglieder wohl die Verlierer.

    Weil, diese Nullzinspolitik, hat mit der Konjunktur „NULL“ zu tun, NULL !

    Nach über 10 Jahren nach Lehman, muss die EZB reagieren, natürlich gemäßigt.

    Also : das Übliche : 0,25 % pro Quartal nach oben, mit den Zinsen.

    Deshalb, gerade wegen ihrer sehr defensiven Notenbankpolitik ist die EZB die mächtigste Notenbank der Welt.

    Und die FED musste auf die „Bremse treten“, weil die EZB „nix macht“.

    Solange die EZB „nix macht“, wird der Aktienmarkt, so gesehen, gar keinen 1929-was-weiß-ich-Crash sehen können ? Weil so was unlogisch ist.

    Diese Nullzinspolitik, von beiden Banken, war eine Reaktion auf das Lehman-Desaster. Sollte es zu einem Aktiencrash kommen, dann belasten die Banken Eurer Girokonto so um die MINUS 1-5 % ? Den Bufu locker auf über 200 Punkte, oder sogar 300 Punkte ?
    Das würden die Menschen mitmachen ?
    Dann hebe ich meine ganze „Kohle“ ab – „Bargeld lacht“, so einfach ist das.

    Das würde, so gesehen, das Ende der Finanzmarktwelt bedeuten ?

    Macht das aus der FinazmarktWelt-Sicht Sinn? Ich denke, eher nicht. Und die EZB spielt definitiv in einer anderen Liga als der 08/15 -YEN und von einer Immobilien-Blase ist in Europa, jedenfalls im Vergleich zu japanischen Verhältnissen nichts zu sehen.

    Wie gesagt, die Zinsen müssen rauf, damit Ihr, liebe Bären, eine realistische Chance auf irgendeinen Aktien-„Crash“ habt…

    Abwarten, und britischen Tee trinken… 😀

  5. Notenbank- Ungläubiger

    11. April 2019 11:57 at 11:57

    Nur keine Panik Herr Becker, es haben doch Beide Recht.
    Einige Bemerkungen meinerseits:
    – Ja die Greta kennt man wohl nicht, aber die Leute laufen in Tokio mit Mundmasken herum.
    – Der Yen ist neben dem Matterhorn Franken die beste Währung weil die Verschuldung im eigenen Land ist, d.h. Nettoverschuldung = Null
    – Das Beispiel Japan ,wie es Wolfgang M. immer wieder bringt sollte man allen Permabullen u. Notenbankgläubigern täglich einhämmern, als Beweis, dass jeder Boom, vor allem wenn er künstlich gepusht wird einmal endet, u. je grösser die Übertreibung desto grösser der Fall. ( Nikkei Fall über 80%)
    – Anderseits sind die Japaner realistischer u.haben nach dem Atom – Unfall nicht mit einem Schnellschuss die Energiewende ausgerufen wie andere Länder ,ohne Alternativen bereit zu haben. Das eigentliche Problem war ja der Tsunami mit den zu nahe am Meer gelegenen Atomkraftwerken.

    • BrettonWood

      11. April 2019 12:04 at 12:04

      Das ist Ansichtsache ob die Schulden bei Matterhorn Franken wirklich im Inland sind, der Grossteil ist in Fremdwährungen und zusätzlich im Aktien und Anleihemarkt. Die Nationalbank der Schweoz hat mehr Facebook Aktien als Mark Zuckerberg….

      Natürlich werden die Entsprechenden Schuldtitel gehalten weder das Geld ist aber im Inland noch in der eigenen Währung….

      Die Nettoverschuldung ist daher abhängig von der Kursentwicklung und als solch grosse Eigner kann man gar ni ht mehr deinvestieren ohne das es zu erhebmichen Bewegungen kommt….die Nettoverschuldung mit 0 zu bezeichnen ist daher gewagt…

  6. frank

    11. April 2019 13:08 at 13:08

    was wäre an den japanischen Verhältnissen denn so schlimm? Japan ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt und hat in allen Bereichen Stabilität. Es ist das Land mit der geringsten Armut, einem Wohlstand für alle und geringen sozialen Spannungen. Seit 40 Jahren wird vor „Japanischen Verhältnissen“ gewarnt, gefährlich seien vor allem die hohe Staatsverschuldung und die niedrigen Zinsen, aber Japan fährt genau mit diesem Modell hervorragend seit 40 Jahren. Deshalb sage ich Japanische Verhältnisse – ja bitte!

  7. Dünnfisch

    11. April 2019 13:30 at 13:30

    @Bretton-.Wood, Sie haben Recht ,ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die MatterhornNotenbank ein riesiges Risiko hat als stark gehobelter Anleger. Die These von vielen Gurus, dass man eine Baisse einfach ausstehen soll, geht bei selbstgedrucktem Geld nicht. Das Team ist bei wichtigen Entscheiden rund um die Uhr präsent um die Buchgewinne zu schützen.Entweder sie müssen absichern oder verkaufen, denn nur schon ein Börsenfall von 20 bis 30% würde das ganze Eigenkapital vernichten. Gemäss Zeitungsberichten hatte die SNB immerhin ein gutes Näschen u.hat im August 2018 einen Teil FANG Aktien glattgestellt. Ob dieser Dickfisch sogar einer der Gründe für die spätere Korrektur war, ist nicht auszuschliessen. Immerhin ist der Vorgänger des SNB Chefs nun in führender Position bei den Bläckröcklern. Könnte ja sein ,dass die DICKFISCHE neben dem Golfspielen hie u.da Zeit haben um Strategien auszuhecken.

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