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Warum der präsentierte Stresstest für europäische Banken eine Farce ist

Türme von Banken in Frankfurt

„Europas Banken sind stressresistent“, so titelte es Freitag Abend die Tagesschau. Ähnlich haben seitdem viele andere Publikationen berichtet. Die europäische Bankenaufsicht EBA hat am Freitag ihr Stresstest-Ergebnis für große europäische Banken veröffentlicht – dass es aber eine Farce ist, scheint nicht zu interessieren – wenn man eben nicht so genau hinschaut.

Stresstest zeigt sinkende Kernkapitalquoten, aber alles soll doch in Ordnung sein

Offiziell sieht alles super aus. Die Bankenaufseher haben ein Krisenszenario selbst vorgegeben, anhand dessen man schaut, wie stark das Eigenkapital der Banken abschmelzen würde. Da kann man doch gleich fragen, wer sich denn die Größe der möglichen Krise ausdenkt – denn davon hängt ja ab, wie negativ die Banken tangiert werden. Die Aufseher wollten sehen, wie sich die Kernkapitalquoten und der Verschuldungsgrad der 50 größten Banken (die 70 Prozent aller Einlagen repräsentieren) in einem sogenannten adversen Szenario entwickeln würden, wenn die Wirtschaftsleistung bis 2023 um 13 Prozent sinkt, die Preise für Gewerbeimmobilien um 30 Prozent, und die Aktienmärkte um 50 Prozent.

Die harte Kernkapitalquote der Banken würde im Schnitt von 15 Prozent auf 10,2 Prozent fallen. Die beiden größten deutschen Banken stünden weniger gut da mit 7,4 Prozent statt vorher 13,6 Prozent für die Deutsche Bank bis zum Jahr 2023 – und bei der Commerzbank würde der Wert von 13,2 auf 8,2 Prozent sinken. Die BaFin sagt dazu Zitat „Die insgesamt 16 deutschen Teilnehmer der diesjährigen EU-weiten Stresstests haben dank ihrer Kapitalbasis selbst das Krisenszenario gut bewältigt und die Anforderungen an das harte Kernkapital (Common Equity Tier 1 – CET 1) nicht unterschritten.“

Durchfallen ist gar nicht vorgesehen

Können Sie sich vorstellen, dass bei einer Führerscheinprüfung durch die Prüfer von vornherein festgeschrieben ist, dass sie gar nicht durchfallen können? Oder dass in der Schule niemand sitzen bleiben kann? Oder dass Studenten auf jeden Fall ihre Abschlüsse bekommen, egal was für einen Murks sie fabrizieren? So ähnlich ist das beim Stresstest von EBA und EZB auch. Denn dass eine Bank den Stresstest nicht besteht, war bei dem Test überhaupt nicht vorgesehen. Also ist der Name „Test“ völlig irreführend.

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Denn schauen wir zum Beispiel mal auf das Testergebnis für die italienische Bank „Banca Monte dei Paschi di Siena“. Bei einer bisher harten Kernkapitalquote von 9,9 Prozent würde sie bis 2023 auf -0,1 Prozent sinken (Fully loaded Common Equity Tier 1 ratio, %). Nach „Common Equity Tier 1 ratio, %“ wären es 0,34 Prozent hartes Kernkapital, also auch fast bei Null. In diesem „Krisenszenario“ der Aufseher hätte diese Bank also ihr Eigenkapital völlig oder fast ganz aufgebraucht, und wäre damit de facto pleite. Wie kann es aber sein, dass auch sie den Stresstest bestanden hat? Nun, weil Durchfallen bei diesem Test einfach nicht vorgesehen ist!

In der Bankenbranche wird eine Schwelle beim harten Kernkapital von 8 Prozent als kritisch betrachtet, weil die Bankenaufseher ab da die Auszahlung von Dividenden durch die Banken als sehr kritisch ansehen. Aber die EBA nennt offiziell keine Schwelle fürs Durchfallen beim Test, da man wie gesagt nicht durchfallen kann. Denn, so schreibt es die EBA wortwörtlich in ihrer Pressemitteilung zum Stresstest „Beim EU-weiten Stresstest der EBA gibt es keine definierte Schwelle für das Bestehen oder Nichtbestehen.“ Aber Hauptsache in den Medien wird den Verbrauchern verkündet, dass Europas Banken „stressresistent“ sind. Das beruhigt ungemein.



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