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Tapering und die Fed – wie die Aktienmärkte reagieren werden!

Ein Blick in die Börsen-Geschichte..

Wie werden die Märkte auf das Tapering der Fed reagieren?

Seit Wochen, ja Monaten, liest man immer wieder Prognosen (Spekulationen) über den Beginn der Reduzierung des Anleihekaufprogramms der Notenbanken (Tapering), über Beginn und Ausmaß des Prozederes vor alem bei der US-Notenbank Fed. Ständig mit der unterschwelligen Befürchtung, dies würde zu starken Verspannungen an den Märkten führen. Doch wird dem wirklich so sein?

Wann jemals hatte etwas so lange Prognostiziertes (Eingepreistes?) zum Zeitpunkt des Eintreffens Auswirkungen auf die Kapitalmärkte gehabt? Die Marktreaktionen dürften aber wahrscheinlich schon vorher erfolgen, das Ereignis der Umsetzung zu einem Non-Event mutieren.

Die immer lauter werdende Forderung nach dem Tapering

Viele Ökonomen wie Politiker verspüren ein mulmiges Gefühl angesichts der gigantischen Wirtschaftsprognosen, sieben Prozent beim US-BIP 2021 sowie bei den Anstiegen der Inflationsraten bei Verbraucherpreisen (CPI – 5,4 %), bei Produzentenpreisen (PPI – 7,8 %) oder bei den Immobilienpreisen (plus 23 Prozent). Sind hierbei Käufe von Immobilienpapieren (hypothekenbesicherte Anleihen) in Höhe von 40 Milliarden Dollar monatlich in einem heiß gelaufenen Markt nicht völlig kontraproduktiv? Daher werden die Stimmen immer lauter, die einen raschen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm, also das Tapering der Fed, fordern.

Ob die Äußerungen von regionalen Chefs der Fed wie Robert Kaplan (Dallas), Ester George (Kansas), Mary Daly (San Francisco) oder warnende Stimmen von Ökonomen wie den Ex-US-Finanzminister Larry Summers oder den einstigen WF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard, die Befürchtungen über die Folgen einer Überhitzung der US-Wirtschaft sind überall zu vernehmen, aber bisher wiegeln Fed-Chef Powell und sein Stellvertreter Clarida noch ab. Aus taktischen Gründen?

Der erwartete Zeitplan

Bisher war Marktkonsens, dass sich die Fed bei der großen Notenbanktagung in Jackson Hole mit dem Thema Tapering auseinandersetzen wird, um dann bei der Fed-Sitzung im September die Timeline zu präsentieren. So die bisherige Ansicht, dass es ab Januar 2022 losgehen könnte, mit 15 Milliarden monatlich. Allerdings gibt es, wie Markus Fugmann gestern in seinem Abendvideo begründete, schon neuere Prognosen über eine möglicherweise schnellere Vorgehensweise der US-Notenbank beeim Tapering.

Eine andere Geschichte ist die Anhebung der Leitzinsen, aber wie kann man bei all den Unwägbarkeiten bei der Wirtschaft glauben, eine Guidance für einen so langen Zeitraum geben zu können? Man erinnere sich nur an den Zeitraum von 2017 bis heute – was die Fed alles ankündigte und schließlich machte (machen musste).

Was könnte diesen Plan durcheinanderwirbeln?

Auch in diesem Herbst gibt es noch viele Unwägbarkeiten, die die Vorgehensweise der Notenbank beeinflussen könnten. Wie entwickelt sich die Inflation weiter, geht es noch steil nach oben, oder wirken sich Gegenkräfte aus, die erste Dämpfungen sichtbar machen? Wie etwa der um 10 Dollar gefallene Ölpreis, eine wichtige Komponente der Inflationskomponenten Housing und Transportation beim US-Verbraucherpreisindex CPI.

Was macht das Wachstum, setzt sich das drastisch gesunkene Verbrauchervertrauen in sinkende Konsumausgaben um? Ein Worst Case-Szenario für die Finanzpolitik bei der Bedeutung des 16 Billionen Dollar Volumens am US-BIP. Was macht die Entwicklung von Corona in Ost und West, was die wieder ansteigende Impfquote? Aber schlussendlich geht es bei der Wirtschaft um die handelnden Menschen, als Subjekte, die sich blitzartig auf neue Situation einstellen können, in unvorhersehbarer Weise. Deshalb gelingt es auch keinem ökonomischen Modell valide Prognosen zu kreieren.

Und Europa?

Auch in Europa gibt es Widersprüchliche Aussagen von Notenbankern zur Langzeitfixierung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (PEPP – 1,5 Bio. Euro). Hier kommen die Kritiker aus Deutschland (Jens Weidmann), Robert Holzmann (Österreich) und Pierre Wunsch. Die EZB hat sich auf einen langen Zeitraum der Nullzinsen und weiterer Anleihekäufe festgelegt, also noch kein Anzeichen von Tapering. Aber kann sich Europa in der Zinsentwicklung anders als die USA aufstellen?

Wie war es beim legendären Taper Tantrum 2013?

Aber die derzeit wohl ziemlich dominante Fragestellung in Sachen Tapering ergibt sich doch nach der Reaktion der Märkte, wenn es konkret wird mit einer Umsetzung der geringeren Liquiditätszfuhr. Über den linearen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Geldmenge und den Weltindizes wurden schon oft Übersichten gezeigt. Was könnte der große Unterschied zu 2013 sein, dem großen „Wutanfall“ (Taper Tantrum) der Märkte, als Ben Bernanke mit seiner Ankündigung eine kleine Schockwelle auslöste? Eine kleine Aussage bekommt man meines Erachtens beim Betrachten der damaligen Marktreaktionen im Chart.

Die Unsicherheit und das negative Momentum entsteht im (ersten) Zeitraum der Vorankündigung bis zur Umsetzung des Tapering. Anschließend widmet sich der Markt wieder anderen Themen. Aber noch einmal: Damals kam die Ankündigung wie ein Blitz aus heiterem Himmel, heute diskutiert man wochenlang über die Timeline.

Reaktion der Märkte auf Tapering

Fazit

Die US-Notenbank sitzt zweifellos in der Klemme. Man hat die Märkte gerade im letzten Jahr derartig mit Geld geflutet und in Kombination mit Rettungspaketen der US-Regierung in Höhe von über fünf Billionen Dollar dafür gesorgt, dass die US-Wirtschaft in den letzten drei Quartalen weit über Potenzialwachstum gestiegen ist. Dass die Inflation bei einer 180-Gradwende in Sachen Rezession und in etwa 150 Staaten dieser Welt anspringen muss, ist eine fast zwingende Folge.

Was aber die Sache noch viel mehr kompliziert, ist die Börsenentwicklung in den USA. Eine Marktkapitalisierung des Wilshire 5000 von 50 Billionen Dollar oder 43 Prozent des gesamten Weltaktienmarktes hat eine derartig große Bedeutung des US-Marktes hervorgerufen, die die Fed zu extremer Vorsicht beim Tapering zwingt. Daher auch das ewig lange „Thinking about, Talking about“!



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4 Kommentare

  1. Die größte Unsicherheit für die Aktienmärkte weltweit, ist der US-Markt (Marktkapialisierung von 50 Bill. USD) an sich. Sollte diesbezüglich einmal etwas schief gehen und die FED und das PPT kann nicht mehr helfen, dann rappelt es in der Kiste, das man später sicherlich als epochal bezeichnen wird.

    Aus diesem Grund und nur aus diesem muss die FED alles aber auch alles daran setzen, dass die Angelegenheit nicht ins Rutschen kommt.

  2. Sollte das Epochale in den USA eintreten und damit der Selbstbetrug entlarvt werden, dann war der Sturm auf das Capitol im Januar diesen Jahres ein laues Morgenlüftlein.

  3. @ Zimmermann/ Frau/ Divers, sie meinen also weiterwursteln und bei fünffachen Schulden , DOW Jones 50 000 ,15% Inflation und doppelten Haus und Mietpreisen wäre dann die die Lage besser.Ein Aussitzen von Problemen hat noch selten geholfen.Hat man nicht gerade in Afghanistan gesehen was ein Herausschieben eines Problems gebracht hat.
    VERSCHIEBE AUF MORGEN WAS DU NIE WILLST BESORGEN !

  4. Ja, das meine ich. Ansonsten müsste sich die USA mal erhlich machen, dass sie über Jahrzehnte über ihre Verhältnisse und auf Kosten anderer Länder leben. Ich konnte nie verstehen, dass nicht einer aufgestanden ist, als Trump behauptete, dass die USA von den andern Ländern betrogen und ausgenutzt wird. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die USA betrügt den Rest der Welt mit ihrem an sich wertlosen USD.

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