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Hintergrund

Ukraine-Konflikt und die Folgen für den Westen

Markus Fugmann

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Allianz zwischen Russland und China gegen den Westen zeichnet sich ab

Wie von uns prognostiziert (Die Konfrontation mit Russland kommt), droht der Ukraine-Konflikt zu einer globalen Gefahr zu werden. Das Gefährliche an der Situation ist, dass kaum eine einleuchtende Lösung erkennbar ist. Russland wird alles tun, um die Kontrolle über die Krim zu behalten – und das kann nur mit militärischen Maßnahmen gelingen, da sich der Konflikt auf der Krim zu einer ethnischen Auseinandersetzung ausweitet. Militärische Aktionen durch Russland aber kann und wird der Westen nicht akzeptieren, das hat die NATO gestern unverhüllt formuliert. Es droht ein Teufelskreis der Eskalation.

Der Aufstand in der Ukraine ist und war vorwiegend ein Aufstand gegen Russland und dessen (ungeliebten) Günstling Janukowitsch. Immer klarer wird, dass ukrainische Nationalisten die treibenden Kräfte sind, und nicht etwa der politisch unerfahrene Klitschko, den man nur braucht, um die Laune Freigebigkeit des Westens aufrecht zu erhalten. Je aggressiver jedoch die ukrainischen Nationalisten im Westen des Landes gegen die russische Minderheit zu Felde ziehen (Verbot der russischen Sprache etc.), desto konfrontativer wird sich Russland verhalten.

Russland hat aufgrund seiner ökonomischen Schwäche (Kapitalabflüsse, Rubel-Schwäche) eigentlich schlechte Voraussetzungen in diesem Konflikt. Aber es hat ein bedeutendes Druckmittel: Öl und Gas. Und hier ist die Ukraine das entscheidende Transitland für Lieferungen Russlands in den Westen. Wahrscheinlich ist daher, dass Russland früher oder später die Einspeisungen in Pipelines, die durch die Ukraine führen, einstellen wird – schon aus Furcht, dass die Ukraine die Lieferungen für den Eigenbedarf zweckentfremden könnte bzw. die fälligen Rechnungen nicht bezahlen kann. Und das würde den Westen hart treffen..

Russland aber wird sich Bündnispartner suchen – und die wahrscheinlichste Option ist China. Die Regierung in Peking wirft dem Westen vor, in der Ukraine Methoden des Kalten Krieges anzuwenden – das sind Töne, die man in Moskau gerne hört. Es ist also eine politische Annäherung zwischen Russland und China zu erwarten, deren Folge sein wird, dass Russland verstärkt seine Rohstoffe in Richtung China lenken wird – unter Umgehung des Westens.

Damit brechen die alten Fronten des Kalten Krieges wieder auf: der Westen gegen Russland und China. Man muß nicht an das Jahr 1914 denken, aber einige Parallelen zur Ausgangssituation des Ersten Weltkriegs sind durchaus gegeben: so eskalierten die Konflikte vor hundert Jahren an den ethnischen Konflikten in Serbien – und das heutige Serbien scheint nun die Ukraine zu sein. Russland fühlt sich eingekreist vom Westen – ähnlich wie Deutschland 1914.

Eins aber ist klar: dieser Konflikt ist zu groß und zu kompliziert, als dass er schnell gelöst werden könnte. Er wird die von der Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischten Finanzmärkte noch lange beschäftigen. Das (geopolitische) Risiko ist der neue – und eigentümlich alte – Faktor des Jahres 2014. Eine vergangen geglaubte Vergangenheit hat uns in vollem Tempo eingeholt. Für die Akteure an den Finanzmärkten ist es Zeit, die Risiken zurückzufahren – und das ist keine gute Perspektive für die Aktienmärkte..

 

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    mistkaeferchen

    27. Februar 2014 19:30 at 19:30

    JA SO IST ES, ICH DENKE RUSSLAND LAESST SICH DAS NICHT GEFALLEN.

  2. Avatar

    Gsrlinde

    27. Februar 2014 22:57 at 22:57

    Ich höre mit Erleichterung, dass Russland mit China eine Chance hat einen verbündeten zu bekommen.
    die dumme EU merkt nicht, dass sie von den Amis nur benutz werden (FUCK THE EU sagt doch alles).
    Die U Bürger dürfen nur zahlen und Legarde v, IWF trägt ja der Ukraine das Geld förmlich nach.

  3. Avatar

    Martin G.

    28. Februar 2014 12:17 at 12:17

    Also wie kaputt muss man sein wenn man schreibt das man Erleichtert ist wenn sich Russland und China gegen den Westen verbünden? Hat den die Blockade der Russen und Chinesen im Bezug auf die Syrien Resolution denn nicht schon genug Tote verursacht?

    Sie scheinen einfach nur die Welt brennen sehen zu wollen um der Flammen wegen!?

  4. Avatar

    Gsrlinde

    28. Februar 2014 21:25 at 21:25

    Sie sollten auch einige andere Zeitungen lesen, dann wissen Sie was ich meine. Ist a er schade um meine Zeit, Ihnen das zu erklären“

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finanztreff

Beste aller Welten eingepreist! Videoausblick

Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

Markus Fugmann

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

Markus Fugmann

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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