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Uniper und der deutsche Energiemarkt: „Too Big to Fail“

Uniper Energie

S&P Global Ratings stuft Deutschlands größten Energie-Versorger Uniper ab

Der Ukraine-Krieg hat die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas schmerzlich offengelegt: Beispielhaft hierfür steht der große Energie-Versorger Uniper, der sein Erdgas für die Einspeisung in die Gaskraftwerke fast ausschließlich aus Russland bezieht. Zudem ist Uniper stark in Russland investiert.

Der Ukraine-Krieg und seine Folgen haben den Konzern aus Düsseldorf in arge Bedrängnis gebracht. Anfang des Jahres musste bereits der Hauptaktionär Fortum und die bundeseigene KfW-Bank einspringen und neue Kreditlinien gewähren, um den Konzern liquide zu halten. Der im Vorfeld des Krieges gestiegene Gaspreis hatte große Margin-Calls ausgelöst. Und die schlechten Meldungen rissen mit Kriegsbeginn nicht ab. Am 17. Mai wurde Uniper durch S&P Global Ratings schließlich auf das niedrigste Investment-Grade-Rating herabgestuft, mit negativem Ausblick. Das könnte den finanziellen Spielraum des Konzerns weiter einengen. Wie dramatisch ist die Lage wirklich?

Uniper ist ein Spin-off von E.ON und Deutschlands größter Energieversorger

Uniper ist Deutschlands größter Energie-Versorger und 2016 durch die Abspaltung von E.ON entstanden. Der Name ist eine Wortschöpfung aus „Unique“ und „Performance“. E.ON hatte sich um Zuge seines strategischen Umbaus hin zur Energiewende nahezu vollständig von seinem Geschäftszweig der Stromerzeugung aus Gas, Kohle und Erdöl getrennt.

Uniper ging 2016 an die Börse und ist seitdem im MDAX gelistet. Das Unternehmen war von Anfang an hoch verschuldet, da es die alten Kraftwerke von E.ON übernommen hatte. Zudem standen die Kraftwerke damals stark unter Druck, weil sie zunehmend von Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt wurden. Das Unternehmen wurde beim Börsengang gerade mal mit vier Milliarden Euro bewertet. Ziel von Uniper war es, die alte Infrastruktur möglichst optimal zu nutzen und bis zum Ende ihrer Laufzeit finanziell auszuschöpfen. Daher beschränkte man sich von Anfang an darauf, möglichst günstig einzukaufen. Man war Stolz auf die guten Kontakte zu Russland, die einen konstanten Fluss an günstigen Rohstoffen garantierten. Was früher ein klarer Wettbewerbsvorteil war, nämlich die starke Position im Gasgeschäft, wird jetzt zu einem Boomerang mit verheerenden Folgen. Auf der Hauptversammlung am 18 Mai sagte der CEO von Uniper zu den Aktionären: „Dieser Krieg in Europa ist ein Einschnitt – auch für Uniper. Niemand kann vorhersagen, wie sich die Lage in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.“

Die Aktionärsstruktur von Uniper

Aktuell ist der größte Aktionär der finnische Konzern Fortum Oyi mit einem Anteil von 77,96 Prozent (Stand Dezember 2021). E.ON hatte 2018 seine Uniper-Anteile an die deutsche Tochter von Fortum verkauft, Ende März 2021 waren alle regulatorischen Bedenken beseitigt und Fortum wurde der neue Mehrheitsaktionär von UNIPER. Fortum Oyi gehört zu über 50 Prozent dem finnischen Staat (50,8 Prozent), eine Verringerung der Anteile unter 50,1 Prozent ist nur mit parlamentarischer Zustimmung möglich.

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied

Aufgrund seiner exponierten Lage im Gasgeschäft mit Russland ist Uniper das schwächste Glied in der Kette der Energie-Versorger, die die deutsche Industrie und Millionen von Haushalten mit Strom beliefern. Seit Anfang des Jahre ist der Konzern immer wieder in Schwierigkeiten geraten, hier eine Chronik der Ereignisse:

Uniper big to fail

Russland-Aktivitäten von Uniper – Abschreibungen in Milliardenhöhe

Uniper ist ein international agierender Konzern, der in über 40 Ländern tätig ist. Die Geschäftseinheit Unipro bereitet derzeit am meisten Sorgen, da sie fünf Kraftwerke in Russland betreibt und für rund 20 Prozent der Erträge im letzten Jahr verantwortlich war. Das aktuelle Umfeld mit Sanktionen und unterbrochenem Geldfluss zwingt das deutsche Unternehmen, nach einem Käufer für seine russischen Anlagen zu suchen. Selbst bei einem Verkauf wäre nicht klar, wie und wann man das Geld aus Russland hinaus bekommen würde.

Am 26. April gab Uniper bekannt, zwei Milliarden Euro wegen Nord Stream2 und Unipers russischen Einheiten abzuschreiben. Zudem erfordert die hohe Volatilität am Gasmarkt eine ausreichende Liquidität, um Margin Calls erfüllen zu können. Es ist nämlich absolut üblich, dass sich große Verbraucher wie Uniper am Gas-Terminmarkt absichern und große Positionen halten, die gegebenenfalls ausreichend mit Cash unterlegt werden müssen. Was passieren kann, wenn ein Terminmarkt aus den Fugen gerät, war am Nickelmarkt am 8. März sichtbar. Nur ein Eingreifen der Börsenaufsicht hat den Konkurs großer Marktteilnehmer verhindert.

Die Netto-Margin-Anforderung von Uniper beliefen sich bis Ende März auf 4.5 Milliarden Euro. Liquidität stellt somit weiterhin eine große Herausforderung für den deutschen Energie-Riesen dar. Der Mehrheitsaktionär Fortum hatte bereits im Dezember die Kreditlinie für Uniper auf acht Milliarden Euro erweitert. Falls Fortum Oyi selbst Liquidität benötigen würde, wäre notfalls der finnische Staat zur Stelle. Aktuell scheint dies nicht notwendig, denn Fortum hat Zugang zu einer ungezogenen 5,9 Milliarden Euro-Kreditlinie und verfügt aktuell über 6,4 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln. Uniper hingegen ist nicht so üppig ausgestattet. Einem Cash-Vermögen von 3,8 Milliarden Euro steht ein negativer Cash-Flow von 1,9 Milliarden Euro im ersten Quartal gegenüber.

Aktienkurse von Uniper, Fortum Oyi und E.ON brechen ein

Der Aktienkurs von Uniper hat seit Jahresanfang 41 Prozent, die Aktie des Hauptaktionär Fortum hat gut 34 Prozent, und E.ON, ehemaliger Besitzer von UNIPER, hat 22 Prozent verloren. Die Anleihe von Fortum mit Fälligkeit 2029 hat rund 12 Prozent an Wert verloren und notieren aktuell bei rund 88 Prozent, ein Wert der typischerweise finanzielle Bedrängnis anzeigt.

FORTUM Uniper und Eon

Uniper „too big to fail“ und für deutsche Energie-Versorgung systemrelevant

Deutschland hätte zu viel zu verlieren, würde es Uniper fallen lassen. Abgesehen von seiner marktbeherrschenden Stellung, die es bei der Energie-Versorgung für Industrie, Kommunen und Privathaushalte einnimmt, spielt es auch eine gewichtige Rolle bei dem Plan der Regierung, sich unabhängig von russischem Gas zu machen und auf LNG umzusteigen. Auf Wunsch der Bundesregierung prüft man die Verlängerung der Kohleverstromung an vier deutschen Kraftwerken, um die Stromversorgung sicher zu stellen. Zudem baut man das erste LNG-Terminal in Wilhelmshaven, ist Deutschlands größter Gasimporteur und hat die größten Gas-Speicherkapazitäten. Somit ist der Konzern für die deutsche Energieversorgung absolut System-relevant und „too big to fail“. Uniper ist entschlossen, sein Investment-Grade-Rating unter allen Umständen zu verteidigen. Übrigens ist man es bei UNIPER gewohnt, in dieser finanziellen Relegations-Liga zu spielen, denn beim Börsengang war das Rating das gleiche und blieb es auch bis 2018 – bekanntes Terrain also für den Konzern und seine Mitarbeiter.

Kursdaten aus https://de.tradingview.com

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3 Kommentare

  1. Es scheint sehr teuer zu werden für uns. Und die Energiewende rückt doch in weite Ferne.

  2. Wieso werden es ist bereits teuer. Grüne und SPD konnten noch nie mit Geld umgehen. Im Moment hilft nicht mal mehr die FDP und CDU hat es 16 JAhre auch nur versemmelt. Was soll nun noch kommen ausser der totale Zusammenbruch. Ach ja eine kleine Möglichkeit gibts ja noch es könnte sich der Krieg ausweiten dann haben wir ja einen Guten Grund gefunden und einen Schuldigen. Wenn unsere Politiker weiter so machen und zusammen mit der EU gehen. Denke ich es Endet sehr böse

    1. So funktioniert Demokratie nun mal. Nimm das Erwirtschaftete von den Leistern und verteile es an alle anderen. Damit es kein Raun ist, veranstalte eine Wahl und lasse die Leister glauben sie selbst wollen das so.

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