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US-Aktienmärkte: Die Rally macht die Superreichen noch reicher – USA das Land mit dem an Ungleichsten verteilten Reichtum

In den USA gibt es ja nach wie vor eine Art Wunderglaube: wer es wolle und hart arbeite, der kann es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen, so das Mantra der amerikanischen Gesellschaft. Die Realität ist völlig anders – die amerikanische Gesellschaft droht zu kippen, weil die Ungleichheit immer größer wird. Von der derzeitigen Aktien-Sause profitieren vor allem Donald Trump und Seinesgleichen!

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

In den USA gibt es ja nach wie vor eine Art Wunderglaube: wer es wolle und hart arbeite, der kann es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen, so das Mantra der amerikanischen Gesellschaft. Aber stimmt das auch?

Im Neuen Testament heißt es: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Lukas 18,25; Matthäus 18,24 und Markus 10,25). In den USA aber gilt wohl eher: Eher wird ein Millionär Milliardär, als dass ein Tellerwäscher Millionär werden kann!

Denn die Daten zeigen ganz klar, wer von den permanenten Allzeithochs an den US-Aktienmärkten profitiert: es sind vor allem die Superreichen! In den USA, das hat Torsten Sløk, internationaler Chefvolkswirt der Deutschen Bank, basierend auf Daten der Bank eindrucksvoll gezeigt, kommt die Sause an den Aktienmärkten Leuten wie Donald Trump und Seinesgleichen zugute: so besitzen die wohlhabendsten 10% der Amerikaner 90% aller Aktien – das ist ein so ungleiches Verhältnis wie seit dem Jahr 1983 nicht mehr. Und: die reichsten 0,1% der Amerikaner besitzen so viele Aktien wie 90% aller Amerikaner zusammen – Tendenz weiter steigend! Die obersten 1% der Einkommen verdienen derzeit 22% des gesamten Volkseinkommens – in den 1970er-Jahren waren es noch 8%.

Die absehbaren Auswirkungen der kürzlich beschlossenen US-Steuerreform werden dafür sorgen, dass die Ungleichheit der US-Gesellschaft noch weiter zunehmen wird. Zwar sinkt zunächst (ab dem Jahr 2024 wird sich das wieder ändern!) die Steuerbelastung für 80% der US-Haushalte, die damit durchschnittlich 1600 Dollar im Jahr 2018 weniger für Steuern aufbringen müssen. Aber die Einsparungen für Durchschnittsverdiener liegen nur bei 900 Dollar (eine Einsparung von 1,6%), während die einkommensstärksten 1% der Amerikaner 2018 durchschnittlich 50.000 Dollar weniger bezahlen müssen, was eine Einsparung von 3,5% bedeutet.

Schon jetzt sind die USA das Land mit der in der westlichen Welt am Ungleichsten verteilten Vermögen, wie der sogenannte Gini Koeffizient ausweist: er liegt in den USA bei 0,40 und damit sogar deutlich über dem Wert von Ländern wie Griechenland oder die Türkei – ein egalitäres Land wie Island hat dagegen einen Wert von unter 0,25 (Island hat gestern übrigens eine ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen gesetzlich untersagt)!

Ganz anders dagegen die Lage für die unteren 40% der US-Bürger! Mehr als 30% der Amerikaner haben keinerlei Rücklagen bilden können bzw. haben negatives Vermögen (Schulden), man hangelt sich von Lohnzettel zu Lohnzettel – geht die Waschmaschine kaputt, gibt es ein riesiges Problem. In den USA ist gesamtgesellschaftlich gesehen die Lebenserwartung in den letzten zwei Jahren rückläufig, und es sind die unteren 40% der Bevölkerung, die früher sterben, auch wegen der in den USA grassierenden Opoid-Epidemie.

Daten zeigen zudem, dass es diese unteren 40% der amerikanischen Bevölkerung sind, die Donald Trump an die Macht gewählt haben – sie werden wohl bald feststellen, dass Trumps Agenda vor allem ihm und Seinesgleichen zugute kommen wird, während sie selbst bestenfalls die unter den Tisch fallenden Krümel abbekommen.

Lag das Durchschnittseinkommen der Amerikaner im Jahr 2007 noch bei 119.000 Dollar, so verdienten eben diese Amerikaner im Jahr 2016 durchschnittlich nur noch 78.000 Dollar. Gleicht man das mit Statistiken ab, die zeigen, dass die reichen Amerikaner seit dem Jahr 2007 deutlich reicher gewworden sind, wird klar, wie stark die Einbrüche bei den unteren 40% der Bevölkerung ausgefallen sein müssen!

Und daher klingt es fast wie Hohn, wenn Trump einen Tweet wie diesen absetzt:

Es sind in den USA fast ausschließlich schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs, die neu entstehen – viele Amerikaner haben gleich mehrere davon und kommen auch dadurch kaum über die Runden. Es ist in den USA vor allem die junge Generation, die kaum in der Lage ist, Vermögen aufzubauen: die unter 35-jährigen fallen in den USA immer weiter hinter ältere Generationen zurück. So ist die Generation der über 75-jährigen paradoxerweise die einzige Gruppe innerhalb der US-Gesellschaft, deren Einkommen im Jahr 2016 höher war als noch im Jahr 2001. Und diese Jugend ohne Hoffnung, die derzeit ja eher konservativ ist, wird irgendwann vermutlich auf die Barrikaden gehen und ihren Anteil von den anderen Gruppen der Gesellschaft einfordern!

Die USA stehen daher perspektivisch vor sehr unruhigen Zeiten! Vom Tellerwäscher zum Millionär? Wer´s glaubt wird selig und kommt in den Himmel – ganz sicher!


Hat gut lachen: Donald Trump.
Foto: Shealah Craighead – https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2017/10/31/white-house-releases-official-portraits-president-donald-j-trump-and / Gemeinfrei

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    oscar

    5. Januar 2018 12:02 at 12:02

    ja toll, dass es trump da drüben gibt und die nazis hier…wo bitte ist der große unterschied?! in der ökonomisch dem raubtierkapitalismus neoliberaler ami form und der zentraldiktatorischen, rot grünen militanten, stalinisten…kolonie??? Bitte wie jetzt? Kindearmut, altersarmut, lohndumping, versklavung ohne ketten, bevormundung, 3 klassensysteme, eine spd die dreist den armutsbericht fälscht und sich gegen verschärfung der unkontollierten zuwanderung stellt, mieten die explodieren, industrie die gut bezahlte jobs abbaut, usw.usw. verdammte augenwischerei sonst nix. was bitte ist hier anders in dieser widerlichen entwicklung? aaach sry, na klar die merkelsche demokratie. in frankreich haben die verhetzten linken die macrone gewählt, der aus dem nichts erschienene messias. oha nur um le pen zu verhindern. das erste was macrönchen machte, war demonstrierende arbeiter der autoindustre wegen wegbrechender jobs, mit den empathischen worten zu bewerfen, sie sollten sich besser neue jobs suchen , als auf der straße herumzu lümmeln. naja. wer bei rothschilds gelernt hat… also bitte was ist hier anders?! die devot, heuchlerische, verlogenheit vieleicht ?

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      baeuerin

      5. Januar 2018 12:42 at 12:42

      Eins setzen!

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    Beobachter

    5. Januar 2018 12:26 at 12:26

    Damit wäre die These von einigen Gutwissern widerlegt, dass die US- Bevölkerung mehr Aktien besitzt als andere Länder.
    Vielleicht besitzen viele Angestellte eine Aktie ihrer Firma ,die irgendwann wertlos wird !

  3. Avatar

    baeuerin

    5. Januar 2018 12:40 at 12:40

    Die erste Mio.,ist die schwerste….die zweite Mio.kommt von alleine!
    Zitat von meiner Grossmutter im Jahre 1975….

  4. Avatar

    Argonautiker

    6. Januar 2018 17:07 at 17:07

    Daß so viele Menschen einen Multimilliardär wählten, spricht nicht gerade für sie. Milliardär wird man nicht durch redliches Tun in einem Miteinander, sondern dadurch, indem man die eigene Leistung gegenüber der Leistung anderer, kontinuierlich erheblich besser, also überbewertet. Glaubte man, daß sich ein Saulus nach der Wahl zu einem Paulus wandeln würde? Und da kommt das Kamel wieder ins Spiel, was sich so vergeblich abmüht, durch’s Nadelöhr in den Himmel zu kommen.

    So unangenehm das auch ist, dieses automatisierte System hält man in so einem Stadium nicht mehr auf, es wird so lange auf die Spitze getrieben werden, bis es aus Mangel an Fundament zusammenbrechen wird.

    Materialismus ist ein Totenkult, und der führt nun mal in ebensolchen.

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    Beobachter

    6. Januar 2018 20:00 at 20:00

    Früher musste man mindestens Jahre oder Jahrzehnte redlich oder unredlich rackern bis zum Milliardär,heute ist
    das anscheinend in kurzer Zeit möglich.
    MEINES WISSENS GIBT ES SCHON DEN ERSTEN
    “ KRYPTO-MILLIARDÄR !!!!!!

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      baeuerin

      7. Januar 2018 06:22 at 06:22

      Kennst du jemand,der sich seine Kryptos, schon in Euro auszahlen liess?
      Ich und mein Umfeld,kennen niemand.Wenn,dann sinds nur Buchgewinne!

      • Avatar

        baeuerin

        7. Januar 2018 09:32 at 09:32

        Zusatz:
        Ich haette aber nichts dagegen,wenn die „Haselnuss“ so explodieren wuerde,wie der Bitcoin!
        Da verhungert man wenigstens nicht!
        Eine phys.Haselnuss,waere dann weitaus angebrachter im Depot-Keller,als ein Krypto-Depot,das vom Strom abhaengig ist!
        Es braucht sich dann keiner zu wundern,wenn sich die Krypto-Juenger,dann aus dem Fenster stuerzen!

  6. Avatar

    Beobachter

    7. Januar 2018 11:46 at 11:46

    Der Unterschied zwischen HUNDESCHEISSE U.KRYPTOWÄHRUNG ?
    Hundescheisse ist mehr wert!
    weil, Bitcoin braucht anscheinend viel Energie um Null wert zu haben,
    getrocknete Hundescheisse kann man verbrennen u.gibt Energie ab!

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Deutsche Bank: Übernahme durch UBS? Geldwäsche in Russland? Aktie dick im Minus

Claudio Kummerfeld

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Deutsche Bank Hochhäuser in Frankfurt

Die Deutsche Bank könnte heute mit einem kräftigen Plus in den Handel gehen. Würde man meinen, wenn man die Nachricht betrachtet, dass die große Schweizer UBS womöglich die Deutsche Bank kaufen will. So zumindest sagte es am Samstag die Schweizer „Sonntagszeitung“. Aber beim zweiten Blick weiß man: Die UBS wollte ja auch mit der Credit Suisse fusionieren – diese Idee sll offenbar schon gescheitert sein. Und auch die Commerzbank wie die Lloyds Banking Group sollen für die UBS interessante Kaufkandidaten sein. Also ist dies doch eher eine ziemlich unklare Lage. Außerdem wären die Hürden, die größte Bank Deutschlands kaufen zu können, wohl ziemlich groß. Aber dennoch, die Deutsche Bank-Aktie könnte heute aufgrund dieser Meldung gut im Plus eröffnen.

Deutsche Bank mit neuem Geldwäsche-Horror in Moskau?

Aber sie geht mit minus 3,6 Prozent in den Handel. Denn gestern gab es neue konkrete Berichte zu möglichen Geldwäsche-Vorgängen in Russland. Konkrete Auswertungen (hier die Details) sollen zeigen, dass die Deutsche Bank-Filiale in Moskau wohl eine Art Wild-West-Filiale gewesen sein soll, und dass trotz Aufsehern in Sachen Geldwäsche wohl kaum Kontrolle stattfand. Man wollte wohl nicht hinsehen und ließ viel womöglich mehr zweifelhafte Transaktionen zu als bislang bekannt. Pikant dabei ist, dass im betreffenden Zeitraum auch der heutige Deutsche Bank-Chef Sewing als Chef der Revision für die Kontrolle zuständig war, aber dass trotz Prüfungen sogenannte Mirror Trades nicht entdeckt wurden. Dabei wurden für Kunden Aktien in Rubel gekauft, und danach gleich wieder in US-Dollar verkauft.

Drohen der Deutschen Bank nach diesen neuen Enthüllungen weitere Geldstrafen? Fängt auch der Stuhl vom angeblich so sauberen Herrn Sewing an zu wackeln? Auf jeden Fall könnte der geneigte Börsianer das Grausen kriegen, dass diese jahrelange Horror-Show mit nicht enden wollenden Geldstrafen, Verfahren und Prüfungen weiter geht. Die Deutsche Bank-Aktie jedenfalls, die notiert heute wie gesagt mit mit minus 3,6 Prozent bei 7,41 Euro. Die Deutsche Bank hat dazu folgendes Statement veröffentlicht. Zitat:

„Die Bekämpfung von Finanzkriminalität, Geldwäsche und Kapitalflucht hat für die Ermittlungsbehörden und Finanzinstitute gleichermaßen Priorität. Die weltweit führenden Finanzinstitute, einschließlich der Deutschen Bank, haben Milliarden von Dollar investiert, um die Behörden bei diesen Bemühungen effektiver zu unterstützen. Dies führt natürlich zu einer höheren Zahl von Feststellungen.

Wir bei der Deutschen Bank haben in den letzten Jahren massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert, und wir konzentrieren uns mit Nachdruck darauf, unseren Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehört auch, dass wir Maßnahmen ergreifen, um Risiken zu minimieren, und Beziehungen zu Kunden oder Korrespondenzbanken beenden, wenn dies angezeigt ist.

Das ICIJ hat über eine Reihe historischer Themen berichtet. Soweit sie sich auf die Deutsche Bank beziehen, sind sie den Aufsichtsbehörden bekannt. Die Themen wurden bereits untersucht und führten zu Einigungen mit den Behörden, in denen die Zusammenarbeit und die Mängelbeseitigung der Bank öffentlich anerkannt wurden. Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen. Soweit die vom ICIJ verwendeten Informationen aus Verdachtsmeldungen (sogenannten SARs) stammen, wurden diese Informationen von einer Bank gemäß der gesetzlichen Regelung aktiv identifiziert und den Behörden mitgeteilt. SARs enthalten Warnungen vor möglichen Probleme, können aber nicht mit einer Tatsachenbehauptung gleichgesetzt werden.“

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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