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US-Arbeitsmarktdaten in der Detailbetrachtung: So bastelt man sich Vollbeschäftigung…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Wir werfen an dieser Stelle einen Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten und gehen anhand er aktuellsten vorhandenen Daten auf die Spurensuche nach den Gründen für das Jobwunder in den USA. So bastelt man sich Vollbeschäftigung – da könnten sich Länder wie Spanien was abgucken, wenn es um das Thema Optik geht. Also man schaue zu und lerne…

US-Arbeitsmarktdaten USA Obama
Auch unter US-Präsident Barack Obama hat sich die US-Verwaltung nicht ehrlich gemacht. Dabei sollte doch unter seiner Führung alles besser werden!? Aber wie bei seinen Vorgängern auch: Optisch keine Arbeitslosigkeit vorhanden = alles gut. Foto: Official White House Photo by Pete Souza / Gemeinfrei

Zu aller erst: Deutschland braucht man sich nicht auf ein höheres Podest zu stellen, was statistische Zahlen angeht. Wir haben auch schon mehrmals auf haarsträubende Tricks und Argumente hingewiesen, mit denen deutsche Behörden Zahlen schönrechnen (hier ein drastisches Beispiel). Aber nun zurück in die USA. Dort herrscht wie allgemein bekannt Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 4,9%. Bei so einem Niveau sprechen Volkswirte im Großen und Ganzen von Vollbeschäftigung, da man unter Volkswirten annimmt, dass es einen bestimmten Anteil Arbeitsloser gibt, der nicht vermittelbar ist (stimmt das denn wirklich?).

Arbeitslosenquote

In atemberaubender Geschwindigkeit haben die USA ihre offizielle Arbeitslosigkeit auf zuletzt 4,9% runtergedrückt. Einfach toll, so verkündete es auch Barack Obama immer wieder. Warum nur rennen die Wähler dann Trump & Sanders hinterher, kann man fragen? Bei Vollbeschäftigung und glücklichen Amerikanern Land auf Land ab dürfte das doch gar nicht möglich sein? Was sagt denn die US-Statistikbehörde für Arbeitsmarktangelegenheiten BLS zur Arbeitslosenquote? Zitat:

„Does the official unemployment rate exclude people who want a job but are not currently looking for work? Yes; however, there are separate estimates of persons outside the labor force who want a job, including those who are not currently looking because they believe no jobs are available (discouraged workers). In addition, alternative measures of Labor underutilization (some of which include discouraged workers and other groups not officially counted as unemployed) are published each month.“

Also: Wer nachliest, sieht ganz offiziell beschrieben, dass viele Arbeitslose, die eigentlich gerne arbeiten würden, nicht in der Statistik mitgezählt werden! Und noch wichtiger ist: Die Arbeitslosenquote in Deutschland wird ermittelt, in dem einfach gezählt wird wie viele Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet sind. In den USA werden Telefonumfragen veranstaltet. Bietet das Raum für Interpretationsspielraum? Beantworten Sie sich diese Frage bitte selbst! Wo die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA genau liegt, weiß nur der liebe Gott. Menschen ohne Anspruch auf Leistungen melden sich erst gar nicht arbeitslos, viele andere die gerne arbeiten würden, werden gar nicht erst mit gezählt. So kommt man schnell auf 4,9% Arbeitslosigkeit. Bei so einer Vollbeschäftigung müssten die Löhne eigentlich explodieren auf jährlich 4, 5 oder noch mehr Prozent Wachstum. Aber dazu gleich noch mehr.

Arbeitslosenquote
Die US-Arbeitslosenquote seit 2006. Juhuuu, Vollbeschäftigung!

Participation Rate

Die Participation Rate, also die Anzahl der US-Bürger ab 16 Jahre, die arbeiten oder „aktiv nach Arbeit suchen“, sinkt kontinuierlich. Wie der Chart gut zeigt, lag der Anteil bis zur Finanzkrise 2008 über 66% – von da an ging es kontinuierlich bergab auf jetzt unter 63%. Im zweiten Chart sieht man die Entwicklung seit 1950. Hier sieht man gut, dass man mit dieser Quote auf dem Stand der 70er-Jahre angekommen ist. Aber warum ist diese Zahl so wichtig? Es ist nicht exakt vergleichbar, aber ganz grob gesehen schon mit dem was auch in Deutschland in kleinerem Rahmen gemacht wird. Bei uns werden ja z.B. Arbeitslose im Alter von 58-65 Jahren in der Statistik einfach nicht mehr als arbeitslos gezählt, weil man davon ausgeht, dass ihr Vermittlungschancen gering sind – ja so ist das bei uns. In den USA streicht man Arbeitslose einfach aus der Statistik (übergeordnete Kennzahl ist die Participation Rate), wenn man der Meinung ist sie suchen nicht aktiv nach Arbeit, oder wenn diese selbst angeben sie würden zwar gerne arbeiten, aber aktuell nicht suchen, da sie glauben wenig Aussicht auf eine Arbeitsstelle zu haben. Wer in dieser Participation Rate schon nicht erfasst wird, kann auch gar nicht als Arbeitsloser mitgezählt werden. Die Participation Rate sinkt auf Sicht der letzten Jahre kontinuierlich, aber auch auf lange Sicht ist es ein eindeutiger Trend. Der Faktor zunehmender Verrentung wird in den USA aber durch konstante Zuwanderung gut ausgeglichen.

US-Arbeitsmarktdaten Participation Rate

US-Arbeitsmarktdaten Participation Rate Langzeitbetrachtung

Löhne

Das Lohnwachstum ist in den USA mit die entscheidende Kenngröße, ob Inflation entsteht. Höhere Löhne bedeuten nach Lesart der Fed mehr Geld in der Tasche der Konsumenten = mehr Konsum = Preiswachstum. Ob diese Weisheit so stimmt, sei dahingestellt. Wie wir gestern schon aufzeigten, gilt diese Weisheit für Deutschland schon mal nicht mehr! Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind 2015 im Vergleich zu 2014 um 2,2% gewachsen. Angeblich soll damit laut diverser US-Ökonomen und Fed-Mitglieder die Basis geschaffen sein für eine Zinsanhebung. Aber der Langfristtrend in diesem Chart (seit den 1960ern) zeigt, dass das Lohnwachstum kontinuierlich sinkt und sich der Null-Linie nähert. Und trotz 2,2% Plus in 2015 zeigen die aktuellen Monatstrends ein Null-Wachstum bei den Löhnen in den USA. Deswegen jubelten zuletzt auch einige Bankanalysten: Arbeiter ohne Lohnzuwachs, da bräuchte die Fed doch eigentlich keine Zinsen anheben in 2016.

Lohnwachstum USA
Das Lohnwachstum in den USA im Langfristtrend. Grafik: Chicago Fed

Löhne Monat
Das Lohnwachstum auf Monatsbasis. Bitte ganz ganz rechts den dünnen roten Strich beachten, der aktuell auf 0 runtergefallen ist.

Gastronomie
Neu geschaffen werden in den USA vor allem oder fast nur Stellen in der Gastronomie, wie diese Daten zeigen. Spötter in den USA begleiten die monatlichen Jubelzahlen (statt 5 auf einmal 4,9% Arbeitslosenquote usw) mit den Worten „Jaaa, noch mehr Kellner und Barkeeper“. Nichts gegen diese Berufsgruppen, aber Fakt ist: Nach der 2000er-Krise und vor allem nach der 2008er-Krise gab es in den USA zwei große Schübe, bei denen hochwertige gut bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie verloren gingen. Neu geschaffen wurden danach eher schlecht bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Ähnlich versucht gerade auch die KP in Peking für Millionen von Chinesen möglichst schnell neue Arbeitsplätze zu schaffen, die gerade in der Industrie verloren gehen.



Daten: US Bureau of Labor Statistics

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Trigo

    16. März 2016 15:15 at 15:15

    • Avatar

      tm

      16. März 2016 16:59 at 16:59

      Weshalb vertrauen Sie Shadowstat? Eien itnransparente, kommerzielle Seite… Dort wird z.B. auch behauptet, die Inflation sei nach alter Methodik viel, viel höher. Kann man leicht selbst überprüfen und stellt dann fest, dass das schlicht nicht stimmt, auch bei Verwendung des Warenkrobs der 1990er Jahre etwa wäre die Inflation ziemlich genauso hoch wie sie offiziell ausgewiesen wird.

      • Avatar

        Pierre

        16. März 2016 20:24 at 20:24

        Soll das ein Scherz sein? Sie glauben den „ehrlichen“ Statistiken der Regierung? Das tun ja nicht mal die Lügenpresse (LP), oder die Regierung selbst. Wow, was es alles gibt!

        Da sagen sogar „Welt“, „Süddeutsche“, „Fokus“, „SWR“, also aus der Mitte der Medienplayer-LP, genau das, dem sie widersprechen! Fehlt nur der Speigel.
        https://www.google.de/search?q=regierung+mit%C3%9Ftraut+statistiken&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=4qjpVo22CqHL6ATr3pDgDw#q=regierung+t%C3%A4uscht+statistiken
        Das derzeit deutlichste Beispiel: Flüchtlingskrise wird in den Medien schöngeredet. Zahlen gibt es keine, man habe ja nicht alle registieren können. Aber emotionales Pressing. Im Interview erklärte die WDR-Mitarbeiterin Claudia Zimmermann „Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten“. Sie widerrief natürlich später!!! In einem „Panorama“-Beitrag zum Thema Flüchtlinge wurden ausschließlich Kinder und Familien gezeigt, obwohl 70% junge Männer sind. Andere schaffen diese Reise meist nicht. Syrien-BRD = 3.700km, Afghanistan, Pakistan ca.6.000km. Iran 5.500km. Ohne Autobahn und Mercedes!

  2. Avatar

    tm

    16. März 2016 16:57 at 16:57

    DIe allgemeine Participation Rate umfasst alle arbeitsfähigen Personen ab 16, also auch alle Rentner. Steigt die Zahl der Rentner, sinkt somit die Participation Rate. Sinnvoller ist daher die Verwendung der Menschen im Erwerbsalter zu verwenden:
    https://research.stlouisfed.org/fred2/graph/?g=3HLE

    81,2% in Arbeit…sieht jetzt nicht so schlecht aus, immerhin befinden sich in der Gruppe z.b. auch Hausfrauen.

    Das nominale Lohnwachstum in Zeiten niedriger mit dem in hoher Inflation zu vergleichen, macht auch eher wenig Sinn. Die realen Einkommen steigen durchaus gut:
    https://research.stlouisfed.org/fred2/graph/?g=3OfK

    Das kann man auch an den Einzelhandelsumsätzen sehen:
    https://research.stlouisfed.org/fred2/graph/?g=3OfP

    Und das bei sinkender privater Verschuldung:
    https://research.stlouisfed.org/fred2/graph/?g=3g0L

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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Coronakrise: Die Flucht aus den Großstädten beschleunigt sich!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Coronakrise macht das in den letzten Jahren geltende Mantra immer fragwürdiger: dass die Großstädte immer weiter wachsen würden. Das entsprach einer auch in der Wissenschaft beliebten allzumenschlichen Methodik: man schreibt Trends aus der Vergangenheit einfach in die Zukunft fort. So meinte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor drei Jahren:  „Hamburgs Bevölkerungszahl wächst einer Prognose zufolge bis 2035 um rund 162.000 Einwohner auf fast zwei Millionen Menschen“.

Dabei aber ignorierte man einen großen Trend, der schon vor der Coronakrise eingesetzt hatte: Automatisierung und Digitalisierung (siehe hierzu meinen Artikel „Über Automatisierung und die Auswirkung auf die Großstädte: Glaubt den Prognosen nicht!“ aus dem Jahr 2017).

Die Automatisierung macht vor allem immer mehr Bürojobs überflüssig (die überwiegend in Großstädten angesiedelt sind). Die Digitalisierung wiederum trifft vor allem den stationären Einzelhandel. Hier hat die Coronakrise den ohnehin vorhandenen Trend zur Online-Bestellung noch weiter verstärkt (mit Amazon als dem größten Profiteur).

Die Coronakrise ist nicht nur in Deutschland ein „game changer“. Vor allem große Firmen brauchen absehbar weniger Büroflächen. In meiner persönlichen Umgebung geht kaum jemand noch täglich zur Arbeit, sondern arbeitet mindestens drei Tage pro Woche von zu Hause aus. Wer aber seltener oder gar nicht mehr zum Job fahren muß, für den wird es weniger wichtig, direkt im Ballungsraum zu wohnen. Wichtiger wird das eigene Heim, und da möchte man es gemütlich haben – man möchte (wenn man es sich leisten kann) einen Garten, möchte einfach Platz haben. Die Menschen-Massen in den Großstädten werden durch Corona nicht gerade attraktiver, zumal das Angebot in den Großstädten an Kultur, Gastronomie oder Einzelhandel auszudünnen beginnt: in Hamburg etwa steht nun das riesige Kaufhof-Gebäude im Zentrum der Stadt bald leer – das ist gleichsam ein Mahnmal für den schleichenden Abstieg der Großstädte.

Die Coronakrise macht nun einen Prozeß, der schon länger begonnen hat, immer offensichtlicher. Das bestätigt nun eine heute veröffentlichte Pressemitteilung der Interhyp AG:

„Schon seit einigen Jahren beobachtet Interhyp eine Tendenz zur Stadtflucht aus Großstädten und Metropolen bei Immobilienkäufern und Bauherren. Waren es 2016 noch 63 Prozent, die ein Eigenheim in einer Stadt mit 500.000 und mehr Einwohnern erwerben wollten, sind es im ersten Halbjahr 2020 nur noch 57 Prozent. Auch der Großstädter-Anteil, der wieder in einer Großstadt eine Immobilie kauft, ist in den vergangenen fünf Jahren von 61 Prozent auf 58 Prozent gesunken. Metropol-Bewohner zieht es zunehmend in Mittel- und Kleinstädte (2020: 19 Prozent in Mittelstädte, 14 Prozent in Kleinstädte vs 2016: 17 Prozent in Mittelstädte, 12 Prozent in Kleinstädte). Nur wenige ziehen beim Immobilienkauf allerdings aufs Land bzw. in Orte kleiner 5.000 Einwohner (3 Prozent in 2020). Dennoch macht Interhyp eine zunehmende Landlust aus. Denn diejenigen, die bereits auf dem Land oder in Kleinstädten leben, bleiben dort heute häufiger als früher: 2016 kauften 56 Prozent der Landbewohner ihre Immobilie auf dem Land, 2020 sind es 59 Prozent.“

Coronakrise: Wo zieht es die Menschen hin?

Welche Regionen aber werden von dieser Entwicklung profitieren? Es sind die Randbezirke von Großstädten – oder mittelgroße Städte, die nicht weit von den großen Ballungsräumen entfernt liegen.

Dazu schreibt Interhyp:

„Den Trend zur Immobilie außerhalb der Ballungszentren beobachten wir nicht erst seit gestern. Doch die Entwicklung gewinnt mit der Pandemie neue Dynamik, wie sich in der Analyse unserer Daten abzeichnet“, so Jörg Utecht. Utechts Meinung nach gibt es dabei folgende Gedanken, die Eigenheimbesitzer umtreibt: „Wenn mobiles Arbeiten es erlaubt, dass der Arbeitsweg nur zweimal in der Woche anfällt, entsteht zeitliche und finanzielle Ersparnis. Das Eigenheim wird in ländlichen Gebieten und Klein- und Mittelstädten zur leistbaren und praktikablen Alternative für diejenigen, die sich in den Groß- und Metropol-Städten kein eigenes Zuhause ermöglichen können. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine gute Infrastruktur in den Zielgebieten vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel gute digitale Anbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute breite ärztliche Versorgung.“

Aus all dem wird klar: die deutschen Großstädte haben den Zenit ihres Wachstums wohl längst überschritten – und das wird sich auch bei den dort besonders hohen Immobilienpreisen deutlich niederschlagen. Käufer, die in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt aktuell noch Mondpreise bezahlen, gehen erhebliche Risiken ein (vor allem je höher sie fremdfinanziert sind).

Vor allem Randbezirke von Großstädten mit viel Grün oder Wasser in der Nähe dürften hingegen die große Gewinner werden!

Die Coronakrise verstärkt die Stadtflucht - das gilt auch für Berlin

Berlin hat in diesem Jahr bereits Einwohner verloren

 

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