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US-Arbeitsmarktdaten: Stimmen die Zahlen überhaupt? Oder hat Trump recht?

Heute ist es wieder so weit: die US-Arbeitsmarktdaten stehen an, und diese Arbeitsmarktdaten zeichnen stets ein sehr schönes Bild, etwa mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,8%. Aber stimmen diese Daten überhaupt? Donald Trump hat das kürzlich in seiner Rede vor dem US-Kongress erneut bestritten: die wahre Arbeitslosenquote liege bei bis zu 42%. Wer hat Recht?

Redaktion

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FMW-Redaktion

Heute ist es wieder so weit: die US-Arbeitsmarktdaten stehen an, und diese Arbeitsmarktdaten zeichnen stets ein sehr schönes Bild, etwa mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,8%. Aber stimmen diese Daten überhaupt? Donald Trump hat das kürzlich in seiner Rede vor dem US-Kongress erneut bestritten: die wahre Arbeitslosenquote liege bei bis zu 42%, die offizielle Quote sei eine „phony number“, 94 Millionen Amerikaner seien faktisch ohne Arbeit!


Donald Trump. Foto: whitehouse.gov

Die Antwort ist: nicht wirklich! Trump hat dabei jeden Amerikaner gezählt, der nicht aktiv im Arbeitsprozess ist, also alte Menschen, Mütter und Väter, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern etc. etc.

Die offizielle US-Arbeitslosenquote wird durch eine (Telefon-)Umfrage des Bureau of Labor Statistics (BLS) unter 60.000 Haushalten ermittelt, womit statistisch gesehen ca. 110.000 Personen erfasst werden. Gefragt wird, ob der Betreffende derzeit keinen Job habe, in den letzten vier Wochen aktiv nach einem Job gesucht hat – und dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung steht, wie es beim BLS heißt:

„do not have a job, have actively looked for work in the prior four weeks, and are currently available for work.“

Bei einer Arbeitslosenquote von 4,8% bedeutet das, dass 7,8 Millionen Amerikaner in den letzten vier Wochen auf Arbeitssuche waren, aber eben keine Arbeit gefunden haben. Wer aus irgendwelchen Gründen in den letzten vier Wochen keine Arbeit gesucht hat, gilt also als nicht arbeitslos. Die Realität sieht daher sicher anders aus – allerdings eben auch nicht so, wie sie Donald Trump beschreibt. Faktisch ist die Erholung am Arbeitsmarkt seit der Finanzkrise vorhanden, aber eben vergleichsweise schwach.

Realistischer ist das, was man als „Unterbeschäftigung“ bezeichnen könnte, die in den sogenannten U5- und U6-Raten zum Ausdruck kommt, wie wir bereits in dem Artikel „Die unrealistische US-Arbeitslosenquote – oder warum Donald Trump die Wahl gewonnen hat!“ dargelegt hatten:

„Steven Mnuchin hat daher die sogenannte U5-Rate ins Spiel gebracht, die auch jene umfasst, die eigentlich durchaus arbeitswillig sind, sich aber kaum um Jobs aktiv bemühen, weil sie das für aussichtslos halten – die U5-Rate würde daher eine Arbeitslosigkeit von 5,7% ausweisen derzeit. Daneben gibt es auch noch die U6-Rate, sie umfasst den selben Personenkreis wie die U5-Rate, dazu aber noch jene Amerikaner, die nur einen Teilzeitjob haben, aber lieber einen Vollzeitjob hätten – die U6-Arbeitslosenquote liegt da schon bei derzeit 9,7%. Besonders auf diese Gruppe hatte zuletzt auch Janet Yellen hingewiesen (neben der geringen participation rate), als sie von doch noch vorhandenem „slack“ am US-Arbeitsmarkt sprach.

Die Fed ist sich also der doch sehr begrenzten Aussagekraft der offiziellen Arbeitslosenquote durchaus bewusst (..) – nur geändert hat sie ihre Methodik-Berechnung eben nicht seit dem Jahr 1940. Und genau das könnte sich durch die Trump-Regierung ändern!“

In der Summe liegt also die Realität zwischen den offiziellen Zahlen und den Aussagen von Donald Trump – jedoch deutlich näher an den offiziellen Zahlen. Fakt ist eben auch, dass während der Obama-Regierung 11 Millionen Jobs entstanden sind. Das Problem dabei: sie sind im Durchschnitt schlechter bezahlt, weil fast ausschließlich im Dienstleistungssektor entstanden (wobei der Durchschnittsverdienst im Dienstleistungssektor nur bei knapp über 50% liegt im Vergleich zu Industriejobs).

Fakt ist aber auch: die Arbeitslosenquote ist bei weißen Amerikaner mit 4,3% deutlich geringer als bei Hispanics mit 5,9% und Afroamerikanern mit 7,7% – bei den Afroamerikanern gar nicht mitgezählt sind die überwiegend afroamerikanischen Gefängnisinsassen (insgesamt 1,6 Millionen „Knastis“). Da die Wahlquote für Trump unter den weißen Amerikaner im Vergleich zu Hispanics und Afroamerikanern am höchsten war, heißt das auch: Trump wurde vor allem von denjenigen gewählt, die relativ noch die besten Aussichten am US-Arbeitsmarkt haben.

Daher ist die Vermutung vielleicht nicht ganz so falsch, dass Trump mit seinem „Make America great again“ vor allem meint: make America white again. Rein ökonomisch ist die hohe Zustimmung der weißen Amerikaner zu Trump nämlich nicht erklärbar..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Nagel

    10. März 2017 14:27 at 14:27

    Hallo Redaktion,

    wie immer fachlich ein guter Artikel. Deckt sich auch mit den Aussagen anderer Ökonomen, wie zum Beispiel Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Was Eurer Kompetenz aber nicht würdig ist, das sind die politischen Kommentare…
    Zudem wurden die 11 Millionen Jobs extrem teuer durch die Vorgängerregierung erkauft, oder?

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