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US-Arbeitsmarktdaten: Überraschung, weil Behörde Methodik ändert?

Markus Fugmann

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am

Wie jeden Donnerstag werden heute um 14.30Uhr deutscher Zeit die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, genauer gesagt die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (jobless claims) und die fortgesetzten Anträge auf Arbeitslosenhilfe (continuing claims). Bekanntlich sind diese Anträge seit Beginn der Coronakrise infolge des Lockdwowns massiv gestiegen – aber heute könnte eine positive Überraschung kommen, und das trotz der gestern doch enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten, die der Lohnzahlungsabwickler ADP gemeldet hatte.

Der Grund dafür: das Bureau of Labor Statistics, das die US-Arbeitsmarktdaten Woche für Woche publiziert, hat eine wichtige Änderung vorgenommen. Denn bislang hat die Behörde sogenannte „saisonale Anpassungen“ vorgenommen, und das auf Basis einer sogenannten „multiplikativen“ Methodik. Nun aber ändert man diese Methodik und verwendet heute erstmals den „additiven“ Ansatz.

So heißt es in einer Mitteilung des Bureau of Labor Statistics von letzter Woche:

„Beginning with the Unemployment Insurance (UI) Weekly Claims News Release issued Thursday, September 3, 2020, the
methodology used to seasonally adjust the national initial claims and continued claims will reflect additive factors as opposed to
multiplicative factors.

A sudden large increase in the level of the series will be accompanied by a proportionally large seasonal effect. In contrast, an additive seasonal effect is assumed to be unaffected by the level of the series.

In times of relative economic stability, the multiplicative option is generally preferred over the additive option. However, in the presence of
a large level shift in a time series, multiplicative seasonal adjustment factors can result in systematic over- or under-adjustment of
the series; in such cases, additive seasonal adjustment factors are preferred since they tend to more accurately track seasonal
fluctuations in the series and have smaller revisions.“

Mit anderen Worten: da die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe mit Ausbruch der Coronakrise geradezu explodiert ist, würde die bisherige Methode zu einem heftigen Effekt durch saisonale Anpassungen bei der gemeldeten Zahl der Erstanträge führen – und dann ebenso massive Revisionen der gemeldeten Zahlen nach sie ziehen bei späteren Veröffentlichungen. Bei der ab heute verwendeten „additiven“ Erfassung der US-Arbeitsmarktdaten dagegen fallen diese saisonalen Anpassungen deutlich weniger ins Gewicht.

Warum ist das wichtig? Weil es bedeuten könnte, dass die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhife ebenso wie die Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe heute deutlich niedriger ausfallen werden als von den Märkten erwartet. Statt der Konsens-Prognose von 950.000 Erstanträgen dürfte die Zahl dann heute eher im Bereich von 800.000 Anträgen gemeldet werden, laut Experten. Was aber eben nicht bedeutet, dass in der Realität weniger Menschen arbeitslos sind – oder gar der US-Arbeitsmarkt sich deutlich erholt.

Dass die Aktienmärkte eine bessere Zahl der US-Arbeitsmarktdaten aber gleichwohl feiern würden, steht wohl auf einem anderen Blatt: für Kursanstiege wird derzeit gerne jede Begründung heran gezogen, egal wie sinnfrei sie in der Realität auch sein mag..

Ab heute werden die US-Arbeitsmarktdaten mit einer anderen Methodik berechnet

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    franko33

    3. September 2020 13:45 at 13:45

    Man muß wohl jede nur noch so erdenkliche Form nutzen um die Börse nach oben
    zu drücken !

    US – Zahlen …………………..

    (allerdings hat sich Europa in der „Kreativität“ gut angepasst)

  2. Avatar

    Scheer

    3. September 2020 14:20 at 14:20

    Auf einmal statistisch weinger Corona infizierte, die Arbeitslosen sind auch verschwunden und tauchen nicht mehr in der Statistik auf.
    Alles nur Augenwischerei.
    Wie bei den Konzernen (Tesla und Co.)
    Wer zuletzt lügt, hat verloren, das findet immer mehr Nachahmer.
    Fazit: Ein riesiges Schneeballsystem mit einem zuverlässigen Ende.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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