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US-Arbeitsmarktdaten: Überraschung, weil Behörde Methodik ändert?

Wie jeden Donnerstag werden heute um 14.30Uhr deutscher Zeit die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, genauer gesagt die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (jobless claims) und die fortgesetzten Anträge auf Arbeitslosenhilfe (continuing claims). Bekanntlich sind diese Anträge seit Beginn der Coronakrise infolge des Lockdwowns massiv gestiegen – aber heute könnte eine positive Überraschung kommen, und das trotz der gestern doch enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten, die der Lohnzahlungsabwickler ADP gemeldet hatte.

Der Grund dafür: das Bureau of Labor Statistics, das die US-Arbeitsmarktdaten Woche für Woche publiziert, hat eine wichtige Änderung vorgenommen. Denn bislang hat die Behörde sogenannte „saisonale Anpassungen“ vorgenommen, und das auf Basis einer sogenannten „multiplikativen“ Methodik. Nun aber ändert man diese Methodik und verwendet heute erstmals den „additiven“ Ansatz.

So heißt es in einer Mitteilung des Bureau of Labor Statistics von letzter Woche:

„Beginning with the Unemployment Insurance (UI) Weekly Claims News Release issued Thursday, September 3, 2020, the
methodology used to seasonally adjust the national initial claims and continued claims will reflect additive factors as opposed to
multiplicative factors.

A sudden large increase in the level of the series will be accompanied by a proportionally large seasonal effect. In contrast, an additive seasonal effect is assumed to be unaffected by the level of the series.

In times of relative economic stability, the multiplicative option is generally preferred over the additive option. However, in the presence of
a large level shift in a time series, multiplicative seasonal adjustment factors can result in systematic over- or under-adjustment of
the series; in such cases, additive seasonal adjustment factors are preferred since they tend to more accurately track seasonal
fluctuations in the series and have smaller revisions.“

Mit anderen Worten: da die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe mit Ausbruch der Coronakrise geradezu explodiert ist, würde die bisherige Methode zu einem heftigen Effekt durch saisonale Anpassungen bei der gemeldeten Zahl der Erstanträge führen – und dann ebenso massive Revisionen der gemeldeten Zahlen nach sie ziehen bei späteren Veröffentlichungen. Bei der ab heute verwendeten „additiven“ Erfassung der US-Arbeitsmarktdaten dagegen fallen diese saisonalen Anpassungen deutlich weniger ins Gewicht.

Warum ist das wichtig? Weil es bedeuten könnte, dass die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhife ebenso wie die Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe heute deutlich niedriger ausfallen werden als von den Märkten erwartet. Statt der Konsens-Prognose von 950.000 Erstanträgen dürfte die Zahl dann heute eher im Bereich von 800.000 Anträgen gemeldet werden, laut Experten. Was aber eben nicht bedeutet, dass in der Realität weniger Menschen arbeitslos sind – oder gar der US-Arbeitsmarkt sich deutlich erholt.

Dass die Aktienmärkte eine bessere Zahl der US-Arbeitsmarktdaten aber gleichwohl feiern würden, steht wohl auf einem anderen Blatt: für Kursanstiege wird derzeit gerne jede Begründung heran gezogen, egal wie sinnfrei sie in der Realität auch sein mag..

Ab heute werden die US-Arbeitsmarktdaten mit einer anderen Methodik berechnet



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2 Kommentare

  1. Man muß wohl jede nur noch so erdenkliche Form nutzen um die Börse nach oben
    zu drücken !

    US – Zahlen …………………..

    (allerdings hat sich Europa in der „Kreativität“ gut angepasst)

  2. Auf einmal statistisch weinger Corona infizierte, die Arbeitslosen sind auch verschwunden und tauchen nicht mehr in der Statistik auf.
    Alles nur Augenwischerei.
    Wie bei den Konzernen (Tesla und Co.)
    Wer zuletzt lügt, hat verloren, das findet immer mehr Nachahmer.
    Fazit: Ein riesiges Schneeballsystem mit einem zuverlässigen Ende.

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