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US-Rentenmärkte versus Aktienmärkte – Erstere warnen vor der Rezessionsgefahren, Letztere spekulieren auf Erholung. Wer bekommt Recht?

Wer hat Recht: die Aktienmärkte oder die Anleihemärkte?

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Es gibt tagtäglich Konjunktur- und Unternehmensdaten, wichtige und weniger wichtige, manche mit einer Bedeutungs-und Halbwertszeit von wenigen Stunden. Aber auf eine Zahl bzw. eine Kurve aus dem Anleihebereich achtet man ganz besonders, weil sie eine sehr valide Aussagekraft besitzt über den Zustand eines Aufschwungs. Es ist das Verhältnis zwischen den langfristigen und den kurzfristigen US-Zinsen. Und diese Kurve flacht sich derzeit ganz deutlich ab. Dazu später mehr. Gleichzeitig zeichnet sich momentan eine starke Divergenz zwischen den beiden großen US-Kapitalmärkten ab.

 

Die Botschaft der Aktienmärkte – Aufschwung

Seit der dovishen Wende der US-Notenbank Ende Dezember (Stopp der Zinsanhebungen, „wait and see“) steigen weltweit die Aktienkurse – in den USA so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr (S&P 500 +12%, Nasdaq +15% seit Jahresanfang). Und dies, obwohl sich seit Oktober fast schon ein synchroner Wirtschaftsabschwung in den großen Industrienationen vollzieht.

Deshalb haben nahezu alle großen Notenbanken den Fuß vom Zinspedal genommen – „Liquiditätshausse contra Konjunkturbaisse“ – hat es der vorsichtiger werdende Daueroptimist Robert Halver genannt.

Die Aktienmärkte glauben an ein Wiederanspringen der US-Wirtschaft bereits im 2. Quartal mit ca. 3 Prozent Gewinnwachstum und einer Beschleunigung bis über 9 Prozent im Schlussquartal des Jahres 2019. Man hat derzeit anscheinend alles Gute eingepreist (Lösung im Handelsstreit, kein ungeordneter Brexit und Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft). Aber: Sollte die Wirtschaft sich wirklich fangen und im Jahresverlauf positive Wachstumsraten zeigen, müsste dann die Fed 2019 die Zinsen nicht doch anheben? Und das ist in den Märkten gar nicht eingepreist.

 

Die Botschaft der Anleihemärkte – Abschwung

Anleger fliehen in US-Staatsanleihen – Warnsignal von den Märkten, hieß es in letzter Zeit öfters, wenn der Kurs der 10-jährige US-Staatsanleihe gestiegen, bzw. der Zinssatz gefallen war. Von gut 3,20% im Oktober und November auf gerade noch 2,58% am letzten Freitag. Der US-Leitzins liegt seit Dezember bei 2,50%, die 2-Jährigen werfen gerade noch 2,44% Rendite ab. Ein absolut konträres Szenario zu dem oben Beschriebenen. Denn: Wer sein Geld für zehn Jahre verleiht, will mehr haben, als wenn er es nur für kurze Zeit aus der Hand gibt. Außer man glaubt, dass die Notenbank demnächst die Zinsen senken wird, dann fallen die Zinsen und die Langläufer bringen Kursgewinne, während gleichzeitig die Kurse an den Aktienmärkten fallen. Also, die Erwartung einer inversen Zinskurve.

 

Die Verlässlichkeit dieses Signals

Von einer inversen Zinskurve spricht man, wenn die Rendite für die 2-jährige US-Staatsanleihe höher ist als die für die 10-Jährige. Bei einer solchen Zinsstrukturkurve müssen Banken für die Refinanzierung mehr zahlen als sie über die Kreditvergabe verdienen. Gleichzeitig nimmt aber die Kreditnachfrage mit einer flachen Zinsstrukturkurve zu, weil es sich dann lohnt, einen Kredit zur Anlage auf einem Festgeldkonto aufzunehmen, da der Einlage- über dem Leihzins liegt. Da die Banken in den USA für einen bedeutsamen Teil der Gewinne an der Wall Street verantwortlich sind, ist dieser Zustand ein eindeutiges Rezessionssignal.

Nach einer Studie der Fed San Francisco, einem Ableger der US-Notenbank in Kalifornien, hat eine sogenannte inverse Zinskurve seit 1955 alle Rezessionen vorhersagt. Nur ein einziges Mal gab sie Fehlalarm. Die Rezession folgte in der Regel aber mit einem zeitlichen Gap (nicht die Aktienkurse) – wenn die Rezession kam, war die Inversion meist schon wieder vorbei.

Eine kleine Unsicherheit gibt es laut dem Ökonomen Tobias Schüler vom Münchner Ifo- Institut aber derzeit. Da die Fed in den letzten Jahren durch ihr Anleihe-Kaufprogramm (QE) die langfristigen Zinsen künstlich gesenkt hat, besteht eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass der Indikator derzeit nicht zu 100 % zuverlässig ist. Da die US Notenbank seit letztem Sommer keine Anleihen mehr kauft, beziehungsweise ihre Bilanz reduziert, hat sich diese Marktverzerrung wieder deutlich verringert, will heißen, der Indikator könnte doch noch seine bisherige Indikationskraft behalten haben.

 

Mein Langfrist-Szenario

Es wird schlussendlich der Rentenmarkt die Oberhand gewinnen, denn es gibt eine jahrzehntealte Korrelation zwischen den Anleihe- und den Aktienmärkten, bei denen denen die Dividenden stets einen kleinen Risikoaufschlag verbuchen konnten. Was heißt das? Nach einer durchschnittlichen Performance des S&P 500 von 17% p.a. seit 2009 muss es, diesem Zusammenhang gehorchend, eine lange Periode von sehr mageren Aktienrenditen geben – nach vorheriger Korrektur. Wie gesagt, wenn dieser Dauerwettbewerb zwischen Renten und Aktien weiterbesteht, da die seit den 1980-er-Jahren fallenden Zinsen nicht mehr sehr viel tiefer sinken können.

Ein Beispiel wird uns aus Fernost geliefert. Japan, das Land mit den Minizinsen und einem Aktienhoch, welches schon fast 30 Jahren zurückliegt.

So schlimm sollte es dann aber auch nicht werden.

 

Die New York Stock Exchange im Jahr 2009

By Government of Thailand – Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26323620

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

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Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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Finanznews

US-Wahl: Wer liegt falsch? Marktgeflüster (Video)

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

Rüdiger Born

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Dax und S&P 500 sind derzeit gut gelaunt. Ist an den steigenden Kursen derzeit aus charttechnischer Sicht nichts auszusetzen? Oder sind Rücksetzer doch möglich? Mehr dazu im folgenden Video.

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