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US-Wirtschaft: Brandschutzmauer ist nur ein Gartenzaun

Gerade jetzt wäre ein Blick der Amerikaner weit jenseits über den eigenen Gartenzaun hinaus enorm wichtig..

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Für ihre Entscheidungen schaut die amerikanische Notenbank gemäß ihrem Mandat vor allem auf die heimischen Konjunkturdaten der US-Wirtschaft. Solange laut offizieller Statistik Vollbeschäftigung und Preisstabilität herrschen und die Aktienmärkte haussieren, bleibt der Handlungsdruck gering. Das könnte sich erneut als Brandbeschleuniger für einen weltweiten Abschwung erweisen.

Der analytische Blick der amerikanischen Geldpolitiker war von jeher vor allem auf die eigene Nation gerichtet. Die Begründung für diese limitierte Perspektive, bis zum heimischen Tellerrand, ist stets die Gleiche: die US-Konjunktur hängt im Wesentlichen vom Binnenkonsum und regionalen Dienstleistungen ab. Diese vermeintliche wirtschaftliche Brandschutzmauer gegenüber der Weltwirtschaft ist jedoch eine Fata Morgana und gleicht eher einem Gartenzaun, der bekanntlich nur mäßigen Schutz gegen eine nahende Feuerwalze bietet.

 

Globale Konjunktur ist US-Wirtschaft neun Monate voraus

Dabei wäre gerade jetzt ein Blick der Amerikaner weit jenseits über den eigenen Gartenzaun hinaus enorm wichtig. Der globale Konjunkturzyklus hat bereits 2018 in Richtung Abschwung gedreht und ist dem Zyklus der US-Wirtschaft damit ca. neun Monate voraus. Der Grund für diese ökonomische Phasenverschiebung ist vor allem der schuldenfinanzierte Steuer-Stimulus, den sich Amerika gönnte.

Die übrige Welt, vor allem die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer, hatte es derweil mit starkem Gegenwind zu tun. Argentinien musste vor Jahresfrist gar mit einem Notkredit des IWF in Höhe von 50 Mrd. Dollar vor dem wirtschaftlichen Kollaps bewahrt werden. Grund dafür war auch die restriktivere Geldpolitik der Fed.
Fakt ist, dass die Entscheidungen der US-Notenbanker direkt und indirekt auf die gesamte Welt ausstrahlen. Zum einen, weil allein 16 Staaten den US-Dollar als Landeswährung einsetzen und weitere 22 Staaten ihre Währung fix an den US-Dollar gekoppelt haben. Diese Länder müssen automatisch jeden Zinsschritt nachvollziehen, um die Dollarbindung aufrechtzuerhalten. Leider hatte kein einziger dieser Staaten einen gigantischen Steuer-Stimulus wie die USA.

 

Der Dollar als Problem

Noch viel wesentlicher sind aber die Probleme die der im Zuge amerikanischer Zinserhöhungen gestiegen Wechselkurs des Dollars verursacht. Bereits Anfang Dezember 2018, also noch vor der letzten Zinsanhebung der Fed, bat der Vorsitzende der indischen Zentralbank, Shri Shaktikanta Das, den Chef der Fed, Jerome Powell, die US-Geldpolitik mit Rücksicht auf die Dollar-Schulden der Schwellenländer nicht weiter zu straffen. Damals lagen diese laut BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) bei 3,7 Billionen US-Dollar. Fed-Chef Powell kam dieser Bitte nicht nach und hätte damit kurz vor Weihnachten fast einen Welt-Crash ausgelöst.

Die Fragilität der globalen Konjunktur ist jenseits des tobenden Handelskriegs und der Schwäche Europas auch durch diese Dollarverschuldung der Schwellenländer bedingt. Wie eine Zangenbewegung stiegen die Belastungen für Dollar-Schuldner von der einen Seite durch steigende Zinsen und von der anderen Seite durch die Aufblähung der Dollar-Kreditsumme in heimischer Währung an. Vor allem die Dollar-Aufwertung gegenüber der türkischen Lira, dem argentinischen Peso, der indischen Rupie, dem brasilianischen Real sowie dem chinesischen Yuan war für viele Schuldner sehr belastend.

 

Brandnester der US-Wirtschaft

Doch selbst wenn man die USA isoliert betrachtet, gibt es auch dort schon Brandnester auf dem eigenen Konjunktur-Rasen. Die fast 3 Billionen Dollar große BBB-Unternehmensschuldenbombe hat sich laut US-Fed allein im Jahr 2018 um weitere 20 % aufgebläht und wächst weiter. Das Volumen der nur knapp über Ramschniveau eingestuften Anleihen amerikanischer Unternehmen lag noch im Oktober 2018 bei 2,8 Bio. Dollar, aktuell sind es bereits 3,2 Bio. Dollar. Dies entspricht einem Anteil von mehr als 50 % aller ausstehenden US-Firmenanleihen. Dazu gesellen sich noch Schwächesignale vom Immobilienmarkt sowie dem Transport- und Industriesektor. Dabei ist zu bedenken, dass die 25-prozentigen Einfuhrzölle auf die Hälfte aller chinesischen Importe in die USA erst ab dem 15. Juni effektiv gelten und in den jüngst veröffentlichten US-BIP Zahlen noch gar keinen Niederschlag fand.

Es ist sicher nicht hilfreich für die unabhängige Entscheidungsfindung der Fed, dass die US-Administration und seit Neuestem sogar Vertreter der oppositionellen Demokraten Druck auf die Fed ausüben, die Geldpolitik rasch und kräftig zu lockern.

Es bleibt aber zu hoffen, dass der heute tagende Offenmarktausschuss der US-Notenbank nicht wie im Dezember 2018 die Psychologie der Märkte und die globale Abschwung Dynamik unterschätzt. Gemäß IWF soll das Weltwirtschaftswachstum nach 3,8 % im Jahr 2017 und 3,6 % im Jahr 2018 in diesem Jahr nur noch knapp über 3 % liegen, was für viele Regionen der Welt, auch für Europa, schon eine Rezession bedeuten würde.

 

Die Fed achtet vor allem auf die US-Wirtschaft

By Stefan Fussan, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22688572

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