Europa

Verbraucherpreise in Deutschland: Der Supermarkt rettet vor der Deflation

Erst gestern hatten wir eine hochinteressante Analyse der Uni Hohenheim angesprochen, die aufzeigt, dass die Verbraucherpreise derzeit wohl eher um 3,8 Prozent steigen, während die offiziellen Zahlen unter 1 Prozent liegen. Denn in Corona-Zeiten ändern sich die Konsumgewohnheiten deutlich, und steigende Verbraucherpreise für Lebensmittel geraten in den Fokus. Aber hier und heute besprechen wir den offiziell geltenden Warenkorb zur Berechnung der Inflation. Und heute wurde die endgültige Fassung der deutschen Verbraucherpreise für den Monat April vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Die Teuerung sinkt von 1,4 Prozent im März auf 0,9 Prozent im April. Wie wir schon Anfang des Monats vorab berichteten, so zeigen die nun präsentierten ausführlicheren Daten noch deutlicher: Der Supermarkt rettet aktuell den Preisschnitt vor der Deflation! Denn der Ölpreis-Crash schlägt immer deutlicher auf die Energiepreise für Verbraucher durch, die so stark fallen, dass sie drohen den Gesamtschnitt ins Minus zu drücken. Während die Energieprodukte im Jahresvergleich um 5,8 Prozent billiger wurden, verteuern sich Lebensmittel um 4,8 Prozent. Hier drucken wir einige interessante Aussagen der Statistiker im Wortlaut ab:

Waren verteuerten sich binnen Jahresfrist unterdurchschnittlich um 0,3 %

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von April 2019 bis April 2020 unterdurchschnittlich um 0,3 %. Maßgeblich hierfür war der Preisrückgang bei Energieprodukten um 5,8 %. Am stärksten gaben die Preise für Heizöl infolge des seit Jahresbeginn anhaltenden Ölpreisverfalls auf dem Weltmarkt nach, unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie. Binnen Jahresfrist sanken die Preise für Heizöl im April 2020 erheblich um 23,7 %. Auch Kraftstoffe wurden dadurch für Verbraucherinnen und Verbraucher mit -15,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich günstiger. Neben den Preisrückgängen bei den Mineralölprodukten gab es auch einige Preiserhöhungen, wie beispielsweise für Strom (+4,4 %). Kräftig stiegen auch die Preise für Nahrungsmittel (+4,8 %). Hier wurden die Auswirkungen der Corona-Krise insbesondere durch die Preisanstiege bei Obst (+11,0 %) und Gemüse (+6,5 %) deutlich.

Inflationsrate ohne Heizöl und Kraftstoffe bei +1,6 %

Vor allem die deutlichen Preisrückgänge bei Mineralölprodukten wirkten sich im April 2020 dämpfend auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Preise für Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate im April 2020 weitaus höher bei +1,6 % gelegen.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 1,3 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im April 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich um 1,3 %. Bedeutsam für die Preisentwicklung der Dienstleistungen war die Preiserhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Deutlicher erhöhten sich zum Beispiel die Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,0 %) sowie die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+4,0 %).

Deutlicher Preisanstieg gegenüber dem Vormonat bei Gemüse

Im Vergleich zum März 2020 stieg der Verbraucherpreisindex insgesamt im April 2020 um 0,4 %. Nennenswert sind die steigenden Nahrungsmittelpreise (+1,1 %). Dabei mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem für Gemüse mehr bezahlen als im Vormonat (+5,1 %). Die Preise für Energieprodukte gingen hingegen zurück (-3,0 %), insbesondere wurden Kraftstoffe billiger (-8,3 %).

Verbraucherpreise April im Detail



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