Hintergrund

Warum die Bullen „hinter der Kurve“ sind

In den USA tobt die Diskussion, ob die Fed „hinter der Kurve“ ist, also zu spät auf die Erholung der US-Wirtschaft reagiert. Janet Yellen hat jedoch vorgestern klar gemacht, dass – sollte sich der Arbeitsmarkt inden USA weiter erholen – die Zinsen schneller steigen, als man derzeit erwarten könne. Das ist eine bedeutende Wende von einer ultralaxen Geldpolitik: erstens zeigt es eine Änderung hin zu einer latent „hawkishen“ Geldpolitik – und das haben die Märkte bislang noch nicht eingepreist. Und zweitens heißt das: gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind von nun an schlechte Nachrichten für die Aktienmärkte. Die Fed hat offenkundig ihren Fokus wieder zurückverlegt von der Inflation auf den Arbeitsmarkt – das ist wieder ein echter „game changer“.

Der „irrationale Überschwang“ derzeit ist enorm: 21st Century Fox will Time Warner übernehmen, Volkswagen interessiert sich für Fiat – angesichts gestiegener Aktienkurse wird auch der Optimismus größer. Klar: häufig werden große Teile einer Übernahme durch eigene Aktien gestemmt, und wenn die preise für die eigenen Aktien hoch sind, greift man umso lieber zu. Aber ich kann mich noch gut an 2007 erinnern: auch damals gab es jede Menge Übernahmen, bevor dann der große Absturz kam. Geschichte wiederholt sich nicht immer, aber immer öfter..

Es sieht also so aus, als sei weniger die Fed, sondern die bullischen, unbesorgten Aktienmärkte „hinter der Kurve“. Sie feiern Party, während am Horizont schon die Gewitterwolken aufziehen. Lance Roberts formuliert es so: „Most importantly, the number of times that Federal Reserve has hiked interest rates without a negative economic or market impact has been exactly ZERO.“

Und da gibt es ja auch noch einige Risikofaktoren: so scheint sich mit den heutigen Sanktionen gegen Russland, die mit den großen Energieunternehmen wie Rosneft das Herz der russischen Ökonomie treffen, die Russland-Ukraine erneut dramatisch zuzuspitzen. Einmal ganz abgesehen von China, das eine harte Landung erleben wird..



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2 Kommentare

  1. Und prompt antwortet Microsoft: The company said it would cut up to 18,000 jobs and take restructuring charges of up to $1.6 billion.
    Und jetzt wird der Arbeitsmarkt wieder in die richtige Position gerueckt.

    1. Von den 18.000 Stellen fallen 12.500 in Finnland weg, das wird den US-Arbeitsmarkt gering bis gar nicht tangieren…
      Ich gehe von der ersten Zinsanhebung im Herbst 2014 aus, bis dahin hätte der Aktienmarkt noch genügend Zeit, die Zinsanhebung einzupreisen, aber es ist wie immer: in einer Hausse scheint es keine Risiken zu geben und jeden Tag ein Allzeithoch sieht doch einfach schick aus…

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