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Was bedeutet eigentlich Monetarisierung von Staatsschulden?

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Monetarisierung der Staatsschulden durch die EZB

Die Monetarisierung von Staatsschulden ist wieder in. Seitdem die Notenbanken rund um den Erdball, allen voran die EZB und die Fed, wieder Staatsanleihen kaufen, stellt sich die Frage, was die Monetarisierung von Staatsanleihen eigentlich ist und was sie bedeutet – für den Staat, seine Bürger, Gläubiger und die Währung. Kurz gesagt bedeutet Monetarisierung von Staatsschulden nichts anderes, als dass die Notenbank die Staatsschulden aufkauft. Das tut sie naturgemäß mit Geld, das vor dem Aufkauf noch gar nicht existierte. Es wird also zusätzliches Geld geschaffen.

Die Monetarisierung bringt zusätzliches Geld ins System – und damit Inflation

Damit unterscheidet sich der Kauf von Staatsanleihen signifikant vom Kauf durch jede andere denkbare Partei. Wenn Privatpersonen, Unternehmen, Pensionsfonds oder Rentenkassen Staatsanleihen kaufen, dann wird dem System zunächst einmal Geld entzogen. Die Käufer der Anleihen können das in die Zeichnung der Anleihen investierte Geld erst einmal nicht mehr ausgeben, dadurch keine Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen erzeugen und so auch weder für steigende Preise noch eine Wirtschaftsbelebung sorgen.

Der Staat, der nun das Geld besitzt, gibt Staatsanleihen jedoch nicht zum Selbstzweck oder zur Kaufkraftabschöpfung aus. Er wird dieses Geld wieder ausgeben. Und damit wird dieses Geld über kurz oder lang doch noch nachfragewirksam. Schließlich kauft der Staat entweder direkt Waren und Dienstleistungen damit ein oder gibt das Geld Menschen und Unternehmen, die es wiederrum ausgeben. Im ganzen Kreislauf kommt jedoch kein zusätzliches Geld in den Umlauf. Es wird nur temporär umverteilt von Geldbesitzern an andere Parteien.

Wenn Zentralbanken die Staatsanleihen kaufen (hier die jüngsten Bilanzdaten), ganz gleich, ob direkt vom Staat oder von anderen Anleihebesitzern, dann wird jedoch zusätzliches Geld erzeugt. Die Zentralbank kauft die Anleihen mit Geld, das im Moment des Kaufes erzeugt wird. Somit kann jeder Euro oder US-Dollar monetarisierter Staatsanleihen gleich zweimal nachfragewirksam werden. Einmal, wenn der Staat das mit der Anleiheemission eingenommene Geld ausgibt. Und ein zweites Mal, wenn der ursprüngliche Besitzer der von der Zentralbank gekauften Anleihen das von der Zentralbank erhaltene Geld ausgibt.

Damit wird die Monetarisierung von Staatsanleihen auf jeden Fall für steigende Inflation sorgen. Das kann entweder auf den Waren- und Dienstleistungsmärkten geschehen, am Immobilienmarkt oder wie jüngst geschehen, an den Wertpapiermärkten. Dort, wo das zusätzliche Geld ausgegeben wird, steigen die Preise.

Notenbanken könnten das Geld wieder entziehen, doch sie tun es nicht!

Das ist jedoch solange nur ein temporärer Effekt, wie die Notenbank die gekauften Anleihen nach der Tilgung nicht reinvestiert. Irgendwann muss der Staat die ausgegebenen Anleihen tilgen – einmal abgesehen von den wenigen unendlich laufenden Anleihen. Woher auch immer muss der Staat Geld beschaffen und zur Tilgung der Anleihe einsetzen. In diesem Moment wird dem System wieder Geld entzogen. Die Zentralbank bekommt das Geld, die Anleihe ist getilgt und das Geld verschwindet genauso wieder im Nichts, wie es beim Kauf erschaffen wurde.

Doch soweit ließen es die Zentralbanken bisher nicht kommen. Zins-und Tilgungszahlen wurden bisher wieder in neue Anleihen reinvestiert. Damit bleibt das Geld also im System und nachfragewirksam. Schlimmer noch: Durch die auch reinvestierten Zinsen nimmt das zusätzlich geschaffene Geldvolumen immer mehr zu.

Dabei spielt es auch gar keine Rolle, ob die Staaten ihre Anleihen direkt an die Notenbank verkaufen oder die Papiere über Zwischenhändler an die Zentralbanken weitergereicht werden. So ist es der EZB verboten, direkt Anleihen zu zeichnen. Aus dem Grund werden neue Anleihen erst an Banken und Versicherungen verkauft, die sie dann mit Gewinn an die Notenbank weiterreichen. Es ist nicht mehr als ein Trick, um das Verbot zu umgehen, der gleichzeitig den Zwischenhändlern gute, fast risikofreie Gewinne beschert. Dem Sinn des Monetarisierungsverbots, der Erhalt der Kaufkraft des Geldes, wird zuwider gehandelt.

Endziel: Hyperinflation!

Im schlimmsten Fall führt die Monetarisierung zum vollständigen Verlust des Vertrauens in die Währung. Hyperinflation, Abwertung und Wirtschaftskrisen sind die Folge. Für die Staaten ist der Kaufkraftverlust des Geldes sogar ein positiver Nebeneffekt. Wenn mehr Geld im Umlauf ist, das besteuert werden kann, dann können die alten Schulden mit neuem Geld geringerer Kaufkraft zurückgezahlt werden. Die Schuldentragfähigkeit des Staates steigt erst einmal.

Doch haben die Notenbanken erst einmal im größeren Umfang damit angefangen, gibt es kaum mehr einen Weg zurück. Die Märkte haben sich inzwischen an die zusätzliche Liquidität gewöhnt. Die Notenbanken werden die Folgen eines Liquiditätsentzuges vermeiden wollen: fallende Aktien- und Anleihenkurse, sinkende Immobilienpreise, sinkendes Wirtschaftswachstum oder sogar Rezession. Zum Preis von Inflation und Vertrauensverlust haben die Notenbanken eine Krise abgemildert – und dadurch den Weg zu einer viel größeren Krise in der Zukunft geebnet.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Klempner

    16. Juli 2020 13:22 at 13:22

    Die Politiker kapierens einfach nicht mit wem sie sich einlassen und was das Endziel von
    dem ganzen ist.Die dürften zu dem Thema Geldschöpfung garkeine Prokura haben.
    Sie verarmen die ganze Bevölkerung.Inflation ist das Schlimmste was dem Arbeitnehmer passieren kann.Die heutige Inflation ist irrsinnig. Sie sehen nur den Preis ,kapieren
    aber das mit Quantität nicht.Die Preise/Zinsen sind nur Illusion,die wahren Werte
    kann ohne Computereinsatz überhaupt nicht sehen.
    „mit Wumms aus der Krise“ das sind alles Voll…………

    • Avatar

      thinkSelf

      16. Juli 2020 13:49 at 13:49

      Doch, sie wissen das sehr genau. Aber sie finden keinen Ausweg mehr wie sie ohne massiven eigenen Schaden da rauskommen (siehe meinen unten stehenden Kommentar). Auch weil es diesen Ausweg eben nicht mehr gibt.

  2. Avatar

    thinkSelf

    16. Juli 2020 13:46 at 13:46

    Das entziehen der aufgeblähten Geldmenge kann nur über folgende Mechanismen laufen:

    1. Die gekauften Anleihen (egal ob vom Staat oder von Firmen) kommen ans Ende ihrer Laufzeit und durch deren Rückzahlung an die Zentralbank wird das Geld wieder eingezogen.
    2. Die Zentralbank verkauft die Anleihen wieder in den Markt, wodurch das Geld für den Kauf wieder verschwindet.

    Das Problem ist nun, dass es keinen Markt für die Anleihen gibt. Die lassen sich also nicht in den Markt verkaufen (zumindest nicht ohne hohen Verlust).
    Hat die Zentralbank die Anleihen oberhalb ihres Nennwertes gekauft, dann verbleibt diese Geldmenge auf Dauer im System. Genau wie die Kursverluste bei Rückgabe in den Markt.

    Der Staat kann seine Schulden natürlich nur über Leistungskürzungen und/oder Steuererhöhungen begleichen. Bei den aufgehäuften Schulden ist dieser Weg vollständig und dauerhaft versperrt.

    Das Problem ist übrigens nicht, dass sich „die Märkte an die Liquidität gewöhnt haben“, sondern das die Rückführung der Geldmenge die Vermögen verringert (Schulden -Geldvermögen = 0): Es MUSS jemand verlieren, aber das will natürlich keiner.
    Da das allen Spielern klar ist, geht es nun nur noch darum, wer denn die Zeche am Schluss bezahlt. Also versuchen alle eine Position einzunehmen auf der ihnen wenig passiert oder die Gnade der frühen Geburt dafür sorgt das man die Folgen dieser Politik weder tragen noch verantworten muss.

    Ich rechne da allerdings auch weiter nicht mit einer Hyperinflation in Dollar und Euro, da es aktuell für den Welthandel hierzu keine Alternative gibt (China ist aber noch nicht soweit). Sondern es wird zu einer weiteren Zombifizierung, einer weiter sinkenden Produktivität und damit einer schleichenden Verarmung in den westlichen Staaten kommen.
    Wobei das mit der Verarmung auch mal ganz schnell gehen kann. Was mit Sicherheit (unkalkulierbare) politische Folgen nach sich zieht.

    Wie Markus Krall völlig zu recht sagt: Wer versucht die Lebensrisiken auszuschalten akkumuliert sie nur. Und zwar so lange bis ihm die ganze Hütte um die Ohren fliegt.

  3. Avatar

    Klempner

    16. Juli 2020 15:20 at 15:20

    d“accord
    Oder man erhöht die Realzins am langen Ende sehr langsam bis auf 6 % und führt
    ein Trennbankensystem für die Giralseite ein (Reduktion der Bankbilanz + 100 %Guthabenschutz des
    Kontoeigentümers) .Das Zockrisiko ist wieder beim Zocker!

    Soll heissen jede neue einzelne Anleihe besitzt eine Zinsrampe.
    Anfänglich wird günstig finanziert und wird dann immer teuerer.
    (Man kann dann die Fälligkeiten/Risiko nicht mehr verschieben,weil innerhalb eines Vertrages).
    Und man zwingt den Schuldner effizient zu arbeiten ,um das ältere Eigentumsrecht
    zu schützen.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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