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Wie in Gold investieren – physisches Gold, Papiergold oder Minenaktien?

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Der Goldpreis hat heute ein neues 7-Jahreshoch erreicht. In den letzten eineinhalb Jahren hat Gold einen regelrechten Hype ausgelöst. Egal ob physisches Gold, Papiergold oder Goldminenaktien. Im Juni 2019 begann die Gold-Rally und anschließend kam es zum Ausbruch aus der mehrjährigen Seitwärtsphase. Seitdem ist der Goldpreis von 1.270 Dollar bis auf das heutige 7-Jahreshoch bei 1.768 Dollar angestiegen. Das entspricht einem Anstieg von fast 40 Prozent.

Für Anleger spielt die Spekulation auf Kursgewinne beim Kauf von Gold meist nur eine untergeordnete Rolle. Die Hauptgründe dafür sind ganz andere. Laut einer Studie des Steinbeis Research Center for Financial Services antworteten 84 Prozent der Befragten, dass sie Gold erwerben, weil sie auf der Suche nach einer stabilen Wertanlage seien. Gefolgt von 83 Prozent zum Schutz vor Inflation. Dabei haben 70 Prozent der Befragten angegeben Angst vor einer steigenden Inflation zu haben.

Gold ist ein klarer Profiteur in Zeiten der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Das Umfeld verbessert sich stetig, solange die Notenbanken die Märkte mit Geldfluten und die Zinsen niedrig bleiben. Sollten die geldpolitischen Maßnahmen irgendwann zu steigenden Inflationsraten führen und gleichzeitig das Zinsniveau niedrig bleiben, dann sind Sachwerte wie Gold weiterhin eine sehr gute Wahl. Nur welche Anlageform ist dabei die richtige für mich?

Unterschiede physisches Gold und Papiergold

Der Unterschied ist so einfach und signifikant zugleich. Das “echte” Gold (Barren; Münzen) kann man in die Hand nehmen, während Papiergold (Zertifikate) nichts Greifbares – also auch kein Sachwert – darstellt. Es handelt sich lediglich um eine Forderung an eine Gegenpartei (Emittent). Wer im Volksmund von einer Investition in Gold spricht, meint üblicherweise den Kauf von Barren und Münzen. Jedoch ist das Goldangebot bedeutend breiter. Es gibt drei Arten in Gold zu investieren: Papiergold, physisches Gold und Goldminenaktien.

Papiergold

Als Papiergold bezeichnet man Finanzprodukte in Form verschiedener Derivate. Zwar leiten sich deren Kursentwicklungen direkt vom Goldpreis ab, aber mit physischem Gold haben diese wenig zu tun. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel gibt es Zertifikate mit einem Auslieferungsanspruch (ETCs). Dennoch wird an den Terminmärkten für Futures und Optionen nur bei einem äußerst geringen Anteil der gehandelten Kontrakte tatsächlich die Lieferung der zugrundeliegenden Ware verlangt. Im Normalfall werden die Terminkontrakte durch ein Gegengeschäft glattgestellt, indem ein Barausgleich stattfindet. Daher ist das Argument, dass es mehr Eigentümer von Gold, als Gold selbst gibt, nicht entscheidend. Letztendlich gibt es für jeden Käufer auch einen Verkäufer. Daher hat das hohe Volumen und die große Anzahl der Anleger eher einen stabilisierenden Effekt auf den Markt.

Physisches Gold

Genau genommen ist Gold gar kein Rohstoff. Im Gegensatz zu Silber wird es kaum für industrielle Zwecke benötigt. Gold ist eher ein akzeptierter Wertspeicher oder eine Art Versicherung. Man könnte es auf eine Stufe mit Sachwerten wie Immobilien, Kunst und Antiquitäten stellen. Aber mit dem Unterschied, dass es so gut wie für jeden erschwinglich ist.

Goldminenaktien

Bei dieser Investmentform wird in ein Wertpapier und nicht in physisches Gold investiert. Goldminenaktien sind demzufolge Anteilsscheine an einem Unternehmen, das Gold in Minen abbaut und anschließend auf dem Weltmarkt zum Verkauf anbietet. Im Gegensatz zu Papiergold handelt es sich hierbei um einen Sachwert in Form von Wertpapieren.

Was ist nun die beste Wahl?

Menschen sind in Bezug auf Gold recht einfach gestrickt – es zählt hauptsächlich, dass was man in den Händen halten kann – also physisches Gold. Der Corona-Crash hat gezeigt, wie schnell Papiergold und Minenaktien abverkauft wurden. Aber das physische Gold, wie Münzen und Barren, hat so gut wie gar nicht den Besitzer gewechselt. Im Gegenteil, es haben sich teilweise Schlangen vor den Edelmetallhändler gebildet. Das macht deutlich, dass physisches Gold immer noch als ein sicherer Hafen dient, insbesondere in Zeiten von Unsicherheit und Krisen.

Entsprechend sind alle physischen Objekte aus Gold für Anleger geeignet, die auf der Suche nach einem Wertspeicher sind. Darüber hinaus gelten viele Goldmünzen als ein offizielles Zahlungsmittel. Bis zu einer Obergrenze von 1.999,99 Euro ist ein anonymer Erwerb möglich. Ebenfalls kann es im Notfall zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung dienen. Zu guter Letzt zählt es zu den wertbeständigsten Tauschmitteln.

Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, sind das vor allem emotionale Gründe – Angst spielt dabei eine bedeutende Rolle. Es gibt auch einige Nachteile sich für physisches Gold, als Investment zu entscheiden. Die laufenden Kosten für die Aufbewahrung und Lagerung sind ein erheblicher Nachteil. Auch die Gefahr von Verlust bzw. Diebstahl kommt noch dazu. Zusätzlich entstehen bei jedem An- und Verkauf Kosten durch Preisaufschläge der Händler. Das geht alles zulasten der Rendite.

Vorteil Papiergold

Der Kauf von Papiergold kann schnell und einfach per Mausklick erfolgen. Entsprechend groß ist die Auswahl. Es stehen dutzende Zertifikate, Futures, ETFs und ETCs zur Verfügung. Des Weiteren ermöglicht Papiergold eine kurzfristige und im Erfolgsfall auch wesentlich höhere Rendite. Diese können durch Hebelprodukte, mit kleinen bis großen Hebel, generiert werden. Eine Vielzahl von Anlegern nutzen u.a. Zertifikate zur Absicherung ihres Depots. Es erspart Ihnen während einer Baisse ihren Aktienbestand zu veräußern. Wer aber kein Interesse an reinen Schuldverschreibungen (Derivaten) hat, der kann zum Beispiel auch in Xetra-Gold investieren. Der Kauf ist bequem und kostengünstig und was noch viel wichtiger ist, der Käufer hat ein Auslieferungsanspruch auf physisches Gold.

Jedes Finanzinstrument birgt Risiken, genauso ist es beim Papiergold. Wie bei einem Wertpapier steht man vor der Herausforderung zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen und zu verkaufen. Zwar hängt der Preis vom Goldpreis ab, aber durch den Hebeleffekt läuft man schnell Gefahr höhere Verluste zu erzielen. Zudem spielt die Bonität des Emittenten eine große Rolle. Dadurch das der Anleger kein Eigentum oder Sicherungsrecht erwirbt, ist er zusätzlich dem Emittentenrisiko ausgesetzt.

Goldminenaktien als Alternative

Goldminenaktien vereinen zwei entscheidende Eigenschaften von physischem Gold und Papiergold. Zum einen zählen Aktien wie auch Edelmetalle zum Sondervermögen. Zum anderen bieten sie ähnlich wie Papiergeld höhere Renditen als physisches Gold. Parallel zum steigenden Goldpreis sind auch die Aktien vieler Goldminen-Unternehmen kräftig gestiegen. Unternehmen wie Barrick Gold, K92Mining, Newmont Goldcorp und andere haben überdurchschnittlich von dem Anstieg profitiert. Dadurch konnten Anleger im Laufe des letzten Jahres mit Goldminenaktien bessere Renditen erwirtschaften als mit Gold selbst. Das Gute beim Erwerb von Goldminenaktien ist, dass man im Vergleich zum physischen Gold wesentlich geringere Kosten hat.

Ein wesentlicher Nachteil sind die Kursschwankungen. Die Bewegungen im Goldpreis wirken sich überproportional auf die Aktienkurse aus. Außerdem können Goldminen bei schlechter Ertragslage starke Kurseinbrüche erleiden. Zudem korrelieren Minenaktien nicht ausschließlich mit dem Goldpreis, sondern auch mit den Aktienmärkten. Was ein Vorteil sowie ein Nachteil sein kann. Man darf auch das moralische Gegenargument der zum Teil zweifelhaften Arbeitsbedingungen in manchen Minen nicht vergessen. Politische Schwierigkeiten in Förderländern, Managementfehler sowie technische Risiken kommen noch dazu.

Fazit

Jedes der genannten Investments kann ein vorhandenes Portfolio stabilisieren. Da Gold eine geringe Korrelation zu andern Anlageklassen (Immobilien, Aktien, Anleihen etc.) aufweist. Befinden sich zum Beispiel die Aktienmärkte in einer Baisse, dann kann das Edelmetall den Verlust durch eine positive Kursentwicklung auffangen.

Hier nochmal die Vorteile der jeweiligen Anlegeformen: Physisches Gold erfüllt den Zweck eines Wertspeichers, es ist eine Notwährung, falls das Fiatgeld Probleme bekommt und es dient als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Papiergold ist dafür flexibel handelbar, kann anhand von gehebelten Derivaten hohe Renditen erbringen und bietet z.B. durch das Xetra-Gold eine gute Alternative zum physischen Gold. Goldminenaktien zählen zu den Sachwerten, der Erwerb ist aber kostengünstiger als beim physischen Gold. Zudem erbringen sie höhere Renditen, obwohl sie mit dem Goldpreis korrelieren.

Ganz unabhängig davon welche Anlageform man bevorzugt, Gold ist und bleibt ein sinnvolles Investment. Ob zur Beimischung oder als Diversifizierung in einem Wertpapierdepot. Trotzdem muss sich jeder Käufer entscheiden: Kaufe ich Goldbarren bzw. Münzen, Goldminenaktien oder Papiergold (Derivate, Xetra-Gold). Alle Formen der Geldanlagen im Gold haben ihre Vor- und Nachteile. Es liegt nun an Ihnen zu entscheiden, welche die für Sie beste Anlageform darstellt.

 

Wie in Gold investieren - physisches Gold, Papiergold oder Goldminenaktien?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Goldsammler

    23. Juni 2020 18:43 at 18:43

    Die Frage ist: Will ich Zocken oder Sicherheit. Bei Sicherheit, geht NUR phys. Gold welches nicht im Finanzsystem lagert. Alles andere ist nichts Wert… wenn es soweit ist.
    Hoffe ich konnte ihnen helfen.

    Bin mal gespannt was @Colombo dazu sagt.

  2. Avatar

    Kritisch on fire

    23. Juni 2020 18:51 at 18:51

    Schönen Abend!
    Es gibt doch bei Gold nur eine Entscheidung und die heißt zu Hause im Safe 50% in Münzen 5o% in kleineren bis größeren Barren. Weder im Bankschließfach (bei der Bank seines Vertrauen – HAHA) und schon gar nicht im Ausland (sichere Drittstaaten – HAHA). Ein sog. Notgroschen wie er sein muss. Und wenn nichts passiert wozu man das “Zeug” brauchen kann werden sich die Nachlommen auch nicht darüber ärgern (natürlich nicht testamentarisch beurkundet), oder?
    LG

  3. Pingback: Aktuelles vom 17. Juni 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

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Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

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Geldanlage: Vorsicht vor dem falschen grünen Daumen!

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Grüne Geldanlagen, also Investitionen, die vermeintlich umweltfreundlich sind, stellen einen Mega-Trend dar. Spätestens seitdem einige der größten Kapitalanlagegesellschaften der Welt das Thema aufgriffen und ankündigten, Nachhaltigkeitskriterien in die Anlageentscheidungen mit einzubeziehen, müssen sich auch Anleihe-Emittenten damit befassen, wenigstens grüner zu erscheinen. Relativ schnell gelang es einer spanischen Bank, sich anzupassen. Die begab kurzerhand einen CoCo-Bonds und labelte ihn als grüne Geldanlage. Es ist nicht der einzige Versuch, mit vermeintlich grünen Geldanlagen gutgläubige Anleger anzulocken.

Bank will nicht einmal sagen, warum ihre Anleihe eine grüne Geldanlage sein soll

CoCo-Bonds sind Wandelanleihen. Also Anleihen, die in Aktien getauscht werden können. Dabei hängt die Umwandlung jedoch von einer Bedingung ab, wie zum Beispiel der Eigenkapitalquote des Emittenten. Im Gegensatz zu klassischen Wandelanleihen kann der Käufer der Anleihen bei dieser Geldanlage nicht entscheiden, ob er die Anleihe in Aktien tauschen möchte. Wenn die Wandelbedingung erfüllt ist, muss er die Aktien akzeptieren. CoCo-Bonds sind bei Banken beliebt, da sie beim Absinken der Eigenkapitalquote, zum Beispiel während einer Finanzkrise, automatisch neues Eigenkapital zugeführt bekommen. Und kommt es zu keiner Krise, die das Eigenkapital angreift, werden die CoCo-Bonds am Laufzeitende einfach wie eine gewöhnliche Anleihe getilgt. Für Käufer der CoCo-Bonds besteht der Reiz in einem höheren Zinssatz als bei gewöhnlichen Anleihen.

Um die ganze Sache für den Käufer noch attraktiver zu machen, hat die spanische Bank BBVA ihren neusten CoCo-Bonds einfach als grüne Geldanlage gelabelt. Und zwar, weil nach Angaben der Bank ein Teil der Einnahmen durch den Verkauf des CoCo-Bonds in grüne Investitionen fließen soll. Konkrete Angaben dazu vermeidet BBVA jedoch. Anleger können also nicht prüfen, ob die Bank überhaupt einen Cent der Emission in umweltfreundliche Investitionen steckt oder nicht.

Nur weil grün draufsteht, muss es noch längst keine gute Anlage sein

Das Beispiel zeigt, dass nach nachhaltigen Geldanlagen suchende Anleger vorsichtig sein sollten. Der Markt für diese Art von Geldanlage ist schon seit geraumer Zeit ein beliebtes Spielfeld für allerlei windige Geschäftemacher. Das Produktportfolio zweifelhafter Angebote reicht vom genannten CoCo-Bonds, der nicht wirklich nachhaltig ist, über Nachrangdarlehen und Genussrechte für die Errichtung von Erzeugungsanlagen für erneuerbare Energie bis hin zu geschlossenen Fonds oder Aktiengesellschaften, die angeblich in umweltfreundliche Geschäfte investieren wollen, es aber nicht tun.

Die Crux bei den Nachrangdarlehen und Genussrechten ist, dass die Zins- und Tilgungszahlungen davon abhängen, dass die finanzierte Gesellschaft auch ausreichend Gewinne macht. Tut sie das nicht, können die Zahlungen folgenlos ausgesetzt werden. Ein ideales Umfeld für Geschäftemacher, die die Renditeaussichten übertreiben und nach kurzer Zeit ganz legal die Zahlungen einstellen dürfen, weil das Investment doch nicht so viel Geld abwirft wie ursprünglich kalkuliert.

Die Bafin hat in den vergangenen Jahren diverse Investmentangebote verboten, bei denen Anleger für Investitionen in Wald geworben werden sollten (derzeit ist die Behörde sehr stark im Verbotsrausch). Doch auch nicht verbotene Angebote bergen Gefahren, denen sich Anleger nicht bewusst sind, wenn sie für ihre Geldanlage vermeintlich umweltfreundliche Projekte aussuchen. Enorme Vertriebs- und Verwaltungskosten, kaum prüfbare Plantagen in Übersee und immens lange Anlagezeiträume, in denen sich alle möglichen Risiken realisieren können, sind nur einige der Probleme, die solche Investitionen am Ende oft zum Flop werden lassen.

Meine Erfahrungen mit grünen Geldanlagen sind durchwachsen

Ich bin selbst in diversen Projekten investiert, die Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie in Europa finanzierten. Einem kompletten Betrug saß ich zwar noch nicht auf. Doch inzwischen bin ich fast das ganze Spektrum an realisierten Risiken durchgegangen. Angefangen von deutlich geringerem Ertrag als prognostiziert, plötzlich gestiegenen Kosten, die die Rendite der Geldanlage belasten, gleich angeblich gänzlich nicht funktionierenden Anlagen, die dann von der Projektgesellschaft ungefragt eigenkapitalverzehrend weit unterhalb der Baukosten verkauft wurden, bis hin zur Umwandlung von rückzahlbarem Fremd- in nicht rückzahlbares Eigenkapital war schon alles dabei. Die Durchschnittsrendite der Anlagen liegt signifikant unterhalb der Anbieterprojektionen. Eine gute Diversifizierung, also die Streuung des Kapitals über viele verschiedene Anbieter mit diversen Projekten, half dabei, die Risiken im Zaum zu halten und trotz allem noch eine aus heutiger Sicht attraktive Rendite zu erzielen. Wirklich nachhaltig sind die nachhaltigen Anlagen jedoch oft nur für den Anbieter.

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