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Wie in Gold investieren – physisches Gold, Papiergold oder Minenaktien?

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Der Goldpreis hat heute ein neues 7-Jahreshoch erreicht. In den letzten eineinhalb Jahren hat Gold einen regelrechten Hype ausgelöst. Egal ob physisches Gold, Papiergold oder Goldminenaktien. Im Juni 2019 begann die Gold-Rally und anschließend kam es zum Ausbruch aus der mehrjährigen Seitwärtsphase. Seitdem ist der Goldpreis von 1.270 Dollar bis auf das heutige 7-Jahreshoch bei 1.768 Dollar angestiegen. Das entspricht einem Anstieg von fast 40 Prozent.

Für Anleger spielt die Spekulation auf Kursgewinne beim Kauf von Gold meist nur eine untergeordnete Rolle. Die Hauptgründe dafür sind ganz andere. Laut einer Studie des Steinbeis Research Center for Financial Services antworteten 84 Prozent der Befragten, dass sie Gold erwerben, weil sie auf der Suche nach einer stabilen Wertanlage seien. Gefolgt von 83 Prozent zum Schutz vor Inflation. Dabei haben 70 Prozent der Befragten angegeben Angst vor einer steigenden Inflation zu haben.

Gold ist ein klarer Profiteur in Zeiten der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Das Umfeld verbessert sich stetig, solange die Notenbanken die Märkte mit Geldfluten und die Zinsen niedrig bleiben. Sollten die geldpolitischen Maßnahmen irgendwann zu steigenden Inflationsraten führen und gleichzeitig das Zinsniveau niedrig bleiben, dann sind Sachwerte wie Gold weiterhin eine sehr gute Wahl. Nur welche Anlageform ist dabei die richtige für mich?

Unterschiede physisches Gold und Papiergold

Der Unterschied ist so einfach und signifikant zugleich. Das “echte” Gold (Barren; Münzen) kann man in die Hand nehmen, während Papiergold (Zertifikate) nichts Greifbares – also auch kein Sachwert – darstellt. Es handelt sich lediglich um eine Forderung an eine Gegenpartei (Emittent). Wer im Volksmund von einer Investition in Gold spricht, meint üblicherweise den Kauf von Barren und Münzen. Jedoch ist das Goldangebot bedeutend breiter. Es gibt drei Arten in Gold zu investieren: Papiergold, physisches Gold und Goldminenaktien.

Papiergold

Als Papiergold bezeichnet man Finanzprodukte in Form verschiedener Derivate. Zwar leiten sich deren Kursentwicklungen direkt vom Goldpreis ab, aber mit physischem Gold haben diese wenig zu tun. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel gibt es Zertifikate mit einem Auslieferungsanspruch (ETCs). Dennoch wird an den Terminmärkten für Futures und Optionen nur bei einem äußerst geringen Anteil der gehandelten Kontrakte tatsächlich die Lieferung der zugrundeliegenden Ware verlangt. Im Normalfall werden die Terminkontrakte durch ein Gegengeschäft glattgestellt, indem ein Barausgleich stattfindet. Daher ist das Argument, dass es mehr Eigentümer von Gold, als Gold selbst gibt, nicht entscheidend. Letztendlich gibt es für jeden Käufer auch einen Verkäufer. Daher hat das hohe Volumen und die große Anzahl der Anleger eher einen stabilisierenden Effekt auf den Markt.

Physisches Gold

Genau genommen ist Gold gar kein Rohstoff. Im Gegensatz zu Silber wird es kaum für industrielle Zwecke benötigt. Gold ist eher ein akzeptierter Wertspeicher oder eine Art Versicherung. Man könnte es auf eine Stufe mit Sachwerten wie Immobilien, Kunst und Antiquitäten stellen. Aber mit dem Unterschied, dass es so gut wie für jeden erschwinglich ist.

Goldminenaktien

Bei dieser Investmentform wird in ein Wertpapier und nicht in physisches Gold investiert. Goldminenaktien sind demzufolge Anteilsscheine an einem Unternehmen, das Gold in Minen abbaut und anschließend auf dem Weltmarkt zum Verkauf anbietet. Im Gegensatz zu Papiergold handelt es sich hierbei um einen Sachwert in Form von Wertpapieren.

Was ist nun die beste Wahl?

Menschen sind in Bezug auf Gold recht einfach gestrickt – es zählt hauptsächlich, dass was man in den Händen halten kann – also physisches Gold. Der Corona-Crash hat gezeigt, wie schnell Papiergold und Minenaktien abverkauft wurden. Aber das physische Gold, wie Münzen und Barren, hat so gut wie gar nicht den Besitzer gewechselt. Im Gegenteil, es haben sich teilweise Schlangen vor den Edelmetallhändler gebildet. Das macht deutlich, dass physisches Gold immer noch als ein sicherer Hafen dient, insbesondere in Zeiten von Unsicherheit und Krisen.

Entsprechend sind alle physischen Objekte aus Gold für Anleger geeignet, die auf der Suche nach einem Wertspeicher sind. Darüber hinaus gelten viele Goldmünzen als ein offizielles Zahlungsmittel. Bis zu einer Obergrenze von 1.999,99 Euro ist ein anonymer Erwerb möglich. Ebenfalls kann es im Notfall zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung dienen. Zu guter Letzt zählt es zu den wertbeständigsten Tauschmitteln.

Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, sind das vor allem emotionale Gründe – Angst spielt dabei eine bedeutende Rolle. Es gibt auch einige Nachteile sich für physisches Gold, als Investment zu entscheiden. Die laufenden Kosten für die Aufbewahrung und Lagerung sind ein erheblicher Nachteil. Auch die Gefahr von Verlust bzw. Diebstahl kommt noch dazu. Zusätzlich entstehen bei jedem An- und Verkauf Kosten durch Preisaufschläge der Händler. Das geht alles zulasten der Rendite.

Vorteil Papiergold

Der Kauf von Papiergold kann schnell und einfach per Mausklick erfolgen. Entsprechend groß ist die Auswahl. Es stehen dutzende Zertifikate, Futures, ETFs und ETCs zur Verfügung. Des Weiteren ermöglicht Papiergold eine kurzfristige und im Erfolgsfall auch wesentlich höhere Rendite. Diese können durch Hebelprodukte, mit kleinen bis großen Hebel, generiert werden. Eine Vielzahl von Anlegern nutzen u.a. Zertifikate zur Absicherung ihres Depots. Es erspart Ihnen während einer Baisse ihren Aktienbestand zu veräußern. Wer aber kein Interesse an reinen Schuldverschreibungen (Derivaten) hat, der kann zum Beispiel auch in Xetra-Gold investieren. Der Kauf ist bequem und kostengünstig und was noch viel wichtiger ist, der Käufer hat ein Auslieferungsanspruch auf physisches Gold.

Jedes Finanzinstrument birgt Risiken, genauso ist es beim Papiergold. Wie bei einem Wertpapier steht man vor der Herausforderung zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen und zu verkaufen. Zwar hängt der Preis vom Goldpreis ab, aber durch den Hebeleffekt läuft man schnell Gefahr höhere Verluste zu erzielen. Zudem spielt die Bonität des Emittenten eine große Rolle. Dadurch das der Anleger kein Eigentum oder Sicherungsrecht erwirbt, ist er zusätzlich dem Emittentenrisiko ausgesetzt.

Goldminenaktien als Alternative

Goldminenaktien vereinen zwei entscheidende Eigenschaften von physischem Gold und Papiergold. Zum einen zählen Aktien wie auch Edelmetalle zum Sondervermögen. Zum anderen bieten sie ähnlich wie Papiergeld höhere Renditen als physisches Gold. Parallel zum steigenden Goldpreis sind auch die Aktien vieler Goldminen-Unternehmen kräftig gestiegen. Unternehmen wie Barrick Gold, K92Mining, Newmont Goldcorp und andere haben überdurchschnittlich von dem Anstieg profitiert. Dadurch konnten Anleger im Laufe des letzten Jahres mit Goldminenaktien bessere Renditen erwirtschaften als mit Gold selbst. Das Gute beim Erwerb von Goldminenaktien ist, dass man im Vergleich zum physischen Gold wesentlich geringere Kosten hat.

Ein wesentlicher Nachteil sind die Kursschwankungen. Die Bewegungen im Goldpreis wirken sich überproportional auf die Aktienkurse aus. Außerdem können Goldminen bei schlechter Ertragslage starke Kurseinbrüche erleiden. Zudem korrelieren Minenaktien nicht ausschließlich mit dem Goldpreis, sondern auch mit den Aktienmärkten. Was ein Vorteil sowie ein Nachteil sein kann. Man darf auch das moralische Gegenargument der zum Teil zweifelhaften Arbeitsbedingungen in manchen Minen nicht vergessen. Politische Schwierigkeiten in Förderländern, Managementfehler sowie technische Risiken kommen noch dazu.

Fazit

Jedes der genannten Investments kann ein vorhandenes Portfolio stabilisieren. Da Gold eine geringe Korrelation zu andern Anlageklassen (Immobilien, Aktien, Anleihen etc.) aufweist. Befinden sich zum Beispiel die Aktienmärkte in einer Baisse, dann kann das Edelmetall den Verlust durch eine positive Kursentwicklung auffangen.

Hier nochmal die Vorteile der jeweiligen Anlegeformen: Physisches Gold erfüllt den Zweck eines Wertspeichers, es ist eine Notwährung, falls das Fiatgeld Probleme bekommt und es dient als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Papiergold ist dafür flexibel handelbar, kann anhand von gehebelten Derivaten hohe Renditen erbringen und bietet z.B. durch das Xetra-Gold eine gute Alternative zum physischen Gold. Goldminenaktien zählen zu den Sachwerten, der Erwerb ist aber kostengünstiger als beim physischen Gold. Zudem erbringen sie höhere Renditen, obwohl sie mit dem Goldpreis korrelieren.

Ganz unabhängig davon welche Anlageform man bevorzugt, Gold ist und bleibt ein sinnvolles Investment. Ob zur Beimischung oder als Diversifizierung in einem Wertpapierdepot. Trotzdem muss sich jeder Käufer entscheiden: Kaufe ich Goldbarren bzw. Münzen, Goldminenaktien oder Papiergold (Derivate, Xetra-Gold). Alle Formen der Geldanlagen im Gold haben ihre Vor- und Nachteile. Es liegt nun an Ihnen zu entscheiden, welche die für Sie beste Anlageform darstellt.

 

Wie in Gold investieren - physisches Gold, Papiergold oder Goldminenaktien?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Goldsammler

    23. Juni 2020 18:43 at 18:43

    Die Frage ist: Will ich Zocken oder Sicherheit. Bei Sicherheit, geht NUR phys. Gold welches nicht im Finanzsystem lagert. Alles andere ist nichts Wert… wenn es soweit ist.
    Hoffe ich konnte ihnen helfen.

    Bin mal gespannt was @Colombo dazu sagt.

  2. Avatar

    Kritisch on fire

    23. Juni 2020 18:51 at 18:51

    Schönen Abend!
    Es gibt doch bei Gold nur eine Entscheidung und die heißt zu Hause im Safe 50% in Münzen 5o% in kleineren bis größeren Barren. Weder im Bankschließfach (bei der Bank seines Vertrauen – HAHA) und schon gar nicht im Ausland (sichere Drittstaaten – HAHA). Ein sog. Notgroschen wie er sein muss. Und wenn nichts passiert wozu man das “Zeug” brauchen kann werden sich die Nachlommen auch nicht darüber ärgern (natürlich nicht testamentarisch beurkundet), oder?
    LG

  3. Pingback: Aktuelles vom 17. Juni 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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Interview mit Ben Bilski, CEO der NAGA Group

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Aktuell sehen wir eine extreme Volatilität der Finanzmärkte. Wie schätzen Sie die Situation ein und ist Ihrer Meinung nach eine Stabilisierung der Marktes abzusehen?

Ich denke der Corona-Virus wird uns noch lange “in Atem” halten. Der Einschnitt in die Wirtschaft und das täglich leben kam zu schnell und zu unerwartet. Es gibt zunächst immer die Ad-Hoc Verlustmeldungen die wir alle erlebt haben, jedoch wird noch viel mehr auf uns zukommen. Das was über Jahre aufgebaut wurde, wurde direkt wieder ausgelöscht. Man muss es einfach so radikal sagen. Jedoch denke Ich, dass Tech-Titel die allergrößten Gewinner werden. Die Digitalisierung hat einen unglaublichen Schub bekommen und Online-Business wird mehr gebraucht als jemals zuvor und war sogar in manchen Lockdowns überlebenswichtig.

Viele Experten sehen aktuell in der Kursentwicklung des Bitcoin ähnliche Indizien wie vor dem Bullrun 2017. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Es gibt extrem viele Prognosen beim Bitcoin. Ich sehe diese alles etwas rationaler. Der Bitcoin ist Stand heute die bekannteste aber auch bestens vermarktete Währung der Welt. Es gab bis dato noch keine Währung die mit solch einer Euphorie bekannt geworden ist. In Zeiten von Unruhen, Krisen und Deflation aller FIAT-Währungen, wird Bitcoin immer mehr Fahrt aufnehmen. Leider gibt es noch viele kleinere Gruppen die den Bitcoin stark beeinflussen. Von daher kann man nicht von massiven nachhaltigen Kurs-Explosionen ausgehen. Jedoch wird es immer wieder gesunde Schübe nach oben geben, da passen nun einfach die Anzahl der Bitcoin-Investoren, der Bekanntheitsgrad und der Status als anerkannte alternative Asset-Klasse zu gut zusammen!

Hat die Corona-Krise das Anlageverhalten der Menschen verändert und wenn ja, wie?

Absolut. Auch hier muss man sagen: Die Menschen haben nun viel mehr die Verbindung von Real-Wirtschaft und Finanzmärkten verstanden. Daher strömen auch viel mehr neue Investoren an den Markt. Vor allem die Digital-Natives. Daher schlägt die Stunde der Online-Broker gerade. Investoren sind vorsichtig und haben sich stärker diversifiziert als jemals zuvor. Oft gab es Indizes und Forex-Positionen. Jetzt wird mehr gestreut. Vorallem auch Öl, Gold und Bitcoin sind extrem populäre Assets und die großen Tech-Titel wie Amazon, Apple, Tesla und co.

Worauf wird es in der zweiten Jahreshälfte 2020 ankommen, wenn Anleger die Finanzmärkte erfolgreich für sich nutzen wollen?

Ich empfehle starken Pragmatismus beim Analysieren der Märkte. Wie bereits erwähnt werden die Tech-Titel die großen Gewinner sein und gehören meiner Meinung nach in jedes Portfolio. Man kann relativ stark am eigenen Verhalten ablesen, dass Digitale Geschäftsmodelle einfach mehr genutzt und gebraucht werden und über die Krise hinweg extrem viel Momentum aufbauen und dies auch mitnehmen werden. Zudem muss auch die Corona Situation stark beobachtet werden. Dies diktiert den Markt und wird auch weiter so sein bis ein funktionierender Impfstoff gefunden wird. Zudem ist weiterhin Cluster-Risiko zu vermeiden. Man sollte nicht zu sehr auf die “V-Erholung” hoffen und daher alles auf eine Karte setzen. Ein gesunder Mix aus Tech, Rohstoffe, Metall und Index-Positionen ist meiner Meinung nach ein logischer Mix wenn man sich die doch sehr volatile Marktphase anschaut. Und: Vergessen wir alle nicht die US-Wahlen. Sollte Trump es nicht schaffen an der Spitze zu bleiben, so wird es nochmal extrem spannend für US-Währungspaare, den DAX sowie den DOW.


Benjamin Bilski ist Gründer und CEO der Social Trading und Investing Plattform NAGA.

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Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

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Ich bin ein Hongkonger und hier ist meine Heimat, aber das Nationale Sicherheitsgesetz macht es für viele von uns schwierig in Hongkong zu bleiben. Das Hongkong, in dem wir aufgewachsen sind gibt es nämlich seit dem 30.06.2020 so nicht mehr. Meinen Erfahrungsbericht schreibe ich aus Sicherheitsgründen anonym. Auch ich bin mit dem Gefühl von Freiheit und Demokratie herangewachsen, aber die Situation hat sich dramatisch verändert. Denn seit Juli gilt das Sicherheitsgesetz, hiermit hat China faktisch die Macht übernommen.

Seit fast zwei Wochen ist das Nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong aktiv – was ist seitdem passiert? Für uns hat sich in der Zeit viel verändert. Die Menschen haben Angst für Demokratie auf die Straße zu gehen und machen sich große Sorgen um ihre Sicherheit. Der 30.06.2020 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Hongkongs eingehen. Aktivisten und Anführer der Demokratiebewegung verlassen scharenweise die Stadt. Entsprechend zählt die Auswanderungsagentur so viele Anträge wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Folgenden können Sie sich ein Bild von der aktuellen Lage machen.

Auswirkungen auf Presse- und Redefreiheit

Die meisten Nachrichtenagenturen in Hongkong gehören mittlerweile der Kommunistischen Partei. Damit erleben wir zukünftig die gleiche Propaganda, die auch in Festland China zum Alltag gehört. Es gibt inzwischen nur noch eine Medienanstalt die Unabhängig berichtet, das ist Apple Daily, aber auch diese könnte mit zunehmender Zeit dem immer größerem Einfluss aus China unterliegen oder bald gänzlich verschwinden. Journalisten sind hier ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt. Die Pressefreiheit, wie wir sie kannten, existiert nämlich nicht mehr. Dadurch entsteht eine sehr einseitige Berichterstattung, Kritik und Meinungen sind nicht erwünscht, außer sie sind pro China. Es ist so weit, auch wir geraten in die Mühlen der Propagandamaschine der chinesischen Regierung. Jeder öffentliche Aufruf zu Demokratie und Freiheit könnte demnach strafrechtlich verfolgt werden.

Nicht nur die Pressefreiheit wurde uns genommen, auch die Redefreiheit. Dies betrifft mehrere Bereiche des alltäglichen Lebens, unter anderem die Sozialen Medien, das öffentliche Leben und sogar Schulen und Universitäten. Zum Beispiel hat man bisher die Sozialen Medien genutzt, um seine Meinung kund zu tun, Diskussionen über Demokratie zu führen und sich zu informieren. Facebook-Gruppen haben dabei geholfen sich auszutauschen und Beiträge und News zu posten. Außerdem halfen Apps wie Telegram dabei die Massenproteste zu organisieren. Das ist aber wegen des Sicherheitsgesetzes nicht mehr möglich, da die Regierung jetzt freie Bahn hat alles und jeden zu überwachen.

Nicht nur das, darüber hinaus können Informationen geblockt oder komplett gelöscht werden und die Verfasser strafrechtlich verfolgt. Tausende von uns mussten deswegen ihre Posts und Chatverläufe löschen. Trotz der Angst steht die absolute Mehrheit der Hongkonger hinter der Demokratiebewegung. Zahlreiche Restaurants und öffentliche Einrichtung haben Plakate und Aufkleber in ihren Schaufenstern, um die Bewegung zu unterstützen. Aber seit Anfang Juli besucht die Polizei diese Einrichtungen und droht den Eigentümern mit Verhaftungen, sollten sie diese nicht entfernen.

Das Ende der Demokratie-Bewegung in Hongkong?

Durch die Einführung des Sicherheitsgesetzes ist sehr viel Unsicherheit bei den Hongkongern zu spüren, Massenproteste wie im vergangenen Jahr werden in Zukunft unmöglich sein. Zwar gibt es fast täglich kleinere Demonstrationen in der Mittagspause, aber diese müssen sehr achtsam sein und sich schnell auflösen, bevor die Polizei eingreifen kann. Die Gefahr verhaftet zu werden, ist einfach zu groß. Auf allen Demonstrationen sieht man nur noch weiße Plakate, da die Slogans der Demokratiebewegung verboten sind. Die Hongkonger wenden immer wieder kreative Lösungen an, um die entwürdigenden Einschränkungen der Regierung zu umgehen.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong musste aufgrund des Sicherheitsgesetzes aus der Demosisto Partei austreten und diese auflösen. Seine langjährigen Wegbegleiter Nathan Law und Agnes Chow verließen ebenfalls die Partei, bevor das Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist. Nathan Law hat Hongkong bereits verlassen und kämpft weiterhin in Übersee. Im kommenden September findet eine wichtige Wahl statt. Peking befürchtet, dass wie im letzten Jahr das pro-demokratische-Lager auch die kommende Parlamentswahl im September 2020 haushoch gewinnen könnte. Deshalb besteht die Gefahr einer Disqualifizierung der pro-demokratischen Partei. Damit hätte sie keine Chance mehr ein Teil des gesetzgebenden Rates zu sein. Schließlich würde es keinen Sitz und keine Stimme im Parlament geben, die für die Belange der Hongkonger einsteht.

Abteilung zur nationalen Sicherheit in Hongkong

Die kommunistische Partei hat in Hongkong die Abteilung zur nationalen Sicherheit gegründet. Diese Abteilung erweitert die Befugnisse der Hongkonger Polizei enorm. Die Polizei ist jetzt berechtigt, Orte, Menschen und deren Mobiltelefone zu durchsuchen und auszuspionieren. Dafür benötigt sie keine Ermächtigung des Gerichtshofs. Außerdem kann so fortan Sicherheitskräfte aus China hinzuziehen, um die ortsansässige Polizei bei der nationalen Sicherheit zu unterstützen. Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen das Grundrecht (Basic Law), ist aber jetzt rechtens. Die Hongkonger Polizei ist nun ein Organ mit allen Befugnissen – quasi wie die Stasi.

Zukünftig werden alle Straftaten, die unter die Kategorie “Nationale Sicherheit” fallen, anders behandelt als bisher. Zur Erklärung, fast jede kleine Straftat unterliegt nun diesen Regeln. Das heißt, Peking kann Hongkonger nach China ausliefern, wo sie ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen. Gemäß dem Sicherheitsgesetz haften alle Menschen, unabhängig davon, ob sie Bürger von Hongkong sind. Gleichfalls ist es egal, ob die Taten innerhalb oder außerhalb Hongkongs geschehen. Ja, sie haben richtig gelesen, jeder egal wo er sich befindet kann angeklagt werden, sobald die Taten gegen das Gesetz verstoßen. Damit ist der letzte Funken Rechtsstaatlichkeit Hongkongs zerstört. Die Abmachung Großbritanniens und China, dass Hongkong 50 Jahre nach der Methode “Ein Land, zwei Systeme” agieren kann, ist somit zu Ende. Es hat nur 23 Jahre gehalten.

Ein paar Worte zum Schluss

Ich kann mir vorstellen, dass Sie an manchen Stellen gedacht haben – das kann doch nicht sein? oder das ist doch nicht möglich? Aber ja, es ist möglich und es passiert in diesem Moment. Für jemanden der Demokratie und Freiheit für selbstverständlich hält, ist das kaum nachvollziehbar. Leider erleben wir jeden Tag, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe, Sie konnten einen Eindruck gewinnen und eventuell hat es Ihnen auch ein wenig die Augen geöffnet. Wir stehen nämlich ziemlich allein dar mit unserer Forderung auf Einhaltung der 50 Jahre Autonomie für Hongkong. Am Beispiel von Hongkong sieht man, wozu China fähig ist. Wir Hongkonger haben uns 23 Jahre lang für die richtige Sache eingesetzt, aber wie es aussieht werden wir verlieren.

Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

 

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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