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Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

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am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    31. August 2020 15:40 at 15:40

    Auch wenn der Vergleich vielen unpassend erscheint, wenn ein US-Bundestaat pleite ist, ändert das an den US-Anleiherenditen nichts.

    • Avatar

      MoinMoin

      31. August 2020 17:07 at 17:07

      US-Anleihen würden dann ja eher Euro-Bonds entsprechen.. ich möchte ja mal sehen, was mit dem Euro-Bonds passiert, wenn der EU-Bundesstaat BRD plötzlich pleite ist..

    • Avatar

      sabine

      31. August 2020 21:00 at 21:00

      Der Vergleich ist unpassend, Sie haben Recht. Aber Sie äußern den Wunsch der globalen Elite.

      a) Die USA haben eine Regierung, eine Polizei, einen Geheimdienst, ein Militär, ein Finanzamt, ein Überwachungsministerium (–> Heimatschutzministerium – Vokabular wie in der DDR oder bei den Braunen Sozis!)
      b) Die Bürger in der EU wollen gar kein Einheitsstaat sein. Das wollen nur die politisch korrekten Medien und Regierungen. Das pöhse Polen, Ungarn und Tschechien machen ja nicht so richtig mit.
      c) Das Schlimme ist, durch die Macht der Medien können wir gar nicht anders, denn die Medien haben 70% der Deutschen in der Tasche. Insofern sind z.B. „Corona“-Gegner im eigenen Volk bei sehr vielen verhaßt. (Z.B. in meiner Firma) Dabei sind am 1.8. angeblich doch nur 20.000 in Berlin gewesen. Wegen 20.000 Leuten macht man so ein Theater? Können 20.000 unsere Demokratie kippen? Warum die Panik? (Es waren mehr als 1 Mill, das ist das Problem.)
      Das Schlimmste hab ich heut in einem Video gesehen: Frau Merkel sagt, „wir“ hätten ja unsere Souveränitätsrechte an die EU abgegeben. Und jetzt müssen „wir“ halt tun, was „die“ wollen. Und da müssen sich halt einige noch daran gewöhnen. Mein Problem: Weiß sie, daß sie lügt? „Wir“ wurden von unseren Regierungen verkauft.
      https://www.youtube.com/watch?v=FUfZfLBz3_Q
      Ab Minute 1,07 kommt Frau Merkel! Hätte ich es nicht gehört, ich würde es nicht glauben!

      Irland durfte wählen, ob es in der EU sein will. Die Deutschen nicht. Bei den Iren war man sich sicher, daß sie hineinwollen. Wollten sie aber dann doch nicht. Dann haben sie wie in Thüringen eben nochmal wählen dürfen, damit das Ergebnis auch „richtig“ war. Danach durften sie aber nicht mehr wählen. Sonst wär noch was „schief“ gegangen.
      Beim Brexit wollten „die“ ja auch ein 2. Referendum, sogar mit Fake-Kampagne „aus dem PC des Parlaments“, wo aus dem Vatikan 39.000 Unterschriften kamen. Und 25.000 aus Nordkorea. Leider bis heute ungeklärt, wer diesen großen Betrug in die Wege geleitet hat.
      https://www.merkur.de/politik/brexit-notbremse-immer-mehr-briten-wiederholung-referendums-meta-6520815.html
      Das hat ja auch niemand zu interessieren.

      • Avatar

        leftutti

        31. August 2020 22:39 at 22:39

        @sabine
        a) korrekt
        b) Wer hat je behauptet, dass phrave oder phöse EU-Bürger das sein wollen?
        c) Haben Sie neben persönlichen, subjektiv-emotionalen Live-Empfindungen aus Ihrer Zwergerl-Firma auch Beweise? Zahlen, Fakten, Interviews? Irgendwas Greifbares? Haben Sie vor allem Fakten für mehr als 1 Million Demokratie-Kipper live in Berlin? Zum Beispiel Filmaufnahmen auf der Straße, Luftaufnahmen von bürgerlich-revolutionären Privat-Drohnen, irgendetwas, das diese sensationellen Zahlen untermauern könnte…
        c. Unterpunkt Alpha) Konsumieren Sie ungefiltert und kritiklos regelmäßig derartig mittelmäßige Reality-Shows von Laien-Schauspielern auf YouTube?

        Ein weiterer harter Winter steht bevor, da hacke ich doch lieber Holz, statt mich in wüsten Spekulationen zu verstricken…

      • Avatar

        Labile

        31. August 2020 23:41 at 23:41

        @Sabine, ich war am 1. August direkt vor Ort, live mittendrin im Zwergenaufstand. Als geborener Berliner kenne ich die großen Veranstaltungen mit 100.000 Teilnehmern und mehr. Mehr als 1 Million Menschen auf dieser kleinen Fläche, haben Sie eine Ahnung, was das das bedeuten würde? Ein komplettes No-Go, ein organisatorisches, hygienisches, versorgungstechnisches Debakel, das der ohnehin unfähigen links-grün-sozialistischen Verwaltung Berlins den finalen Todesstoß hinsichtlich ihrer Kontrolle über die Situation versetzt hätte.

        Vermutlich greift Ihr revolutionärer Traum zahlenmäßig nur im Wunschdenken und scheitert an der kühlen Realität, sonst würden Sie einen derartigen Schwachsinn nicht verbreiten. Oder in Klammern setzen und als Problem bezeichnen.

  2. Avatar

    Lausi

    31. August 2020 20:04 at 20:04

    Die Target2-Salden sehen auch ganz entzückend aus – siehe hier:

    http://www.eurocrisismonitor.com/

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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