Anleihen

Zinskurve invertiert sich wieder – Zeichen für kommende Rezession?

Die Zinskurve amerikanischer Staatsanleihen, ein vor allem von der US-Notenbank Fed stark beachtetes Kennzeichen für zukünftige ökonomische Entwicklungen, hat sich heute morgen im europäischen Handel zwischenzeitlich wieder invertiert: die US-Anleihe mit Laufzeit von drei Monaten hatten also eine höhere Rendite als die US-Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit.

Normalerweise liegt, aufgrund der deutlichen längeren Laufzeit, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe über der nur drei Monaten laufenden US-Anleihe. Invertiert sich jedoch die Zinskurve, gehen die Marktteilnehmer offenkundig davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen absehbar weiter senken wird, weil die wirtschaftliche Situation sich eintrübt.

Für die Banken wiederum ist eine solche Invertierung der Zinskurve ein großes Problem, weil sie kurzfristig am Gedlmarkt Liquidität aufnehmen, um diese Liquidität an Kreditnehmer längerfristig zu verleihen. Invertiert die Zinskurve, läßt sich aus diesen Geld-Verleihungen keine Marge mehr erzielen durch die sogenannte „Fristentransformation“. In den letzten Tagen sind daher die Aktienkursen von US-Banken deutlich unter Druck gekommen, das US-Banken-ETF (BKX) ist aus seinem Aufwärtstrendkanal nach unten durchgebrochen. Wenn für Banken keine oder geringe Margen mehr zu erzielen sind, schränken sie die Kreditvergabe ein – und das wiederum macht eine Rezession in der vom kreditfinanzierten Konsum so abhängigen US-Wirtschaft wahrscheinlicher.

Dabei hatte die Fed zuvor versucht, mit den Käufen kurz laufender US-Staatsanleihen (Treasury Bills) die Zinskurve zu versteilen – zwischenzeitlich mit Erfolg (daher stiegen die Aktienkurse von US-Banken vor einigen Wochen deutlich). Nun aber sind diese Interventionen zur Versteilung der Zinskurve offensichtlich wieder komplett verpufft! Nachdem gestern bereits die 2-jährige und 5-jährige Zinskurve invertierte, ist die Invertierung der als Benchmark für Rezessions-Vorhersage geltende Beziehung zwischen der 3-monatigen und der zehnjährigen US-Anleihe ein von der Wall Street stark beachtetes Warnzeichen für die Konjunktur.

Die neuesten Entwicklungen bringen die US-Notenbank nun in eine Zwickmühle: sie war sehr darauf bedacht, den Begriff „Quantitative Easing“ für ihre Käufe kurzlaufender US-Staatsanleihen als sachlich ungerechtfertigt darzustellen, muß nun aber möglicherweise, um die Zinsstrukturkurve wieder zu versteilen, länger laufende US-Staatsanleihen kaufen – was dann wiederum qua Definition als „QE“ (Quantitative Easing) bezeichnet wird.

So oder so: die Sorgen um die ökonomischen Auswirkunge des Coronavirus werden von den Anleihemärkte sehr ernst genommen. Der riesige Anleihemarkt signalsiert damit der Fed, dass ihre Maßnahmen verpufft sind – und die Fed die Zinsen weiter senken muß. Daher preisen die Fed Fund Futures eine Senkung der Zinsen schon auf der Notenbank-Sitzung in dieser Woche mit 12,7% Wahrscheinlichkeit ein – für September 2020 dagagen liegen die von den Fed Fund Futures eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für eine Zinssenkung bereits über 50%.

Die Fed wird die Invertierung der Zinskurve sehr genau registrieren



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2 Kommentare

  1. Warum muss die Fed Langläufer kaufen um die Zinskurve zu versteilen? Ich denke doch das sie eher Kurzläufer kaufen und Langläufer verkaufen müsste um hier einen Effekt zu erzielen.

  2. Irgendwie versteht man den Anleihemarkt unter der Prämisse, dass die Notenbanker eh alles korrektiv kaufen und verkaufen nicht wirklich. Die Notenbanker kaufen alle Schulden, setzen den Zins auf Null, bzw. ins Minus als Strafe für Sparer und das behalten sie seit Jahren so. Da gibt es doch gar keinen wirklichen Markt mehr, sondern nur noch Umschichtungen je nach gewünschter Richtung. Das ist doch ein absolutes Nullsummenspiel und nicht das von Notenbanker gewünschte Perpeetuummobile der Wertschöpfung. Das Einzige was wirklich funktioniert ist, dass die Umverteilung von unten nach oben so lange aufrecht erhalten bleibt, bis diese Möglichkeit ausgeschöpft ist und die Abgeschöpften nichts mehr haben, das man umverteilen kann.

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