CoBa-Analyse: Interessante Meinungen zu Trump-Handelskriegen, Euro-Inflation, Zinswende, Öl und Dax

FMW-Redaktion

Die Commerzbank (CoBa) äußert sich in ihrer aktuellsten Analyse zu diversen Themen mit interessanten und inhaltlich nachvollziehbaren Aussagen. Nacheinander wollen wir an dieser Stelle die einzelnen Punkte abarbeiten.

Inflation und Zinsen in der Eurozone

Die Inflation in der Eurozone sieht die Commerzbank noch sehr lange schwach. Für das Gesamtjahr 2017 sieht man im Jahresdurchschnitt die Inflation bei 1,4%, und mit nur 0,9% bei der Kerninflation. Dabei will doch die EZB auch die (zumindest von Eurostat und EZB so genannte) Kerninflation bei knapp 2% sehen, bevor man auch nur darüber nachdenkt die Zinswende einzuleiten. Auch wenn man dort ankommt, muss man sich dort erstmal nachhaltig halten können, so die EZB. Der Druck auf die EZB die expansive Geldpolitik zu beenden, dürfte laut CoBa damit sinken. Zinsanhebungen werde es erst einmal nicht geben. Und erst in 2018 werde die EZB allmählich (!) ihre Anleihekäufe zurückfahren. Aber, so die CoBa, solle man ein Ende der Anleihekäufe jedoch nicht als Ende der lockeren Geldpolitik fehlinterpretieren. Was würde das sinngemäß bedeuten? Einen wohl erst einmal schwächeren Euro. Aber da der Dollar derzeit auch schwächelt, bedeutet das einen Seitwärtstrend im wichtigsten Währungspaar EURUSD?

„Läuft“ in Europa?

Kann man die Meinung der CoBa so betiteln? Die Wahl in Frankreich sieht man anscheinend relativ locker. Den Kandidaten Macron sieht man als Sieger der Präsidentschaftswahl übermorgen. Aber man schreibt, dass Macron eben auch kein Heilsbringer sei. Nennenswerte Reformen seien von ihm nicht zu erwarten. Abgesehen davon sieht man zum Beispiel für Deutschland für 2017 eine Fortsetzung des konsumgetriebenen Aufschwungs. Auch ist man der Meinung, dass jetzt (unglaublich?) doch tatsächlich nach fast zwei Jahren die lockere Geldpolitik der EZB in der Realwirtschaft der Eurozone ankomme, und sich nicht mehr nur an den Finanz- und Häusermärkten austobe, so der Wortlaut der CoBa. Man rechnet auch aufgrund einer stärkeren weltweiten Nachfrage für die Eurozone mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8% für das laufende Jahr.

Trump

Die Commerzbank erwartet neben der allgemeinen Floskel von „weiterhin Unsicherheit durch seine protektionistische Politik“, dass Donald Trump sich in Sachen Handelskriege vor allem schwächere Handelspartner als Opfer aussuchen wird, so nennen wir es mal. Mit den großen Handelsmächten wie China und der EU werde sich Donald Trump aber nicht anlegen, so CoBa-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Denn wenn die USA zum Beispiel gegen China (mit Zöllen) vorgehen würden, gäbe es durch die Chinesen wohl als Vergeltung Zölle auf US-Agrarimporte. was wiederum die Farmer im Mittleren Westen der USA schwer treffen würde. Und viele dieser Farmer seien Trump-Wähler. Diese Sichtweise der CoBa finden wir recht logisch. Im Wahlkampf hat Trump gegen ausländische Handelspartner kräftig ausgeteilt, die große Handelsüberschüsse gegenüber den USA produzieren.

Da muss er, wenn er nicht gegen China brutal an die Wand fahren will, schwache Opfer oder vermeintlich schwache Opfer suchen. Da bietet sich wie gesagt vermeintlich Mexiko an. Vermeintlich oder wohl sogar ganz real ein schwaches Opfer könnten zumindest nach unserer Meinung Deutschland und die EU sein, wo man auch schöne Überschüsse gegenüber den USA anhäuft. Hier geht es nämlich jüngst schon los mit Ankündigungen über „Buy American“ Stahlimporte aus dem Ausland zu unterbinden, was auch Vorleistungsgüter betreffen würde, die aus der EU in die USA verschifft werden. Da die EU extrem komplex aufgebaut und oft uneinig ist, könnte es glatt sein, dass durch die EU keine ernstzunehmende Antwort erfolgt auf bevorstehende Handelsbeschränkungen der USA – so sehen wir es zumindest. Nach dem Motto „bloß nicht unseren großen Handelspartner USA verärgern“.


Donald Trump. Foto: whitehouse.gov

Öl

Die CoBa ist zwar der Meinung, dass die Fördermengenkürzungen der OPEC den Ölpreis zuletzt gestützt haben. Aber man geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl bis Jahresende unter 50 Dollar rutschen wird (aktuell 53 Dollar). Bei momentanem Abstand zwischen Brent und dem US-Ölkontrakt WTI würde das übersetzt für WTI einen Preis von ca. 48 Dollar bedeuten, zum Jahresende wohl gemerkt. Denn, so bemerkt man interessanterweise, würde die Fördermengen-Vereinbarung der OPEC-Länder bröcken, sobald sie ihre Marktanteile durch andere Förderländer ernsthaft bedroht sehen. Damit meint die CoBa ohne Zweifel die US-Fracker, die gerade schon dabei sind den Golfstaaten ihre Marktanteile wegzunehmen, wie bereits vor drei Jahren vor Start des „Öl-Kriegs“ der Golfstaaten gegen die Fracker.

Dax

Den Dax sieht die CoBa nach wie vor bei ihrem bisher verkündeten Jahresziel von 11.700 Punkten. Und das, obwohl der Dax jetzt schon bei über 12.000 Punkten liegt. Der Markt sei einfach schon zu weit gelaufen. Wir meinen: Ausgang offen, da zu viele Unklarheiten vorhanden sind. Bilden Sie sich ihre eigene Meinung, so unsere Aufforderung! Bitte nicht blind irgendwelchen „Goldmännern“ (Wortspiel) hinterherlaufen!


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