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Ukraine: „Deadline“ verstrichen – Schuldenschnitt ohne Russland

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FMW-Redaktion

Es kam so wie es kommen musste. Ukraine-Premierminister Arsenij Jazenjuk hat gebrüllt, gedroht, doch niemand in Moskau hat seine „Deadline“ beachtet. Der Schuldenschnitt für ukrainische Anleihen betrifft somit nur private Gläubiger vor allem aus den USA, die Angst hatten ihr Geld vielleicht gar nicht mehr wiederzusehen. Wladimir Putin kann aus einer starken Position heraus gemächlich Richtung Dezember gucken.

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Arsenij Jazenjuk, Premierminister der Ukraine. Foto: Ybilyk/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Schuldenschnitt

Monatelang hatte die Ukraine in den USA mit privaten Gläubigern (größter Gläubiger Templeton Investments) über einen Schuldenschnitt verhandelt. Man wurde sich einig, dass private Gläubiger, die ukrainische Anleihen im Wert von 15 Milliarden Dollar halten, auf 20% ihrer Forderung verzichten sowie einer drastischen Verlängerung der Laufzeiten zustimmen. Hierfür werden die bestehenden Anleihen in neue Anleihen umgetauscht. Für dieses Verfahren war der gestrige 29. Oktober der letzte Tag um am Schuldenschnitt „teilzunehmen“.

Wie selbstverständlich forderte der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk Russland dazu auf sich für den Schuldenschnitt bis gestern „anzumelden“, ansonsten würde man die Rückzahlung der Schulden an Russland stoppen (Moratorium). Eine recht leere Drohung, denn damit riskiert man schon im Dezember die Staatspleite für die Ukraine, wenn eine Anleihe nicht zurückgezahlt wird. Wladimir Putin kann aus einer Position der Stärke und aus einer selbstverständlichen Position eines Inhabers von Anleihen darauf pochen, am Fälligkeitstag der Anleihe 100% ihres Wertes zurückzuerhalten. An einem Schuldenschnitt teilzunehmen, dem andere Gläubiger schon zugestimmt haben, ist kein Automatismus – diesen erkennt Arsenij Jazenjuk wohl als einziger. Gestern nun verkündete das ukrainische Finanzministerium offiziell, dass der Schuldenschnitt (Umtausch in neue Anleihen) für die 15 Milliarden Dollar der Privatgläubiger am 12. November durchgeführt wird. Auch teilt man mit, dass eine Anleihe im Wert von 3 Milliarden Dollar daran nicht teilnimmt, weil der Inhaber der Anleihe dem Schuldenschnitt nicht zugestimmt hat. Genau das ist die von Russland gehaltene Anleihe. Zitat Finanzministerium Ukraine:


„The Ministry of Finance of Ukraine is pleased to announce that the settlement of Ukraine’s debt restructuring, including delivery of new Ukrainian sovereign securities to holders entitled thereto, is expected to occur on 12 November 2015. The terms of the restructuring were approved by 13 series of outstanding sovereign and sovereign guaranteed bonds at bondholders meetings held on 14 October 2015.

The only series of Ukrainian bonds which did not approve the terms of the restructuring, and whose holders will accordingly be ineligible to receive new sovereign securities on the settlement date, is the December 2015 USD3bn bond. Settlement of the exchange offer will result in the restructuring of c.US$15bn of Ukraine’s external debt, achieve a 20% debt reduction for Ukraine (c.US$3bn) and allow Ukraine to avoid paying any of the previously scheduled US$8.5bn of principal falling due under such bonds during the next four years.

This success represents the outcome of seven months of intensive work of all Ukrainian authorities, coordinated by the Ministry of Finance, to convince Ukraine’s bondholders of the necessity of a debt restructuring.“

Die Folgen für die Ukraine und Russland

Was sind die Folgen für die Ukraine und Russland? Die Ukraine muss bis Dezember 3 Milliarden US-Dollar auftreiben um Russland auszubezahlen, sonst ist die Staatspleite offiziell und am privaten Anleihemarkt wird eine Neuverschuldung auf absehbare Zeit de facto unmöglich. Man wird also, wie wir gestern schon gemutmaßt hatten, irgendeinen Fördertopf in Brüssel oder Washington für angebliche Infrastrukturprojekte o.ä. anzapfen, und ganz plötzlich sprudeln da 3 Milliarden Dollar raus. Oder man verwendet schon erhaltene Hilfskredite für die Ausbezahlung Russlands, falls noch Geld übrig ist. Warum die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass die EU und/oder die USA diese Summe zur Verfügung stellen werden? Weil der Westen Russland gegenüber Stärke zeigen will, in dem man zeigt, dass man seinen neuen Partner Ukraine nicht fallen lässt.

Und siehe da, ein Rettungsengel erscheint just im richtigen Augenblick schon auf der Bildfläche. Gestern verkündete der IWF die Ukraine solle sich bitte mit Russland im Schuldenstreit (wo ist der Streit bei einer zurückzuzahlenden Anleihe?) an einen Tisch setzen und sich einigen. Sollte die Ukraine diese 3 Milliarden Dollar im Dezember nicht an Russland zahlen können, seien „weitere Hilfen“ durch den IWF möglich.

Und Russland? Man erhält im Dezember wohl seine vollen 3 Milliarden Dollar zurück, hat nicht nachgegeben, was für Wladimir Putin aus Imagegründen und für die Staatsraison Russlands verheerend gewesen wäre. Auch aus rationalen wirtschaftlichen Gründen gab es für Russland keinen Grund dem Schuldenschnitt zuzustimmen. Die Privatgläubiger aus den USA stimmten zu, weil sie Angst um ihr Geld hatten. Russland aber sitzt am Gashahn und kann sich sicher sein, dass man so oder so sein Geld zurückbekommt.


2 Kommentare

2 Comments

  1. joah

    30. Oktober 2015 10:33 at 10:33

    Herr Arsenij Jazenjuk: An den Handlungen eines Menschen erkennt man wessen Schlages er ist.
    (…oder ob er eher einen ins Gesicht verdient hätte.)

  2. Chris

    30. Oktober 2015 13:53 at 13:53

    Komm her Brüderchen Ukraine!Die QE-geklonte Muttersau EU hat auch für dich noch mindestens eine Zitze übrig!

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Der Fiskus hat Ihr Geld – So holen Sie es zurück

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Lieber Börsianer,

das kennen Sie! Spätestens zur Jahresmitte ist unser Sparerfreibetrag von 801 bzw. 1.602 Euro aufgebracht. Dann schlägt der Fiskus bei jedem Gewinnverkauf unangenehm zu:

Aus einem Kursgewinn von 1.000 Euro werden dann nur noch 736,25 Euro.
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Schauen wir uns doch einmal ein, wie sich die Abgeltungsteuer auf ein Gesamtdepot auswirkt. Ein fiktives Beispiel: Max Mutig investiert seit 10 Jahren recht erfolgreich an der Börse. Aus ursprünglich 100.000 Euro hat er in diesem Zeitraum 160.000 Euro gemacht. Stand heute beträgt die Depotperformance also exakt 60 %.

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Brexit-Deal fertig – Pfund explodiert, Dax steigt auf 12800 – Update: DUP dementiert Zustimmung zu Deal, Parlament muß abstimmen

Laut Jean-Claude Juncker wie auch Boris Johnson ist der Brexit-Deal nun bestätigt

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Laut Jean-Claude Juncker wie auch Boris Johnson ist der Brexit-Deal nun bestätigt:

Auch die DUP sei nun an Bord:

Aber dann das: scheinbar nicht wirklich an Bord ..:

So oder so: die Regierung Johnson muß den Deal nun durch das britische Parlament bringen – Zustimmung unsicher:

Das britische Pfund schießt mit 1,2945 durch die Decke, die Aktienmärkte steigen. Aber so lannge nicht wirklich klar ist, ob die DUP den Deal deckt, dürfte es volatil bleiben..

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Landesbanken-Volkswirte und die Zins-Wüste

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Wüste Sand Beispielfoto

Zins-Wüste, das ist unsere Wortkreation, das mal gleich vorweg. Warum ist das Bild einer Wüste im Zusammenhang mit diesem Artikel so passend? Wenn man durch die Wüste geht und am Horizont nichts außer Sand sieht, dann verliert man irgendwann die Hoffnung, dass man irgendwann mal eine Oase mit Wasser erreicht. Dieses Bild könnte auch auf den Anleger zutreffen, der es jahrzehntelang gewohnt war Zinsen auf seine Spareinlagen zu erhalten. Was für eine freche Anmaßung, Zinsen auf Guthaben als selbstverständlich zu erachten (Scherz)… aber zur Sache. Die öffentlichen Banken in Deutschland (hauptsächlich Landesbanken) haben heute ihre gemeinsame Kapitalmarktprognose für den Monat Oktober veröffentlicht. In Sachen Zinsen rechnen die Banken mit eher sinkender Tendenz. Denn aktuell liegt die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei -0,41%. Die Ökonomen der Banken rechnen in 12 Monaten mit einer Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe zwischen -0,40 und -0,65 Prozent. Und hier die düsteren Worte für Anleger in Deutschland, die Zinsanlagen gewohnt sind. Zitat:

„Angesichts der Quasi-Abschaffung des positiven Zinses kann es nicht überraschen, dass die Sparer nicht gut auf die Gelpolitik der EZB zu sprechen sind. Die Suche nach vergleichbaren Alternativen ist schwierig. Mit einfachen und konservativen Strategien lassen sich kaum noch langfristig positive Erträge erwirtschaften“, erklären die VÖB-Kapitalmarktstrategen. Die Renditen könnten sogar weiter sinken, da die politischen und konjunkturellen Risiken durch Handelskonflikte und Brexit andauern.

Und ja, da muss der Kleinanleger, der eigentlich kein Risiko haben möchte, irgendwann doch mal den Weg gehen hin zu Aktien oder Aktienfonds? Natürlich hat das den angenehmen Nebeneffekt, dass Sparkassen und alle anderen Banken mit der Vermittlung von Fondsprodukten ein richtig gutes Provisionsgeschäft machen. Aber ja, inhaltlich ist es natürlich richtig…der Anleger muss sich nach Alternativen umschauen. Tja, und was bleibt da? Gold? Aktien? Oder höher verzinsliche Anleihen, die man dann aber entweder im Ausland findet, oder bei Unternehmensanleihen mit oft zweifelhaften Geschäftsmodellen der Emittenten? Oder doch lieber wie die Masse der Sparer das Geld einfach stumpf auf dem Sparbuch liegen lassen, reale Verluste in Kauf nehmen, und auf die Wiedereinführung von Zinsen warten… irgendwann einmal? Was sind auch noch wichtige Aussagen der Landesbanken-Ökonomen? Zitat:

Für Deutschland bewegen sich die Erwartungen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2020 gegenüber 2019 auf einer Skala zwischen 0,3 und 1,2 Prozent. Für den Euroraum erwarten die Experten Werte zwischen 0,8 und 1,3 Prozent. Die VÖB-Kapitalmarktstrategen sind sich einig: „Die politischen Risiken übertragen sich zunehmend auf die Weltkonjunktur. Der globale Handel zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche.“ Für die USA erwarten die Experten der VÖB-Mitgliedsinstitute deshalb im Jahr 2020 ein geringes Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zwischen 0,6 und 1,8 Prozent. „Wir erwarten zwischen einer und drei weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Die jüngste Zinssenkung der EZB und die Wiederbelebung des EZB-Kaufprogramms zementieren ebenfalls das Negativzinsumfeld“, erklären die VÖB-Experten.

In ihren Prognosen weichen die einzelnen Landesbanken deutlich von einander ab. Oben in der Grafik sieht man die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum, und unten für die Inflationsrate gemessen anhand des für die EZB entscheidenden HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex).

Prognosen Landesbanken

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