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Aktienmärkte: Korrekturphase in Jahresendrally?

Wolfgang Müller

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am

Nach sechs Wochen Kursanstieg in Folge, gingen vergangene Woche die Aktienmärkte tatsächlich leicht nach unten (beim Dax 0,6 Prozent). Nicht ganz überrraschend, wie ich es aus der Auswertung der Sentimentindikatoren letzten Dienstag schon dargestellt hatte.

Setzt sich diese Phase auch noch in dieser Woche fort, in einer Zeit, in der der Konsumwahn vor Weihnachten mit den US-Shopping-Orgien „Black Friday und Cyber Monday“ einen Höhepunkt erreicht? Natürlich ist dies wie immer nicht seriös vorherzusagen und die Überkauftheit der Aktienmärkte ist noch nicht abgebaut. Hinzu kommt, dass es sich in den USA um eine verkürzte Handelswoche handelt, mit dem Feiertag am Donnerstag (Erntedankfest) und einem verkürzten Handelstag am Freitag. Die Zahl der Börsentage 2019 schrumpft aber rasend schnell zusammen. Worauf sollte man also in der kommenden Woche achten?

Aktienmärkte und Konjunkturindikatoren

Die wichtigste Konjunkturindikation schlechthin für Deutschland ist der Ifo-Index, der heute bestätigt, dass sich die deutsche Wirtschaft auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dieser Frühindikator hatte die Konjunkturflaute schon zum Jahreswechsel 2017/18 (105,2 Punkte) angezeigt und sein letztes Tief im August 2019 mit 94,3 Punkten erreicht. Im September und Oktober stoppte er seinen Fall mit einer leichten Steigerung auf 94,6 Punkte. Zudem hatte sich im Oktober die Stimmung unter deutschen Exporteuren deutlich aufgehellt. Der vom Ifo-Institut ermittelte Indexwert für die Exporterwartungen der Industrie war im Oktober auf minus 1,2 Punkte gestiegen, nach minus 5,3 Zählern im Monat zuvor.

Es gibt aber auch einen klaren Minuspunkt: Die Kapazitätsauslastung in der deutschen Industrie ist erstmals seit dem dritten Quartal 2013 unter ihren langjährigen Durchschnittswert von 83,7 Prozent gesunken – mit derzeit 82,6 Prozent.

Was also werden die neuesten Zahlen berichten, gibt es wieder einen Rückfall oder setzt sich die Entwicklung fort? – Bei einer dreimonatigen Richtungsänderung spricht man immerhin bereits von einem Trend.

In der kommenden Woche gibt es nach meiner Einschätzung aber noch folgende weitere interessante Daten:

  • Dienstag: Deutschland GfK Konsumklima Dezember, USA Verbrauchervertrauen Conference Board
  • Mittwoch: Deutschland ZEW-Index, USA Auftragseingang langlebiger Güter, Chicago Einkaufsmanagerindex
  • Donnerstag: Europa Geschäftsklima, Verbrauchervertrauen
  • Freitag: Deutschland Arbeitsmarktzahlen

Eine kleine Auswahl aus einer Flut von Wirtschaftsdaten, deren gesamte Betrachtung oftmals in die Irre führt – das Phänomen des weißen Rauschens – und der Verwirrung der Beobachter.

Industriedaten, Handelsstreit und Dividendensaison

Anscheinend stabilisieren sich die Daten des verarbeitenden Gewerbes in vielen Nationen, während der Dienstleistungssektor etwas zu schwächeln beginnt.

Die deutschen Produktionsziffern sind seit Frühjahr 2018 quasi stets gefallen und seit Beginn des Herbstes zeichnet sich so etwas wie eine Stabilisierung beziehungsweise ein leichter Anstieg ab.

Hierzu noch ein paar Zahlen aus der Automobilindustrie: In China, einem wichtigen deutschen Absatzmarkt, fallen die Verkaufszahlen schon den 16. Monat in Folge. Wann setzt wieder Nachfrage und Ersatzbedarf ein, insbesondere auch in Deutschland? Hierzulande gab es im Oktober schon einen überraschenden Anstieg der Zulassungszahlen.

Dazu noch folgende Statistik: Durch den Dieselskandal und der Unsicherheit über die künftigen Antriebssysteme sind bereits über 40 Prozent der 47 Millionen in Deutschland gemeldeten Kfz älter als 10 Jahre, die Autoquote pro Haushalt beträgt aber weiterhin konstante 77 Prozent. Die Quote für Neuwagen ist damit auf das tiefste Niveau in diesem Jahrzehnt gefallen, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Schon seltsam, dass man den Automarkt auf Jahre hinaus in einer Schrumpfungsphase wähnt. Die Automobilaktien, die vor vier Jahren ihre Hochs hatten, nehmen diese Entwicklung schon ein bisschen vorweg. Extrem stark dabei die VW-Aktie, einer der Gewinneraktien im Dax 2019.

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Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Zimmermann

    25. November 2019 12:50 at 12:50

    So sehe ich es auch. Die Jahresendrally ist schon gelaufen. Die „Großen“ machen so langsam ihre Bücher zu. Runter gehts kaum. Nach oben sind maximal die 13650 ein Ziel. Ausser die Bild schreibt noch was von 14.000, dann kann es auch dort noch hingehen. Aller spätestens dort, wenn die letzten Michl eingestiegen sind, gibt es eine größere Korrektur nach unten.

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Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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