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Aktienmärkte: Warum jetzt eine problematische Phase kommt!

Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen auf uns zukommen wird!

Aktienmärkte vor schwieriger Phase

Bekanntermaßen setzen Aktienmärkte die Erwartungen der Investoren um, schwerpunktmäßig über Gewinne, Zinsen und Inflation. Dabei spielt die Politik der Notenbank eine gewichtige Rolle und sie beeinflusst alle Parameter mit ihrer Politik. Gerade erleben wir eine Phase, in der sich die Differenz zwischen Hoffnung und Realisierung extrem bemerkbar macht, Anleger reagieren teilweise nervös mit Umschichtungen.

Aktienmärkte: Inflationserwartungen und die neuen Daten

Seit mehreren Wochen gibt es die unterschiedliche Sichtweise zu den steigenden Teuerungsraten, ob auf Produzenten- und Verbraucherebene. Die Erwartungen einer Mehrzahl der Marktteilnehmer ist, unterstützt durch das Mantra der Notenbank, dass diese nur vorübergehend seien. Jetzt sind die Mai-Daten im Jahresvergleich um 5,0 (Konsumentenpreise) und 6,6 Prozent (Produzentenpreise) gestiegen und sogar die Federal Reserve hat anklingen lassen, dass man sich nicht mehr so sicher ist, mit der Kurzlebigkeit der überschießenden Inflationsdaten. Das erste korrekturanfällige Delta.

Zinserwartungen und Kapitalmarktzinsen

Nicht nur die Aktienmärkte gerieten in Konfusion über die Tatsache, dass die Federal Reserve zwar die Zinsen etwas früher anheben und auch etwas zeitnäher über eine Reduzierung der Anleihekäufe nachdenken werde – aber was war die Reaktion? Ein weiterer Sturz der Benchmark in Gestalt der zehnjährigen US-Staatsanleihenrendite bis auf 1,44 Prozent, was eigentlich auf den ersten Blick gegen eine Zinswende sprechen würde. Aber, und darin liegt die Erklärung, die kurzfristigen Zinsen waren gestiegen, weil man es der Fed abnimmt, in diesem Zeitraum die Leitzinsen anheben zu wollen. Das Delta wurde verändert.

Über die langfristigem Zinsen macht man sich noch wenige Gedanken, denn es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass nach diesem Sugar Rush in der Konjunktur eine deutliche Abkühlung erfolgen wird. Einige Kommentatoren, die über den Tellerrand hinausblicken, haben ihr Unverständnis über die allgemeinen Bewertungen zu den Äußerungen der Notenbank geäußert: Wie könne man den annehmen, dass bei einer Konjunktur, die sich in Richtung sieben Prozent Wachstum bewegt, die Zinsen längerfristig auf null bleiben werden und man noch weitere Notanleihe-Käufe durchführen werde – über das Jahr hinaus und sogar in einem heiß gelaufenen Immobilienmarkt? Das längerfristige Bild signalisiert die Entwicklung der Langläufer.

Erwartungen Rohstoffe, Industriewerte und Materials

In Wallungen geraten seit einigen Wochen bereits die Preise für Commodities, als Vorläufer für die Konjunkturentwicklung. Da manche Preis-Charts fast eine Exponentialfunktion angenommen hatten, war es zu erwarten, dass dies bald Maßnahmen nach sich ziehen wird. Vonseiten der Regierungen, wie China, die aktiv dabei sind sowohl eine heißlaufende Konjunktur (Kreditvergabe), als auch den Rohstoffsektor abzukühlen. Der nächste Schritt erfolgt durch die Produzenten selbst, die sich das höhere Preisniveau sicher nicht entgehen lassen wollen – Stichwort Kapazitätsausweitung. Bereits vor einem Monat habe ich auf die Rohstoff-Futures hingewiesen, die bei ihren Kontrakten für das Jahr 2022 rückläufige Preise verzeichneten, im Fachjargon Backwardation. Was anschließend passiert, ist wiederum die Story von morgen.

Folgen der Deltas zwischen Erwartung und Realität

Die genannten Divergenzen führten zu einigen heftigen Marktreaktionen:

Zunächst einmal zu einer gewaltigen Shorts Queeze bei den Wetten der große Investoren auf steigende Zinsen – eigentlich eine todsichere Sache, denn was sollen die Zinsen ein Jahr nach einem Totalstillstand in der Wirtschaft denn sonst machen? Ergebnis: Seit Ende März fielen die Kapitalmarktzinsen tendenziell. Der Weg des größten Schmerzes oder Vorsicht vor dem Offensichtlichen, es ist zumeist schon verarbeitet. Gefährlicherweise mit Wetten auf ein Eintreten.

Auch die Aktienmärkte reagierten mit der Outperformance der Valuewerte, bei Finanzwerten, oder der Industriewerte gegenüber den großen Wachstumstitel und über Monate hinweg. Klar mussten die am meisten leiden, durch steigende Zinsen, denn ihre Erträge werden abdiskontiert und da spielt das Zinsniveau eine entscheidende Rolle. Ergebnis: Seit einigen Wochen performte Growth besser als Value, die Erwartungen wurden korrigiert  .
Natürlich erwischte es dabei auch die Finanzwerte, denen die fallenden Zinsen die Einnahmequelle Fristentransformation beeinträchtigt. Außerdem Rohstoffaktien, wie zum Beispiel Kupferminen, denn Kupfer kann doch im Zeitalter der Elektrifizierung, gepusht durch Umwelt- und Infrastrukturprojekte doch eigentlich nur im Preis steigen.
Vieles von dem gerade Erwähnten wurde in der letzten Woche so richtig abverkauft – Auslöser waren viele Kommentare von Notenbankmitgliedern, die die Märkte auf das Kommende vorbereiten wollten.

Fazit

Die Aktienmärkte dürften gerade in der umsatzschwachen Sommerzeit in eine problematische Phase hineinlaufen, in ein Dilemma, wie es es seit Generationen nicht mehr gegeben hat. Die Wirtschaftsdaten laufen (noch) stramm nach oben, die Inflationsdaten zeigen nur auf den zweiten Blick eine Topbildung und das allgemeine Zinsniveau befindet sich in Regionen, die für nicht spekulativ orientierte Anleger (Durationsgewinner) eigentlich nur verlustreiche Investments offeriert.

Aber was ist, wenn sich die Unternehmensergebnisse nicht in diese euphorischen Höhen begeben haben, wie von Analysten angenommen? Gibt es dann das nächste Delta im Bereich der Profite? Weil sich der Margendruck bemerkbar macht? Und kommt für die Wachstumswerte nicht eine Phase, in denen man sich mit einer überragenden Vorjahrsperiode (2020) vergleicht? Steigen die Zinsen wieder?

Fragen über Fragen – und jetzt sage keiner, dass diese Gemengelage nicht für einen Wirrwarr an Meldungen, Hoffnungen und Enttäuschungen in verschiedenen Assetklassen sorgen wird und dies in Zeiten des Renditenotstands.

Die letzten Tage der Aktienmärkte gaben schon einen kleinen Vorgeschmack.



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