Allgemein

Arbeitslosigkeit in Deutschland: Mehrere Merkwürdigkeiten

Aufgrund der Sommerpause ist die offizielle (!) Zahl der Arbeitslosen im Juli um 45.000 auf 2,52 Millionen gestiegen, wie heute vermeldet wurde. Das ist der niedrigste Juli-Anstieg seit der Wiedervereinigung. Im Vergleich von...

FMW-Redaktion

Aufgrund der Sommerpause ist die offizielle (!) Zahl der Arbeitslosen im Juli um 45.000 auf 2,52 Millionen gestiegen, wie heute vermeldet wurde. Das ist der niedrigste Juli-Anstieg seit der Wiedervereinigung. Im Vergleich von Juli 2016 auf Juli 2017 ist die Zahl aber um 143.000 Arbeitslose rückläufig. Die Arbeitslosenquote steigt auf Monatsbasis von 5,5% auf 5,6%. Vor einem Jahr lag sie noch bei 6,0%. Wie die folgende Grafik zeigt: 2,52 Millionen Menschen sind offiziell arbeitslos!

Die Zahl der „Unterbeschäftigten“ ist zuletzt sogar noch gestiegen von 3,48 auf 3,51 Millionen Menschen. Fast alle in dieser Zahl enthaltenen Menschen sind arbeitslos, und beziehen auch Leistungen von Arbeitsagentur oder Jobcenter. Aber es werden eben nur 2,52 Millionen davon als arbeitslos gezählt. Denn wer als Arbeitsloser gerade in einer Maßnahme geparkt ist, krank gemeldet oder älter als 58 Jahre ist, ist zwar arbeitslos, zählt aber laut Statistik nicht als arbeitslos. Ebenfalls eingekreist in der Grafik sieht man die Zahl von 750.346 gemeldeten offenen Arbeitsstellen, ein Plus von fast 20.000 in nur einem Monat.

Dabei sind dies nur die Stellen, die den Arbeitsagenturen gemeldet werden. Andere offizielle Erhebungen zeigen, dass diese Zahl deutlich höher als 1 Million liegt. Also ist es bei gut 3,5 Millionen Arbeitslosen nicht möglich 750.000 offene Stellen zu besetzen? Es ist allgemein bekannt, dass auch in Bereichen mit einfachen Tätigkeiten jede Menge Arbeitsplätze angeboten werden. Warum also werden sie nicht besetzt aus dieser immer noch vorhandenen Masse an Arbeitslosen? Dies bleibt nach wie vor das Geheimnis der Behörde und des Bundesarbeitsministeriums.

Die folgende Grafik zeigt die Zahl neu geschaffener oder abgebauter Stellen nach Branche im Vergleich zum Vorjahr, mit zweimonatiger Verzögerung. Die einzige Branche, die im Jahresvergleich nach wie vor abbaut, ist der Finanzsektor. Die Automatisierung vor allem bei Versicherungen und das Filialsterben bei den Banken sieht man in der Zahl von -15.000 Stellen. Der Bereich „Metall, Elektro und Stahl“, der lange Zeit schwächelte, legt nun im Jahresvergleich zu mit +49.000 Stellen.

Wie die Statistik zeigt, kommen die starken Zuwächse in den Dienstleistungsbranchen zustande, die eher mittelmäßig oder schlecht bezahlt werden.

Zum Thema Flüchtlinge und Arbeitslosigkeit schreibt die Agentur heute folgendes (auszugsweise):

Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration bzw. Geflüchtete oder Flüchtlinge. Als Personen im Kontext Fluchtmigration werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach wurden im Juli 2017 in Deutschland 492.000 geflüchtete Menschen als Arbeitsuchende und darunter 185.000 als Arbeitslose von einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter betreut. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Arbeitsuchenden um 170.000 oder 53 Prozent und die der Arbeitslosen um 44.000 oder 31 Prozent zugenommen.

Wie es sein kann, dass bei 492.000 „Arbeitssuchenden“ nur 185.000 Personen als „Arbeitslos“ geführt werden, bleibt wohl auch ein Geheimnis der Agentur. Hier noch eine Grafik zu dem Thema.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Sinep.forte@gmail.com

    Wenn man berichtet, sollte man vorher recherchieren statt seine Unwissenheit kund zu tun. Arbeitssuchend ist beispielsweise wer einen befristeten Vertrag hat und 6 Monate vor dessen Ende seiner Meldepflicht nachkommt. Oder in eine Fortbildung ist. Oder in einer Ausbildung. Oder in einer Reha. Usw. Das steht aber auch auf statistik.arbeitsagentur.de

  2. Ich empfehle die Lektüre einiger grundlegender Texte zu Arbeitsmarkt, Qualifikation, Besetzungsprozessen, dann wird sich das alles aufklären. ;)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage