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Bankenverband: EZB-Aufkauf von Unternehmensanleihen wirkungslos und wohl mit schlimmen Folgen

FMW-Redaktion

Wenn die EZB schon nicht auf Journalisten und Ökonomen hört, dann vielleicht auf hochrangige Vertreter aus ihrer Zunft? Wohl kaum, denn die Damen und Herren wirken recht beratungsresistent. Aber wie wäre es da z.B. mit dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bankenverbandes Michael Kemmer? Der warnt heute vor dem morgen am 8. Juni startenden Aufkauf von Unternehmensanleihen durch die EZB. Alle von diversen Ökonomen, Journalisten wie auch von uns bereits erwähnten negativen Auswirkungen dieser Aufkäufe erwähnt heute auch Kemmer und sagt klipp und klar, dass sie wirkungslos verpuffen werden.

Michael Kemmer
Bankenverband-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Foto: Bundesverband deutscher Banken

Die EZB will ja mit diesen Aufkäufen Konzerne dazu anregen mit Extra-Cash in der Kasse mehr zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen etc. Kemmer verweist ganz klar darauf, dass es in der europäischen Wirtschaft schon jetzt durch die niedrigen Zinsen keine Hemmnisse mehr für Investitionen gäbe. Er sieht es letztlich wie die meisten Beobachter: Der morgen startende Aufkauf von Unternehmensanleihen durch die EZB ist Unsinn, wird verpuffen und dazu noch diverse negativen Auswirkungen mit sich bringen. Hier das Original-Statement:


„Die Europäische Zentralbank (EZB) wird keine zählbaren Effekte bei den Investitionen und bei der Verbraucherpreisentwicklung erzielen, wenn sie ab Mittwoch ihr Aufkaufprogramm von Unternehmensanleihen ausweitet“, erklärt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, in Berlin. Kemmers Appell: „Die EZB sollte wieder stärker hervorheben, dass die extrem expansive Geldpolitik kein Dauerzustand sein kann und ernsthafte Deflationsgefahren nicht zu erkennen sind.“

Das Zinsniveau im gesamten Euro-Raum sei schon seit längerem kein Hindernis für Investitionen. Viel entscheidender als ein paar weitere Zehntelprozentpunkte beim Zins seien zurzeit die Wirtschaftserwartungen der Investoren. „Mit den jüngsten Maßnahmen weitet die EZB ihren Krisenmodus aus – das sorgt in der gegenwärtigen Lage mit Sicherheit nicht für größere Zuversicht und eine höhere Investitionsneigung. Ganz im Gegenteil verleitet die europäische Notenbank viele Investoren zum Abwarten, wenn sie betont, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben oder sogar noch fallen“, so Kemmer.

Ähnlich wie bereits durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB könne die Ausweitung der Käufe auch bei Unternehmensanleihen zu Preisverzerrungen und einer künstlichen Marktknappheit führen. Dies bleibe, so die privaten Banken, nicht ohne Auswirkungen auf den Wettbewerb bei der Unternehmensfinanzierung. Denn unmittelbar begünstigt würden große Unternehmen mit direktem Kapitalmarktzugang. Diese verfügten jedoch ohnehin schon über sehr günstige Finanzierungskonditionen. Kemmer warnt: „Es ist sogar zu befürchten, dass die Politik der EZB unmittelbar zu neuen Übertreibungen an den Finanzmärkten führt, etwa wenn die extrem günstigen Kreditkosten in überhöhten Preisen bei Unternehmenskäufen münden.“



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1 Kommentar

  1. „Wirkungslos“ ist die EZB-Politik keinesfalls. Herr Kemmer sagt es ja selbst: „..unmittelbar begünstigt würden große Unternehmen mit direktem Kapitalmarktzugang.“

    Vielleicht versteht man die EZB-Politik besser, wenn man sich von der Vorstellung befreit, die EZB sei dazu da, der Allgemeinheit zu dienen.

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