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Basel-Kommittee: Guter Zeitaufschub für deutsche Banken

Diese Woche tagten die internationalen Bankenaufseher (Basel-Kommittee) in Santiago de Chile, um zu entscheiden, ob die international gültigen Banken-Richtlinien vor allem für...

FMW-Redaktion

Diese Woche tagten die internationalen Bankenaufseher (Basel-Kommittee) in Santiago de Chile, um zu entscheiden, ob die international gültigen Banken-Richtlinien vor allem für die Kapitalausstattung der Banken weiter verschärft werden sollen. Die bisher von Präsident Obama geprägte US-Haltung sieht ganz klar staatlich oder durch diesen Verband festgelegte global gültige Regeln vor. Wie öffentlich zuletzt dargelegt, ist Deutschland knallhart anderer Meinung. Es geht um die Frage, wie viel Eigenkapital Banken bei Kreditvergabe und Risikogeschäften hinterlegen müssen. Je weniger, desto größer der Hebel bei Gewinnen, aber auch bei Verlusten.

Deutschland bestand bisher darauf, dass die Banken gemäß ihrer eigenen „internen Risikomodelle“ die Kapitalanforderung berechnen können. Die USA sehen das bisher genau anders rum. Aber wie wir Anfang der Woche schon berichteten, braucht man nur etwas Zeitaufschub bis Obama aus dem Weißen Haus ausgezogen ist. Donald Trump hat schon längst seine marktradikale und bankenfreudliche Haltung klar gemacht. Weg mit lästiger Regulierung. Je mehr die Banken frei agieren können, desto mehr Kredite werden sie vermeintlich herausreichen um die US-Konjunktur anzukurbeln – so die Logik dahinter.

Ein möglicher Kompromiss zwischen beiden Positionen könnte anscheinend sein, dass man den Banken zugesteht nach ihren internen Modellen zu arbeiten. Man will aber den Vorteil, den eine Bank aus der Verwendung des eigenen Modells erzielen kann, auf 20% begrenzen. Wie das in der Praxis nachgeprüft werden soll – fragen Sie bitte nicht uns! Eine wirkliche Einigung gab es jetzt in Chile nicht. Notenbanker und Bankenaufseher wollen Anfang Januar erneut zusammenkommen um eine weitere Annäherung zu finden. Das heißt: Man verschiebt eine mögliche Einigung auf schärfere globale Bankenstandards, und rückt immer näher ran an die Vereidigung von Donald Trump.

Das ist natürlich gut für deutsche Banken. Trump dürfte „keine Probleme“ mehr bereiten. Wo man als Deutscher doch eigentlich immer international als „der Gute“ dasteht, ist man in dieser Frage der Bösewicht. Aber in der hiesigen Presselandschaft geht dieses Thema fast unter, obwohl es doch hier darum geht, ob die Banken zukünftig ihr Risiko selbst errechnen können, oder ob das staatlich geregelt werden soll. Eine verdammt wichtige Frage, oder was meinen Sie? Wie gut gerade deutsche Banken mit Risiken umgehen können, hat man in den letzten Jahren gesehen. Und mal ehrlich: Glaubt irgendjemand außer Wolfgang Schäuble immer noch ernsthaft an die Selbstregulierungskräfte des deutschen Bankwesens?

Hier können Sie den vollständigen Original-Redetext von Stefan Ingves, des Vorsitzenden des Basel-Kommittee einsehen.



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1 Kommentar

  1. Die Selbstregulierungskräfte würden perfekt funktionieren, wenn
    a) die Bank, die sich mit dem selbstgebastelten Risikomodell verhebelt hat, pleite gehen ließe und
    b) es dem Bürger freistellen würde, mit welchem Geld er bezahlen möchte.

    Da beides (noch) Utopie ist, muss der Kunde künftig noch mehr aufpassen, wo er sein Fiat-Geld deponiert.

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