Bitcoin

Bitcoin …und was werden die Banken dagegen tun?

Bitcoin Symbolbild

Wenn wir heute behaupten würden, dass die Blockchain (und damit prinzipiell der Bitcoin) bald ihren dreißigsten Geburtstag feiern würde, brächte uns dies vor allem Spott und Häme ein. Nichtsdestotrotz ist der Gedanke bereits fast 30 Jahre alt, einen Datenbestand in kleine Blöcke aufzusplitten, diese auf unüberschaubar viele autarke Recheneinheiten zu verteilen, und verschlüsselt so miteinander zu verbinden, dass Manipulationen nur dann möglich sind, wenn eine einzelne Partei in der Lage wäre, alle bestehenden Verknüpfungen in kürzester Zeit per Brute Force zu entschlüsseln, bevor eine weitere Verknüpfung zu einem neuen Block in der Kette hinzugefügt wird. Wer sich mit der Thematik auf wissenschaftlicher Basis beschäftigt, wird auf dem Weg zum bekannten White Paper zu Bitcoin von Satoshi Nakamoto über einige andere Namen stolpern, wie Stuart Haber, Ross J. Anderson, Nick Szabo oder Stefan Konst. Und er wird auf das Jahr 1991 stoßen, in welchem erstmals das Prinzip der Blockchain formuliert wurde. Spott und Häme trügen dann wir im Gesicht, aber nur kurz – denn wir grinsen nicht über unsere Leser.

Der Anspruch an Bitcoin

Im Ursprung sollten die Kryptowährungen – allen voran der Bitcoin – das Finanzwesen revolutionieren. Technisch gesehen liefert das System alle Versprechungen: gebührenfreier Zahlungsverkehr, Transparenz, Fälschungssicherheit und Unabhängigkeit von der Einflussnahme der Zentralbanken. Bislang ist die Revolution allerdings ausgeblieben.

Die vier (oder fünf) Stufen der Erkenntnis

In der klassischen Psychologie wird der Prozess in fünf Stufen unterteilt, in dem ein Mensch mit einem tragischen Erlebnis fertig wird. Diese Stufen durchlaufen auch die Banken angesichts des Aufkommens der existenzbedrohenden Kryptowährungen. Die erste Stufe ist das Leugnen. „Blockchain ist nur eine Mode, Bitcoin wird so schnell wieder verschwinden, wie die neue deutsche Welle in den achtziger Jahren“. Wie wir heute wissen, ist nichts verschwunden. Sowohl Bitcoin als auch NDW. Es folgt nach der Leugnung die Wut und der Kampf, die sich in den Forderungen manifestierten, blockchainbasierte Geschäftsmodelle ganz zu verbieten. In China wurde dies versucht – vergeblich.

Als nächstes kommt nach dem 5-Stufen-Modell der Versuch, die Realität zu akzeptieren, diese jedoch in eine Richtung zu verbiegen, mit der man leben kann – in der Psychologie ‚Bargain‘ genannt. Aus Sicht der Banken: „Das Blockchain-Prinzip verspricht viele Vorteile bei geschäftlichen Transaktionen – lasst uns diese verwenden, und dafür auf Kryptowährungen verzichten“. Derzeit befinden sich die Banken in Stufe fünf. Stufe vier wurde übersprungen – es gab keine Depression und kein Klagen darüber, dass das Aufkommen der Kryptowährungen das Bankenwesen ruinieren würde. Stattdessen wurde das Prinzip als Ganzes akzeptiert, und versucht, sich die Technologie zu eigen zu machen, und für die eigenen Zwecke zu verwenden. Alle Großbanken unterhalten inzwischen hochbezahlte Task Forces, die an eigenen Verwendungsformen von Blockchain und Kryptowährung forschen und entwickeln.

Warum noch lange keine Revolution zu sehen ist

Der wichtigste Grund für das Ausbleiben der Revolution ist die Trägheit. Die Welt ändert sich einfach nicht so schnell. Das beste Beispiel dafür ist der „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Auf Basis des titelgebenden verteilten universalen Lexikons wurde im April 1999 die Webseite h2g2.com gelauncht, auf der das Wissen von unzähligen Mitwirkenden gesammelt werden sollte, wobei sich alle Teilnehmer gegenseitig kontrollieren – ähnlich wie das im wissenschaftlichen Bereich bei der ‚Peer Review‘ geschieht. Die Seite selber konnte zwar nicht den erwünschten Erfolg verzeichnen, doch die auf dem gleichen Prinzip basierende Wikipedia wird heute weltweit für Recherchen verwendet.

Dieser Entwicklung zum Trotz füllen Brockhaus, Herders oder Knaurs Lexika immer noch die Bücherschränke fast aller deutschen Haushalte. Genauso wird eine Kryptowährung wie Bitcoin, die auf dem Prinzip des Distributed Ledger beruht, sich irgendwann weltweit verbreiten, und dennoch das klassische Banking nicht ersetzen.

Zudem hat sich der Bitcoin, wie von uns schon beschrieben, bei der Verbreitung hin zum universalen Bezahlsystem selber einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Nicht überraschend hat er im weltweiten Transaktionsvolumen noch keinen Anteil, der groß genug wäre, ihn in Prozent oder auch nur in Promille auszudrücken. Daher besteht noch keine akute Gefahr für die Großbanken. Der Mythos von Angestellten der Deutschen Bank, die aufgrund der aufkommenden Technologie ihren Stuhl räumen mussten, ist daher, nebenbei betrachtet, nur ein Internet-Meme.

Blick in die Zukunft

Die Entwicklung von Blockchain und Kryptowährungen wird unaufhaltsam weitergehen, wenngleich langsamer, als von manchen Technokraten erhofft oder befürchtet. Sie wird allerdings über kurz oder lang die Existenz der etablierten Banken gefährden. Um abzuschätzen, was danach geschehen wird, ist es sinnvoll, sich einer simplen Tatsache bewusst zu sein: Banken sind intrinsisch gesehen nur dem Erhalt der eigenen Spezies verpflichtet. Und dies haben sie mit Politikern gemein. Politiker hinwiederum unterliegen nicht den Regeln der Marktwirtschaft. Daneben ist die Politik so eng mit dem Bankenwesen verflochten, dass auch für diese die Regeln der Marktwirtschaft beliebig umgestaltet werden können – nach dem Gusto der Politik.

Für den weltklugen Leser bedeutet dies: Der Augenblick, an dem die Gesamtheit der Kryptowährungen eine kritische Masse erreicht hat, mit der das bestehende System in Frage gestellt werden kann (= Revolution!), wird daran zu erkennen sein, dass von Seiten der Politik versucht wird, blockchainbasierte Geschäftsmodelle zu verbieten oder mindestens zu überwachen. Halten Sie also die Augen auf und die Ohren gespitzt! Die neuesten Entwicklungen lesen Sie wie immer hier bei Finanzmarktwelt.de



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