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Aktien

Börsenweisheit – die Dümmste ist nicht tot zu kriegen

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Sie alle haben die folgende Börsenweisheit sicher schon einmal gehört. Meistens wird sie ins Feld geführt, um dem geneigten Anleger Mut zumachen und die allgemeine Lage zu beschönigen. Hilfreich ist sie nicht und richtig schon gar nicht. Gerade in der heutigen Zeit von permanenter Marktverzerrung, Dauerrettung ganzer Währungsblöcke und dem völlig unnatürlichen Phänomen des Negativzinses mutet diese sogenannte Börsenweisheit geradezu grotesk an.

Die dümmste Börsenweisheit

Man hört und liest sie immer wieder, diese nutzlose und grundfalsche Börsenweisheit: Politische Börsen haben kurze Beine. Sobald es mit den Kursen an den Aktienmärkten wegen politischer Nachrichten abwärts geht, weil zum Beispiel die Große Koalition mal wieder kurz vor dem Aus steht oder Präsident Trump gegen China ätzt, poppen die Börsen-Schönredner wie Kai aus der Kiste und belehren uns unwissende Anleger erneut: Politische Risiken verschwinden genau so schnell, wie sie gekommen sind – das ist die Aussage hinter dieser „Weisheit“.

In Wahrheit steht eine ganze Industrie hinter solchen Durchhalteparolen, die keine Mittelabflüsse aus Fonds akzeptiert und auch das Neugeschäft nicht gefährdet sehen möchte. Die Broker und Wertpapierhandelsbanken können Skepsis bei ihrer Kundschaft ebenso wenig gebrauchen, wie Aktienbriefe oder Börsenblättchen. Als ehemaliger Mitarbeiter eines Online-Brokers kann ich Ihnen sagen, dass es, wenn es abwärts geht, noch mal richtig Provision regnet. Bleiben die Kurse dann aber zu lange im Keller, ist es schnell aus mit den Überschüssen aus Transaktionsgebühren. Also gilt es die Anleger bei Laune zu halten und Risiken zu relativieren oder wie in diesem Fall das Risiko mittels Zwergenbeinchen zu verniedlichen.

Dabei gehören Risiken genauso zur Kapitalanlage wie Chancen – beides bedingt sich sogar. Profis sprechen deshalb auch nicht über die Erzielung von Börsen-Gewinnen, sondern nüchtern über die Vereinnahmung von Risiko-Prämien. Das Risiko, auch das Politische, ist Teil der Finanzmarktrendite. Ohne Risiko gibt es keine Rendite. Aufklärung über diesen Zusammenhang wäre besser als die Anleger ständig mit solchen „Weisheiten“ zu belügen. Haben Lügen nicht auch kurze Beine?

Der Realitätscheck

Momentan gibt es mindestens vier ausgeprägte Risiken politischer Natur: die Stabilität der deutschen Regierungskoalition, den Handelskrieg, den Brexit und die Negativzinspolitik. Wobei Letztere wegen der durch sie entstandenen Verzerrungen an den Kapitalmärkten und die Zombifizierung des Unternehmenssektors das für die Börse höchste Risiko darstellt.

Die deutsche Regierungskrise schwelt bereits seit dem Tag der letzten Bundestagswahl am 24. September 2017, also seit fast zwei Jahren. Die Trump-Administration startete den Handelskonflikt bereits am 23. März 2018 mit der Einführung von Zöllen auf Stahl und Aluminium, die ab 1. Juni 2018 auch für Importe aus der EU gelten. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Das Referendum zum Brexit fand bereits am 23. Juni 2016 statt, also vor 3 Jahren, zwei Monaten und zwei Wochen. Das Thema ist nach wie vor ein Dauerbrenner in den Medien und verursacht auch genau so lange schon ökonomische und finanzielle Schäden. Last but not least kommen wir zur Negativzinspolitik, die den natürlichen Prozess des Wettbewerbs zu Gunsten der produktivsten und innovativsten Unternehmen untergräbt. Stattdessen werden die Ressourcen an Unternehmen und Banken verschwendet, die bei einer Normalisierung des Zinsniveaus von heute auf morgen vom Markt verschwinden würden. Weil das Gesamtsystem genau das nicht verkraften würde, findet diese Normalisierung, also die Entpolitisierung des Zinses, auch nicht statt. Bereits seit Anfang Juni 2014, also seit über 5 Jahren, hat die Negativzinspolitik einen massiven und nachhaltigen Einfluss auf die Börsenentwicklung weltweit. So viel zum Wahrheitsgehalt dieser Börsenweisheit.

Fazit

Sollten Sie mal wieder einen „Experten“ undifferenziert über die Börsenweisheit lamentieren hören, dass politische Börsen kurze Beine hätten, dann können Sie ihm getrost die Kompetenz absprechen. Es ist lediglich die Durchhalteparole von Schönrednern und Börsen-Cheerleadern, wenn die Kurse mal wieder nicht wie an der Schnur gezogen nach oben wollen. Für Sie als Anleger beinhaltet diese „Weisheit“ keinen Mehrwert. Das Gegenteil ist richtig: Die Börsen sind permanent von politischen Einflüssen geprägt, viele davon sind dauerhaft. Fragen Sie mal einen Mitbürger aus der ehemaligen Sowjetunion oder der ehemaligen DDR – dort gab es aus politischen Gründen nicht einmal Börsen, jahrzehntelang.

Frankfurter Börse - Börsenweisheit
Gebäude der Frankfurter Wertpapierbörse. Foto: Mylius GFDL 1.2

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Marko

    8. September 2019 16:24 at 16:24

    „Sobald es mit den Kursen an den Aktienmärkten wegen politischer Nachrichten abwärts geht, weil zum Beispiel die Große Koalition mal wieder kurz vor dem Aus steht oder Präsident Trump gegen China ätzt, poppen die Börsen-Schönredner wie Kai aus der Kiste und belehren uns unwissende Anleger erneut: Politische Risiken verschwinden genau so schnell, wie sie gekommen sind – das ist die Aussage hinter dieser „Weisheit“.“

    Ich lass das hier so hier stehen, aber jetzt mal ehrlich : eine Normalisierung des Marktes wird wohl nur durch die EZB stattfinden können, und : das wäre gut so.

    Eine Normalisierung des Marktes, würde gleichzeitig eine Angleichung bedeuten zwischen dem Aktien- wie dem Anleihemarkt.

    Und das da, was wir hier sehen, ist eine Marktverzerrung, bewusst gesteuert , durch die Notenbanken, wegen Lehman.

    Dies würde allen zu Gute kommen, den Bullen wie den Bären, wer einen Bufu bei 175 für „marktgerecht“ bewertet, dem kann und muss man nur gratulieren… ?

    dies hat mit der „echten“ Wirtschaft NULL (!!!) zu tun.
    Und die Börsen sind ein Abbild unserer Wirtschaft.. ?

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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am

Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Aktien

Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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am

Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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