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Coronavirus: Intelligente Vorschläge im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen

Symbolfoto für das Coronavirus

Was tun gegen das Coronavirus? Gut, wäre man ein marktradikal denkender Ökonom, der den Staat grundsätzlich so klein wie möglich halten will, würde man sagen: Wenn Unternehmen Krisen nicht selbst meistern können, sollen sie aus dem Wettbewerb ausscheiden – also pleite gehen. Aber gerade in einer besonderen und nicht vorhersehbaren Lage wie dem Coronavirus, da kann wohl selbst das gesündeste, fitteste und profitabelste Unternehmen nichts ausrichten? Gerade wer dieser Tage regionale Berichterstattungen verfolgt, sieht die Auswirkungen des Coronavirus auf die Betriebe vor Ort. Gaststättengewerbe, Hotels, Logisitik, Messeveranstalter, Fluggesellschaften uvm leiden unter desaströsen Umsatzeinbußen, weil kaum noch jemand fliegt, bucht, oder besondere Ausgaben tätigt.

Vor allem Messen aller Art werden quasi komplett abgesagt. Wie soll man also dagegen steuern? Selbst aus dem Lager der Ökonomen, die grundsätzlich gegen staatliche Subventionen sind, hört man immer öfter die Rufe nach staatlicher Unterstützung. Aber wie genau soll das funktionieren? Welche Maßnahmen wären notwendig? Wir haben ganz aktuell einen Forderungskatalog gefunden, den wir als interessant erachten. Natürlich gibt es wohl keinen „besten perfekten“ Masterplan gegen diese Krise. Aber die Aussagen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind lesenswert! Hier im Wortlaut:

1. Gesundheitssystem stabilisieren und Epidemie eindämmen

Oberste Priorität hat, die Menschen vor der Epidemie zu schützen. Um Impfstoffe zu erforschen und herzustellen, höhere Hygienestandards voranzubringen, die Ausbreitung des Virus‘ einzuschränken und die medizinische Versorgung zu gewährleisten, muss das generell gute Gesundheitssystem mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

2. Unternehmen liquide halten

Die Corona-Krise führt zu Produktions- und Nachfrageausfällen bei vielen verschiedenen Unternehmen. Fluggesellschaften müssen Flüge stornieren, Reisebüros bleiben Kunden fern, Hotels haben viele unbesetzte Zimmer. Regional kämpfen Messebauer mit Verlusten, wenn Großveranstaltungen wie die Leipziger Buchmesse abgesagt werden. Industrieunternehmen sind abhängig von Vorleistungen aus anderen Ländern. Verschärft sich die Lage in Deutschland und Europa, gefährdet das die Existenz vieler Unternehmen. Die Politik muss jetzt helfen, die Liquidität der vom Corona-Schock bedrohten Unternehmen zu sichern – beispielsweise über Kredite, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen mit den Förderbanken der Länder organisiert werden.

3. Finanzmärkte stabilisieren

Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren finanzielle Polster aufgebaut – in anderen europäischen Ländern sind Betriebe häufig schlechter auf Krisen vorbereitet. Wegen der Corona-Folgen könnten mehr Unternehmen im Euroraum Liquiditätshilfen bei Banken nachfragen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte es den Kreditinstituten deshalb erleichtern, sich Geld bei ihr zu leihen, damit die Banken jenen Unternehmen, die unter der Corona-Krise leiden, Kredite gewähren können.

4. Steuerstundung für Unternehmen

Eine andere Möglichkeit, die Unternehmen finanziell zu unterstützen, wäre eine Art Steuerstundung. Seit 2008 gilt der sogenannte Investitionsabzugsbetrag, der es Unternehmen ermöglicht, Abschreibungen zeitlich vorzuverlegen, wodurch sich die Steuerlast des laufenden Jahres reduziert. Der Betrag ist auf 200.000 Euro im Jahr und auf Unternehmen mit einem Betriebsvermögen von bis zu 235.000 Euro beschränkt. Eine temporäre Anhebung dieser Schwellenwerte würde Betriebe kurzfristig entlasten. Allerdings würden davon auch jene Unternehmen profitieren, die keine Liquiditätsprobleme haben.

5. Beschäftigung hoch halten durch Kurzarbeit

Stecken Unternehmen in der Krise, sind häufig auch Arbeitsplätze bedroht. Ein wirksames Mittel gegen Entlassungen ist die Kurzarbeit. Sie hat sich auch während der Finanzmarktkrise 2009 bewährt: Private Haushalte erhalten so Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit, und damit stabilisiert sich automatisch die Konsumnachfrage. Eine unbürokratische und zeitlich flexible Handhabung der Kurzarbeit hält die Mitarbeiter bei vertretbaren Einkommenseinbußen in den Betrieben. Generell brauchen die Unternehmen Fachkräfte, wenn sich die wirtschaftliche Lage nach der Krise wieder entspannt – vorzeitige Entlassungen sind teuer und wären keine Hilfe.

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie einen aktuellen Artikel von Wolfgang Müller über Erholungsszenarios und ein Schreckensszenario zum Coronavirus.



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3 Kommentare

  1. Der Schneeball -Effekt-artige Rückgang in allen Bereichen der Wirtschaft kann man sich noch kaum vorstellen, vor allem wenn sich das Virus weltweit ausbreitet, was anzunehmen ist.
    In Zürich ruft sogar das Horizentale Gewerbe nach Staatshilfe. Die beste Kundschaft, die Gratisgeld- Profiteure haben gerade beim vertikalen Absturz der Börsen Anderes zu tun als DAS HORIZENTALE GEWERBE ZU UNTETSTÜTZEN.
    Einige Firmen wären auch froh ,wenn sie das Geld für „Aktienrückkäufe auf Höchstkursen,“ noch als Reserve hätten. Die Notenbanken haben fast Alle getäuscht, mit der Garantie alle Probleme mit Geld zu ertränken.
    Ich u.zwei – drei Andere haben nie daran geglaubt. Es ist schade, dass es eine so schlimme Krankheit brauchte um der Globalisierung u.den Notenbanken die Grenzen aufzuzeigen.

  2. Jetzt rufen plötzlich die Wirtschaftsfachleute und Politiker nach der Abkehr von der Globalisierung. Daß das wirklich so kommt halte ich für undurchführbar – es wird nicht kommen. Warum nicht?
    Nun, wenn nun die westlichen Unternehmen und Staaten ihre lokalen Produktionen in den Schlüsselindustrien hochfahren wollen wird dies wohl oder übel einige Jahre in Anspruch nehmen – so weit so gut.
    Was aber wird Chine machen? Die werden mit dem ihnen mitlerweile transferierten know-how eben nicht in der Hauptsache Teile fertigen sondern dass gesamte Produkt und das natürlich zu wesentlich günstigeren Preisen. Wie sollte das jemand verhindern? Die Amis werden die Chinesen mit massiven Zöllen und Sanktionen belegen. Der chinesische Binnenmarkt umfasst ca. 1,4 Mrd. Menschen und ist damit wesentlich größer als Amerika und Europa zusammen. Ergo werden sie diese Sanktionen und Zölle mit dem ihnen eigenen Naturell ertragen, ertragen müssen.
    Und in der westlichen Hämisphere werden die Preise und damit die Inflation explodieren. Staaten und Kommunen sind massiv verschuldet und dann dieses Szenario.
    Daran glaube ich nie und nimmer. Ist die Pandemie überstanden und haben es die Volkswirtschaften einigermaßen überlebt wird man zur Globalisierung zurückkehren. Einzig China wird seinerseits aktiv werden um den Status als Werkbank der Welt so weit wie möglich einzuschränken.

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