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Das „Kartell“ der Banker verspürt wieder vollen Rückenwind

FMW-Redaktion

Die Bankenszene ist wieder voll im Kommen. Um wieder mit vollem Selbstbewusstsein zocken zu können, braucht man die Rückendeckung von zwei Institutionen – die der britischen Regierung (reguliert die City of London) und der EZB in Frankfurt. Hierzu gab es vor Kurzem eine wenig beachtete Konferenz in London…

Mario Draghi EZB
EZB-Präsident Mario Draghi. Foto: EZB

Die Deutsche Bank ist auf den ersten Blick am Boden (Chefetage ausgetauscht etc). Commerzbank-Chef Blessing tritt zurück, nachdem er die Bank irgendwie stabilisiert hat. Die englischen Banken bauen immer noch massiv Stellen ab. Die EZB nimmt mit ihrer zentralisierten Aufsicht über die großen Eurozonen-Banken so richtig Fahrt auf. Alles im Lot mag man da glauben. Die Politik hat ihre Lehren aus der 2008er-Finanzkrise gezogen, es gibt den ESM für kaputte Staaten und die Regulierung als Solches ist auch strenger. Das Gesamtbild sieht rosig aus. Auf den ersten Blick.

Ein kurzer Rückblick auf den 11. November ist sehr aufschlussreich. Die britische Notenbank „Bank of England“ hatte an diesem Tag zum „Bank of England Open Forum“ nach London geladen, einer Konferenz für Banker und Notenbanker. Stargarst war EZB-Präsident Mario Draghi, dazu waren die anderen Top-Gäste der britische Finanzminister George Osborne und Notenbankchef Mark Carney. Auch Chefs großer europäischer Banken waren anwesend. Für alle Teilnehmer mehr als überraschend verkündete Osborne die große Zeitenwende in der britischen Politik, Zitat:

„Wir wollen, dass die Banken Risiken eingehen. London soll die Heimat der weltweit größten Banken bleiben… die Banker beginnen Teil der Lösung zu sein, und nicht Teil des Problems“.

Um Fragen gleich vorwegzunehmen, wies er darauf hin, dass für den nächsten großen Betriebsunfall (Finanzkrise 2.0) eben sichergestellt sein müsse, dass nicht mehr der Steuerzahle hafte. Das sei ein Dilemma, das man überwinden muss, so Osborne. Klingt irgendwie mehr nach Hoffnung und Beten, dass die Finanzkrise 2.0 einfach nicht eintreten wird. Die Intention von Osborne ist klar. Die „City of London“ ist der letzte verbliebene Wirtschaftszweig, der Großbritannien noch kräftig Geld in die Volkswirtschaft spült. Dass dieser positive Effekt durch eine Finanzkrise komplett zerstört wird und darüber hinaus auch im Rest des Landes desaströse Auswirkungen zeigte und auch wieder zeigen wird, schien Osborne nicht zu interessieren und wurde von ihm auch nicht erwähnt. Der britische Steuerzahler musste Großbanken auf der Insel mit gigantischen Milliardensummen stützen. Vor Kurzem wurde durch Osborne auch der amtierende bankenkritische Chef der britischen Finanzaufsicht FCA sagen wir mal freundlich aus dem Amt gelobt. Auch neue Gesetze zur möglichen strafrechtlichen Verfolgung von Bankern wurden verwässert.

Auch Mario Draghi äußerte Erstaunliches. Er ist nicht nur oberster Währungshüter der Eurozone, sondern auch für die ganze Eurozone seit Kurzem auch oberster Bankenaufseher. Betroffen sind also die britischen Banken und damit die „City of London“ nicht direkt, aber die Festland-Banken machen ja auch alle einen Großteil ihrer Zockergeschäfte in London, von daher strahlt die EZB-Bankenaufsicht auch indirekt auf die Insel ab. Gerade das Thema „Verbriefung“, das das Kernkonstrukt der US-Finanzkrise 2008 war (Verpackung von Immobilienkrediten zu Milliardenpaketen und deren Handel), sprach Draghi an und sagte:

„Verbriefungen sind ein nützliches Finanzinstrument. Diese Art von Geschäften dürfen nicht pauschal verdammt werden“.

Originalzitat:

„But securitisation in itself is a useful financial tool. It allows the diversifying of sources of funding for many borrowers who, otherwise, would have no access to capital markets. It allows the opening up of new channels of finance for the real economy. And it can allow cushioning the impact on the supply of credit that would otherwise result from bank deleveraging. In this context, the ECB and the Bank of England took a joint initiative to promote and garner recognition for high-quality, transparent forms of securitisation. This was useful in several ways: first, it sent a clear message to the private sector that key public-sector participants in ABS markets were not abandoning these assets, which had been lagging in terms of issuance volumes and liquidity. Second, it signalled to other policymakers that all ABSs should not be tarred with the same brush. Third, it created a basis for additional coordination between our two institutions which, in an era of increasingly cross-border regulation, is crucial to avoid loopholes and inconsistencies.“

Er sprach auch an, dass er sich eine strengere Regulierung in UK wünsche, aber der Hinweis mit den Verbriefungen blieb als Aufbruchsignal für die Bankindustrie hängen, wie Banker im Nachhinein berichten. Auch hat die EZB in ihrer aktuellsten Banken-Stresstestprüfung nur eine relativ kleine Lücke bei einer portugiesischen Bank gefunden, die noch geschlossen werden muss, ansonsten scheinen offiziell alle Banken in der Eurozone für Krisen gewappnet zu sein. Hinzu kommt: Die EZB wird wohl im Dezember die Schleusen noch weiter öffnen und leicht übertrieben formuliert alles an Anleihen aufkaufen, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Das bisherige Anleihekaufprogramm hat die Inflation de facto keinen Millimeter bewegt. Also haut man nochmal kräftig drauf und pumpt weiter Geld in den Markt. Es versteht sich von selbst, dass die Zinsen weiter bei 0 bleiben. Auch bleibt der Bankeneinlagen-Zins bei der EZB im Minus. Also ist die Wahl der Banker einfach: Die frei werdende Liquidität wird in die Börsen gepumpt.

Und am Hauptschauplatz des europäischen Finanzgeschehens hat die Politik (wie vorher zitiert) der Finanzbranche klar signalisiert, dass man wieder richtig durchstarten kann in der bloßen Hoffnung, dass es einfach nicht zu einer neuen Finanzkrise kommt, denn die kann auch kein noch so prall gefüllter Einlagensicherungstopf abdecken. Weniger als Gesetze zählt gerade für die Trader und Abteilungsleiter der Londoner Investmentbanken eher das Feeling, in dem sie arbeiten. Welches Grundgefühl vermittelt die Politik der Branche? Und da was der Satz „ihres“ Finanzministers, dass die Branche doch bitte endlich wieder Risiken eingehen solle, genau das Startsignal, auf das man gewartet hat. Es kann wieder richtig losgehen!




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6 Kommentare

  1. Danke für die Erinnerung an die Finanzmarkt-Realitäten. Die ehemals Gezausten verkaufen sich, nun wieder frisch frisiert und aufgebügelt als Visionäre. Offenbar reicht es, wenn sich Banker und Politiker gegenseitig glauben, oder auch nur so tun als ob. Das Outsourcen der Zock-Risiken hat sich doch bewährt: Irland, wo liegt das denn? Durchgeknallt oder nicht, Madoff 2.0 bedeutet: Kundeneinlagen + (QE + Verbriefungen) ad finitum (!). Nomen est Omen: Mad-off (frei übersetzt=Aufbruch der Verrückten).

    1. Sorry, soll natürlich Island heißen, s.o. …

  2. Nicht ohne Grund wird der EZB-Bursche von Black Rocks „betreut“…

    1. Organisierte Kriminalität, die die Völker in Geiselhaft genommen hat. Die Hehler nennen sich Politiker.

  3. Nur keine Sorgen, sie treffen gerade Vorkehrungen, damit das System – auf Kosten der Bevölkerung – möglichst lange läuft :-(
    http://www.free21.org/was-erwartet-uns-nach-tag%E2%80%89%E2%80%89x/

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