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Dax: Boden gefunden? Das ist kein Bullenmarkt..

Das ist beim Dax kein Bullenmarkt mehr – daher sind Erholungen eher Verkaufsgelegenheiten als Einstiegschancen auf der Long-Seite..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Hat der Dax jetzt seinen Boden gefunden? Gestern war der deutsche Leitindex direkt auf die massive Unterstützungszone aus dem Juni im Bereich der 12100er-Marke gefallen – und von dort zunächst einmal nach oben abgeprallt mit der leichten Erholung der Wall Street im späteren Handel. Nun dürfte der Dax die Erholung noch weiter fortsetzen aufgrund der Hoffnung, dass die USA und China wieder ihre Gespräche aufnehmen mit dem Besuch einer chinesischen Delegation in Washington Ende August. Das dürfte dem gerade für das Thema Handelskrieg so sensiblen Dax besonders beflügeln!

Und man wird da heute auch nicht so genau hinkucken: die jeweiligen Delegationen sind eher niederrangig, die wohl schon im September kommenden Zölle im Volumen von 200 Milliarden Dollar gegen chinesische Waren wohl kaum mehr zu verhindern. Sachlich gesehen ist das also bestenfals ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht. Und das eigentliche Thema für die Turbulenzrn zuletzt war ja gar nicht der Handelskrieg (den die Märkte völlig in den Hintergrund gedrängt hatten), sondern das Thema Emerging Markets und der scheinbar frei Fall ihrer Währungen. Faktisch also die Rückabwicklung des jahrelang fleißig praktizierten Carry-Trades – und die Bewegung solcher massiven Geldströme ebbt nicht so schnell ab.

Weil also das Grundproblem unverändert bestehen bleibt, dürfte die heutige Erholung auch eher ein Strohfeuer bleiben – nicht mehr und nicht weniger. Dieses Strohfeuer passiert nun beim Dax zu einem Zeitpunkt, der denkbar geeignet war für eine gute Nachricht – eben auf einem charttechnischen Unterstützungsniveau bei der 12100 Punkte-Marke:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Nach wie vor – trotz der heutigen Erholung – sieht der Dax charttechnisch nicht wirklich gut aus – die Schulter-Kopf-Schulter-Formation bleibt unverändert aktiv, die Nackenlinie dieser SKS ist noch in sehr weiter Ferne (12490 Punkte). Der Dax könnte schon froh sein, wenn er die ehemalige Unterstützung bei 12290 Punkten nach oben überwinden könnte – woran wir nicht unerhebliche Zweifel haben.

Auch die Wall Street dürfte durch die Nachricht des Besuchs der chinesischen Delegation in den USA nicht wirklich nachhaltig profitieren: man scherte sich nicht um negative Meldungen zum Handelskrieg USA-China, warum sollte dann eine positive Nachricht, die dazu noch reichlich dünn ist, für nachhaltige Euphorie sorgen?

Summa sumarum: das ist gerade mit Blick auf den Dax kein Bullenmarkt mehr, daher sind derartige Erholungen eher Verkaufsgelegenheiten als Einstiegschancen auf der Long-Seite..


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Bernd Schneider

    16. August 2018 09:04 at 09:04

    Und ich sag : Wer jetzt nicht long geht , hat gar keine Ahnung von Börse. Aber dafür braucht man natürlich ein paar Eier und die hat Fugmann nicht :-)

    • Avatar

      Lausi

      16. August 2018 09:15 at 09:15

      Um short zu gehen braucht man auch Eier :-)

    • Avatar

      Segler

      16. August 2018 17:51 at 17:51

      Darf ich fragen, welche konkreten Fakten Sie zum direktionalen Long Trade bewegt haben ?
      Ich frage so konkret, weil ich gestern massiv VXX short gegangen bin und ich würde mich gern über Ihre einzelnen Beweggründe informieren.
      Herzlichen Dank

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        16. August 2018 17:56 at 17:56

        @Segler, Sie sollten vielleicht einmal erklären, welche Markterwartung Sie haben, wenn Sie den VXX traden, also in diesem Fall den VXX shorten! Wäre für viele hilfreich, die mit dem VXX nichts anzufangen wissen!
        hier ein Info zum VXX, die sehr valide ist:
        https://sixfigureinvesting.com/2013/04/how-does-vxx-work/

        • Avatar

          Segler

          16. August 2018 20:40 at 20:40

          Excusé – da schlägt meine Fachintensität zu. Ich bitte um Nachsicht.
          Wer so lange schon so tief in der Materie steckt, der vergisst leicht, wie weit er vom mainstream entfernt ist.
          Ich versuche eine Erklärung
          – Generell gilt: Im Aktienmarkt steigt der Absicherungsbedarf mit fallendem Index – Inverse Relation (banal)
          – Grosse Marktteilnehmer gehen für Absicherungen kaum noch den Weg über einzelne Puts, sondern nutzen eine Art Basket über alle Optionen des S&P.
          Vorteil: Weniger Einzelaktionen, bessere Übersicht, schnellere Reaktionsmöglichkeiten, Extrem gute Liquidität
          Der bekannteste „Basket“ ist der VXX.
          Wer Absicherungsbedarf gegen fallenden Index hat, der kauft anteilig zu seinem Portfolio, bzw. seinem Bedarf eine entsprechende Menge davon.
          Der VXX ist ein ETF (genauer gesagt ein ETN), der handelbar ist wie jede Aktie oder jeder andere ETF. Sogar ausserhalb der US Börsenzeiten.
          Man kann ihn sowohl direkt long wie direkt short handeln, aber auch Optionen darauf in allen Strikes und Zeithorizonten handeln.
          Dieser ETN trackt den jeweils nächsten und übernächsten Verfallsonat der VIX-Futures, welche immer am 3. Mittwoch im Monat ablaufen.
          Wer sich mit Hilfe des VXX absichert, der kauft einen täglich minimal schwindenden Wert im Sinne einer Versicherung.
          Um das Versicherungsniveau konstant zu halten, kann man entweder direkt den zweiten Vix Future gegen den ersten handeln, oder er kann diese kontinuierlichen aufwändigen Transaktionen „delegieren“ indem er das Produkt `VXX`kauft.
          Dieser ETN hat vier systemimmanente – quasi eingebaute – Verlustfaktoren:
          1.) Täglichen Rollverlust
          2.) Tracking Errors (alle 10 sekunden wird der Wert neu getaxt und entsprechend werden Futures ge- und verkauft)
          3.) Transaktionskosten, in Abhängigkeit vom gehandelten Volumen
          4.) Gebühren für den Emittenden

          Das Absichern mithilfe von Vola Produkten (VXX, UVXY, SVXY, XIV ZIV etc.) kommt einem existenteiellen Versicherungsbedürfnis der grossen Kapitalsammelstellen nach.
          Im Prinzip ist es eine Versicherung, bei denen ein ganz grosses Risiko für eine Kapitalsamelstelle auf ganz viele kleine solvente Risikoübernehmer verteilt wird.
          Über alles gesehen, eine Win-Win Situation für beide Parteien.
          A) Die „Grossen“ zahlen eine Prämie und verkaufen Risiken
          B) Viele „Kleine“ übernehmen anteilig Risiko und erhalten als Gegenleistung kontinuierlich eine Prämie
          Der klassische Fall lief im vergangenen Jahr wie geschnitten Brot als scheinbar idiotensicherer Vola-Short Trade.

          Volatilität tendiert in heissen Börsenphasen zu enormer Übertreibung.
          Gestern war ein solcher Fall im US Markt.
          Der VXX als Versicherungselement schoss auf 34 Dollar hinauf.
          Das Put/CAll Ratio stieg auf sehr seltene 1,47 intraday !!
          Ein untrüglices Zeichen, dass nun wirklich jeder sich versichert hat, der es für notwendig erachtet hat.
          Somit gibt es keinen Grund für weitere Verkäufe. Schliessich hat ja „jeder“ seine Versicherung.
          In solchen Momenten kann man direkt den Index long handeln.
          Alternativ nutzt man die Überschiessende Volatiität indem man sechs Faktoren auf seine Seite zieht:
          1.) – 4.) habe ich oben genannt
          5.) das Reversal und den beginnenden Uptrend
          6.) Den schlagartigen Verfall der Prämienüberteibung (Revesal To The Mean) auf das Normalmass.
          Wer diese Weise handelt, kann zusätzlich zu den sechs genannten Wahrscheinlichkeitsfaktoren noch zwei weitere hinfügen, indem er Optionen verkauft.
          Auf diese Weise profitiert man von
          7.) Zeitwertverlust der Option
          8.) Voal-Rückgang
          Ich selber bevorzuge den direkten Short Handel mit VXX.
          WEr kein Margin Konto hat, der kann ähnlich vorgehen, indem er das inverse Produkt zum VXX, nämlich den SVXY long handelt
          Fazit: Wer sich der Risiken bewusst ist, und nur wer das Produkt versteht, der kann mit dem Short Handel von VXX sehr gut Geld verdienen.
          Mein dringender Rat:
          Nur wer bereits im short selling von Optionen wirklich sattelfest ist und mindestens zwei Jahre Erfahrung darin hat, der sollte den Volatilitätshandel in Erwägung ziehen.
          Nochmal zur Ausgangsfrage:
          Wenn ich für den Aktienmarkt bullisch eingestellt bin, oder auf einen Seitwärtsmarkt spekuliere, dann verkaufe ich VXX.
          Direktes Engagement in Calls oder Call Optionen ist nur dann lukrativ, wenn der (Aktien)Markt tatsächlich zeitnah UND mit genügender Geschwindigkeit steigt.
          Der Markt muss steigen ! – sonst geht man leer aus
          Mit Short VXX verdient man auch (und zeitlich gesehen am meisten) in jenen von vielen Tradern gehassten „langweiligen“ Seitwärtsmärkten, und im häufigen Hin-und-Her in enger Bandbreite.
          Jene Phasen, die für den nach Markttechnik orientierten Händler oder für den Momentumtrader endlosen Frust bedeutet, sei es wegen der Fehlausbrüche, sei es wegen gerissener Stops oder wegen „Stopfishing“, sind dagegen Short-Volahändlers Paradies.
          Vielleicht verstehen Sie jetzt, Herr Fugmann, oder wer auch immer, warum ich heute nur noch schwer verstehen kann, weshalb ein direktionaler Trader auf fünf bzw. sieben der oben genannten Wahrscheinlichkeiten freiwillig verzichtet und an deren Stelle seine „testosteron-getriebene“ Selbstüberschätzung setzt, indem er glaubt, einen Preis für einen bestimmten Zeitpunkt vorhersagen zu können und darauf viel wertvolles Kapital setzt.
          Noch weniger verstehe ich, weshalb sich so viele Börsenteilnehmer weigern, sich mit dem Thema „Wahrscheinlichkeiten handeln, statt Prognosen“ zu beschäftigen.
          Liegt es tatsächlich daran, dass sie glauben, man müsse nur genug „Eier haben“ und alles würde gut ?
          Ein Blick über den beengten Long/Short-Tellerrand, gesunde Selbstkritik und vor allem die Investition in eine vernünftige Ausbildung wären doch eine gute Alternative.
          Herzliche Grüsse

          • Avatar

            leftutti

            17. August 2018 00:31 at 00:31

            Excusé – da schlägt meine Fachintensität zu. Ich bitte um Nachsicht.
            Wer so lange schon so tief in der Materie steckt, der vergisst leicht, wie weit er vom mainstream entfernt ist.

            Derjenige vergisst vielleicht auch, wie weit er selbst inzwischen von der Realität entfernt ist, er schafft sich vielleicht bereits eine eigene. Böse Zungen mögen ihn als Nerd bezeichnen, als Fachidiot, als Betriebsblinden mit Tunnelblick und eigener Sprache.
            Die Fragen für normale Durchschnittsmenschen sind doch: Brauchen Fugmann und seine Leser eine mathematische, börsenspezifische Ausbildung? Bekommen sie die nur von Ihnen? Wie hoch ist danach die Wahrscheinlichkeit, dass Fugmann nun Eier hat oder auch nicht?

  2. Avatar

    Segler

    16. August 2018 13:25 at 13:25

    „. braucht man Eier .. “ – Testosteron basierte Handelsentscheidungen führen schnell in die Irre. Die klassische männliche Selbstüberschätzung betreffend Prognosefähigkeiten ist der Hauptgrund, dass 90 % der Trader auf Dauer Verluste machen.
    Insbesondere die freiwillig gewählte gedankliche Beschränkung auf ENTWEDER Short ODER Long, noch dazu die alleinige Betrachtung eines AktienIndex, und mit keinen anderen Informationen als einzig dem Preis in Relation zu einer fixen linearen Zeitachse – das sind schlechte Voraussetzungen für Erfolg.
    Statt Glauben an eigene Hormone empfiehlt der Segler eine fundierte Ausbildung.
    Jaja ..Testosteron. Kein Wunder, dass Frauen die besseren Trader und Investoren sind ;-)
    Amüsant sind die markigen Sprüche immerhin.

  3. Avatar

    Jürgen

    16. August 2018 13:35 at 13:35

    Kann ich dem Segler nur zu 100% Zustimmen!!!!!!!

  4. Avatar

    gkfx-53971

    16. August 2018 13:37 at 13:37

    Kann ich dem Segler nur zu 100% Zustimmen !!!!!!

  5. Avatar

    jeschl

    16. August 2018 13:48 at 13:48

    …..“Wer jetzt nicht long geht , hat gar keine Ahnung von Börse“……
    Na da scheint sich ja jemand 100%ig sicher zu sein :-)

    Bekannter weisse kommt Hochmut vor dem Fall….

    Viel Glueck Bernd!

  6. Avatar

    Kritisch

    16. August 2018 15:20 at 15:20

    Unabhängig vom Terminus, welcher mal wieder den Verfall unserer großartigen Muttersprache aufzeigt, finde ich es vorallem ziemlich unpassend persönliche Beleidigungen in diesem Forum zu schreiben. Meiner Meinung nach sollte jeder für sich entscheiden nach welchen Kriterien er Börsenhandel betreibt, wobei reines Bauchgefühl, ohne Abwägen fundamentaler Vorgänge, Berücksichtigung von Einschätzungen div. Experten und schlichter Charttechnik, kein so wahnsinnig erfolgversprechendes Handeln nach sich ziehen dürften. So gesehen ist die Entscheidung der ESMA auch ein Stück weit nachvollziehbar.

  7. Avatar

    Wolfgang M.

    16. August 2018 17:20 at 17:20

    Was für ein Kurseinbruch von Bayer innerhalb von 3 Tagen! Nach dem US-Urteil über das Düngemittel Glyphosat verliert das Dax-Schwergewicht 18% an Marktkapitalisierung (16 Mrd. €) und dürfte dabei allein schon für einen Rückgang von über 100 Daxpunkten verantwortlich sein (relativiert die Türkeikrise). Vor allem reiben sich die US-Anwaltskanzleien die Hände, schließlich sind gegen Monsanto hunderte von Klagen anhängig und bei einem Honorar von 20 – 30% auf die Schadenssumme könnte es einiges zu verdienen geben. Außerdem zahlt nach der Übernahme Monsantos durch Bayer das „Silly German Money“, noch eine Motivation mehr, sich ins Zeug zu legen. Ich frage mich, was die Rechtsabteilung vor der Übernahme zu den Rechtsrisiken dieser weltweit umstrittenen Firma gesagt hat. Waren die jüngsten Erfahrungen über die Schadensersatzsummen durch Volkswagen (25 Mrd.$), Deutsche Bank (7,2 Mrd.$) und früher einmal Audi, nicht Warnung genug?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      16. August 2018 17:42 at 17:42

      @Wolfgang, Sie bringen es auf den Punkt! Die Monsanto-Übernahme ist, das ist schon nach so kurzer Zeit klar, ein gigantisches Desaster – als gigantisches Versagen der Rechstabteilung bei Bayer!

      • Avatar

        Segler

        17. August 2018 11:39 at 11:39

        Die Rechtsabteilung bei Bayer hat nicht versagt. Schon gar nicht „gigantisch“.
        Im Gegenteil. Dort sitzen Topleute, die den Finger in die Wunde gelegt haben und in dringenden Hinweisen auf die Risiken v.a. durch die US-Amerikanische Rechtsprechung hingewiesen haben.
        Die Entscheidung zur Übernahme geschah aus (Firmen)politischen Gründen TROTZ der Rechtsabteilung.

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US-Dollar: Sein Fall – und das Comeback der Emerging Markets

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee. Die US-Währung sackt weiter ab. Wer profitiert von der Schwäche?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee, wie die letzte Umfrage der Bank of America im Fund Manager Survey gezeigt hat. Doch ist jederzeit eine Gegenbewegung möglich, weil Vorsicht geboten ist, wenn es eine Massenmeinung gibt und ein Renditeanstieg zunächst viele Käufer anlocken und dem Kurs Auftrieb geben könnte. Dennoch zeigen viele Indikatoren, dass es der US-Dollar auch in einer Ära Biden schwer haben könnte, Stärke zu bewahren. In den USA türmt sich ein Schuldengebilde auf, in Relationen, wie es diese noch nicht einmal zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben hat. Damit stellt sich die Frage: Wer profitiert von einer anhaltenden Dollarschwäche?

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US-Dollar und US-Verschuldung

„The dollar is our currency and your problem!“ Dieser alte und ständig zitierte Spruch des US-Finanzministers Conolloy aus dem Jahr 1971 kann nicht mehr so flapsig dahergesagt werden, denn die USA machen Schulden, viele Schulden – und brauchen daher Abnehmer für ihre Anleihen. Der Kurs der zugrundeliegenden Währung spielt hierbei schon eine Rolle, denn was nutzt ein Zinsvorteil, wenn die Währung permanent abwertet.

Infolge der Pandemie haben die USA bereits fünf Rettungspakete aufgelegt, das letzte im Dezember in Höhe von 900 Milliarden US-Dollar und bereits unmittelbar will der neue US-Präsident noch einmal 1,9 Billionen drauflegen.

Das bedeutet, dass das US-Defizit nicht nur im Jahr 2020 bei 15,5 Prozent gelegen hat, sondern, dass man auch für 2021 mit 14 Prozent rechnet, eine Überziehung des Haushalts, den es in keinem anderen Industrieland geben sollte (Berechnungen Deutsche Bank).

Hierzu ein paar Defizite zum Vergleich:

  • Großbritannien 2020: -19,5 Prozent, 2021: -8,7 Prozent
  • Japan 2020: -14,4 Prozent, 2021: -11 Prozent
  • EU-Zone 2020: -9 Prozent, 2021 -6 Prozent
  • Italien 2020: -11,5 Prozent, 2021 – 8,4 Prozent
  • Deutschland 2020: -6,4 Prozent, 2021 -4,2 Prozent

Sollte dies so eintreten, würden sich die Schuldenstände im Vergleich zum Vor-Coronajahr wie folgt entwickeln:

  • USA von 108,7 auf 134 Prozent im Vergleich zum BIP
  • Großbritannien von 85,4 auf 111,5 Prozent
  • Japan von 238 auf 264 Prozent
  • EU-Zone von 90 auf 111 Prozent
  • Italien von 134,8 auf 158 Prozent
  • Deutschland von 59,5 auf 72,2 Prozent

Aus jetziger Sicht wohlgemerkt, aber die Pandemie ist noch nicht besiegt.

Was bedeutet diese fiskalpolitische Keule für die US-Wirtschaft? Natürlich Wachstum, schließlich gießt man Öl ins Feuer. Aber was macht das mit dem US-Dollar? Einige Ökonomen rechnen mit einem weiteren Verfall des Dollars, auch wenn bei einem Zinsanstieg Geld in den Dollar-Raum fließen sollte. Seit der Wahl in Georgia – also seit klar ist, dass die Demokraten die Mehrheit auch im Senat haben – hat der US-Dollar auch wieder etwas zugelegt. Das Konjunkturprogramm ist eher positiv für den Dollar zu sehen – bessere US-Wirtschaft = höhere Inflationserwartungen = höhere Zinsen und damit eine Stütze für den Greeenback, so die Rechnung.

Aber die Konjunktur wird auch weltweit besser, so dass Geld aus dem sicheren Hafen wiederum abfließen könnte – und damit aus den USA.

Das andere Argument: Die US-Staatschulden sind von 23,3 Billionen Dollar (2019) auf fast 28 Billionen (2020) gestiegen und sollen 2021 um weitere zwei Billionen Dollar steigen. Was für ein Bedarf an Anleihen, zumal noch auslaufende Bills ersetzt werden müssen.

Deshalb sehen Ökonomen wie Stephen Roach die Gefahr eines weiteren heftigen Verfalls beim US-Dollar in zweistelliger prozentualer Höhe. Ein höheres Budgetdefizit würde dazu führen, dass sich das Außenhandelsdefizite der USA weiter ausweitet.

Natürlich ist der US-Dollar noch die sehr dominante Weltleitwährung mit über 60 Prozent Anteil, es werden Rohstoffe zu über 80 Prozent in Dollar frakturiert, allein schon der über 10 Billionen Dollar pro Jahr schwere Ölmarkt. Aber eine weitere Abwertung dieser Leitwährung wäre ein Segen für die Länder, die starke Schulden in dieser Währung haben!

Das Comeback der Emerging Markets

Wenn man sich die Entwicklung an den Finanzmärkten seit der Finanzkrise betrachtet, so ist eines ohne Zweifel auffällig: Es ist bisher eine Dekade der großen Hightech-Werte und damit des technologielastigen Nasdaq. Sehr anschaulich an seiner Performance auch im Vergleich zu S&P 500 oder auch des MSCI World – seit dem Tief bei der Finanzkrise erkennbar:

  • Nasdaq plus 1020 Prozent
  • MSCI World plus 407 Prozent
  • MSCI Emerging Markets plus 293 Prozent

Die letztgenannte Anlageregion, die hier nicht mithalten konnte, obwohl Wachstum und das Alter der Bevölkerung eigentlich klar für sie sprächen, sind die 27 Länder, die in dem Index für Entwicklungsländer zusammengefasst sind. Viele diese Länder sind stark verschuldet, vor allem in US-Dollar, und dessen Abwärtsentwicklung ist eine starke Erleichterung für deren Haushalte (allerdings nicht für alle).

Wie stark die Emerging Markets auf die Abschwächung der Weltleitwährung und der immer stärker werdenden Verschuldung der USA reagiert haben, zeigen Vergleichcharts. Die Outperformance der Emerging Markets in Relation zum S&P 500, besonders deutlich der steile Anstieg nach dem Sieg der Demokraten und die Aussicht auf große Konjunkturprogramme.

Die Emerging Markets proftitieren von der Schwäche beim US-Dollar

Fazit

Wird das Comeback der Emerging Markets Bestand haben? Vermutlich schon, schließlich gibt es auch im Verhältnis der großen Indizes MSCI World und MSCI Emerging Markets Zyklen. Immer wieder gibt es einen Ausgleich in der Entwicklung, deshalb empfehlen Finanzmathematiker auch ein Anlageverhältnis von 70 zu 30, aufgrund von Vergleichen über die Jahrzehnte. Aktuell kommt mit der Schuldenproblematik, dem Verfall beim US-Dollar und Entwicklungen wie die Freihandelszone in Asien, RCEP – Regional Comprehensive Economic Partnership, ein riesiger Wirtschaftsraum mit aufstrebenden Nationen hinzu, was einer Umleitung von Anlagekapital förderlich wäre.

Fahnenstangen werden immer korrigiert, auch bei Länderindizes..

Ein starker US-Dollar ist für viele Länder ein Problem

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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