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Aktien

Dax: Der Boden

Für den Dax spricht die deutlich negative Stimmung: vor allem die Profis rechnen nicht mit weiteren Anstiegen. Auf der anderen Seite scheint es aber doch so zu sein, dass derzeit alles Positive eingepreist ist, und man sich die Frage stellen muss, was die nächste Aufwärtsbewegung in einem ohnehin überkauften Markt auslösen sollte. Saisonal ist die Zeit eher ungünstig – das Motto „sell in may and go away“ hat eine sehr gute historische Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern das erste Mal seit vielen Tagen Nervosität an den Märkten nach den schwachen Zahlen der größten Warenhauskette der USA, Macy´s. Sorgen um die Zukunft des stationären Einzelhandels in den USA brachten die US-Indizes zeitweise stärker unter Druck, bevor dann wieder eine Erholung einsetzte.

Dennoch: der gestern zu beobachtende Anstieg der Volatilität könnte der Auftakt sein für unruhigere Zeiten an den Märkten, vor allem dann, wenn die heutigen US-Einzelhandelsumsätze enttäuschen sollten und damit verdeutlichen, dass die US-Konsumenten immer defensiver werden. Ohne weiteres Wachstum aber bei den Konsumausgaben droht der US-Konjunktur mehr und mehr die Puste auszugehen.

Die Fed meint: alles nur eine Delle. Vielleicht hat sie recht. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht ist das sehr schwache erste Quartal (BIP nur +0,7%) doch der Auftakt für einen Abschwung, nachdem der Aufschwung in den USA seit der Finanzkrise ungewöhnlich lange angehalten hat – aus zyklischer Sicht wäre also eine Rezession fast schon überfällig. Daten von den Kreditmärkten zeigen darüber hinaus, dass Ungemach drohen könnte: rückläufige Nachfrage nach Kreditkarten, geringere Kreditvergabe der Banken, geringere Kreditnachfrage der US-Unternehmen – all das sind unter normalen Umständen erste Anzeichen für eine Rezession.

Nun sind die Aktienmärkte nicht gerde bekannt dafür, eine solche Entwicklung zu antizipieren – sie reagieren eher und preisen derartige Entwicklungen meist mit einiger zeitlicher Verzögerung ein. Aber man ist auch an der Wall Street nach den gestrigen Zahlen von Macy´s etwas nachdenklicher geworden.

In Asien überwiegend rote Vorzeichen mit Ausnahme Chinas:

Shanghai Composite +0,77%
CSI300 +0,76%
ChiNext -0,32%
Nikkei -0,40%

Und der X-Dax dennoch wenig verändert:

Gestern hat der Index erneut das Niveau 12760/65 gestestet und dabei einen Doppel-Boden ausgebildet. Diese Zone sollte nun unbedingt verteidigt werden, dann ist für die Bullen vorerst weiter alles in Ordnung. Für den Dax spricht die deutlich negative Stimmung (siehe hierzu unseren Bericht) – vor allem die Profis rechnen nicht mit weiteren Anstiegen. Auf der anderen Seite scheint es aber doch so zu sein, dass derzeit alles Positive eingepreist ist, und man sich die Frage stellen muss, was die nächste Aufwärtsbewegung in einem ohnehin überkauften Markt auslösen sollte.

Saisonal ist die Zeit eher ungünstig – das Motto „sell in may and go away“ klappt natürlich nicht immer, hat aber eben doch eine sehr gute historische Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite. Die Märkte fallen im Mai häufig in ein Loch, nachdem die Berichtssaison in den USA und Europa ihren Höhepunkt überschritten hat.

Wichtig heute die US-Verbraucherpreise, und, wie erwähnt, die US-Einzehandelsumsätze, über die wir um 14.30Uhr bei FMW berichten werden!

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    12. Mai 2017 11:43 at 11:43

    Die richtigen Spezialisten an der Börse wollen Geld verdienen und verdienen auch eine Menge Geld.
    Während sie Geld verdienen, müssen sie einpreisen, dass z. B. der Dollar seit 2013 etwa 97% an Wert verloren hat, das britische Pfund etwa 99,3% und der Euro seit seiner Einführung etwa die Hälfte.
    Alle diese Wertverluste müssen durch die Kursgewinne aus Aktien erst einmal ausgeglichen werden, bevor eine Gewinnzone erreicht wird.

    Trotzdem verdienen diese Spezialisten noch eine Menge Geld, indem sie z. B. über Insiderinformationen verfügen oder, oder.
    Denn an Aktien, z. B. über den DAX Mittelwert Gewinne zu generieren, ist für den Kleinanleger, der
    z. B. langfristig für seine private Altersversorgung anspart, hoffnungslos.
    Im Jahre 2000 stand der Dax bei etwa 8.000 und im Jahre 2017 bei etwa 12.000 Punkten.
    Wer also im Jahre 2000 100TSD EURO in den DAX investiert hat, kann sich (einschl. Dividenden) heute über 150 TST „freuen“ die aber nur noch die Kaufkraft von 75 TSD Euro haben.
    Es wurden somit nicht nur in den letzen 17 Jahren etwa 25% des Anfangskapitals „verbrannt“ sondern auch noch für die etwa 50 TSD Scheingewinne Steuern und andere Kosten bezahlt.
    Und aus dieser Masse der Verluste durch die Kleinanleger, generieren einige wenige Spezialisten ihre echten Gewinne.
    Wer im Jahre 2000 100 TSD in Gold investiert hat, kann es heute für über 400 TSD verkaufen.
    Das alles kann jeder Hilfsschüler ohne Taschenrechner ausrechnen.
    Da ich davon ausgehe, dass die Masse der Deutschen keine Hilfsschüler sind, bewundere ich die Arbeit der Regierungsmedien, denen es immer wieder gelingt, Menschen, die etwas für ihre private Altersversorgung tun wollen, in Papierwerte gleich welcher Art zu treiben.
    Ja- ich bewundere die Regierungsmedien und bin froh, dass es ihnen gelingt, denn sonst müssten die Finanzminister sich etwas zur Besteuerung von physischem Gold einfallen lassen, das heute noch bis 15.000 Euro anonym, ohne MwSt. gekauft werden kann und dessen Kursgewinne legal steuerfrei sind.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • Avatar

      gerd

      12. Mai 2017 12:26 at 12:26

      Die Gold-Rechnung kann man in der Tat ohne Taschenrechner nachvollziehen – bei den anderen Aussagen würde mir das aber nicht mal mit einem solchen gelingen. Ich behaupte sogar… aber überprüfen Sie es gerne selbst noch einmal.

      Viele Grüße in die sonnig warmen Gefilde des Südens

    • Avatar

      columbo

      12. Mai 2017 12:58 at 12:58

      @H.J.Weber, bevor Sie zu goldeuphorisch werden, lesen Sie bitte folgendes:

      http://grossmutters-sparstrumpf.de/gold-macht-dich-arm/

      ist ziemlich ernüchternd.

      • Avatar

        Quintus

        12. Mai 2017 13:28 at 13:28

        Selten solch ein Sammelsurium an falschen Aussagen und bewußten Verfälschungen bei Gold gelesen.
        Zu einer solch gruseligen Ansammlung falscher Fakten spare ich mir jeglichen Kommentar, nein ich schüttle nur noch mit dem Kopf….es gibt NUR ein Argument gegen Gold. Gold erschafft nichts, es entzieht dem Wirtschaftskreislauf sogar Kapital…..

        • Avatar

          gerd

          12. Mai 2017 13:53 at 13:53

          Ich bin nach diesem Video in höchstem Maße erstaunt, wie gewaltig die vermuteten Goldvorkommen doch sind.
          Fehlt bloß noch, dass diese womöglich in einer Art Fracking-Technologie analog dem Schieferöl irgendwann genutzt werden können.

          Zu von Ihnen als falsch ausgemachten Fakten kann ich mich vorn vornherein nicht äußern, da mir die Kenntnisse fehlen.

          Aber wieso vermuten Sie, dass Gold dem Wirtschaftskreislauf sogar Kapital entzieht?
          Um es vorwegzunehmen, das glaube ich nicht. Zumindest nicht in der Pauschalaussage.

          • Avatar

            gerd

            12. Mai 2017 14:07 at 14:07

            Korrektur: der LINK von Columbo betrifft kein VIDEO!

      • Avatar

        Helmut Josef Weber

        12. Mai 2017 13:49 at 13:49

        Mein Gott, dass man mit sowenig Tinte so viel Blödsinn schreiben kann.
        Aber das ist gut so, denn es gibt nicht weinige Leute die das glauben.
        Ich habe mit meinen Goldunzen in 17Jahren, als der DAX um 50% zulegte, auf über 400% zugelegt und das alles ganz legal steuerfrei.
        Meine private Altersversorgung ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Goldgrube geworden.
        Ich habe nicht damit gerechnet das Gold so dermaßen steigt und bin daher mit meinen privaten Mittel als Altersrentner reichlich überversorgt.
        Die einigen hundert Kilo Silber und die Gold Unzen, die reichlich überbleiben werden einmal für meine Kinder sein, denn die werden meine liebe Frau und ich nie benötigen.
        Aber wie gesagt, das ist nicht mein Verdienst, sondern ich habe einfach Schwein gehabt, dass die Kurse so gestiegen sind.
        Übrigens brauchen wir unsere Altersrenten nur nicht versteuern, weil wir den Kapitalertrag auf die Edelmetalle nicht versteuern müssen und auch keine 18% KK-Beiträge davon zahlen.

        Viele Grüße aus Andalusien
        H. J. Weber

        • Avatar

          columbo

          12. Mai 2017 14:08 at 14:08

          Danke H.J.Weber für Ihre Meinung. Mit dem Satz „Ich habe einfach Schwein gehabt, daß die Kurse so gestiegen sind“, geben Sie indirekt zu, daß das Goldinvestment Glücksache und nicht die berühmte Versicherung war.
          Ich selbst war früher ein Goldbug, bin ich zwar noch, aber immer weniger. Deshalb suche ich bewußt Meinungen gegen das Edelmetall, um mich besser orientieren zu können.

          • Avatar

            gerd

            12. Mai 2017 15:14 at 15:14

            Es kommt auf die Stunde an, sang einst Roy Black, ganz egal, was du tust auf der Welt. Auf den Zeitpunkt kommt es an.

            Wenn jemand Anfang 2003 beim DAX von nicht 8000 sondern 2500 eingestiegen wäre und ebenfalls treu an seinem Investment festgehalten haben würde – stünde er heute natürlich viel besser da als mit Gold.
            Wegen der gezahlten Dividenden.

            Oben, im ersten Beitrag von H. J. Weber hatte sich nämlich schon mindestens ein Fehler eingeschlichen. Die Dividenden sind in seiner Rechnung beim DAX-Anstieg eben noch nicht eingerechnet. Und die gehören noch aufgeschlagen – egal ob der DAX-Einstieg bei 8000 oder 2500 lag.

            Was mich selbstverständlich nicht davon abhält ihm persönlich zu seinem „Schwein“ und dem richtigen Einstiegszeitpunkt und Durchhaltewillen zu gratulieren. Wie ich das vor etlichen Wochen mit einem Anflug von etwas Neid bereits auch schon mal tat.

            Und mit den Temperaturen, Herr Weber, haben Sie im Vergleich zu Deutschland auf jeden Fall die bessere Performance. Noch mal viele Grüße in die Mittelmeerregion.

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    12. Mai 2017 16:04 at 16:04

    In dem DAX Kurs sind die Dividenden bereits eingerechnet.
    H. J. Weber

    • Avatar

      gerd

      13. Mai 2017 15:11 at 15:11

      Herr Weber, ich bitte Sie um Entschuldigung und sage Ihnen ein riesengroßes Dankeschön.
      Zunächst: SIE haben Recht. Und ich bereue, bereut zu haben.

      Nachdem ich nämlich meine Antwort eingestellt hatte, ging ich raus um den Anflug von deutschem Frühling zu suchen und zu genießen. Und als ich da auf einmal an den Frühling bei Ihnen in Spanien dachte, spürte ich doch tatsächlich ein Bedauern in mir, dass ich womöglich Ihnen einen schönen Frühlingsnachmittag stimmungsmäßig eingetrübt haben könnte, wegen dem Hinweis auf die Dividenden. Obwohl das an dem Gesamterfolg Ihrer damals absolut richtigen Anlageentscheidung eh nichts geändert hätte. Nur im Vergleich mit der Alternativanlage fiel sie dann eben nicht mehr soo bombastisch aus. Und manchmal reicht ja auch das schon, um einen Tick weniger zufrieden zu sein. Deshalb hatte ich meine Antwort bereut.

      Aufgrund Ihrer beharrenden Antwort von Samstag, habe ich alsdann Ihren Standpunkt noch mal durchdacht. Und jetzt bereue ich, bereut zu haben.

      Erstens weil es unnötig war und ich jetzt der „Angeschmierte“ bin, der mit der neu gewonnenen Erkenntnis zurecht kommen muss und gar nicht Sie.
      Und zweitens, weil ich dank Ihrer Kommentare und durch jene falsche Antwort von mir die Sache im weiteren Verlauf jetzt richtig beurteilen kann.
      Dass der DAX ein sog. Performance-Index ist, wo Dividendenabschläge bei Einzelaktien den Indexstand nicht verändern, war mir klar.
      Aber meine Schlussfolgerung daraus war falsch.

      Noch mal Danke und eine gute eine Zeit.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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