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Europa

Dax pfui, Mittelstand hui – Gegensätzliche Entwicklungen in Deutschlands Wirtschaft

Auch wenn bei den großen Unternehmen die Zeichen auf wirtschaftlichen Abschwung stehen, gibt es ein starkes Korrektiv aus Binnenwirtschaft und Konsum

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In den großen Medien blickt man Tag für Tag auf die Meldungen der Dax-Unternehmen. Und die vermelden seit Monaten sich verschlechternde Geschäftsaussichten, wegen der Schwäche Chinas und dem lähmenden Handelsstreit mit dem Thema Protektionismus. Aber wird man damit schon der deutschen 3-Billionen-Euro-Ökonomie gerecht?

 

Die Exportschwäche des Dax

Nach Ertragswarnungen eines jeden dritten Dax-Unternehmens ging es 2018 mit den Gewinnen insgesamt um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr nach unten. Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft wurden für 2019 in etwa halbiert, zuletzt durch die Wirtschaftsweisen auf 0,8%. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank im vergangenen Monat mit 45 Punkten tief in den Schrumpfungsbereich.

 

Die Gegenpole Dienstleistung und Konsum

 

Nicht nur, dass der Dienstleistungsbereich die Konjunktur am Laufen hält (aktueller Einkaufsmanagerindex bei 55 Punkten), es ist auch der Konsument, der für Stabilität sorgt.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes ergab sich am Freitag, dass der private Konsum im Februar 2019 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 % gestiegen ist. Deshalb hätten wir ohne die ausgabefreudigen Verbraucher bereits eine Rezension. Eine Hauptursache hierfür ist die gute Verfassung des Arbeitsmarktes mit rund 45 Millionen erwerbstätigen Menschen, ca. eine halbe Million mehr als zur selben Zeit des Vorjahres und ein Rekord. Auch die Lohnsteigerungen spielen eine Rolle, denn allein für die Staatsbediensteten gibt es 8 % mehr, verteilt auf 33 Monate. Laut statistischem Bundesamt bewegten sich die Konsumausgaben 2018 bei 1,678 Billionen €, zum Vergleich:

Deutsche Unternehmen haben 2018 Waren im Wert von knapp 1,3 Billionen Euro ausgeführt. Ganz aktuell hat das Handelsblatt Research Institute (HRI) monatlich berechnet: Für April stieg das Konsumentenvertrauen auf 101,14 Punkte. Das Plus war mit 1,72 Punkten das zweitgrößte seit dem Start im Jahr 2017.

 

Neue Daten zum Mittelstand

Ganz andere Daten im Vergleich zu den Dax-Werten zeigen die Umsätze der mittelständischen Firmen im Vergleich zum Rekordjahr 2017. Sie sind im vergangenen Jahr noch einmal um durchschnittlich 5,5 Prozent gestiegen, bei den Vorsteuergewinnen lag das Plus sogar bei 13,8 Prozent. Das machen Daten von 4 000 kleinen und mittleren Unternehmen deutlich, die ihre Bilanzen für das abgelaufene Geschäftsjahr bereits abgeschlossen haben.

Nach einer Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY von 1 500 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 20 Millionen und einer Milliarde Euro sind derzeit zwei von drei Firmen (65 Prozent) uneingeschränkt zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Vier Prozent mehr als vor einem Jahr, und es ist der höchste Wert seit 2004, als die Firmen erstmals befragt wurden. Selbst der Ausblick ist sehr optimistisch, denn 56 Prozent der Firmen erwarten eine weitere Verbesserung der Geschäftslage auf Sicht eines halben Jahres. Die Erklärung hierfür ist die Konzentration auf den Binnenmarkt und der damit verbundene geringere Einfluss der Globalisierung.

Was für Widersprüchlichkeiten!

 

Fazit

Auch wenn bei den großen Unternehmen die Zeichen auf wirtschaftlichen Abschwung stehen, gibt es ein starkes Korrektiv aus Binnenwirtschaft und Konsum. Erst ein Rückgang in diesen Wirtschaftsbereichen dürfte die deutsche Wirtschaft bei anhaltender Exportschwäche in eine Rezession zwingen.

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Europa

ZEW Index besser als befürchtet, aktuelle Lage aber schwächer

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Der ZEW Index (September; Konjunkturerwartungen) ist mit -22,5 weniger schlecht ausgefallen als befürchtet (Prognose war -38,0; Vormonat war -44,1, das war der schlechteste Wert seit Mai 2010!).

Dazu kommentiert ZEW: die Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben negativ, die leichte Verbesserung bedeute keine Entwarnung..

Die Einschätzung der aktuelle Lage aber schwächer als erwartet, sie liegt bei -19,9 (Prognose war -37,4, Vormonat war -43,6, das war der schlechteste Wert seit Dezember 2011).

Einige Analysten hatten die schwächere Einschätzung der aktuellen Lage bereits antizipiert:

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Europa

EU-Handelsbilanz aktuell: Lieber Donald, bitte nicht weiter lesen…

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Die EU-Handelsbilanz für den Warenverkehr im Monat Juli wurde vor wenigen Minuten veröffentlicht. Bevor wir zu den Gesamtzahlen kommen, widmen wir uns den derzeit so extrem im Fokus stehenden Handelsbeziehungen mit den USA. Und da schauen wir uns mal den Gesamtsaldo der EU-Handelsbilanz für den Zeitraum Januar-Juli an im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Und siehe da. In 2018 lag der Überschuss der EU gegenüber den USA bei 80 Milliarden Euro. In 2019 ist es ein Überschuss von 90,9 Milliarden Euro – ein kräftiger Anstieg im Überschuss für die EU, und das Defizit der USA steigt deutlich. Diese Daten sollte Donald Trump besser nicht zu lesen bekommen. Sonst gibt es doch noch bald neue Autozölle gegen die EU? Im Gegenzug ist das Defizit in der EU-Handelsbilanz gegenüber China deutlich angestiegen, von -98,6 auf jetzt -109,2 Milliarden Euro. Man kann also deutlich simplifiziert sagen: Was die EU gegenüber den USA gewinnt, verliert sie wieder gegenüber China.

EU-Handelsbilanz Detaildaten

Aber nun zu den Gesamtzahlen. Die Eurozone erzielte im Juli einen großen Handelsbilanzüberschuss von 24,8 Milliarden Euro nach vormals 20,6 Milliarden Euro. Aber: Die Gesamt-EU liegt an der Nullschwelle. Sie erzielt ein Minus von 0,1 Milliarden Euro nach +0,2 Milliarden Euro im Juli 2018. Was für ein Unterschied. Aber man wird es sehen. Wenn Großbritannien (eines Tages?) aus der EU ausscheiden sollte, wird auch die Gesamt-EU plötzlich deutliche Überschüsse erzielen, weil die Briten ein deutlicher Netto-Importeur von Waren sind. Von Januar-Juli 2018 erzielten die Briten beim Export in Länder außerhalb der EU ein Defizit von 26,7 Milliarden Euro. In 2019 war es schon ein Defizit von 43,3 Milliarden Euro!

Hier die Eurozone (oben) im Vergleich zur Gesamt-EU:

EU-Handelsbilanz Relation zur Eurozone

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Europa

Aktuell: Großhandelspreise rauschen kräftig in die Deflation

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Soeben hat das Statistische Bundesamt die deutschen Großhandelspreise für den Monat August veröffentlicht. Im Vergleich zu August 2018 sinken sie um 1,1%. Im Juli waren es bereits -0,1%. Davor waren es im Jahresvergleich Veränderungen von +0,3%, 1,6%, 2,1% usw. Also: Binnen weniger Monate sind die Großhandelspreise schnell in die Deflation gerauscht. Im letzten Jahr lagen die Steigerungsraten oft sogar bei über +3% (Grafik). Aktuell ist das der schlechteste Wert seit drei Jahren! Die schwachen Großhandelspreise für Öl knallen voll rein in den Gesamtschnitt. Hier die Statistiker im Wortlaut:

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten im August 2019 die um 6,1 % niedrigeren Preise im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen. Ebenfalls kräftige Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr gab es im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen (-10,0 %), mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (-9,0 %) sowie mit Datenverarbeitungsgeräten, peripheren Geräten und Software (-6,3 %). Dagegen waren insbesondere die Preise für lebende Tiere (+13,7 %) sowie für Fleisch und Fleischwaren (+5,4 %) auf Großhandelsebene höher als im August 2018.

Großhandelspreise Langfristchart

Großhandelspreise Tabelle

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