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Der IWF hat endgültig ausgedient

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Verlorene Glaubwürdigkeit, ein gescheitertes Grundkonzept, eine asiatische Alternative, die große Heuchelei der Chefin, und noch vieles mehr: Der IWF hat endgültig ausgedient…

IWF-Zentrale in Washington D.C
IWF-Zentrale in Washington D.C.
Foto: IWF / Gemeinfrei

Das IWF-Konzept an sich ist gescheitert

Der IWF hat ein einfaches und übersichtliches Geschäftsmodell. Kredite an Staaten vergeben, die wirtschaftliche Probleme haben. Mit Hilfe der Kredite sollen diese Staaten Zeit bekommen um Strukturreformen umzusetzen, Kosten zu reduzieren usw. Natürlich müssen diese Länder die Kredite in Raten zurückzahlen. Normalerweise fließen die Gelder des IWF immer sofort in den Staatshaushalt um Lücken zu schließen. Einzelne Länder, die keinen starken großen Bruder in der Hinterhand haben, können die Rückzahlung der Kreditraten nur stemmen, in dem sie ihre Staatsausgaben massiv einschränken, worunter i.d.R. die sozial Schwächsten leiden, und auch das Wirtschaftswachstum des Staates. Der IWF erhält seine Gelder zwar zurück, aber wie vor allem in Afrika zu besichtigen ist, wurde der Kontinent durch die IWF-Hilfen in den letzten Jahren nicht zur globalen Boomregion, sondern noch tiefer in den Strudel der Verarmung gerissen.

Griechenland hat als IWF-Kreditnehmer einen entscheidenden Vorteil gegenüber Ländern in Afrika. Man ist Teil der EU und hat daher einen großen starken Bruder in der Hinterhand, der einen notfalls raushaut, so vor Kurzem geschehen. Als Griechenland die IWF-Raten für Juni und Juli von insg. gut 2 Milliarden Euro nicht bedienen konnte, wurde man durch die EU gerettet. 7,16 Milliarden Euro flossen vom europäischen Rettungsschirm EFSF vor Kurzem als Brückenkredit an Griechenland, womit man unmittelbar 2 Milliarden Euro an den IWF überwiesen konnte.

Der IWF scheint noch immer nicht verstanden zu haben, dass es nichts bringt korrupten Regimen oder nicht funktionierenden Staaten Geld zu geben in der Hoffnung dort würden dann Strukturreformen eingeleitet werden. Auf dem Papier kann der IWF immer schöne Fortschrittsberichte schreiben, aber was brachte es wirklich? Nur noch mehr Armut. Denn entweder versickern IWF-Gelder im korrupten Staatsapparat, in höheren Sozialausgaben oder beim Stopfen von Haushaltslöchern. Der IWF scheint immer noch nicht begriffen zu haben, dass nicht funktionierende Regierungen kein Interesse an Reformen haben, sondern nur am Geld des IWF selbst. Harte Währung reinbekommen – dafür verspricht man natürlich gerne alles, was der IWF hören will.

Die große Heuchelei des IWF

In Europa, vor allem in der Eurogruppe hat der IWF in den letzten Woche sehr viel an Glaubwürdigkeit verspielt. Grund dafür ist die Heuchelei zum Thema Griechenland. Immer wieder fordert die von US-Präsident Obama getriebene Christine Lagarde im Namen des IWF einen massiven Schuldenschnitt für Griechenland. Den soll Europa aber bitteschön alleine stemmen. Der IWF will sich nicht beteiligen, sondern besteht nach wie vor auf voller Rückzahlung seiner Kredite – und dies sei von Griechenland nur zu stemmen, wenn Europa auf einen Großteil seiner Forderungen gegenüber Griechenland verzichte. Heuchelei ist das einzig passende Wort hierfür. Obama drängt Lagarde deswegen so massiv, weil die USA keine Lust auf eine entstehende Wirtschaftskrise in Europa haben, die sich auch negativ auf die USA auswirken könnte.

IWF-Engagement in der Ukraine

Der IWF engagiert sich mit „freundlichem Bitten“ der USA in der Ukraine – wie immer mit Krediten. Auch hier hört man vom IWF, dass die Regierung der Ukraine auf einem guten Weg sei Reformen umzusetzen. Erst im März wurde ein Kreditprogramm von 17,5 Milliarden Dollar aufgesetzt, das in Raten ausgezahlt wird. Erst gestern wurden weitere 1,7 Milliarden Dollar freigegeben. IWF-Vizechef David Lipton bescheinigte jetzt der Ukraine einen „starken Start“ bei den anstehenden Reformen, die das Land nach vorne bringen sollen. Aber schaut man sich die aktuellsten Zahlen an, ist klar, dass die Ukraine nur mit nett gemeinten Reformen (werden die wirklich was bringen?) und warmen Worten aus eigener Kraft keine IWF-Kredite zurückzahlen kann. Im 1. Quartal 2015 ging das BIP der Ukraine um 17% zurück. Wie soll eine Volkswirtschaft bei solchen Kennzahlen Steuern erwirtschaften, um dem IWF Geld zurückzuzahlen?

Warum lässt der IWF sich wissentlich auf dieses Abenteuer ein? Ganz einfach… es geht beim Ukraine-Engagement nicht um eine wirtschaftliche Aufbauhilfe, sondern um Politik. EU und vor allem die USA wollen die Ukraine wirtschaftlich am Leben halten um Russland zu brüskieren. EU und USA selbst überweisen auch große Beträge an die Ukraine. Der IWF ist sich bewusst, dass beide aus politischen Gründen die Ukraine nicht in die Pleite rutschen lassen werden. Daher kann man sich gewiss sein: Stehen die ersten Ratenzahlungen der Ukraine an den IWF an, werden EU und USA mit neuen Hilfsgeldern den IWF raushauen!

Die politische Hilfe gerade durch den IWF soll auch als Zeichen an Russland gewertet werden, dass die „Weltgemeinschaft“ zur Ukraine steht.

Personalbesetzung wie im Kuhdorf um die Ecke

Auch die übliche Praxis, wie beim IWF das Spitzenpersonal besetzt wird, untergräbt die Seriosität und Glaubwürdigkeit des IWF gerade in Asien. Europa und die USA besetzen (was ja kein Geheimnis ist) den Posten des Weltbankchefs stets mit einem Amerikaner, und den des IWF-Chefs immer mit einem Europäer – so der bisherige Deal. Derzeit sitzt die Französin Christine Lagarde daher auf dem IWF-Chefposten. Nach ihrem Landsmann Olivier Blanchard folgt nun ein US-Ökonom als Chefvolkswirt als Nr. 2 in der Hierarchie. Auch hier, eine westliche Dauerveranstaltung. Kein Wunder, dass China sich das auf Dauer nicht mehr mit ansehen will.

IWF Chefin Christine Lagarde
IWF-Präsidentin Christine Lagarde
Foto: Marie-Lan Nguyen / Wikipedia (CC BY 3.0)

Der IWF als politische Institution wird unglaubwürdig

Wie will der IWF gegenüber afrikanischen Dritteweltländern in Zukunft glaubwürdig auftreten? Man hat dem EU-Mitglied Griechenland die größten Kreditvolumina der IWF-Geschichte gewährt. Und jetzt, nach wochenlangem Ausbleiben von Schuldenrückzahlungen, die letztlich nur durch EU-Mittel beglichen werden konnten, überlegt man doch ernsthaft Griechenland neue Kredite zu gewähren – einer Regierung, die im Zusammenhang mit dem IWF von Terrorismus spricht. Mir wäre kein afrikanisches Land bekannt, dass sich gegenüber dem IWF derart geäußert und dann noch Kredite erhalten hätte. Auch wäre mir keines bekannt, das neue Kredite in Aussicht gestellt bekommt, nachdem es erst mal wochenlang fällige Kreditraten nicht zurückgezahlt hat. Die Autorität einer „globalen Finanzinstitution“ ist dahin.

Den Yuan draußen zu lassen zerstörte die Glaubwürdigkeit endgültig

Auch wenn der chinesische Yuan noch keine etablierte und ernsthafte globale Reservewährung wie der US-Dollar, Euro oder Schweizer Franken ist: die unendlich in die Länge gezogene Hinhaltetaktik von IWF-Präsidentin Lagarde (und den USA dahinter), dass man ernsthaft überlege „irgendwann demnächst mal“ den Yuan in den IWF-Währungskorb aufzunehmen, hat die Glaubwürdigkeit des IWF als globale Institution zerstört, vor allem in Asien. Denn bisher wird die künstliche IWF-Währung namens „Sonderziehungsrecht“ gebildet aus einem Korb, in dem der US-Dollar, Euro, japanischer Yen und das britische Pfund enthalten sind. Mit welcher Berechtigung bleibt z.B. das immer unwichtiger werdende Pfund enthalten und der Yuan wird nicht aufgenommen? Das kann man niemandem mehr erklären. Dieser Umstand macht deutlich, dass der IWF, wenn es nach dem Willen des größten Anteilseigners USA geht (hält mit 17,68% den mit Abstand größten Teil am IWF), auch in Zukunft letztlich eine „Veranstaltung“ des Westens bleiben soll. Der Westen (USA + Europa) sollen auch weiterhin entscheiden, wer in Afrika, Südamerika oder Asien gerettet und unter strengsten Auflagen „gehalten“ wird. Erst gestern hat der IWF die Entscheidung, ob man den Yuan in seinen Währungskorb aufnimmt, wieder auf Ende 2016 verschoben.

AIIB stiehlt dem IWF die Show

Mit der „Asian Infrastructure Investment Bank“ (AIIB) geht ab Januar 2016 endgültig die asiatische Alternative für den IWF an den Start. Man muss nur noch beweisen, dass man mit der AIIB eine von der KP in Peking „relativ“ unabhängige Investitions- und Förderpolitik betreibt. Gänzlich frei von Beeinflussung wird man nicht sein, aber die AIIB wird dem IWF wohl in Asien komplett die Show stehlen. Vor allem, wenn sie den zu unterstützenden Ländern nicht die stringenten Sparauflagen aufdrückt wie der IWF, werden hilfebedürftige Länder bei der AIIB Schlange stehen und nicht mehr beim IWF. Außerdem hat die AIIB in ihrer Satzung verankert, dass man nicht einfach NUR Kredite herausgeben will wie der IWF, sondern auch in Unternehmen und einzelne Projekte investieren möchte. D.h. dieser neue Fonds wird deutlich flexibler und eher wie ein Investmentfonds agieren können. Ein komplett anderes Konzept als das des IWF.

Xi Jinping schafft in Asien eine reale IWF-Alternative
Staatspräsident Xi-Jinping. China schafft es gerade eine reale asiatische Alternative zum IWF aus dem Boden zu stampfen.
Foto: Antilong / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

China hat es tatsächlich geschafft einen Großteil der weltweit wichtigen Staaten als Gründungsmitglieder und Einzahler für die AIIB zu gewinnen, darunter auch Deutschland und den wichtigsten Verbündeten der USA, Großbritannien. Die USA kochen vor Wut, dass praktisch alle wichtigen NATO-Verbündeten sich im finanziellen Bereich mit China zusammentun. Die USA wollen demonstrativ nicht bei der AIIB mitmachen, denn das widerspricht der US-Staatsraison – denn dort wären die USA nur ein bedeutungsloses Mitglied unter vielen, unter chinesischer Führung. Nicht die Nr. 1 zu sein passt nicht in die Doktrin von Washington.

Ausgedient, aber nicht weg

Die These bleibt bestehen: Der IWF hat endgültig ausgedient. Natürlich wird er nicht plötzlich seine Arbeit einstellen. Auch weiterhin wird er seine Kredite vergeben. Aber der immense Vertrauensverlust, die offenkundige politische Beeinflussung durch die USA, das inhaltlich gescheiterte Geschäftskonzept… all das hüllt den IWF als Institution aus. Wer kann eine Bank erst nehmen, die alle anderen Banken auffordert auf ihre Forderungen gegenüber einem Schuldner zu verzichten, damit sie selbst ihre komplette Forderung zurückerhält? Welches Land in Afrika erstrahlt in blühendem Wohlstand durch die IWF-Kredite? Vielleicht, aber nur vielleicht macht die AIIB es besser, in dem sie wie angekündigt nicht stur das Konzept „Kredite gegen Totsparen“ verfolgt, sondern auch in Projekte und Unternehmen „investiert“ anstatt ihr Geld direkt in staatliche Haushaltslöcher zu überweisen.


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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

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Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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