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Die EU hat nichts aus der Finanzkrise gelernt

Was würden Sie sagen, wenn EZB und EU-Kommission in ihrer schwersten Krise über die österreichische „Hypo Alpe Adria“ gesagt hätte sie sei ja eigentlich eine gesunde Bank? Daher gestatte man der Regierung in Wien mal kurz Geld reinzupumpen…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Was würden Sie sagen, wenn EZB und EU-Kommission in ihrer schwersten Krise über die österreichische „Hypo Alpe Adria“ gesagt hätte sie sei ja eigentlich eine gesunde Bank? Daher gestatte man der Regierung in Wien mal kurz Geld reinzupumpen, denn es sei ja nur eine kurze vorübergehende Problematik zu überwinden? Was hätte man wohl gesagt, wenn EU und EZB gesagt hätten die deutsche „Hypo Real Estate“ sei ja eigentlich eine gesunde Bank, und mit einer vorübergehenden Hilfe stütze man eine eigentlich im Kern gesunde Bank? Was hätte man in Sachen WestLB und HSH Nordbank gesagt, wenn die Aussage gestanden hätte, dass diese Landesbanken ja eigentlich total solide seien? Man könne Steuergelder reinpumpen, weil diese ja eigentlich soliden Banken nur mal kurz eine Geldspritze benötigen, um eine kurze problematische Phase überbrücken zu können?

Alle Beobachter hätten entsetzt den Kopf geschüttelt. Denn diese Banken waren alle total kaputt, marode, am Ende. Aber halt. All das geschah vor der Einführung des neuen Bankenabwicklungsmechanismus der EU. Denn man wollte aus der Finanzkrise lernen. Nie wieder wollte man kaputte Banken retten. Bevor der Steuerzahler rettet, müssen zukünftig erst Aktionäre und Anleiheinhaber kräftig bluten um die Zahlen der Bank aufzupolieren. So der Plan der Politik – wo während der Finanzkrise noch die Steuerzahler einsprangen, sollen von nun an zuerst die Profiteure der jahrzehntelangen Bankgewinne bluten, nämlich die Aktionäre und Anleiheinhaber. Das ist ein logisches und gutes Ziel. Denn wer Aktien und Schulden kauft, und damit Dividenden und Zinsen verdient, der trägt auch ein Verlustrisiko. Und genau dieses Risiko sollte von nun an auch wirklich zum Tragen kommen.

Und jetzt war es so weit. Die italienische Bank Monte dei Paschi ist völlig kaputt. Rom soll die Bank mit 6,6 Milliarden Euro frischem italienischem Steuerzahlergeld retten. Aber Monte dei Paschi wäre nun der erste Fall gewesen, der nach der neuen EU-Regularie hätte behandelt werden müssen. Die Bank ist derart kaputt, dass man sie als die kaputteste aller kaputten Banken in der EU bezeichnen kann. Kein Beobachter zweifelt auch nur eine Sekunde daran. Nur in Rom, Brüssel und Frankfurt (EZB-Zentrale), da sah man die politische Dimension. So ein Mist, dachte man sich wohl. Die Monte dei Paschi, die kann man nicht so einfach fallen lassen. Zu viele Kleinsparer, die man in Anleihen der Bank gelenkt hatte, würden dann einen Großteil ihrer Gelder verlieren. Das wäre einer Katastrophe für die italienische Volksseele gleich gekommen.

Aber wie wir alle letzte Woche gelernt haben, kommt es anders. Aber halt. In den Leitmedien und Leitartikeln gibt es zu den brisanten Details dieser Rettung leider kaum einen Hinweis zu dem Debakel. Nur einige wenige Artikel gibt es auch bei großen reichweitenstarken Portalen – sie fallen aber nicht ins Gewicht, und werden kaum beachtet. Daher möchte ich mich an dieser Stelle über diese Ignoranz aufregen. Ein riesiger Skandal ist das, der wohl nur deswegen die breite „Volksmasse“ in Europa nicht erregt, weil die Materie zu trocken und finanztechnisch ist. EU und EZB haben einen wunderbaren Kniff gefunden.

Schon letzte Woche hatten wir diesen Kniff erklärt. Entscheidend ist letztlich eine Kernbotschaft. Die ganze Bankenrettungsregularie zieht nur bei Banken, die kaputt sind. Doch wer bestimmt eigentlich, was kaputt ist und was nicht? Offensichtlich entscheidet das derjenige, der die ganzen Regularien eingeführt hat, nämlich EU und EZB. Und so entschied man, dass die Monte dei Paschi eine im Kern doch eigentlich gesunde Bank ist, die lediglich vorübergehend etwas Liquiditätshilfe benötigt. Da dürfe die Regierung in Rom also mal kurz ein paar Milliarden reinpumpen, so die Message aus Brüssel. Die Monte dei Paschi ist also eine im Kern gesunde Bank mit gesunden Geschäftsmodell, mit guten Zukunftsaussichten usw. So lauteten letzte Woche sogar die offiziellen Aussagen aus der EU.

Einfach unglaublich. Aber in Zeiten wöchentlicher Terrorattacken geht so eine Nachricht unter. Damit hat die EU ihren Präzedenzfall geschaffen. In Spanien steht die nächste extrem kaputte Bank auf der Matte. Wird dieses Muster hier wiederholt? Man weiß ja, dass der spanische Bankensektor extrem solide da steht (Satire). Sicherlich braucht auch hier eine kaputte Bank wie die „Banco Popular“ nur eine vorübergehende Hilfe, damit man seine erfolgreiche Tätigkeit fortsetzen kann?

Die ganze auf den ersten Blick schöne Bankenrettungsregularie der EU wird mit der simplen Aussage ausgehebelt, dass eine völlig marode und nicht mehr zu rettende Bank doch eigentlich gesund ist. Daher greife nicht diese Regularie, sondern man kann der „gesunden Bank“ kurzfristige Überbrückungshilfen zukommen lassen, bis sie wieder normal weiter arbeiten kann. So einfach geht das in den Augen der EU. Dass diese Rettungsgelder wohl niemals zurückgezahlt werden können, interessiert wohl bald niemanden mehr. Irgendwann muss noch mehr Geld fließen. Das wird schon bald längst egal sein, wenn sich alle an die neue Rettungsmethode der EU gewöhnt haben.

Mehr Details zur Monte dei Paschi-Rettung finden Sie hier.

Der Monte dei Paschi wie auch der Regierung in Rom kann man keinen Vorwurf machen. Sie sind vergleichbar mit einem grottenschlechten Fußballspieler und einem halbwegs normalen Spielerberater. Sie schaffen es einen völlig überteuerten Spielervertrag mit einem Fußballverein auszuhandeln. Schuld sind in dem Fall nicht die beiden, sondern der Manager des Vereins, der so blöd war für so einen schlechten Spieler so ein hohes Gehalt zu vereinbaren. Der Verein, das ist die EU. Und der Manager, das sind die EU-Kommission sowie die EZB. Aber gut, so ganz kommt dieser Vergleich nicht hin, denn die Rettung zahlt der italienische Staat. Aber gut, dessen Staatsschulden wiederum werden massiv durch die EZB aufgekauft…

Aufregung und Wut sind die richtige Reaktion auf die Monte dei Paschi-Rettung! Denn die EU-Regularien werden von der EU selbst ins Lächerliche gezogen, und somit entwertet. Wie ein Holzhaus, das von Termiten zerfressen wird. Auf den ersten Blick steht es noch, aber von innen ist es morsch, wenn der Kammerjäger nicht richtig kräftig sein Gift versprüht. Aber aus rein populistischer Sicht, ja da ist es kurzfristig gut in Italien bei zehntausenden Kleinsparern keinen Zorn aufkommen zu lassen. Auch stabilisiert man mit dieser Maßnahme kurzfristig rein optisch den italienischen Bankensektor, was langfristig genau das Gegenteil bewirkt. Langfristig mit Blick auf die EU als Gesamtgebilde betrachtet, da schießt man sich selbst ins Knie. Denn nach einem Präzedenzfall kommen immer der zweite, der dritte, der vierte…

Die EU hat aus der Finanzrkrise nichts gelernt. Man handelt kurzfristig aus machtpolitischen und populistischen Gesichtspunkten. Bei der nächsten Krise werden Brüssel, Paris, Berlin und alle anderen ihre Banken erneut retten, damit das „System“ nicht zusammenbricht. Nur wie man diese neue Rettung dann verpackt, dass muss man dann in Zukunft noch kurzfristig entscheiden. Erklärt man einfach alle zukünftig kaputten Banken als grundsolide? Denen müsste man auch da lediglich Überbrückungshilfen zahlen wie jetzt bei der Monte dei Paschi…


Die EU-Flagge: Foto: © European Communities

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    H.B.

    6. Juni 2017 15:34 at 15:34

    Die EU ist genausso Kaput wie die Monte dei Patschi also sind beide Proplemfälle beide müsten dringend aufgelöst werden.

  2. Avatar

    Walter Schmid

    6. Juni 2017 16:44 at 16:44

    Das ist Insolvenzverschleppung par excellence und die ist strafbar!!! Hilfe, wer bringt all die endlich hinter Gitter, die sich an keine Gesetze und Vereinbarungen zu halten gedenken? Wir leben in einem Rechtsstaat? Dass ich nicht lache.

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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