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Die schleichende Erosion in der deutschen Volkswirtschaft

Wir berichten regelmäßig darüber. Export-Rekorde, Arbeitsmarktrekorde, Rekord-Steuereinnahmen. In Deutschland könnte es kaum besser laufen. Daran ist auch grundsätzlich nichts zu kritisieren, schließlich geht es…

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FMW-Redaktion

Wir berichten regelmäßig darüber. Export-Rekorde, Arbeitsmarktrekorde, Rekord-Steuereinnahmen. In Deutschland könnte es kaum besser laufen. Daran ist auch grundsätzlich nichts zu kritisieren, schließlich geht es anderen Ländern dramatisch schlechter. Aber hinter den schönen Headline-Zahlen findet eine Art schleichende Erosion der deutschen Volkswirtschaft statt. Sie ist kaum sichtbar oder spürbar, aber es ist ein stetiger Prozess, wie der Wassertropfen, der ständig auf einen Stein tropft.

Was passiert nämlich, wenn immer mehr Menschen tendenziell in immer schlechter bezahlten Jobs arbeiten? Richtig, ihre Kaufkraft sinkt. Urlaube, Autos, Restaurantbesuche, Kinobesuche, Shopping, all das fällt weg. Das bedeutet in der Folge auch, dass Menschen, die Autos und Urlaubsreisen verkaufen, die in Restaurants und Bekleidungsgeschäften arbeiten, tendenziell mit rückläufigen Gehältern leben müssen. Oft gehen ihre Stellen aber auch verloren.

Im Zuge des Job-Booms in Deutschland mögen sie dann zügig neue Jobs finden, aber eben in deutlich schlechter bezahlten Anstellungen als bislang. Diese Entwicklung ist in Ländern wie den USA schon viel weiter fortgeschritten, was letztlich auch in der Trump-Wahl mündete (abgesehen von anderen Faktoren). Wir haben uns zu dieser Entwicklung, die mehr und mehr auch in Deutschland eintritt, schon mehrfach kritisch geäußert.

Das Problem daran ist: Die breite Öffentlichkeit hat quasi gar kein Bewusstsein für diese Entwicklung, weil die Headline-Zahlen so wunderschön aussehen. Untermauert wird das Thema aktuell vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach ist die Arbeitslosigkeit zwar extrem stark zurückgegangen, die unteren Einkommensschichten arbeiten aber zunehmend in „atypischen Erwerbsformen“, wie es das DIW ausdrückt. Hier auszugsweise im Wortlaut:


Trotz deutlichem Rückgang der Arbeitslosigkeit sind die Einkommen heute ungleicher verteilt als noch vor 20 Jahren, was im Wesentlichen an einer Zunahme der Ungleichheit bis zum Jahr 2005 liegt. Zudem sind in unteren Einkommensschichten Niedriglöhne weiter verbreitet als früher, während reguläre Arbeitsverhältnisse in den oberen Einkommensschichten häufiger sind als vor 20 Jahren.

Der Anteil derer, die über Einkommen um den Median verfügen (77 bis 130 Prozent des Medians), ist über den gesamten Zeitraum um gute sechs Prozentpunkte zurückgegangen (von 47,8 auf 41,4 Prozent). Gleichzeitig gab es im Jahr 2015 mehr Menschen (29 Prozent), die über ein Einkommen unterhalb von 77 Prozent des Medians verfügten, als 20 Jahre zuvor (25 Prozent). Der Anteil derer mit einem Einkommen über 169 Prozent des Medians ist von 12 auf 14 Prozent gestiegen.

So ist in den unteren Einkommensschichten der Anteil der Beschäftigten mit niedrigen Löhnen (für das Jahr 2015 entspricht das Stundenlöhnen unter 10,66 Euro brutto) stetig gestiegen, und zwar mehr als in anderen Schichten. Die Nicht-Erwerbstätigkeit ging zurück. In den Gruppen mit mittlerem Einkommen blieb die Quote der Beschäftigten in regulären Arbeitsverhältnissen (Vollzeit) stabil, aber es gingen auch mehr Menschen einer niedrig entlohnten Beschäftigung nach. In den oberen Einkommensgruppen gibt es mehr Beschäftigte mit „normalen“ Arbeitsverhältnissen.

„Insgesamt hat die Bedeutung der typischen Arbeitsverhältnisse keineswegs abgenommen, sie sind aber weniger als früher auch in den unteren Einkommensschichten verbreitet. Dort ist Nichterwerbstätigkeit häufig atypischer Erwerbstätigkeit gewichen“, so Peter Krause.

„Insgesamt machen diese Entwicklungen deutlich, dass der erfreuliche Beschäftigungsanstieg der vergangenen Jahre nicht alle gleich erreicht hat und alleine nicht ausreichen dürfte, um allen in der Gesellschaft Wohlstand und Teilhabe zu ermöglichen“, so Fratzscher.


FMW-Anmerkung: Dass ein immer größerer Teil der Gesellschaft nicht mehr am Konsumrausch teilnehmen kann, führt entweder wie in den USA langfristig zu deutlich höheren Konsumentenschulden, oder (was für Deutschland eher wahrscheinlich sein dürfte) zu weniger Konsum. Damit würde sich die Abwärtsspirale fortsetzen, welche zu einer stetig größeren „unteren Schicht“ führt. Aber dank der Rekordbeschäftigung und (offiziell) niedrigsten Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung fällt das einfach nicht auf. Noch nicht. Und bis wir amerikanische Verhältnisse erreichen, wird es wohl noch länger dauern, vor allem dank des Puffers namens Hartz 4.

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    DR. Veronika Pranter

    6. Juli 2017 15:32 at 15:32

    Red. Profis!

    Häng bei YouTube: „Creedence Clearwater Revival“ – zeitversetzt.

  2. Avatar

    walter

    6. Juli 2017 15:42 at 15:42

    Ausfuehrlicher und praeziser kann man es nicht formulieren!
    Voll ins schwarze getroffen…Vorallem der HARZ 4-Puffer!
    Aber die Renten sind leider auch schon bei der Mehrheit,auf Herz4-Niveau,wenn nicht schon DARUNTER!
    Warum habe ich 1986, den Bluem kein Wort geglaubt?
    Es ist fuer viele Buerger immer noch sehr schwer,das Hirn einzuschalten,um gegen zu steuern…

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      Petkov

      6. Juli 2017 23:41 at 23:41

      Doch, Hr. Bauer, man kann es präziser formulieren. Was FMW nicht erwähnt, ist die millionenstarke, unkontrollierte Zuwanderung in die Sozialsysteme, die zwangsläufig zu einer unerträglichen Steuer- und Abgabenlast führen wird. Das wird der wichtigste Grund für den sinkenden Konsum sein und ganz sicher nicht der Lagermitarbeiter, der jetzt kellnern muss. Nicht die Digitalisierung, sondern die islamistische Infiltrierung der deutschen Gesellschaft wird ihr das Genick brechen.

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        walter

        7. Juli 2017 07:15 at 07:15

        Hr.Bauer?
        wer ist Hr.Bauer?

        Ok,dann sollten sie aber sehr still sein,denn Hr.Petkov hoert sich an,wie ein Zuwanderer,der sich im Sozialsystem sehr wohl fuehlt!

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          Petkov

          8. Juli 2017 01:07 at 01:07

          Und Walter liest sich und fühlt sich wie der Bauer an: Ein alter, minderbemittelter Sexturist in Thailand, rausgekrochen aus einer dunklen deep-bayrischen Nazikloake mit ein paar lärcherlichen Goldbarren, deren wert wie Eis in der brutalen asiatischen Hitze dahinschmilzt.

          Warum er auf meinen konstruktiven, unpersönlichen Kommentar so reagiert? Weil er schon oft von mir polemisch wie ein Boxsack missbraucht wurde, was für ihn sicherlich nie besonders wohltuend, aber immer hochverdient war.

          Und wenn dich schon wieder deine Zuwandererhass-Krätze juckt: „guck“ dir lieber einen von merkels afrikanischen oder arabischen Analphabeten aus: das ist genau deine „Gewichtsklasse“. Obwohl ich auch da keinen Pfifferling auf dich gesetzt hätte. Friss die Kohle, die wir dir als Rente überweisen und pass auf, dass du dich nicht daran verschluckst.

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        carsn

        9. Juli 2017 01:01 at 01:01

        Wenn man es ganz genau nimmt, haben die Sozialsysteme den entscheidenden „Dolchstoß“ mit dem Fall der Mauer bekommen.
        All die Menschen in der DDR haben sicherlich auch viel gearbeitet, gelitten und einiges ertragen müssen, aber sie haben niemals in die Sozialsysteme der BRD eingezahlt, waren aber sofort empfangsberechtigt.
        Kohl hatte allerdings auch keine andere Wahl, da das anstreben der Wiedervereinigung ja in der Verfassung festgeschrieben war.
        Um eines Klarzustellen, bevor einem hier wieder etwas unterstellt wird: Ich mag die Menschen aus den neuen Bundesländern.
        Wenn man das Mittel aus einem vollen Glas und einem leeren Glas bilden soll, was kommt dabei heraus…..richtig !

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          Jürgen

          9. Juli 2017 15:03 at 15:03

          Die Sozialssysteme werden doch aus laufenden Mitteln bezahlt , da gibts keine grossen Rücklagen :-) Man hat etwas Geld gedruckt und damit ein ganzes Land mitten in Europa aufgekauft. :-)…Wäre die DDR eigenständig geblieben, hätte sie Waren zu Dumpingpreise hergestellt wie später die Chinesen und Industrien wären aus der BRD abgewandert. Die DDR-Bürger haben ja schon zu80% dessen hergestellt, was im Otto-Katalog war, sonst hätte der nur 3 Seiten gehabt….kam mal eine Doku dazu . Ausserdem war die DDR, vor allem dann die anderen Länder wie Polen/ Tschechien ein riesiger Markt. Den hat der Kapitalismus zum wachsen gebraucht!!!

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    Gixxer

    6. Juli 2017 15:50 at 15:50

    Ja, es wird dauern, bis die breite Öffentlichkeit merkt, was da läuft, aber sie wird es merken. Dann wird es aber leider zu spät sein.
    Sollten die etablierten Parteien kein Lösung hierfür finden, wird es dann ein böses Erwachen geben.

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      walter

      6. Juli 2017 15:56 at 15:56

      Die breite Oeffenlichkeit wuerde es erst merken,wenn Bomben ueber DE fallen wuerden…das wird aber nicht passieren und deshalb „weiter schlafen“

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    Quintus

    6. Juli 2017 18:47 at 18:47

    Hallo Walter
    Ich muß Herrn Blüm hier zur Seite stehen, da er als einer der wenigen das sukzessive aushöhlen der gesetzlichen Rente, also das Umlageverfahren zugunsten der privaten Rente bei den Versicherungsgesellschaften und Gestalten wie Hr.Maschmeyer öffentlich kritisiert hat! Und dies schon zu einer Zeit, als die Mehrheit noch trunken von Gier und Gutgläubigkeit an die goldenen Anlageprodukte
    Von Maschmeyer und Co. geglaubt haben!
    Mit freundlichen Grüßen
    Quintus

    • Avatar

      walter

      6. Juli 2017 19:19 at 19:19

      Ich wollte damit sagen,dass ich ,von meiner Generation her,nie an die Rente geglaubt habe,von der man in der heutigen Zeit bzw.2030 nicht mehr ueber die Runden kommt!
      Daher habe ich mich selbststaendig gemacht incl.private BU-Rentenvers.,das mir heute sehr zugute kommt.
      Wenn ich heute Rentner ansehe,die 45 Jahre gearbeitet haben und ich nur 25 Jahre und das DOPPELTE bekomme,dann war meine Entscheidung Goldwert!
      DIE RENTE IST SISCHER…aber wieviel kommt nach 45 od.mehr Jahren dabei raus,das hatte ER nicht erwaehnt….
      Wir, 1964ger Jahrgang,bekommen einen Fliegenschiss!Wetten?

      • Avatar

        Bauer

        7. Juli 2017 10:21 at 10:21

        Sie sind genauso arrogant wie der Tauber der Multiminijober sagte dass sie halt nichts gelernt haben und deshalb sie sich in einer solchen Lage befinden und selber Schuld sind. Es können sich nun mal nicht alle selbständig machen.
        Mal schauen wenn die Versicherungskonzerne und Banken reihenweise pleitegehen und ihre Rente plötzlich nicht mehr überwiesen wird ob ihre Entscheidung Gold wert war.

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 10:30 at 10:30

          Fuer Neiddebatten habe ich heute keine Zeit…..aber wer der Politik in den Allerwertesten kriecht,indem er glaubt,dass BILDUNG das Non Plus Ultra sei,der soll weiter kriechen!
          Ein Leben auf PUMP,ist auch als Akademiker very danger…
          Wie sagte Uli Hoeness einmal:
          Wir (FC.Bayern) gehen nicht in die Kreditabteilung,so wie Borussie Dortmund!

          • Avatar

            Bauer

            7. Juli 2017 10:51 at 10:51

            Der Uli, noch so ein arroganter …..
            Haben Sie keine besseren Vorbilder ? Schade.
            Aber auch dieser Beispiel zeigt dass Vögel die hoch fliegen und sich für unbesiegbar halten irgendwann auf die Schnauze landen.

          • Avatar

            Bauer

            7. Juli 2017 10:54 at 10:54

            Neid ? Auf Ihre BU Rente. Ist das Ihr Ernst ?

        • Avatar

          gerd

          7. Juli 2017 10:36 at 10:36

          Ich weiß jetzt nicht ob das von Tauber arrogant
          g e m e i n t war. Aber glauben Sie doch nicht, irgendeiner von den Gewählten da in Berlin wäre moralisch höher einzustufen – nur weil er sich diplomatischer ausdrückt.
          Na gut, vielleicht ein Dutzend bezogen auf ein paar Hundert. Aber letztlich wollen die meisten nicht wissen, wo den kleinen Leuten der Schuh drückt bzw haben sie keinen Plan, das zu verbessern.

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 11:09 at 11:09

          @Bauer
          Ach woher…,aber das kaputte dt.Klima,da wo sie sich event befinden und event.es nicht im Kreuz bzw.nicht den MUMM haben,sich zu verpissen.
          Das meinte ich z.B….
          Das liest sich bei Ihnen so in etwa….,dass sie hochverschuldet sind und Ihnen der Arch auf Grundeis geht.
          Um es auf den Punkt zu bringen:
          OHNE SCHULDEN IN DER HEUTIGEN ZEIT,IST GOLDWERT!!
          Auf die Schnauze fallen jene wie SIE,die in Papierwerte invest.sind!
          Auch fuer sie werter Herr..frohes Schaffen fuer die Raute…

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 12:53 at 12:53

          @Bauer,
          der Satz haut dem Fass den Boden raus,lol
          >>Mal schauen wenn die Versicherungskonzerne und Banken reihenweise pleitegehen und ihre Rente plötzlich nicht mehr überwiesen wird ob ihre Entscheidung Gold wert war.>>
          Aber Sie bekommenn dann mit Sicherheit noch eine Rente,oder,lol
          Alter Schwede..aber Sie bekommen dann mit sicherheit dann noch ihre Minirente ausbezahlt oder?lol
          Sollte ihr o.g.Satz dennoch eintreffen,dann ist DE im Jahr 1933 angekommen!
          Das gelbe Metall wird dann zum Hoehenflug ansetzen und die Xetra-Goldpapers werden eingefroren !!
          D.h.keine Auslieferung des Goldes …Made by USA…1933-1975
          Da hat aber einer Ahnung…

    • Avatar

      Matthias

      7. Juli 2017 09:22 at 09:22

      Auch ein Hr. Blüm hat die Erwerbs-, Alters-, Nettovermögensarmut und Kinder- und Familienarmut von weiten Teilen des biodt. Durchschnittsbürgers mit vorangetrieben. Er ist auch nur ein Parasit dieses Systems.

  5. Avatar

    burberg

    7. Juli 2017 08:10 at 08:10

    @ Walter Hätte man das Geld, was man sinnloserweise in das Riesterprogramm gesteckt hat, lieber in die Normale Rente gesteckt , wäre einiges besser gelaufen. Hätte man dann noch den Mut besessen, das Schweizer System zu übernehmen, wo Alle von Allem einzahlen, je nach Einkommen, wobei es bei der Auszahlung einen Deckel gibt, dann wäre man schon einen Schritt weiter. Außerdem gibt es eine obligatorische Pensionskasse, in die monatlich eingezahlt wird 50/50% Arbeitnehmer/ Arbeitgeber. Auch ist man dort über die SUVA automatisch auch bei Privatunfall versichert, was in Deutschland die wenigsten sind.
    Das Problem ist, dass Beamte, Selbstständige und die Leute, die über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, die größere Lobby haben und sich dagegen sträuben. Unsere Politiker wissen schon, wo die Spenden für die Parteikassen her kommen.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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