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Die schleichende Erosion in der deutschen Volkswirtschaft

Wir berichten regelmäßig darüber. Export-Rekorde, Arbeitsmarktrekorde, Rekord-Steuereinnahmen. In Deutschland könnte es kaum besser laufen. Daran ist auch grundsätzlich nichts zu kritisieren, schließlich geht es…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir berichten regelmäßig darüber. Export-Rekorde, Arbeitsmarktrekorde, Rekord-Steuereinnahmen. In Deutschland könnte es kaum besser laufen. Daran ist auch grundsätzlich nichts zu kritisieren, schließlich geht es anderen Ländern dramatisch schlechter. Aber hinter den schönen Headline-Zahlen findet eine Art schleichende Erosion der deutschen Volkswirtschaft statt. Sie ist kaum sichtbar oder spürbar, aber es ist ein stetiger Prozess, wie der Wassertropfen, der ständig auf einen Stein tropft.

Was passiert nämlich, wenn immer mehr Menschen tendenziell in immer schlechter bezahlten Jobs arbeiten? Richtig, ihre Kaufkraft sinkt. Urlaube, Autos, Restaurantbesuche, Kinobesuche, Shopping, all das fällt weg. Das bedeutet in der Folge auch, dass Menschen, die Autos und Urlaubsreisen verkaufen, die in Restaurants und Bekleidungsgeschäften arbeiten, tendenziell mit rückläufigen Gehältern leben müssen. Oft gehen ihre Stellen aber auch verloren.

Im Zuge des Job-Booms in Deutschland mögen sie dann zügig neue Jobs finden, aber eben in deutlich schlechter bezahlten Anstellungen als bislang. Diese Entwicklung ist in Ländern wie den USA schon viel weiter fortgeschritten, was letztlich auch in der Trump-Wahl mündete (abgesehen von anderen Faktoren). Wir haben uns zu dieser Entwicklung, die mehr und mehr auch in Deutschland eintritt, schon mehrfach kritisch geäußert.

Das Problem daran ist: Die breite Öffentlichkeit hat quasi gar kein Bewusstsein für diese Entwicklung, weil die Headline-Zahlen so wunderschön aussehen. Untermauert wird das Thema aktuell vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach ist die Arbeitslosigkeit zwar extrem stark zurückgegangen, die unteren Einkommensschichten arbeiten aber zunehmend in „atypischen Erwerbsformen“, wie es das DIW ausdrückt. Hier auszugsweise im Wortlaut:


Trotz deutlichem Rückgang der Arbeitslosigkeit sind die Einkommen heute ungleicher verteilt als noch vor 20 Jahren, was im Wesentlichen an einer Zunahme der Ungleichheit bis zum Jahr 2005 liegt. Zudem sind in unteren Einkommensschichten Niedriglöhne weiter verbreitet als früher, während reguläre Arbeitsverhältnisse in den oberen Einkommensschichten häufiger sind als vor 20 Jahren.

Der Anteil derer, die über Einkommen um den Median verfügen (77 bis 130 Prozent des Medians), ist über den gesamten Zeitraum um gute sechs Prozentpunkte zurückgegangen (von 47,8 auf 41,4 Prozent). Gleichzeitig gab es im Jahr 2015 mehr Menschen (29 Prozent), die über ein Einkommen unterhalb von 77 Prozent des Medians verfügten, als 20 Jahre zuvor (25 Prozent). Der Anteil derer mit einem Einkommen über 169 Prozent des Medians ist von 12 auf 14 Prozent gestiegen.

So ist in den unteren Einkommensschichten der Anteil der Beschäftigten mit niedrigen Löhnen (für das Jahr 2015 entspricht das Stundenlöhnen unter 10,66 Euro brutto) stetig gestiegen, und zwar mehr als in anderen Schichten. Die Nicht-Erwerbstätigkeit ging zurück. In den Gruppen mit mittlerem Einkommen blieb die Quote der Beschäftigten in regulären Arbeitsverhältnissen (Vollzeit) stabil, aber es gingen auch mehr Menschen einer niedrig entlohnten Beschäftigung nach. In den oberen Einkommensgruppen gibt es mehr Beschäftigte mit „normalen“ Arbeitsverhältnissen.

„Insgesamt hat die Bedeutung der typischen Arbeitsverhältnisse keineswegs abgenommen, sie sind aber weniger als früher auch in den unteren Einkommensschichten verbreitet. Dort ist Nichterwerbstätigkeit häufig atypischer Erwerbstätigkeit gewichen“, so Peter Krause.

„Insgesamt machen diese Entwicklungen deutlich, dass der erfreuliche Beschäftigungsanstieg der vergangenen Jahre nicht alle gleich erreicht hat und alleine nicht ausreichen dürfte, um allen in der Gesellschaft Wohlstand und Teilhabe zu ermöglichen“, so Fratzscher.


FMW-Anmerkung: Dass ein immer größerer Teil der Gesellschaft nicht mehr am Konsumrausch teilnehmen kann, führt entweder wie in den USA langfristig zu deutlich höheren Konsumentenschulden, oder (was für Deutschland eher wahrscheinlich sein dürfte) zu weniger Konsum. Damit würde sich die Abwärtsspirale fortsetzen, welche zu einer stetig größeren „unteren Schicht“ führt. Aber dank der Rekordbeschäftigung und (offiziell) niedrigsten Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung fällt das einfach nicht auf. Noch nicht. Und bis wir amerikanische Verhältnisse erreichen, wird es wohl noch länger dauern, vor allem dank des Puffers namens Hartz 4.

20 Kommentare

20 Comments

  1. Avatar

    DR. Veronika Pranter

    6. Juli 2017 15:32 at 15:32

    Red. Profis!

    Häng bei YouTube: „Creedence Clearwater Revival“ – zeitversetzt.

  2. Avatar

    walter

    6. Juli 2017 15:42 at 15:42

    Ausfuehrlicher und praeziser kann man es nicht formulieren!
    Voll ins schwarze getroffen…Vorallem der HARZ 4-Puffer!
    Aber die Renten sind leider auch schon bei der Mehrheit,auf Herz4-Niveau,wenn nicht schon DARUNTER!
    Warum habe ich 1986, den Bluem kein Wort geglaubt?
    Es ist fuer viele Buerger immer noch sehr schwer,das Hirn einzuschalten,um gegen zu steuern…

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      Petkov

      6. Juli 2017 23:41 at 23:41

      Doch, Hr. Bauer, man kann es präziser formulieren. Was FMW nicht erwähnt, ist die millionenstarke, unkontrollierte Zuwanderung in die Sozialsysteme, die zwangsläufig zu einer unerträglichen Steuer- und Abgabenlast führen wird. Das wird der wichtigste Grund für den sinkenden Konsum sein und ganz sicher nicht der Lagermitarbeiter, der jetzt kellnern muss. Nicht die Digitalisierung, sondern die islamistische Infiltrierung der deutschen Gesellschaft wird ihr das Genick brechen.

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        walter

        7. Juli 2017 07:15 at 07:15

        Hr.Bauer?
        wer ist Hr.Bauer?

        Ok,dann sollten sie aber sehr still sein,denn Hr.Petkov hoert sich an,wie ein Zuwanderer,der sich im Sozialsystem sehr wohl fuehlt!

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          Petkov

          8. Juli 2017 01:07 at 01:07

          Und Walter liest sich und fühlt sich wie der Bauer an: Ein alter, minderbemittelter Sexturist in Thailand, rausgekrochen aus einer dunklen deep-bayrischen Nazikloake mit ein paar lärcherlichen Goldbarren, deren wert wie Eis in der brutalen asiatischen Hitze dahinschmilzt.

          Warum er auf meinen konstruktiven, unpersönlichen Kommentar so reagiert? Weil er schon oft von mir polemisch wie ein Boxsack missbraucht wurde, was für ihn sicherlich nie besonders wohltuend, aber immer hochverdient war.

          Und wenn dich schon wieder deine Zuwandererhass-Krätze juckt: „guck“ dir lieber einen von merkels afrikanischen oder arabischen Analphabeten aus: das ist genau deine „Gewichtsklasse“. Obwohl ich auch da keinen Pfifferling auf dich gesetzt hätte. Friss die Kohle, die wir dir als Rente überweisen und pass auf, dass du dich nicht daran verschluckst.

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        carsn

        9. Juli 2017 01:01 at 01:01

        Wenn man es ganz genau nimmt, haben die Sozialsysteme den entscheidenden „Dolchstoß“ mit dem Fall der Mauer bekommen.
        All die Menschen in der DDR haben sicherlich auch viel gearbeitet, gelitten und einiges ertragen müssen, aber sie haben niemals in die Sozialsysteme der BRD eingezahlt, waren aber sofort empfangsberechtigt.
        Kohl hatte allerdings auch keine andere Wahl, da das anstreben der Wiedervereinigung ja in der Verfassung festgeschrieben war.
        Um eines Klarzustellen, bevor einem hier wieder etwas unterstellt wird: Ich mag die Menschen aus den neuen Bundesländern.
        Wenn man das Mittel aus einem vollen Glas und einem leeren Glas bilden soll, was kommt dabei heraus…..richtig !

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          Jürgen

          9. Juli 2017 15:03 at 15:03

          Die Sozialssysteme werden doch aus laufenden Mitteln bezahlt , da gibts keine grossen Rücklagen :-) Man hat etwas Geld gedruckt und damit ein ganzes Land mitten in Europa aufgekauft. :-)…Wäre die DDR eigenständig geblieben, hätte sie Waren zu Dumpingpreise hergestellt wie später die Chinesen und Industrien wären aus der BRD abgewandert. Die DDR-Bürger haben ja schon zu80% dessen hergestellt, was im Otto-Katalog war, sonst hätte der nur 3 Seiten gehabt….kam mal eine Doku dazu . Ausserdem war die DDR, vor allem dann die anderen Länder wie Polen/ Tschechien ein riesiger Markt. Den hat der Kapitalismus zum wachsen gebraucht!!!

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    Gixxer

    6. Juli 2017 15:50 at 15:50

    Ja, es wird dauern, bis die breite Öffentlichkeit merkt, was da läuft, aber sie wird es merken. Dann wird es aber leider zu spät sein.
    Sollten die etablierten Parteien kein Lösung hierfür finden, wird es dann ein böses Erwachen geben.

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      walter

      6. Juli 2017 15:56 at 15:56

      Die breite Oeffenlichkeit wuerde es erst merken,wenn Bomben ueber DE fallen wuerden…das wird aber nicht passieren und deshalb „weiter schlafen“

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    Quintus

    6. Juli 2017 18:47 at 18:47

    Hallo Walter
    Ich muß Herrn Blüm hier zur Seite stehen, da er als einer der wenigen das sukzessive aushöhlen der gesetzlichen Rente, also das Umlageverfahren zugunsten der privaten Rente bei den Versicherungsgesellschaften und Gestalten wie Hr.Maschmeyer öffentlich kritisiert hat! Und dies schon zu einer Zeit, als die Mehrheit noch trunken von Gier und Gutgläubigkeit an die goldenen Anlageprodukte
    Von Maschmeyer und Co. geglaubt haben!
    Mit freundlichen Grüßen
    Quintus

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      walter

      6. Juli 2017 19:19 at 19:19

      Ich wollte damit sagen,dass ich ,von meiner Generation her,nie an die Rente geglaubt habe,von der man in der heutigen Zeit bzw.2030 nicht mehr ueber die Runden kommt!
      Daher habe ich mich selbststaendig gemacht incl.private BU-Rentenvers.,das mir heute sehr zugute kommt.
      Wenn ich heute Rentner ansehe,die 45 Jahre gearbeitet haben und ich nur 25 Jahre und das DOPPELTE bekomme,dann war meine Entscheidung Goldwert!
      DIE RENTE IST SISCHER…aber wieviel kommt nach 45 od.mehr Jahren dabei raus,das hatte ER nicht erwaehnt….
      Wir, 1964ger Jahrgang,bekommen einen Fliegenschiss!Wetten?

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        Bauer

        7. Juli 2017 10:21 at 10:21

        Sie sind genauso arrogant wie der Tauber der Multiminijober sagte dass sie halt nichts gelernt haben und deshalb sie sich in einer solchen Lage befinden und selber Schuld sind. Es können sich nun mal nicht alle selbständig machen.
        Mal schauen wenn die Versicherungskonzerne und Banken reihenweise pleitegehen und ihre Rente plötzlich nicht mehr überwiesen wird ob ihre Entscheidung Gold wert war.

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 10:30 at 10:30

          Fuer Neiddebatten habe ich heute keine Zeit…..aber wer der Politik in den Allerwertesten kriecht,indem er glaubt,dass BILDUNG das Non Plus Ultra sei,der soll weiter kriechen!
          Ein Leben auf PUMP,ist auch als Akademiker very danger…
          Wie sagte Uli Hoeness einmal:
          Wir (FC.Bayern) gehen nicht in die Kreditabteilung,so wie Borussie Dortmund!

          • Avatar

            Bauer

            7. Juli 2017 10:51 at 10:51

            Der Uli, noch so ein arroganter …..
            Haben Sie keine besseren Vorbilder ? Schade.
            Aber auch dieser Beispiel zeigt dass Vögel die hoch fliegen und sich für unbesiegbar halten irgendwann auf die Schnauze landen.

          • Avatar

            Bauer

            7. Juli 2017 10:54 at 10:54

            Neid ? Auf Ihre BU Rente. Ist das Ihr Ernst ?

        • Avatar

          gerd

          7. Juli 2017 10:36 at 10:36

          Ich weiß jetzt nicht ob das von Tauber arrogant
          g e m e i n t war. Aber glauben Sie doch nicht, irgendeiner von den Gewählten da in Berlin wäre moralisch höher einzustufen – nur weil er sich diplomatischer ausdrückt.
          Na gut, vielleicht ein Dutzend bezogen auf ein paar Hundert. Aber letztlich wollen die meisten nicht wissen, wo den kleinen Leuten der Schuh drückt bzw haben sie keinen Plan, das zu verbessern.

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 11:09 at 11:09

          @Bauer
          Ach woher…,aber das kaputte dt.Klima,da wo sie sich event befinden und event.es nicht im Kreuz bzw.nicht den MUMM haben,sich zu verpissen.
          Das meinte ich z.B….
          Das liest sich bei Ihnen so in etwa….,dass sie hochverschuldet sind und Ihnen der Arch auf Grundeis geht.
          Um es auf den Punkt zu bringen:
          OHNE SCHULDEN IN DER HEUTIGEN ZEIT,IST GOLDWERT!!
          Auf die Schnauze fallen jene wie SIE,die in Papierwerte invest.sind!
          Auch fuer sie werter Herr..frohes Schaffen fuer die Raute…

        • Avatar

          walter

          7. Juli 2017 12:53 at 12:53

          @Bauer,
          der Satz haut dem Fass den Boden raus,lol
          >>Mal schauen wenn die Versicherungskonzerne und Banken reihenweise pleitegehen und ihre Rente plötzlich nicht mehr überwiesen wird ob ihre Entscheidung Gold wert war.>>
          Aber Sie bekommenn dann mit Sicherheit noch eine Rente,oder,lol
          Alter Schwede..aber Sie bekommen dann mit sicherheit dann noch ihre Minirente ausbezahlt oder?lol
          Sollte ihr o.g.Satz dennoch eintreffen,dann ist DE im Jahr 1933 angekommen!
          Das gelbe Metall wird dann zum Hoehenflug ansetzen und die Xetra-Goldpapers werden eingefroren !!
          D.h.keine Auslieferung des Goldes …Made by USA…1933-1975
          Da hat aber einer Ahnung…

    • Avatar

      Matthias

      7. Juli 2017 09:22 at 09:22

      Auch ein Hr. Blüm hat die Erwerbs-, Alters-, Nettovermögensarmut und Kinder- und Familienarmut von weiten Teilen des biodt. Durchschnittsbürgers mit vorangetrieben. Er ist auch nur ein Parasit dieses Systems.

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    burberg

    7. Juli 2017 08:10 at 08:10

    @ Walter Hätte man das Geld, was man sinnloserweise in das Riesterprogramm gesteckt hat, lieber in die Normale Rente gesteckt , wäre einiges besser gelaufen. Hätte man dann noch den Mut besessen, das Schweizer System zu übernehmen, wo Alle von Allem einzahlen, je nach Einkommen, wobei es bei der Auszahlung einen Deckel gibt, dann wäre man schon einen Schritt weiter. Außerdem gibt es eine obligatorische Pensionskasse, in die monatlich eingezahlt wird 50/50% Arbeitnehmer/ Arbeitgeber. Auch ist man dort über die SUVA automatisch auch bei Privatunfall versichert, was in Deutschland die wenigsten sind.
    Das Problem ist, dass Beamte, Selbstständige und die Leute, die über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, die größere Lobby haben und sich dagegen sträuben. Unsere Politiker wissen schon, wo die Spenden für die Parteikassen her kommen.

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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