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Dividenden: 2020 nochmals eine Stütze für Dax?

Warum massive Dividendenausschüttungen und die finanzielle Repression den Dax auch in 2020 beflügeln könnten..

Wolfgang Müller

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am

Wenn es im spät im Jahr 2020 tatsächlich zu einer Rezession kommen sollte, so dürfte es vorher aber noch einmal zu einer gewaltigen Gewinnausschüttung, sprich Dividenden, für die Aktionäre des Dax kommen, wie eine Auswertung des Handelsblatts aufgrund der Neun-Monats-Bilanzen der Unternehmen zusammen mit den Aussagen der Vorstände ergeben hat. Das offizielle Statement hierzu ist erst zu Beginn des neuen Jahres zu erwarten –  aber für eine Revision der Aussichten bräuchte man wohl schon einen Kollaps der Wirtschaftsaussichten über die Jahreswende.

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Dividenden und Gewinne

Es ist ein Paradoxon an den Aktienmärkten: Obwohl nach den Ergebnissen der Berichtssaison davon auszugehen ist, dass die 30 Konzerne im Dax 2019 um 15 Prozent weniger verdienen werden als im Vorjahr – und daher die Bewertung auf ein Niveau steigt, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr der Fall war – klettern die Kurse weiter auf schwindelnde Höhen.

Aber: Die Zinspolitik der Notenbank hat die Anlage am Geldmarkt immer unattraktiver gemacht. Und die Dax-Unternehmen wollen ihre Ausschüttungsquote bei Dividenden gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich auf 42 Prozent erhöhen. Mit den erwarteten 37 Miliarden Euro erwartet die Aktienbesitzer ein wahrer Geldregen mit Dividenden, die durchschnittlich bei fast drei Prozent liegen dürfte.

Dabei wollen aus jetziger Sicht 18 Konzerne aus dem Dax im nächsten Frühjahr ihre Dividenden sogar erhöhen, darunter auch konjunktursensitive Unternehmen wie BASF, Heidelberg Cement und Volkswagen. Senkungen werden von fünf Unternehmen erwartet, dabei sein dürften die gebeutelten Autobauer BMW und Daimler, Continental, Lufthansa und die Telekom. Nicht zu vergessen die Deutsche Bank, die wahrlich keine finanziellen Polster hat, um diese an die Aktionäre zu verteilen.

Betrachtet man die einzelnen Dividenden, so fallen natürlich die Konzerne auf, deren Rendite bis zu fünf Prozent erreichen wird: Covestro, Eon, BASF, Allianz und die Lufthansa. Der König der Dividenden wird dabei die Allianz sein, die mit 4,1 Milliarden Euro eine unglaubliche Summe ausschütten wird – allerdings wird davon sehr viel ins Ausland fließen, die deutsche Aktionärsquote lässt grüßen.

Unglaublich auch, wie diese Ausschüttung zustande kommt: Der deutsche Versicherungsriese folgt bereits amerikanischen Spuren im „Financial Engineering“, denn man hat zwischen Februar 2017 und Juli 2019 in etwa 40 Millionen eigene Aktien im Wert von 7,5 Milliarden Euro zurückgekauft. Um so den gestiegenen Gewinn pro Aktie in Form von Dividenden zu verteilen.

Der zuverlässigste Konzern ist wieder einmal die Münchener Rück, die in 50 Jahren nicht ein einziges einmal die Dividende gesenkt hat. Genauso bemerkenswert Fresenius, die 2020 das 27. Jahr in Folge die Dividende anheben will.

Die Politik bei den Dividenden der Dax-Unternehmen beinhaltet aber eine große Gefahr: Der Kursanstieg der Aktien macht sie immer anfälliger für Gewinnmitnahmen. Auf lange Sicht sind es nämlich die Gewinne der Unternehmen, die für die Kursanstiege sorgen – und nicht die Dividendenausschüttungen. Bei einem Wirtschaftseinbruch ist es vorbei mit der üppigen Ausschüttung. Die Dividendenausschüttungen der Dax-Unternehmen sind von 2010 mit 20,5 Milliarden Euro bis auf 38,3 Milliarden im Rekordjahr 2019 gestiegen. Vor der Rezession 2009 hatten sie noch bei 28,3 Milliarden Euro gelegen. Der Dax selbst war in der Krise von 8106 Punkten (7.Juli 2007) auf 3666 Punkte (9.März 2009) eingebrochen.

 

Das Vermögen der Deutschen

Obwohl ich mich persönlich auch schon auf heftige Korrekturen an den Märkten einstelle, muss ich auf eine mögliche Entwicklung hinweisen, die für manchen absurd erscheinen mag, aber nicht ausgeschlossen ist: Diese ergibt sich, wenn man sich das Geldvermögen der Deutschen betrachtet – und welche Konsequenzen sich aus der fortgesetzten Nullzinspolitik und der finanziellen Repression ergeben könnte.

Wie aus dem Allianz Global Wealth Report 2019 hervorgeht, haben die Deutschen das fünftgrößte Finanzvermögen der Welt, mit 6,20 Billionen Euro. Nach den USA mit unglaublichen 74,37 Billionen, China 20,94 Billionen, Japan 15,05 Billionen und Großbritannien mit 7,59 Billionen. Allerdings liegen davon unproportional viel davon, nämlich 2,4 Billionen Euro, auf unverzinslichen Konten wie Tages-, oder Festgeld sowie auf Sparbüchern.

Was passiert mit diesem Geld – zumindest mit einem Teil davon – wenn die Eigentümer demnächst realisieren, dass dies nicht nur real, nach Abzug der Inflation, sondern auch nominal, bei Einführung von Strafzinsen, weniger wird? Und wenn, wie es wie es das Börsenurgestein Gottfried Heller prognostiziert hat, Kapitalsammelstellen, wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Stiftungen ihre Satzungen ändern „müssen“, um den Aktienanteil zu erhöhen, weil man dort Zuflüsse über die Dividendenausschüttungen erhält? Während man vielleicht auf Jahre hinweg keine Rendite mehr am Rentenmarkt erzielen kann? So wie es der norwegische Staatsfonds 2018/19 getan hat, als er die Quote von 60 auf 70 Prozent erhöht hat.

Für viele eine unvorstellbare Vorstellung, aber ausschließen sollte man ein solches Szenario nicht. Nach neuesten Umfragen haben sich viele Deutsche schon darüber geäußert, eine Anlage in Aktien ins Auge zu fassen. Was geschieht, sollte der Dax tatsächlich wieder sein Rekordniveau von 13590 Punkten erreichen? Der Kleinanleger wird bei den dann fälligen Schlagzeilen angelockt – das haben wir doch schon öfters erlebt. Im Übrigen: Der Dax weist als Ganzes „nur“ eine Marktkapitalisierung von gut 1,1 Billionen Euro auf. Das kosten mittlerweile schon fast Apple oder Microsoft – allein.

Wie gesagt, ich will hier keine Bären erschrecken, sondern nur Eventualitäten aufzeigen, die man als Anleger nie verdrängen sollte.

 

Fazit

Die Schere zwischen den Aktienbewertungen und der Gewinnsituation der Unternehmen hat sich schon weit geöffnet – so weit, wie in diesem Zyklus seit Ende der Finanzkrise nicht mehr. Was die Rally befeuert ist einerseits  die Hoffnung auf eine Erholung der  Wirtschaft im Jahr 2020 (der Dax blickt erfahrungsgemäß sechs bis neun Monate in die Zukunft), Und andererseits natürlich das billige Geld der Notenbanken.

Das führt nun zu einer absurden Situation; Ein hochbewerteter Aktienmarkt bietet eine Dividendenrendite, die weit über dem liegt, was man an den Geldmärkten bekommen kann. Die Nullzinspolitik setzt derzeit so viele Dinge der Vergangenheit außer Kraft – deshalb kann man wahrscheinlich auch die schönen Charts mit der Überbewertung der Märkte nicht so richtig anwenden . TINA hat weiterhin Gültigkeit.

Bis es zu einer Rezession kommt: dann nämlich bringen auch Dividenden und Aktienrückkäufe nichts mehr und die Schwerkraft wird sich durchsetzen sowie die schmerzhafte Bereinigung der Exzesse. Vorher werden Notenbanken und Fiskalpolitik alles versuchen, diese hinauszuschieben, so lange es geht. Ein auf lange Sicht betrachtet sehr schädliches Verhalten, denn wer Disruption und Volatilität an den Märkten verhindert, wird sie erst recht bekommen und zwar gewaltig. Fragt sich nur wann? Es ist ungemein schwer, eine Rezession einigermaßen verlässlich vorherzusehen. Den Ökonomen in den großen Wirtschaftsinstituten ist dies in vielen Jahrzehnten bisher noch nie gelungen..

Im Jahr 2020 werden immense Summen an Dividenden ausgeschüttet

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Heise

    27. November 2019 09:35 at 09:35

    Dividenden 2020, hier unter Dividenden und Gewinne (27.11.)

    Sehr geehrter Herr Müller
    ….um 15% weniger verdienen werden als im Vorjahr – und daher die Bewertung auf eine Niveau steigt(?), wie seit einem Jahrzehnt…., müßte es sicherlich „fällt“ heißen, oder?

    ein Unternehmer aus Leipzig

    • Avatar

      Wolfgang M.

      27. November 2019 09:45 at 09:45

      @Heise. Sorry, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte mit Bewertung das KGV der Unternehmen, welches bei gestiegenen Kursen und um 15 Prozent gesunkenen Gewinnen gestiegen ist, über den langjährigen Durchschnitt.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    barthez72

    27. November 2019 15:34 at 15:34

    Wie immer Herr W.M. sehr gut zu lesen ! Allerdings will ich ein kleines Detail ,aber ein entscheidenes, erwähnen. Die Schere ist genau das Problem.Das liegt aber nicht an der Notenbankpolitik,die können garnicht anders,sondern an der „Primary Dealer Mechanik“ (ich erinnere
    nochmals an den Werbespot mit der Schildkröte).Deren Eigentumsvortrag ist „Primary“ und der des Sparers ist nachrangig.

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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