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DIW hebt Konjunkturprognose deutlich an – gute Laune von Herrn Fratzscher

Claudio Kummerfeld

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Es geht bergauf mit der Konjunktur?

Die deutsche Wirtschaft erholt sich derzeit deutlich besser von der Coronakrise als bislang erwartet, wenn man der aktuellen Konjunkturprognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt, die vorhin veröffentlicht wurde. Unter anderem das Konjunkturprogramm der Bundesregierung schiebe die Erholung an. Dabei nehme man an, dass es nicht zu erneuten lockdownähnlichen Einschränkungen infolge einer weiteren Infektionswelle durch das Corona-Virus kommt. Dies vorausgesetzt dürfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem Jahr um 6,0 Prozent schrumpfen. Damit fällt die Konjunkturprognose des DIW um mehr als drei Prozentpunkte höher aus als noch im Sommer. Für die Jahre 2021 und 2022 sind nach derzeitigem Stand Wachstumsraten von 4,1 beziehungsweise 3,0 Prozent zu erwarten, so das DIW.

Das DIW behauptet in seiner Konjunkturprognose auch, dass der private Konsum stärker laufe, und die Konjunktur derzeit besser unterstütze als gedacht. Interessant: Das DIW behauptet, dass die Mehrwertsteuersenkung (trat am 1. Juli in Kraft) einen positiven Einfluss auf den Konsum hatte. Dass die Einzelhandelsumsätze von Juni auf Juli sogar rückläufig waren, scheint das DIW dabei zu ignorieren. Zitat:

Ein Anlass für Optimismus ist, dass Unternehmen und vor allem die privaten Haushalte die Corona-Krise bisher besser verkraftet haben als befürchtet. Vor allem der private Konsum dürfte im weiteren Jahresverlauf deutlich zulegen: Die Kurzarbeit geht allmählich zurück, auch deshalb steigen die verfügbaren Einkommen. Durch die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung – etwa das Kurzarbeitergeld, aber auch ein erleichterter Zugang zu Wohngeld und Grundsicherung – sind diese zudem weitaus weniger stark gesunken als die Wertschöpfung. Die temporäre Mehrwertsteuersenkung und die nicht zuletzt deshalb geringe Inflation von 0,6 Prozent in diesem Jahr stützen den Konsum ebenfalls.

Die Ideen des DIW: Keine Schuldenbremsen-Diskussion. Rettungsprogramme und neue Schulden müssen weiter laufen. Zitat auszugsweise:

Auch in Deutschland sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Unternehmensbilanzen und Arbeitsmarkt noch nicht sicher. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wurde gerade erst verlängert. Das wahre Bild und damit verbunden die konkreten Folgen für den Arbeitsmarkt werden also erst in einigen Monaten sichtbar werden. Umso wichtiger ist es, dass die Politik ihren Stabilisierungskurs und die zahlreichen Maßnahmen zur Sicherung von Unternehmen und Arbeitsplätzen beibehält. Nach Ansicht der DIW-KonjunkturforscherInnen ist jetzt nicht die Zeit, die finanzpolitische Unterstützung zurückzufahren und schon im nächsten Jahr die Schuldenbremse wieder einhalten zu wollen. Dass die Rettungspakete nicht in vollem Umfang ausgeschöpft wurden, sei dabei nicht notwendigerweise ein Zeichen für deren Wirkungslosigkeit: Dies lasse auch die Interpretation zu, dass die Unternehmen bisher besser durch die Krise gekommen sind als befürchtet. Instrumente wie das Kurzarbeitergeld wiederum haben die Einkommen der privaten Haushalte stabilisiert und damit auch dazu beigetragen, dass die Wirtschaftskrise bisher nicht auf den Immobiliensektor übergesprungen ist und über diesen Kanal Banken zusätzliche Schwierigkeiten bereitet hat.

DIW-Chef Fratzscher (von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet) lässt auch im Rahmen dieser Konjunkturprognose seines Instituts die positive Färbung durchblicken, die er hat für immer neue Schulden und immer neue Rettungsprogramme. Und das, obwohl er gleichzeitig der Meinung ist, dass die Maßnahmen der Bundesregierung gut wirken und dass es zügig bergauf geht. Ach ja, und Zombieunternehmen, die scheint es für Herr Fratzscher ohnehin nicht wirklich zu geben (mehr dazu hier).

Grafik zeigt die aktuelle Konjunkturprognose des DIW

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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