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Sinkende Leitzinsen? Die EZB hat ein Problem, die Fed nicht

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Die globale Konjunktur schwächelt deutlich. Senken die großen Notenbanken wie Fed, BoE oder EZB jetzt ihre Leitzinsen? Das ist gut möglich. Australien hat heute früh den Anfang gemacht. Aktuell besprechen wir dieses Thema intensiv (siehe beispielsweise hier). Heute ab 15:45 Uhr hält Fed-Chef Powell eine Rede, und die Märkte erwarten durchaus, dass er sich zu Zinssenkungen äußert.

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Wenn die Konjunktur sich nun weiter abschwächt, ist die logische Folge welche? Ja, die Notenbanken senken die Zinsen. Und aus EZB-Sicht muss es dann offiziell heißen: Liebe Leute, bei einer Rezession oder einer nun bevorstehenden längeren Schwächephase der Konjunktur können wir die Inflation nicht auf unser Ziel von 2,0% bekommen (heute erst runtergefallen von 1,7% auf 1,2%). Nur was will die EZB am Leitzins machen? Aber schauen wir erstmal kurz über den Teich.

Die Fed hat einen Puffer für Zinssenkungen

Die Fed hat sich nach der Finanzkrise, als die Konjunktur jahrelang auf Hochtouren brummte, einen Puffer aufgebaut. Gut, sie lag in der Konjunkturkurve vor Europa. Daher konnte man auch früher den Leitzins wieder anheben. Im folgenden Chart sieht man die Fed Funds Rate seit 1999. Ab Ende 2015 begann der Anstieg bei 0,12%, immer in kleinen Schritten, bis heute auf 2,39%.

Leitzins der Fed seit 1999
Grafik: St. Louis Fed

Die EZB hat keinen Puffer

Tja, und die EZB? Schauen wir auf den folgenden Chart, wo man den Leitzins seit dem Arbeitsbeginn der EZB im Jahr 1999 sehen kann. Bis 2014 ging es runter auf genau 0,05%, und ab 2016 dann exakt auf 0,00%. De facto hat die Eurozone nun schon seit fünf Jahren Nullzinsen. Und obwohl auch die Eurozone seit Jahren eine brummende Konjunktur hat, musste man hier ja unbedingt weiter die Konjunktur befeuern (oder es zumindest versuchen). Und nun? Der Abschwung startet, die Industriedaten sind jetzt schon übel. Will man den Leitzins dick ins Minus senken als „weiteren Stimulus“, wenn die Fed ihren Leitzins von 2,39% vielleicht auf 1% oder 0,5% senkt?

Und den Banken-Einlagensatz vielleicht auch nochmal tiefer in den Keller, von -0,40% auf -1%? Oder -2%? Damit die Banken gezwungen sind auch noch dem letzten Zombi-Unternehmen Geld hinterher zu werfen, damit man sich dem Strafzins der EZB entzieht? Das ist ein echtes Problem, dem die EZB nun entgegen steuert. Es ist aber selbst verschuldet, weil man einfach keine Zinswende einläuten wollte in den letzten ein, zwei Jahren. Die Inflationsdaten in der Eurozone waren „einfach noch nicht gut genug“, um die Aussagen der EZB mal sinngemäß kurz zusammenzufassen. Wir alle wissen es. Der EZB geht es darum die Konjunktur zu stützen und Südländer in der Eurozone weiterhin mit billigem Geld versorgen zu können (Staatsanleihen fast ohne Zinslast ausgeben). Aber wie gesagt, nun steht die EZB vor einem Problem. Sie kann eigentlich nur hoffen, dass der Konjunkturabschwung nicht all zu schlimm ausfällt.

Leitzins der EZB seit ihrem Start 1999
Grafik: Europäische Zentralbank

Bilderspiel mit dem Logo der EZB
Ein echtes Problem für die EZB. Grafik: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Marcus

    4. Juni 2019 17:51 at 17:51

    Das ist das Kernproblem an der ganzen Sache! Nahezu alle wichtigen Zentralbanken -mit Ausnahme der Fed, vielleicht noch der BoE- haben keinerlei Spielraum auf der Zinsseite um in einer Rezession reagieren zu können, es sei denn man geht noch viel weiter in den negativen Bereich hier zu sehen an der SNB. Somit bleibt nur die Möglichkeit über neue Langfristtender (EZB) oder der Quantitativen Lockerung zu versuchen etwas zu bewirken, was aber höchstwahrscheinlich wesentlich höhere Einsätze (100 Mrd +) verlangt als bisher, von der Wirkung mal ganz abgesehen.

    Letztendlich sind viele Zentralbanken Gefangene ihrer eignen Politik, und weil man nicht schnell und konsequent genug aus der expansiven Geldpolitik ausgestiegen ist. In einem rezessiven Szenario haben sie somit keinerlei Handlungsspielraum mehr, was sich aber offiziell natürlich niemand eingestehen will. Man muss ja den Schein aufrecht erhalten man könnte noch etwas tun.

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Erleichtert Mario Draghi Frau Lagarde den Start?

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Christine Lagarde wird aller Wahrscheinlichkeit nach Anfang November neue EZB-Chefin werden. Man geht allgemein davon aus, dass sie die lockere Geldpolitik von Mario Draghi fortsetzen oder sogar noch ausweiten wird. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn Mario Draghi ihr einen Teil dieser Arbeit noch schnell abnimmt?

Denn wenn Draghi in seinen letzten Tagen im Amt nochmal neue Anleihekäufe aufnimmt etc, was hätte er zu verlieren? Nichts. Und Christine Lagarde könnte mit einem neuen Kaufprogramm ins Amt starten, welches ja von ihrem Vorgänger stammt. Und genau dieses Szenario scheint Realität zu werden. Laut SPON plant Mario Draghi „bis November“ den Start neuer Anleihekäufe. Also genau bis zu dem Zeitpunkt, wo Lagarde ihr Amt antritt.

Auch soll Mario Draghi noch bis zum Ende seiner Amtszeit planen das offizielle Inflationsziel der EZB zu ändern. Bisher lautet es „2% oder nahe 2%“. In Zukunft solle es nur noch „2%“ lauten. Also eine Aufwärtskorrektur des Ziels, von vielleicht 0,2% oder 0,3%? Es wäre ein ideales Szenario für Christine Lagarde. Sie müsste keine nervigen Fragen ertragen, warum sie die Anleihekäufe denn gestartet habe. Denn das wäre ja ihrem Vorgänger „anzulasten“. Laut Berichten denke Mario Draghi auch darüber nach ein „symmetrisches Inflationsziel“ zu installieren. Somit könne die Inflation auch eine Zeit lang über 2% liegen, damit nach einer schwachen Preisphase andersrum ein nachhaltig starkes Preiswachstum entstehen könne.

Draghi und Lagarde
Mario Draghi und Christine Lagarde im Juni. Foto: EZB

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Zinssenkungen: Es geht los – nach Australien jetzt auch Südkorea

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Ein neuer Zyklus hat begonnen. Die ersten Zinssenkungen wurden umgesetzt. Nachdem Australien am 4. Juni und 3.Juli schon zweimal die Leitzinsen gesenkt hat, von 1,50 auf 1,00 Prozent – Begründung sich abschwächender Arbeitsmarkt und schwache Inflationsdaten -, ist jetzt auch Südkorea gefolgt.

Südkorea mit Zinssenkungen zum ersten Mal seit drei Jahren

Der aufstrebende Industriestandort ist für Deutschland sehr interessant, schließlich verbindet beide Nationen ein gemeinsames Geschäftsmodell, es ist der Export. Deshalb lauschen deutsche Ökonomen bestimmt auch auf die Begründungen, die der Notenbankausschuss bei der ersten Zinssenkung seit 2016 (von 1,75 auf 1,50 Prozent) gegeben hat: Eine Verlangsamung des Wachstumstempos, ein Rückgang der Bauinvestitionen und vor allem ein Nachlassen der Exporttätigkeit bei den wesentlichen Gütern wie Halbleitern, petrochemischen Produkte, Autos, Schiffe, Maschinen, Handys und Flachbildschirme.

Der Start in einen neuen Zinssenkungszyklus?

Nach der Analyse einer US-Großbank könnten im 2. Halbjahr 2019 sage und schreibe 19 Zentralbanken Zinssenkungen durchführen. Derzeit legen die Zinsen in ausgewählten Regionen auf folgendem Niveau:

USA 2,25 – 2,50 Prozent
EU 0 Prozent (gültig für 19 Staaten)
Japan 0 bis – 0,10 Prozent
China 4,35 Prozent
Kanada 1,75 Prozent
Großbritannien 0,75 Prozent
Schweiz – 0,25 bis – 1,25 Prozent
Schweden – 0,50 Prozent
Brasilien 6,50 Prozent
Russland 7,50 Prozent

Der globale Einkaufsmanagerindex (EMI) ist seit Juni 2018 von einem Stand von 53,0 Punkten 12-mal gefallen, auf zuletzt 49,4 Punkten in den rezessiven Bereich. Demzufolge ist das Zinssenkungsszenario von Morgan Stanley durchaus nachvollziehbar.

Welche Sitzungen stehen an?

– EZB-Leitzinsenscheidungen 25. Juli und 12. September – Senkung des Einlagezinssatz für Banken von -0,40 auf -0,50 Prozent oder Reaktivierung des Anleihe-Kaufprogramms?
– Fed-Leitzinsentscheidung am 31. Juli

Aufgrund der großen Dominanz des US-Dollars könnte es natürlich sein, dass die Europäische Zentralbank erst mal abwartet, welchen Schritt Fedchef Powell vorlegt. Dann hätte man auch ein leichteres Begründen der eigenen Entscheidung, speziell in Europa.

Wenn nicht, muss es ganz schön brennen in der Eurozone.

Fazit

Der globale Zyklus für Zinssenkungen hat begonnen. Dies, obwohl bereits vor Kurzem ein Viertel aller Staatsanleihen weltweit (in den großen Industrieländern) „unter Wasser“ lag, also mit einer negativen Rendite aufwartete. Die große Frage ist natürlich, ob dieses billige Geld, welches die Zentralbanken zur Verfügung stellen, zur Ankurbelung der Weltwirtschaft überhaupt noch in der Lage sein wird? Natürlich haben die Bären in ihrer Argumentation Recht, dass es durch die Zombiefizierung (dazu interessantes Interview beim Klick an dieser Stelle) viele Volkswirtschaften zu einer Bereinigung kommen muss, dass kein Wirtschaftszyklus endlos ist.

Aber und selbiges habe ich als mögliches Szenario schon ein paar Mal angesprochen: Chinas Bestreben ein Abgleiten der heimischen Wirtschaft zu verhindern durch allerlei fiskalpolitische Maßnahmen, der massive Wunsch Trumps 2020 wieder gewählt zu werden, mit dem Fokus auf Wirtschaft und Börse und die weltweit konzertierten Aktionen der Notenbanken könnten wiederum dafür sorgen, dass die große Korrektur und das Großreinemachen wieder etwas in die Zukunft verlagert wird.

Kurzfristig ist ein Sommerloch an den Börsen durchaus wahrscheinlich, entweder ausgelöst durch negative Quartalsberichte oder ganz einfach durch den Impuls „Sell on news“, der nach einer großen Gewinnstrecke und einem dünnen Umsatzvolumen in den Sommermonaten nicht ungewöhnlich wäre.

Zumal sich auch Markus Fugmann im Urlaub befindet, historisch betrachtet, eine Chance für die Bären (Scherz).

Fed-Chef Jerome Powell bald auch mit Zinssenkungen?
Fed-Chef Jerome Powell. Bald Zinssenkungen?

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Aktuell: Trump macht den „Mini-Erdogan“ mit Angriff auf die Fed

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Wie war das noch? Der türkische Präsident Erdogan hatte den türkischen Zentralbankchef entlassen, weil der seine Anordnung nicht umgesetzt habe die Zinsen zu senken (Unabhängigkeit der Notenbank, was ist das?). Donald Trump ist schon seit Monaten auf Konfrontation mit „seiner“ Notenbank, der Federal Reserve. Denn auch Trump möchte niedrigere, viel niedrigere Zinsen sehen, damit die Wirtschaft angeheizt werden kann (genau wie Erdogan in der Türkei). Inflation, ungezügelte Preissteigerungen bei zu niedrigen Zinsen und zu stark laufender Wirtschaft? Egal. Die Zinsen sollen, sie müssen sinken!?

Aktuell twittert Donald Trump wieder, und das mit Ausrufezeichen, in Richtung Federal Reserve. Also eine Art Anweisung vom Weißen Haus Richtung Notenbank. Genau wie bei Erdogan? Gefühlt geht es schon in diese Richtung, wenn gleich Trump eine Entlassung nicht „mal eben so“ umsetzen kann wie Erdogan. Mit der Entlassung von Fed-Chef Powell hatte Trump ja auch schon geliebäugelt. Mehr denn je betont Donald Trump aktuell, dass der Leitzins sinken müsse. Wegen eines fehlerhaften Denkprozesses bei der Fed hätten die USA viel höhere Zinsen als andere Länder, die wirtschaftlich nicht mit den USA mithalten könnten. Die Zinskosten in den USA seien viel höher als in anderen Ländern. Die Zinsen sollen also sinken, so sind Trumps Worte unzweideutig  zu verstehen. Und er schließt seinen Tweet ab mit dem Wort „Correct“, also „Korrigieren Sie das“ mit Ausrufezeichen Richtung Fed. Unabhängigkeit der Notenbank? Unantastbarkeit? Gut, hierzulande ist sich CDU-Chefin AKK wohl auch nicht so ganz bewusst, was das bedeutet. So sprach sie jüngst von einer „Überprüfung“ der EZB-Politik (hier nachzulesen).

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