Gas

Gaspreis fällt deutlich – großes LNG-Problem steht wohl erst noch an

Der Terminmarkt-Gaspreis fällt heute deutlich. Die Lage entspannt sich? Das große LNG-Problem steht wohl erst noch an.

Der Gaspreis am europäischen Terminmarkt (Dutch TTF-Kontrakt) fällt aktuell auf 157 Euro – gegenüber gestern Abend ein Minus von 10,6 Prozent. Die Lage scheint sich auf den ersten Blick immer weiter zu entspannen. Die europäischen Gasspeicher sind laut den aktuellsten Daten von Gas Infrastructure Europe im Schnitt jetzt zu über 90 Prozent gefüllt – genauer gesagt zu 90,12 Prozent, ein Plus von 0,24 Prozentpunkten gegenüber dem Vortag. Das ist bereits ein höherer Wert als im Vorjahr. Umfangreiche Lieferungen von Flüssiggas (LNG) aus Übersee und hohe Lieferungen aus Norwegen helfen bei der Entspannung der Versorgungsängste. Aber dies könnte zu kurz gedacht sein.

LNG-Kapazitäten sind das Problem

Die Kapazitäten beim LNG sind derzeit und wohl noch auf absehbare Zeit das Problem. Diesen Winter konnten die Europäer ihre Gasspeicher noch zu guten Teilen mit Pipeline-Gas aus Russland auffüllen, aber in der Auffüllungsphase Sommer 2023 für die Heizperiode 2023/2024, da fehlt dieser Lieferant aller Voraussicht nach. Und mehr denn je muss Europa dann LNG aus Übersee einkaufen. Und dass die Kapazitäten jetzt schon am Anschlag arbeiten, erkennt man an jüngst publizierten Charterraten für LNG-Tanker. Letzte Woche erreichte eine Tankerladung einen neuen Rekordpreis von 400.000 Dollar pro Tag auf der Route von den USA nach Europa.

Hoffnungen auf Entlastung durch die Politik

Abseits vom Thema LNG hängt über dem Markt die Erwartung, dass die EU-Staaten eine Entlastung für die Verbraucher einführen. Laut Bloomberg ist aber noch nicht klar, welche Art von Mechanismus die Politik in Betracht ziehen wird. Die Industrie ist besorgt, dass eine solche Intervention die Lieferungen nach Europa zu einem Zeitpunkt behindern könnte, an dem die Lieferungen, die normalerweise aus Russland kommen würden, ersetzt werden müssen.

Befüllung der Gasspeicher in Europa seit 2018

Genug LNG-Ersatz für russisches Gas? Zweifel sind angebracht

Die europäischen Länder haben ihre Gasvorräte erhöht, indem sie seit Juni Monat für Monat mehr LNG einführen. Bloomberg Intelligence zufolge könnten die europäischen Einfuhren von LNG in diesem Jahr zwar um 45-50 % steigen. Allerdings könnte LNG nur etwa 30 % der Pipeline-Lieferungen aus Russland ersetzen, so die BI-Analysten Talon Custer und Patricio Alvarez in einem Forschungsbericht. FMW-Anmerkung dazu: Und da ist das Problem – wird es in Australien, Katar oder den USA möglich sein im nächsten Jahr derart viele zusätzliche LNG-Kapazitäten zu schaffen, um diese Lücke zu ersetzen? Das kann eine knappe Angelegenheit für den Winter 2023/2024 werden!

Bloomberg schreibt weiter: Die russischen Gasexporte nach Europa sind seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar auf einen Bruchteil ihres Umfangs gesunken. Während Gas weiterhin durch die Ukraine geleitet wird, wurden andere Routen gestoppt, darunter die wichtige Nord Stream-Verbindung nach Deutschland. „Die europäischen Länder werden ihre Gasspeicher im Sommer 2023 wahrscheinlich ohne die Hilfe russischer Gaslieferungen auffüllen müssen, was bedeutet, dass sie stärker auf importiertes LNG angewiesen sein werden“, so sagt es Inspired Energy in einem Marktbericht.

Ein kühlerer Winter als erwartet würde die Entnahme aus den Gasspeichern beschleunigen und Europa verwundbarer machen. Die Temperaturen in Nordwesteuropa werden voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte sinken, so der Prognostiker Maxar in einem Bericht.

Deutschland wird in diesem Winter wahrscheinlich 20% weniger Gas verbrauchen als im letzten Jahr, so die Ökonomen der Deutschen Bank in einer Mitteilung. Dennoch könnten „Rationierungen nur um Haaresbreite vermieden werden, sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr“, fügten sie hinzu.

FMW/Bloomberg

Ein LNG-Tanker in Südafrika
Tanks onboard the Karmol LNGT Powership Asia floating storage and regasification unit (FSRU), operated by Karpowership, viewed from the ship’s bridge whilst docked at Cape Town port in Cape Town, South Africa. Photographer: Dwayne Senior/Bloomberg


Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

17 Kommentare

  1. Was die meisten Leute nicht wissen: Das in den deutschen Gasspeichern befindliche Gas, das mit Steuermilliarden gekauft wurde, gehört Privatfirmen, die es meistbietend weiterverkaufen können. Nur etwa 25 % von dem gespeicherten Gas ist für die Versorgung in Deutschland eingelagert.
    https://youtu.be/nCQoMh_I8vA

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Ja das brachte ich auch schon vor 2 Tagen. Privathändler halten unser Gas und die haben schon letztes Jahr den Gaspreis hochgetrieben indem sie Polen Gas verkauft haben weil die ihre Jamal Pipeline geschlossen haben also kein russ. Gas mehr wollten, wir si aber dann im Rückwärtsleiten wieder mit versorgt haben und die Händler haben bis zu 400% Aufschlag genommen. Und : das hatte sogar Reuters recht schnell veröffentlicht, daher hatte ich das.
      Und jetzt sieht es nicht anders aus.

  2. Massiver Ausbau von Wärmepumpen, Geothermie, Solarthermie usw. entlastet jedes Jahr mehr von Öl und Gasimporten

    das wird schon

    1. Und es gibt so viele tolle Ideen – wie man z.B. hier sehen kann:

      https://youtu.be/N2BrM0A77R0

      https://youtu.be/2lWG7HqtmIY

      https://youtu.be/LQOAelaJfQM

      Fazit: Wir schaffen das…😁

      1. die Sonne sendet Strahlung und Licht für Wärme und Strom, das Potential wird vielleicht zu 1% genutzt (weltweit) – “die Sonne schickt keine Rechnung” – das ist den großen Energieanbietern ein Dorn im Auge

        Lösungen sind Dezentrale Energie, Genossenschaften, Stadtwerke usw.

        Energie, Wasser, Abwasser, Bahn und öffentlicher Nahverkehr gehören nicht in private Hand, maximal 49%

        1. das ist genial! ich hoffe auf 12h sonnenscheindauer in den kritischen monaten november dezember januar und februar :) hoffnung stirbt zuletzt. so gesehen können wir gar nicht genug co2 produzieren, wenn der winter erstmal bei 18-19°C liegt müssen wir in D nicht heizen :)

          1. oder, auch genial, wir verhindern wolkenbildung und lassen nur richtig trockenen südwind wehen damit die windräder sich drehen und die solarfelder strom erzeugen. also niederschlag und wolkenbildung sind ja bald ein problem. die aridifizierung ist ja im grunde zu begrüßen, infrastrukturell, wenn die wüste zu weit weg ist muss die steppe wenigstens zu uns kommen. ist das eigentlich schon geo-engeneering ?

      2. Ich verfolge das Ganze sporadisch seit ca. 10 Jahren und jedes Jahr wird ne neue Sau durchs Dorf getrieben von der man dann nichts mehr hört.
        Geothermie ist nichts Neues gibt aber in Deutschland keinen Sinn. Das letzte was daneben ging war oder ist evtl. noch immer irgendwo im Süden von München.

        1. stimmt, nicht alles ist überall geeignet – es fehlt Investionssicherheit und leider immer mehr Verordnungen und bürokratischer Aufwand (absichtlich??)

        2. @ottonorma, da muss ich leider widersprechen. Geothermie in Deutschland birgt ein gewaltiges Potenzial, das noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft ist.

          Das letzte, was daneben ging, war eine Bohrung in Holzkirchen, als man Erdgas über der Geothermieblase fand. Doch in Bayern will man kein Erdgas konventionell fördern, und auch keine Windräder. Ebenso wenig wie Stromleitungen aus den Norden.

          Bayern bleibt hübsch und sauber.
          Erdgas ja, aber gefrackt in Niedersachsen.
          Sauber-Strom ja, aber nicht aus Wind aus dem Norden.
          Atomare Endlager ja, aber nicht im Süden der Republik.

          1. In Bayern ist recht viel – so wie man es sehen mag – gemacht worden und auch im Bau, allerdings nur 4
            Aber es ist eine Frage des Preises. Die Investitionskosten sind recht hoch, deswegen wird es nur recht zögerlich bis gar nicht verfolgt. Immerhin haben wir Bohrtiefen von 1000 bis zu 5.000 m.
            In der Regel wird das Tiefenwasser nur für Wärme genutzt. Von den bisher 41 Bohrungen werden 11 mit für Stromerzeugung genutzt.Und auch die ist gesam gesehen gering. Da kommen gerade mal 44,5 MW heraus. Pipifax

  3. Eine Tankerladung erreichte Rekordpreis mit 400.000 $. Ja ? und ? wieviel ist da drin ? verdichtet und wieviel ist das unverdichtet ? wieviel kostet also 1 m³ Gas im Tanker ?
    Ja das sind die wichtigen Information,aber ich denke die machen Mühe.
    Mit dem Rekordpreis kann ich nicht viel anfangen. Tanker haben auch unterschiedliche Größe, Fassungsvermögen.

    1. Blöderweise wird sich die Gebühr lediglich auf die charterrate pro tag des tankers beziehen. Die lng Tanker dürften auch alle fast gleich groß sein -/+10%.
      Der wert der warenladung hat noch 3 Nullen hinten dran

  4. Die zig Milliarden der deutschen Steuerzahler, mit denen der Gaspreis in Deutschland gedeckelt werden soll, werden auch außerhalb Deutschlands, im wahrsten Sinne des Wortes, verbrannt.

  5. Hallo Ottonorma.
    N1 oder N2 könnten *jeweils* etwa 58 Milliarden qm Gas am Tag liefern.
    Ein LNG- Tanker mit 130.000 qm Flüssiggas transportiert etwa 78 Millionen qm (später) gasförmiges Erdgas.
    Minus etwa 25 % Verluste beim Transport, aber das lassen wir mal hier.
    N1 und N2 würden also zusammen *pro Tag* etwa 4 LNG Tanker Gas liefern können.
    Oder etwa 1460 LNG Tanker Gas im Jahr.
    Nur den Gläubigen einer Sekte kann erklärt werden (und die glauben das dann auch) dass N1 oder N2 jemals durch LNG Tanker ersetzt werden kann.
    Aber, das kann man Gläubigen nicht begreifbar machen, denn sie glauben es eben nicht.
    Der harte Kern der Gläubigen glaubt aber, dass man das später alles einmal mit/durch grünen Wasserstoff regeln kann.
    Ja, und wieviel Tanker-Inhalte sind denn nun schon am Weltmarkt verbindlich von Deutschland gekauft worden? Was glauben denn wohl die Gläubigen.
    Stehen da so einfach hunderte von Tanker rum, die nur mal eben freie Kapazitäten an LNG- Gas nach Deutschland transportieren?
    Das ist die Sekte, die Deutschland an die Wand fährt, und die Gläubigen bejubeln das.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Kleiner Tippfehler es sind 58 Milliarden Kubikmeter im Jahr

  7. Gaspreisbremse in Deutschland? Spanien zeigt, wie es besser geht
    In Spanien gilt ein Gaspreisdeckel nicht für Endkunden, aber für Gas in der Stromproduktion – das dämpft auch den Strompreis. Der Bahn-Regionalverkehr ist bis Ende 2022 gratis und Fernfahrten sind billiger. Zudem wurden besonders kleine Renten um *15 Prozent erhöht* sowie eine Sonderzahlung von 200 Euro für Menschen mit niedrigem Einkommen beschlossen. Die Mehrwertsteuer auf Strom und Gas wurde auf fünf Prozent gesenkt. Insgesamt sollen sich die Entlastungen seit September 2021 auf
    etwa 35 Milliarden Euro belaufen.

    https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/id_100064806/gaspreisbremse-in-deutschland-spanien-zeigt-wie-es-besser-geht.html

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage