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Gaspreis steigt deutlich – Pakistan erzeugt Druck, Norwegen mit Streiks

Der Gaspreis steigt deutlich. Neben der Angst um Nord Stream 1 pushen auch Ereignisse in Norwegen und Pakistan den Kurs.

Gas-Flamme auf einem Herd

Der europäische Gaspreis am Terminmarkt Dutch TTF steigt heute um 10,4 Prozent auf 163,10 Euro. Im Chart am Ende des Artikels sehen wir den Kursverlauf seit Anfang Mai. Man sieht seit Mitte Juni einen klaren Aufwärtstrend, der bei Kursniveaus um die 84 Euro gestartet war. Aktuell beeinflussen Ereignisse in Norwegen und Pakistan den Markt, wie auch die Angst um Nord Stream 1.

Streik in Norwegen – Gasmenge wird verknappt – Gaspreis steigt

Die Arbeitgebervereinigung „Norwegian Oil and Gas Association“ gab gestern bekannt, dass etwas 13 Prozent der täglichen Gasexporte Norwegens durch die geplante Ausweitung eines Arbeitskampfes ausfallen werden, der am 30. Juni begann. Es sei bereits angekündigt, dass 74 Arbeiter auf den Feldern Gudrun, Oseberg Süd und Oseberg Ost in den Streik gehen werden. Alle drei Felder sollen infolge der Arbeitsniederlegung stillgelegt werden. Eine weitere Ausweitung des Streiks ist für den 6. Juli vorgesehen, wenn 117 Arbeiter auf den Feldern Heidrun, Aasta Hansteen und Kristin in den Ausstand treten sollen. Diese Felder werden ebenfalls stillgelegt werden müssen. Gerade Norwegen… das Land ist nach Russland der wichtigste europäische Lieferant von Gas für die EU. Wenn von dort nun weniger Gas fließt, sorgt das verständlicherweise für Auftrieb im Gaspreis. Europa giert regelrecht nach jedem Kubikmeter Gas aus Norwegen. So ein Streik kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für die Pläne der EU-Staaten, ihre Gasspeicher bis zum Herbst auffüllen zu wollen.

Pakistan übt Druck aus

In Pakistan herrscht eine große Energiekrise. Jetzt geht man voll in die Offensive, und will am Spotmarkt für Gas kräftig zuschlagen. Wie der Experte Stephen Stapczynski aktuell schreibt, wolle Pakistan jetzt eine ganze Menge an Flüssiggas aufkaufen. Das Land habe jetzt eines der größten Kaufgebote seiner Geschichte aufgegeben. Für den Liefertermin August und September will man 10 Tankerladungen für Flüssiggas im Wert von 1 Milliarde Dollar einkaufen. Das Land brauche schnell große Mengen an Gas um Blackouts zu verhindern. Was bedeutet das für den Gaspreis am Terminmarkt in Europa? Wenn Pakistan am Spotmarkt kräftig Kaufdruck ausübt, wirkt das letztlich weltweit auf allen Märkten für Gas preistreibend. Denn die dortige Nachfrage schwemmt womöglich überall die Preise nach oben. Kauft Pakistan große Angebotsmengen auf, müssen leer ausgegangene Käufer sich wiederum woanders Gas beschaffen, und konkurrieren dann vielleicht mit europäischen Einkäufern.

Verknappung durch Russland schwebt über dem Markt – Bundesnetzagentur facht Angst an

Seit einigen Tagen wird die Angst immer größer. Die Verknappungsanst facht den Gaspreis an! Am 11. Juli beginnt Gazprom mit seiner Wartung der Ostseepipeline Nord Stream 1. Ca zehn Tage später soll sie beendet sein. Wird danach wieder Gas durch die Pipeline fließen, oder wird auf Anweisung von Wladimir Putin kein Gas mehr fließen? Die Angst gerade in Deutschland geht um. Noch füllen sich die Gasspeicher hierzulande von Tag zu tag. Der aktuellste Stand ist für Samstag den 2. Juli einsehbar bei „Gas Infrastructure Europe“. Auch die letzten Tage nahmen die Füllstände der Gasspeicher zu auf zuletzt 61,81 Prozent. Aber die letzten Tage verlangsamte sich bereits die Befüllung der Speicher. Neben der Angst um Nord Stream 1 wird sich in den nächsten Wochen womöglich auch negativ auswirken, dass in Texas vor vier Wochen die zweitgrößte Verladestation für Flüssiggas in den USA ausgefallen ist – und sie wird noch monatelang ausfallen. Auch dieses Ereignis kann sich demnächst negativ auf die Befüllung der Speicher mit Gas in Europa auswirken.

Am Wochenende sorgten Aussagen vom Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller für Aufsehen. Der Funke Mediengruppe sagte er, dass es fraglich sei, ob Nord Stream 1 wieder nach der Abschaltung ans Netz geht. Sollte von dort kein Gas mehr kommen, könne eine daraus resultierende ungleiche Gasversorgung in Deutschland hunderttausende Gasthermen lahm legen. In dem Moment, in dem der Druck im Gasnetz in einer Region unter ein gewisses Mindestmaß fällt, würde auf einen Schlag in hunderttausenden Gasthermen die Sicherung einspringen. Dass nach solchen Aussagen der Gaspreis am Terminmarkt heute weiter ansteigt, ist nachvollziehbar. In ihrem vor wenigen Minuten veröffentlichten Tagesbericht zum Thema Gas sagt die Bundesnetzagentur, das die Lage angespannt ist, und eine Verschlechterung der Situation nicht ausgeschlossen werden könne. Sollten die russischen Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiterhin auf diesem niedrigen Niveau verharren, ist ein Speicherstand von 90 Prozent bis November laut Bundesnetzagentur kaum mehr „ohne zusätzliche Maßnahmen“ erreichbar.

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Der Gaspreis steigt, weil sich die Versorger und Großhändler ohne russisches Gas andernorts am Weltmarkt Gas beschaffen müssen. Zitat Bundesnetzagentur aus der heutigen Mitteilung: „Die von den ausbleibenden Lieferungen betroffenen Unternehmen können diese Mengen zurzeit zu deutlich höheren Preisen anderweitig am Markt beschaffen. Die Großhandelspreise sind in Folge der Lieferreduzierung spürbar gestiegen und haben sich zuletzt auf höherem Niveau eingependelt. Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen. Die Bundesnetzagentur unterstützt ausdrücklich die Aufforderung, so viel Gas wie möglich einzusparen.“

Russland hat Gasproduktion reduziert

Der Gas-Experte Tom Marzec-Manser zeigt in einem aktuell veröffentlichten Chart, dass Gazprom im ersten Halbjahr 2022 die Menge an produziertem Gas um 8,6 Prozent reduziert hat (rote Linie). Der Rückgang ist stärker als in den beiden vorigen Jahren. Für den Gaspreis ist auch dies tendenziell eine bullische Nachricht. Aber hier geht es wohl eher um einen Sonderfall. Europa wird nämlich von Gazprom seit Wochen mit 60 Prozent weniger Gas beliefert über die Pipeline Nord Stream 1. In dem Ausmaß, in dem man weniger Gas nach Europa liefert, kann man aber nicht mal eben schnell nach Asien die Verkaufsmengen aufstocken, da dort die Pipeline-Verbindungen fehlen. Also muss Gazprom die Produktion drosseln, da man vermutlich irgendwann nicht mehr weiß wo das geförderte Gas gespeichert werden soll.

Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis seit Anfang Mai Kursverlauf im Dutch TTF-Gaspreis seit Anfang Mai.



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6 Kommentare

  1. Es werden dann doch wohl auch weitere Gasverdichter zur Überholung anstehen. Sollten die nun auch nach Kanada zur Revision gebracht werden, damit sie von dort nicht mehr nach Russland zurückkommen?
    Das die Welt über Deutschland lacht, wie über ein kleines trotziges Kind, ist ja noch das Wenigste. Die Bürger, und ganz besonders die Ärmsten der Armen haben darunter zu leiden, dass ideologisch verblendete Spinner an der Regierung sagen: Wir hoffen, dass wir über den selben Lieferanten, über eine Röhre mit dem Namen N1 weiter Gas erhalten, aber das selbe Gas was schon unter Druck in einer parallel laufenden Röhre mit dem Namen N2 steht, das wollen wir nicht.
    Wie durchgeknallt muss man da sein?
    Kann man solchen Mächtigen daher nicht nur für den nächsten Winter einen kalten Hintern und dunkele Städte wünschen, damit das Volk einmal wachgerüttelt wird, und mal darüber nachdenkt, was da für Spinner in Deutschland an der Regierung sind.
    Die Franzosen hätten schon die Gulliotine aus dem Museum geholt.
    Es ist nicht zufassen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Hatte ich noch vergessen:
    Wenn ich sehe, was in der deutschen Regierung so abläuft, dann habe ich meine damals etwa 3 jährige Tochter vor Augen, die (in einer Phase) selbst ihre Lieblingsspeisen nur auf einem besonders verzierten Teller vorgesetzt haben wollte, oder das Essen nicht anrührte.
    Mehr Verstand kann in der deutschen Regierung auch nicht vorhanden sein, als auf Kleinkindniveau.
    Man, bin ich froh, dass ich dort nicht mehr lebe.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  3. Es gibt offensichtlich nur einen Politiker, der hier die richtig liegt: Oskar Lafontaine.
    Was würde denn passieren, wenn Deutschland den Hahn zu Nordstream 2 einfach öffnet?
    Es wären alle selbstgeschäften Probleme gelöst. Ja, Putin könnte evtl. etwas schneller zu Geld kommen, aber das bekommt er mit der geschlossene Pipeline ja viel bequemer – indem die Preise auf dem Weltmarkt steigen und er ja das Gas noch hat, – und es woanders hin verkaufen kann!
    Es würde mich auch gar nicht wundern, wenn Deutschland sogar für das nicht abgenommen Gas noch über Jahre hinaus bezahlen würde – sind ja sicher Verträge unterzeichnet worden, die auch im Falle der Nichtabnahme, die vereinbarten Liefermengen – dann als Vertragsstrafe einfordern. Dummland zahlt!

  4. Pingback: De lichten gaan uit in Pakistan - thealberi

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  6. Pingback: De lichten gaan uit in Pakistan - Ful Bai

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