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Gold/Silber

Goldpreis in Euro kurz vor neuem Allzeithoch

Hannes Zipfel

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Gold Barren Beispielfoto

Der Goldpreis ist mustergültig aus der monatelangen Konsolidierungsformation nach oben ausgebrochen. Die Notierungen in Euro streben erneut Richtung Allzeithoch.

Der Goldpreis in Euro zeigt enorme Stärke

Gold glänzt im aktuellen Marktumfeld durch einen erstaunlichen Aufwärtsdruck. Nach dem Ausbruch aus der monatelangen Konsolidierungsphase verlieh die zwischenzeitliche Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA dem Goldpreis zusätzliche Aufwärtsdynamik. Danach sah es zunächst so aus, als hätte der Goldpreis ein Top ausgebildet und würde erneut nach unten abdriften. Doch kaum war die Risikoprämie im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ausgepreist, wirkten andere Impulse preistreibend auf den Markt. Zum einen mischen immer mehr professionelle und private Anleger Gold als Absicherung gegen die unverkennbare US-Aktienmarktblase in ihren Portfolios bei, wie man eindeutig an den zuletzt auf Rekordniveaus gestiegenen Beständen der weltweiten Gold-ETFs sehen kann (allein im Jahr 2019 erhöhten sich die Bestände in Tonnen Gold um 14 Prozent).

Zum zweiten treiben die jüngsten Entwicklungen um die rasche Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Zentral-China sowie andere Regionen und Staaten der Welt die Investoren in den „Save Haven“ Gold zurück. So notiert der Preis aktuell mit 1.425,49 Euro pro Unze nur 18 Euro oder knapp 1,3 Prozent unter dem bisherigen Allzeithöchststand aus der Nacht des 8. Januars, als der Iran Vergeltungsangriffe mit Raketen auf US-Militärbasen im Irak verübte.

Goldpreis in Euro seit April 2019

Wie robust die Verfassung des Goldmarktes aktuell ist, kann man nicht nur an den rekordhohen Gold-ETF-Beständen ablesen, sondern auch an der positiven Korrelation zur Weltleitwährung US-Dollar. Normalerweise profitiert der Goldpreis von einem schwachen Dollar. Doch die aktuelle Aufwärtsbewegung verläuft parallel zur Aufwertung des Dollars. Man könnte auch sagen, der Goldpreis entwickelt ein positives Eigenleben, unabhängig von Währungskorrelationen.

Mit dazu beigetragen haben sicherlich auch die Entscheidungen der EZB und die Aussagen ihrer Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Offenmarktausschusssitzung am letzten Donnerstag. Die Europäische Zentralbank belässt den Bankeneinlagenzins (Deposit Rate) im negativen Bereich bei -0,5 Prozent. Der Leitzins (Repo Rate) bleibt unverändert bei null.

Christine Lagarde wies nochmals darauf hin, dass das aktuell laufende Gelddruck- und Anleihekaufprogramm in Höhe von 20 Mrd. Euro pro Monat zeitlich unlimitiert weiter laufe werde und auch die Zinsen bis auf Weiteres unverändert auf historisch niedrigem Niveau verbleiben. Für viele ernüchternd war Lagardes Antwort auf die Frage eines Journalisten nach dem Schaden, den die Zinspolitik der EZB für Sparer bedeutet. Lagarde verwies sinngemäß auf das Vorhandensein von ausreichend kompetenten Anlageberatern, an die sich die Sparer ja wenden könnten.

Das klingt im ersten Moment vielleicht für zinsorientierte Sparer zynisch, aber ein Blick auf die seit über zwei Jahrzehnten nahezu zweistelligen jährlichen Wertsteigerungen des Goldpreises (zumeist steuerfrei) werden mögliche Alternativen zu zinsgebundenen Anlagen für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge erkennbar. Und in der Tat gehören die Deutschen weltweit bereits mit zu den fleißigsten Gold-Sparern. Gut zwei Drittel der Deutschen besitzen Gold, insgesamt rund 9.000 Tonnen. Circa 5.000 Tonnen horten die Deutschen in Form von Barren und Münzen und knapp 4.000 Tonnen in Form von Schmuck. Dieser Goldschatz ist in Summe größer als die offiziellen Goldreserven der Vereinigten Staaten von Amerika (offiziell 8.133,5 Tonnen).

Chart in US-Dollar sieh ebenfalls gut aus

Ein Blick auf den Goldchart in US-Dollar offenbart ebenfalls ein sehr konstruktives Chartbild, wenngleich die Notierungen in der Weltleitwährung noch gut 22 Prozent von ihrem Allzeithoch bei 1.921,18 US-Dollar pro Unze vom 3. September 2011 entfernt sind.

Gold in US-Dollar Chart

Das Hoch aus der Nacht des 8. Januar bei 1.611,51 US-Dollar pro Unze ist der nächste charttechnische Anlaufpunkt im Goldchart auf Dollarbasis. Ob der Preis für das gelbe Edelmetall bis dorthin vordringen kann, hängt kurzfristig von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Epidemie sowie der US-Notenbanksitzung am 29. Januar ab.

Fazit und Ausblick

Der Goldpreis profitiert aktuell von dem zunehmenden Absicherungsbedürfnis der Investoren in Anbetracht der sich weiter ausdehnenden US-Aktienmarktblase sowie den noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie. Unterstützend wirkt zudem die anhaltend akkommodierende Geldpolitik und der diesbezüglich unveränderte Ausblick der EZB (Festhalten an den Null- und Negativzinsen sowie dem Gelddruckprogramm auf unbestimmte Zeit). In der kommenden Woche wird es dann richtig Spannen, wenn am Mittwoch die US-Notenbank Fed Einblicke ihre Geldpolitik gewährt. Besonders wichtig für den Goldpreis werden die Aussagen zur weiteren Liquiditätsversorgung des Marktes und zum Zinsausblick der Fed.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    26. Januar 2020 14:24 at 14:24

    Vielleicht sollte man bei Gold jetzt eher ans Verkaufen denken, teilweise wenigstens. Abklingen der Virushysterie (wird, so wie früher auch, bald geschehen), keine weitere Iraneskalation und neue Konjunkturhoffnungen für die zweite Jahreshälfte, das sind Entwicklungen, die Gold gar nicht mag. Derzeit sieht es so aus, als würde sich der ganz große Crash noch sehr, sehr viel Zeit lassen und auch das mag Gold nicht.
    Wenn der Goldpreis die nächsten Tage wegen der Viruspanik noch einmal richtig hochgeht, könnte das in meinen Augen ein guter Ausstiegszeitpunkt sein.
    Kaufen würde ich derzeit jedenfalls keine einzige Unze.

    • Avatar

      Goldsammler

      26. Januar 2020 17:55 at 17:55

      Es gibt so viele Baustellen, die günstig für Goldanleger sind. Die FED ist die nächste. Eine Entspannung der Viruslage, sehe ich nicht. Vermute es wird nach dem Neujahrs-Fest, deutlich höhere Zahlen geben. Gewöhnlicher Weise, sinkt der Goldpreis im Vorfeld der FED, macht er aber nicht. Phys. kaufen, würde ich z.Zt. auch nicht.

  2. Avatar

    Übelkeit

    26. Januar 2020 22:16 at 22:16

    Der Goldpreis befindet sich schon seit langem in einem Aufwärtstrend. Da war das Virus noch gar nicht bekannt. Interessiert auch nicht. Die globale Geldmenge ist entscheidend. Und da die FED offensichtlich gezwungen ist den Bilanzabbau zu stoppen und mittels Repo-Geschäften massiv FIAT money in den Markt zu drücken wird dies Gold auch weiter beflügeln. Nicht Gold wird mehr wert. Das Papier wertet ab.

  3. Avatar

    Florian Lehra

    27. Januar 2020 08:02 at 08:02

    Bei weiterer Geldmengenausweitung (QE) steigt der Goldpreis natürlicherweise. Bei verringerter Geldmenge steigt der Preis auch, da die Börsen dann Stress machen. kommen zusätzlich noch Irritationen wie Viren, Konflikte etc., dann beschleunigt sich der Vorgang nur noch mehr. Meiner Meinung nach gibt es eine ziemlich einmalige positive Zwickmühle für Edelmetalle. Nur meine bescheidene Meinung.

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Zwar sind die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen seit letztem Freitag wieder gesunken von 0,86 auf 0,80 Prozent. Aber der US-Dollar (in Form des Dollar-Index) zeigt sich seit Freitag relativ stabil auf Niveaus um die 93 Indexpunkte. Der Rückfall im US-Dollar konnte letzten Mittwoch gestoppt werden, und ist seitdem abgesagt. Dies ist schlecht für den Goldpreis.

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Wir empfehlen beim Klick an dieser Stelle die gestrige Analyse von CMC Markets-Analyst Jochen Stanz zu Gold. Er bespricht ausführlich die Frage, ob im Goldpreis der große Knall bevorsteht. Was, wenn der zweite globale Lockdown umfassend durchgeführt wird? Die Staatsausgaben zur Stützung von Bevölkerung und Wirtschaft überall auf der Welt würden die Staatsverschuldungen immens nach oben treiben, was eine große Chance für Gold darstellen könnte.

Aber im Augenblick klebt der Goldpreis weiter an der 1.900 Dollar-Marke. Die Aktienmärkte fallen, und der US-Dollar sackt nicht weiter ab. Wir erinnern uns. Im März, wo die Corona-Panik weltweit am Schlimmste war, schoss der Dollar-Index von 95 auf 103 Indexpunkte nach oben (Flucht in den Sicheren Hafen US-Dollar), und zwar sehr schnell. Der Goldpreis fiel von 1.700 auf 1.464 Dollar. Also: Könnte der Goldpreis bei einer dramatischen Verschärfung der Corona-Lage erneut nicht profitieren, weil der steigende US-Dollar Gold ausbremst?

Heutige Konjunkturdaten

Derzeit jedenfalls kann der Goldpreis als sicherer Fluchthafen in unsicheren Zeiten nicht von den weltweit stark zunehmenden Corona-Infektionszahlen profitieren. Heute um 13:30 Uhr werden in den USA die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter veröffentlicht, und vermutlich um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht der weltweit größte Baumaschinenhersteller Caterpillar seine Quartalszahlen. Beide Ereignisse könnten Aktienkurse und US-Dollar in Bewegung bringen, wie auch den Goldpreis. Genauso kann auch das um 15 Uhr veröffentlichte US-Verbrauchervertrauen die Kurse bewegen.

Aktueller Analystenkommentar

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