Gold/Silber

US-Daten, Renditen, Fed Goldpreis rutscht unter 1.900 Dollar-Marke – die Gründe

Der Goldpreis rutscht aktuell unter die Marke von 1.900 Dollar. Starke US-Daten erhöhen Anleiherenditen und Zinserwartungen an die Fed.

Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist aktuell unter die runde Marke von 1.900 Dollar gerutscht. Heute Mittag noch bei 1.911 Dollar, so sehen wir jetzt ein Tief bei 1.893 Dollar. Auch in den Tagen vorher schwächelte Gold bereits spürbar. Blicken wir auf die aktuelle Lage und die Gründe für die Schwäche.

Goldpreis fällt – US-Daten üben Einfluss aus

Gold sackte vorhin exakt ab 14:30 Uhr ab. Man kann diese Bewegung deswegen gut in Zusammenhang bringen mit den um 14:30 Uhr veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen mit +239.000 niedriger aus als im Vormonat und niedriger als erwartet. Das BIP für das Q1 wurde mit +2,0 % stärker gemeldet als erwartet (+1,4 %). Daraus folgt: Der Markt erwartet, dass die Federal Reserve die Zinsen beim nächsten Termin Ende Juli weiter anheben wird. Das CME Fed Watch Tool zeigt aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 89,3 % an, dass die Zinsanhebung um 25 Basispunkte erfolgen wird. Noch höhere Zinsen für Anleihen machen das zinslose Gold in Relation noch weniger attraktiv, weswegen der Goldpreis aktuell fällt. Der TradingView Chart zeigt seit Monatsanfang den Verlauf von Gold (blau) in Relation zur Rendite für zweijährige US-Staatsanleihen (orange). Gold fällt seit Monatsanfang von 1.977 Dollar auf aktuell 1.893 Dollar, während die Rendite für US-Papiere von 4,34 % auf 4,88 % gestiegen ist! Kurz vor 14:30 Uhr lag die Rendite noch bei 4,75 %.

Verlauf vom Goldpreis im Vergleich zur US-Anleiherendite seit Anfang Juni

Starke Konjunkturdaten drücken Gold runter

Auch schon in den vorigen Tagen hatte es aus den USA starke Konjunkturdaten gegeben, welche die Anleiherenditen steigen und in negativer Korrelation dazu den Goldpreis fallen ließen. Exemplarisch nennen wir hier mal das US-Verbrauchervertrauen, das vorgestern vermeldet wurde. Es fiel stärker aus als gedacht, was das Zinserhöhungsszenario für die USA verstärkte. Das Conference Board meldete für Juni ein Verbrauchervertrauen für Juni bei 109,7 Punkten (Prognose für heute war 104,0; Vormonat war 102,3). Die heutigen Daten zu BIP und Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind da nur ein weiterer Baustein.

Bloomberg-Kommentar

Bloomberg schreibt aktuell über die steigenden Anleiherenditen am US-Markt: Die Renditen stiegen an, nachdem Daten, die die Stärke der US-Wirtschaft zeigten, die Spekulationen untermauerten, dass die Federal Reserve in diesem Jahr noch zweimal die Zinsen erhöhen kann. Anleihekurse fielen über die gesamte Kurve hinweg, wobei die zweijährigen Renditen um 16 Basispunkte auf 4,87 % stiegen. An den Swap-Märkten wird eine 50 %ige Chance auf eine zweite Zinserhöhung der Federal Reserve bis zum Jahresende gesehen. Der Dollar machte seine Verluste wieder wett.

Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA sank in einer Woche, in der der Feiertag Juneteenth stattfand, so stark wie seit Oktober 2021 nicht mehr. Separaten Daten zufolge wurde das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal deutlich nach oben korrigiert, so dass es auf Jahresbasis um 2 % gestiegen ist. Unterdessen wurden die von der US-Notenbank genau beobachteten Inflationskennziffern leicht nach unten korrigiert.

„Der Markt verarbeitet die jüngste Stärke der Wirtschaftsdaten sowohl positiv als auch negativ, da solide Wirtschaftsdaten bedeuten, dass die Wirtschaft widerstandsfähiger ist, aber sie ermutigen auch die Federal Reserve, die Zinssätze weiter anzuheben“, sagte Carol Schleif, Chief Investment Officer bei BMO Family Office.

FMW: Aktuell setzt der Markt also klar auf weitere Zinsanhebungen durch die Federal Reserve, was die Anleiherenditen hoch treibt, und gleichzeitig den Goldpreis runter drückt. Fürs Erste ist die Marke von 1.900 Dollar nach unten durchbrochen worden.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Ist doch eigentlich klar: Zinsen steigen, auch die von den Anleihen, dadurch fällt automatisch der Goldpreis, da dieser ja keine Renditen abwirft. Völlig normal, war nie anders, und das in den letzten 40 Jahren.
    Wenn man aber dazu die neuen Anleiheausgaben von US betrachtet, ist dies ein kurzfristiges Mittel um Liquidität in den Markt zu spülen durch höhere Zinserwartungen, und dies so lange wie es geht. Doch das verkürzt auch nur den Zeitraum bis zur Zahlungsunfähigkeit von US. Die höheren Zinsen sind ab sofort fällig. Dabei erkennt keiner, dass die USA jetzt schon Probleme hat diese Zinsen zu bedienen, wie auch jede andere Großbank auf der Welt, der Rest ist nur Beschönigen. Sehen wir mal, wie lange das gut geht.

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