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Heute vor genau fünf Jahren fiel der wichtigste Satz der Finanzgeschichte des 21.Jahrhunderts!

Es gibt einige wenige Tage im Leben, bei denen man auch noch Jahre später genau weiß, was man an diesem Tag gemacht oder empfunden hat. Einer dieser Tage ist sicher der Fall der Berliner Mauer, der andere die Ereignisse des 11.September 2001. Und der dritte Tag, an dem ich noch genau weiß, was ich damals gemacht habe, ist der 26.Juli 2012, als Mario Draghi diesen berühmten Satz sagte..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Es gibt einige wenige Tage im Leben, bei denen man auch noch Jahre später genau weiß, was man an diesem Tag gemacht oder empfunden hat. Einer dieser Tage ist sicher der Fall der Berliner Mauer, der andere die Ereignisse des 11.September 2001. Und der dritte Tag, an dem ich noch genau weiß, was ich damals gemacht habe, ist der 26.Juli 2012, als Mario Draghi diesen Satz sagte:

„Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.“

Ob die EZB wirklich innerhalb ihres Mandats blieb mit den Maßnahmen der Notenbank, die auf diesen Satz folgten, kann man bestreiten. Ist es etwa das Mandat der EZB, europäische Unternehmensanleihen zu kaufen und damit faktisch jene Konzerne zu begünstigen, deren Anleihen man kauft? Wohl kaum.

Aber sei´s drum. Kaum bekannt jedenfalls sind die einleitenden Sätze, die Draghi damals sprach, bevor er auf den Höhepunkt seiner Rede zusteuerte und versicherte, dass die EZB alles tun werde, um den Euro zu retten. Und diese Sätze lauten so (die gesamte Rede Draghis vom 26.Juli 2012 finden Sie hier):

„And the first thing that came to mind was something that people said many years ago and then stopped saying it: The euro is like a bumblebee. This is a mystery of nature because it shouldn’t fly but instead it does. So the euro was a bumblebee that flew very well for several years. And now – and I think people ask “how come?” – probably there was something in the atmosphere, in the air, that made the bumblebee fly. Now something must have changed in the air, and we know what after the financial crisis. The bumblebee would have to graduate to a real bee. And that’s what it’s doing.“

Draghi nutzte damals die Metapher über eine Hummel, die physikalisch gesehen eigentlich gar nicht fliegen können sollte, aber dennoch fliegen kann (was so natürlich nicht stimmen kann – allerdings ist eine Hummel flugtechnisch sehr ineffektiv und muß viel Kraft aufwenden, um fleigen zu können!). So auch der Euro, wie Draghi meinte – aber bevor Draghi seinen „whatever it takes“-Satz sagte, war der Euro im Sturzflug:

Zumindest relativ im Sturzflug mit seinem Fall in Richtung 1,20 zum Dollar – also immer noch höher als derzeit. Damals aber war die Eurokrise am Kochen, die Zukunft der Eurozone insgesamt schien mehr als gefährdet. Vielleicht hat Draghi damit ja wirklich die Eurozone gerettet, indem er vor allem Spekulationen auf ein Auseinanderbrechen des Euro und die damit verbundene massive Short-Positionierung im Euro schlagartig beendete. Knapp zwei Jahre später senkte die EZB den Einlagesatz erstmals auf 0%, wenig später begannen die Anleihekäufe der Notenbank, die nun wohl schrittweise reduziert werden dürften.

Ganz sicher gerettet hat Draghi damals die europäischen Aktienmärkte, so auch den Dax. Der Stand damals bei 6000 Punkten (!) und stieg seit dem berühmten Satz Draghis mehr oder weniger unkorrigiert bis 12400 Punkte Anfang 2015, getrieben dann durch die Ankündigung des QE:

Seit dem Satz Draghis hat sich die Bilanz der EZB massiv ausgeweitet – aber immerhin verzeichnete die Eurozone seitdem 17 Quartale in Folge Wachstum – ein Wachstum, das sich zuletzt beschleunigt hat und über dem der USA liegt. Aber natürlich sind die Probleme nicht wirklich gelöst, sonder nur übertüncht worden. Faktisch hat uns die EZB Zeit gekauft, um den wohl unabwendbaren Abwärtsimpuls stark verschuldeter, alterndernden und zahlenmäßg geringer werdenden Gesellschaften hinaus zu schieben. Kommen wird er doch, so oder so.

Seit dem Satz Draghis sind die Märkte mehr denn je auf die helfende Hand der Notenbanken angewiesen. Man feiert derzeit eine Art Wohlstandsillusion, die eigentlich nichts anderes ist als ein Schneeballystem! So schrieben wir Anfang 2014 folgende Sätze, die unserer Ansicht nach wie vor gültig sind („Die Wohlstandsillusion: Schneeballsystem Eurozone“):

„Europas Banken finanzieren Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen, die EZB finanziert die Banken, und die Staaten garantieren die Banken (..).
Nun muss man wissen, dass die Eurozone etwa 7% der Weltbevölkerung stellt, ca. 25% der globalen Wirtschaftsleistung erbringt, aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet. 7% der Menschheit kommen also in den Genuss der Hälfte aller sozialen Segnungen auf dem Globus.
Und natürlich gibt es ein überragendes Interesse sowohl der europäischen Staaten als auch seiner Bürger, dass das auch so bleibt. Auf diese Weise entsteht eine merkwürdige Interessensallianz zwischen der Linken und der Hochfinanz: die Linke will den Erhalt oder Ausbau des Sozialstaats – und die Hochfinanz, in Gestalt ihres Hohepriesters Draghi, garantiert mit einem perfekten Schneeballsystem eben die Finanzierbarkeit der europäischen Sozialstaaten.“

Und weiter:

„Dabei ist das System nicht wirklich kompliziert: Die Banken kaufen mittels kaum verzinster Kredite von der EZB Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder, brauchen dafür kein Eigenkapital vorhalten (weil Staaten, so die traditionelle Lehre der Volkswirtschaft, nicht pleite gehen) und können diese auch noch als Sicherheit bei der EZB hinterlegen. Ein bombensicheres, renditeintensives Geschäft zu wechselseitigem Nutzen, der perfekte Kreislauf, vom tumben Volksmund auch als “Schneeballsystem” bezeichnet. Und weil dieses Geschäft so bombig ist, wird es eben auch großflächig praktiziert, wie die Entwicklung der letzten Jahre zeigt.“

Wir schlossen damals mit den einer Prognose, die nach wie vor gültig ist, vielleicht sogar mehr denn je:

„Und so wird sich die Spirale noch einige Zeit weiterdrehen. Der Schneeball wird immer größer – bis dann irgendwann die Statik des gigantischen Schneeballs kollabiert. Historisch gesehen ist noch jedes Schneeballsystem gescheitert. Und genau dies wird auch mit dem europäischen Schneeballsystem passieren, schließlich gibt es kein Perpetuum mobile.

Die Frage ist nicht, ob das passieren wird, sondern wann es passiert. Und dann heißt es Abschied nehmen von unserer Wohlstandsillusion. Aber bis dahin sollten wir einfach noch die Wohlstands-Zeit und ihre sozialen Segnungen genießen – grazie Mario!“

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Mulinski

    26. Juli 2017 12:22 at 12:22

    dass die Eurozone etwa 7% der Weltbevölkerung stellt, aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet.
    Da ist es kein Wunder, dass die Söhne Afrikas umbedingt dort hin möchten.

    • Avatar

      Walter Schmid

      26. Juli 2017 14:02 at 14:02

      Ja, weit über 90 Prozent von Afrikas Söhnen kommen in erster Linie aus diesem Grund zu uns. Und Europa winkt sie herein. Das wird sich bald bitter rächen.

      • Avatar

        carsn

        26. Juli 2017 17:46 at 17:46

        Also wenn es mir so beschissen ginge, ich Angst um Leib und Leben hätte, meine Kinder zu verhungern drohen, würde ich mich auch auf den Weg machen und zu Euch kommen.
        Aber ich bin ja schon da !
        Wie verzweifelt muss man sein um das auf sich zu nehmen ?
        Die meisten von Euch können doch nur Pauschalreise mit dem Rundumsorglospaket inkl. Abhol- und Bringservice vom Airport. Am Besten noch mit Allin, dann muss man sich höchsten bei Einheiomischen noch die Steuerfreien Zigaretten besorgen. Dann hört die Zumutung aber auch schon auf.

        Kann sich hier überhaupt jemand vorstellen was das bedeutet ?!
        Ihr tut gerade so als wenn das eine lustige Reise ist, die man ja mal machen kann….
        Die kommen nicht, weil sie sich zur Zeit grad mal nicht das neueste IPhone oder den coolsten Flachbild kaufen können.
        Die EU (also WIR, nicht vergessen) wirft massenhaft billiges Fleisch auf den Afrikanischen Kontinent weil wir Europäer dekadenter weise nur Hähnchenbrustfilet essen und die Schenkel damit übrig bleiben. Hochsubventioniert von 7 % der Weltbevölkerung um damit 90 % der Söhne Afrikas daran zu hindern etwas eigenes aufzubauen. Das Fleisch ist so billig, das selbst in Afrika niemand günstiger produzieren kann.
        Ach wie klingt es mir noch in den Ohren das Mimi der Stahlproduzenten und Solarmodulverkäufer das der böse Chinese seine hochsubventionierten Produkte auf den Markt platziert.
        Wacht mal langsam auf und tretet Eurer Regierung, nun ja, nett gesagt, auf die Füße und hört auf mit Eurem Biertischgejammer.
        Die ist ein Forum für finanzielle und geldmarktpolitische Diskussionen.
        Am Ende wird das hier genau so enden wie alle Finanzforen, in denen man sich überbietet mit Merkelbashing und Flüchtlingshetze.

        • Avatar

          Walter Schmid

          26. Juli 2017 18:17 at 18:17

          Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie haben keine Ahnung von Afrika und reimen sich etwas in Ihrer Fantasie zusammen von dem Sie dann glauben, es müsse schon zutreffen. Ich war lange in Afrika, in verschiedenen Ländern und ich kann Ihnen sagen, dass der lernwillige, rechtschaffene und fleißige Afrikaner dort händeringend überall gesucht wird. Gar nicht mal die Dümmsten machen sich nach Europa auf den Weg, es sind in erster Linie die Faulsten, die schnell begreifen, dass man hier bei uns ohne Arbeit ein viel besseres Leben führen kann als in Afrika mit Arbeit. Unsere Politiker tragen dafür die Verantwortung, weil sie das zulassen und sogar noch fördern.

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            berti

            26. Juli 2017 19:43 at 19:43

            Ist nicht beides einfach zu pauschalisiert und an beidem was dran?!

            Denk ich ich zumindest. Und ich finde den Kommentar von Carsn gut!!!

            #Als ichvor kurzer Zeit in ungefähr so einem Schlauchboot gesessen hab und (ziemlich an der Küste) über das Meer gefahren bin und mir vorstellte damit über das Meer nach Europa….
            Wie crazy….

          • Avatar

            carsn

            26. Juli 2017 19:43 at 19:43

            Habe Sie irgendetwas an Fakten, oder ist das nur so ein Bauchgefühl.
            Gibt es Studien, das die Faulen kommen ?!
            Sie waren in Afrika…wie lange ist das her ?… und wo ? Tunesien? oder da wo man wirklich nichts hat, falls Sie sich da hin trauen ?

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    Wolfgang M.

    26. Juli 2017 13:27 at 13:27

    Ja, das war alles heute Morgen in verschiedenen Artikeln des Handelsblatts zu lesen. Dies verdeutlicht, welches unsinniges Lamento hier öfters zu lesen war:
    – Die Armutsdebatte in D, die aus globaler Sicht sehr fragwürdig ist.
    – Der Beweis, worauf die Rally in den letzten Jahren zurückzuführen ist (Donald Trump, haha!).
    – Das ständige Auflisten von negativen Einzel-Daten aus unternehmensspezifischer, volkswirtschaftlicher oder geopolitischer Sicht, die ständig, über Monate hinweg zu Baissespekulationen ermunterte.
    So wird der große Einbruch dann kommen, wenn die Notenbanken wegen (vielleicht des plötzlichen Auftauchens der Inflation) die Zinspolitik deutlich ändern – wollen/müssen, wenn Sie können und auf Europa fokussiert, es Mario Draghi bemerkt, dass er sein überschuldetes Italien nicht mehr mit billigem Geld retten kann. Die 100 000 Dollarfrage ist damit auch schon formuliert. Gruß

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    hubi Stendahl

    26. Juli 2017 17:08 at 17:08

    „………..-aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet.
    Da ist es kein Wunder, dass die Söhne Afrikas unbedingt dort hin möchten.“

    Ganz so ist es nicht. Prof. Gunnar Heinsohn hat das ja prima aufgearbeitet. Fazit: Es kommen nur die, die in der Heimat keinerlei Chancen besitzen. Die haben sie natürlich bei uns er srecht nicht, sodass nicht nur die Bereicherer, sondern auch die, die schon
    länger hier leben, in den nächsten Jahren ihr blaues Wunder erleben werden.

    Der Witz ist, vermittelt man den eigentlich einfachen Zusammenhang aus dem Artikel,wird man selbst von gebildeten Leuten ausgelacht.

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      Walter Schmid

      26. Juli 2017 17:56 at 17:56

      Was immer wieder Beleg dafür bringt, dass selbst gebildeten Menschen, insbesondere den Gutmenschen, allzu oft der Weitblick fehlt. Das Übel verschärft sich bei unseren Politikern noch dramatisch; deren Weitblick äußerst selten über eine Distanz von 4 Jahren hinausgeht.

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      Wolfgang M.

      26. Juli 2017 18:35 at 18:35

      Ich bin absolut der Meinung, dass Afrika von den Industrieländern ausgebeutet wird, aber: Wieso erkennt man seitens der UN oder anderer supranationaler Organisationen nicht, dass ein Kontinent mit einer Geburtenrate von 4,7 Kindern/Frau bei 1,1 Mrd. Einwohnern mit keiner Entwicklungshilfe zu retten ist. Ganz zu schweigen von der Subsahara mit über 6 Kindern/Frau, in der es kaum Vegetation in unserem Sinne gibt. Es wird so salopp von einer Bevölkerungsexplosion auf 2 Mrd. Menschen in gut 30 Jahren gesprochen.Ich weiß, dies ist ein Börsenforum, aber mir ist es unbegreiflich wie oberflächlich in der Politik „wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen“ das Thema angegangen wird. Das Thema ist halt sehr unpopulär und in den nächsten Legislaturperioden noch nicht brisant. Welche Ignoranz! Gruß

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        Walter Schmid

        26. Juli 2017 19:18 at 19:18

        Afrika wird schon seit Jahrhunderten ausgebeutet. Früher von den Europäern inzwischen auch von den Asiaten. Geldgier, Machthunger, aber auch Fleiß und Zielstrebigkeit sind bei Europäern und Asiaten viel stärker ausgeprägt als bei den Afrikanern, was letztere dann fast immer zum Opfer werden lässt. Das ist schlimm und es ist ungerecht, aber leider funktioniert diese Welt eben so. „Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen“ ist so ziemlich der dämlichste Politikerspruch den ich kenne. Entwicklungshilfe fruchtet seit Jahrzehnten nichts. Afrika wird nie erfolgreich auf die eigenen Beine kommen. Unter westlichen Politikern herrscht aber der verbreitete Irrglaube, das müsse doch zu schaffen sein. Es ist der gleiche Irrglaube, der westliche Politiker auch immer wieder glauben lässt, die islamischen Länder demokratisieren zu können.

        • Avatar

          carsn

          26. Juli 2017 19:48 at 19:48

          ……leider funktionert die Welt so ?!
          Hallo !!!
          Sie sind ein Teil der Welt. Nicht rumschreiben, Arsch bewegen und was unternehmen. Is´ halt so ist mir zu einfach.

  4. Avatar

    Kris

    26. Juli 2017 17:39 at 17:39

    Guter Artikel und interessant zu lesen! Danke dafür!

    Jetzt müssen die Notenbanken einfach den Schnellball abschmelzen. Die finden schon die ein oder andere Hintertür und dann gehts einfach weiter. Never change a running system.

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Deutsche Bank: Übernahme durch UBS? Geldwäsche in Russland? Aktie dick im Minus

Claudio Kummerfeld

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Deutsche Bank Hochhäuser in Frankfurt

Die Deutsche Bank könnte heute mit einem kräftigen Plus in den Handel gehen. Würde man meinen, wenn man die Nachricht betrachtet, dass die große Schweizer UBS womöglich die Deutsche Bank kaufen will. So zumindest sagte es am Samstag die Schweizer „Sonntagszeitung“. Aber beim zweiten Blick weiß man: Die UBS wollte ja auch mit der Credit Suisse fusionieren – diese Idee sll offenbar schon gescheitert sein. Und auch die Commerzbank wie die Lloyds Banking Group sollen für die UBS interessante Kaufkandidaten sein. Also ist dies doch eher eine ziemlich unklare Lage. Außerdem wären die Hürden, die größte Bank Deutschlands kaufen zu können, wohl ziemlich groß. Aber dennoch, die Deutsche Bank-Aktie könnte heute aufgrund dieser Meldung gut im Plus eröffnen.

Deutsche Bank mit neuem Geldwäsche-Horror in Moskau?

Aber sie geht mit minus 3,6 Prozent in den Handel. Denn gestern gab es neue konkrete Berichte zu möglichen Geldwäsche-Vorgängen in Russland. Konkrete Auswertungen (hier die Details) sollen zeigen, dass die Deutsche Bank-Filiale in Moskau wohl eine Art Wild-West-Filiale gewesen sein soll, und dass trotz Aufsehern in Sachen Geldwäsche wohl kaum Kontrolle stattfand. Man wollte wohl nicht hinsehen und ließ viel womöglich mehr zweifelhafte Transaktionen zu als bislang bekannt. Pikant dabei ist, dass im betreffenden Zeitraum auch der heutige Deutsche Bank-Chef Sewing als Chef der Revision für die Kontrolle zuständig war, aber dass trotz Prüfungen sogenannte Mirror Trades nicht entdeckt wurden. Dabei wurden für Kunden Aktien in Rubel gekauft, und danach gleich wieder in US-Dollar verkauft.

Drohen der Deutschen Bank nach diesen neuen Enthüllungen weitere Geldstrafen? Fängt auch der Stuhl vom angeblich so sauberen Herrn Sewing an zu wackeln? Auf jeden Fall könnte der geneigte Börsianer das Grausen kriegen, dass diese jahrelange Horror-Show mit nicht enden wollenden Geldstrafen, Verfahren und Prüfungen weiter geht. Die Deutsche Bank-Aktie jedenfalls, die notiert heute wie gesagt mit mit minus 3,6 Prozent bei 7,41 Euro. Die Deutsche Bank hat dazu folgendes Statement veröffentlicht. Zitat:

„Die Bekämpfung von Finanzkriminalität, Geldwäsche und Kapitalflucht hat für die Ermittlungsbehörden und Finanzinstitute gleichermaßen Priorität. Die weltweit führenden Finanzinstitute, einschließlich der Deutschen Bank, haben Milliarden von Dollar investiert, um die Behörden bei diesen Bemühungen effektiver zu unterstützen. Dies führt natürlich zu einer höheren Zahl von Feststellungen.

Wir bei der Deutschen Bank haben in den letzten Jahren massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert, und wir konzentrieren uns mit Nachdruck darauf, unseren Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehört auch, dass wir Maßnahmen ergreifen, um Risiken zu minimieren, und Beziehungen zu Kunden oder Korrespondenzbanken beenden, wenn dies angezeigt ist.

Das ICIJ hat über eine Reihe historischer Themen berichtet. Soweit sie sich auf die Deutsche Bank beziehen, sind sie den Aufsichtsbehörden bekannt. Die Themen wurden bereits untersucht und führten zu Einigungen mit den Behörden, in denen die Zusammenarbeit und die Mängelbeseitigung der Bank öffentlich anerkannt wurden. Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen. Soweit die vom ICIJ verwendeten Informationen aus Verdachtsmeldungen (sogenannten SARs) stammen, wurden diese Informationen von einer Bank gemäß der gesetzlichen Regelung aktiv identifiziert und den Behörden mitgeteilt. SARs enthalten Warnungen vor möglichen Probleme, können aber nicht mit einer Tatsachenbehauptung gleichgesetzt werden.“

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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