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Heute vor genau fünf Jahren fiel der wichtigste Satz der Finanzgeschichte des 21.Jahrhunderts!

Es gibt einige wenige Tage im Leben, bei denen man auch noch Jahre später genau weiß, was man an diesem Tag gemacht oder empfunden hat. Einer dieser Tage ist sicher der Fall der Berliner Mauer, der andere die Ereignisse des 11.September 2001. Und der dritte Tag, an dem ich noch genau weiß, was ich damals gemacht habe, ist der 26.Juli 2012, als Mario Draghi diesen berühmten Satz sagte..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Es gibt einige wenige Tage im Leben, bei denen man auch noch Jahre später genau weiß, was man an diesem Tag gemacht oder empfunden hat. Einer dieser Tage ist sicher der Fall der Berliner Mauer, der andere die Ereignisse des 11.September 2001. Und der dritte Tag, an dem ich noch genau weiß, was ich damals gemacht habe, ist der 26.Juli 2012, als Mario Draghi diesen Satz sagte:

„Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.“

Ob die EZB wirklich innerhalb ihres Mandats blieb mit den Maßnahmen der Notenbank, die auf diesen Satz folgten, kann man bestreiten. Ist es etwa das Mandat der EZB, europäische Unternehmensanleihen zu kaufen und damit faktisch jene Konzerne zu begünstigen, deren Anleihen man kauft? Wohl kaum.

Aber sei´s drum. Kaum bekannt jedenfalls sind die einleitenden Sätze, die Draghi damals sprach, bevor er auf den Höhepunkt seiner Rede zusteuerte und versicherte, dass die EZB alles tun werde, um den Euro zu retten. Und diese Sätze lauten so (die gesamte Rede Draghis vom 26.Juli 2012 finden Sie hier):

„And the first thing that came to mind was something that people said many years ago and then stopped saying it: The euro is like a bumblebee. This is a mystery of nature because it shouldn’t fly but instead it does. So the euro was a bumblebee that flew very well for several years. And now – and I think people ask “how come?” – probably there was something in the atmosphere, in the air, that made the bumblebee fly. Now something must have changed in the air, and we know what after the financial crisis. The bumblebee would have to graduate to a real bee. And that’s what it’s doing.“

Draghi nutzte damals die Metapher über eine Hummel, die physikalisch gesehen eigentlich gar nicht fliegen können sollte, aber dennoch fliegen kann (was so natürlich nicht stimmen kann – allerdings ist eine Hummel flugtechnisch sehr ineffektiv und muß viel Kraft aufwenden, um fleigen zu können!). So auch der Euro, wie Draghi meinte – aber bevor Draghi seinen „whatever it takes“-Satz sagte, war der Euro im Sturzflug:

Zumindest relativ im Sturzflug mit seinem Fall in Richtung 1,20 zum Dollar – also immer noch höher als derzeit. Damals aber war die Eurokrise am Kochen, die Zukunft der Eurozone insgesamt schien mehr als gefährdet. Vielleicht hat Draghi damit ja wirklich die Eurozone gerettet, indem er vor allem Spekulationen auf ein Auseinanderbrechen des Euro und die damit verbundene massive Short-Positionierung im Euro schlagartig beendete. Knapp zwei Jahre später senkte die EZB den Einlagesatz erstmals auf 0%, wenig später begannen die Anleihekäufe der Notenbank, die nun wohl schrittweise reduziert werden dürften.

Ganz sicher gerettet hat Draghi damals die europäischen Aktienmärkte, so auch den Dax. Der Stand damals bei 6000 Punkten (!) und stieg seit dem berühmten Satz Draghis mehr oder weniger unkorrigiert bis 12400 Punkte Anfang 2015, getrieben dann durch die Ankündigung des QE:

Seit dem Satz Draghis hat sich die Bilanz der EZB massiv ausgeweitet – aber immerhin verzeichnete die Eurozone seitdem 17 Quartale in Folge Wachstum – ein Wachstum, das sich zuletzt beschleunigt hat und über dem der USA liegt. Aber natürlich sind die Probleme nicht wirklich gelöst, sonder nur übertüncht worden. Faktisch hat uns die EZB Zeit gekauft, um den wohl unabwendbaren Abwärtsimpuls stark verschuldeter, alterndernden und zahlenmäßg geringer werdenden Gesellschaften hinaus zu schieben. Kommen wird er doch, so oder so.

Seit dem Satz Draghis sind die Märkte mehr denn je auf die helfende Hand der Notenbanken angewiesen. Man feiert derzeit eine Art Wohlstandsillusion, die eigentlich nichts anderes ist als ein Schneeballystem! So schrieben wir Anfang 2014 folgende Sätze, die unserer Ansicht nach wie vor gültig sind („Die Wohlstandsillusion: Schneeballsystem Eurozone“):

„Europas Banken finanzieren Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen, die EZB finanziert die Banken, und die Staaten garantieren die Banken (..).
Nun muss man wissen, dass die Eurozone etwa 7% der Weltbevölkerung stellt, ca. 25% der globalen Wirtschaftsleistung erbringt, aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet. 7% der Menschheit kommen also in den Genuss der Hälfte aller sozialen Segnungen auf dem Globus.
Und natürlich gibt es ein überragendes Interesse sowohl der europäischen Staaten als auch seiner Bürger, dass das auch so bleibt. Auf diese Weise entsteht eine merkwürdige Interessensallianz zwischen der Linken und der Hochfinanz: die Linke will den Erhalt oder Ausbau des Sozialstaats – und die Hochfinanz, in Gestalt ihres Hohepriesters Draghi, garantiert mit einem perfekten Schneeballsystem eben die Finanzierbarkeit der europäischen Sozialstaaten.“

Und weiter:

„Dabei ist das System nicht wirklich kompliziert: Die Banken kaufen mittels kaum verzinster Kredite von der EZB Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder, brauchen dafür kein Eigenkapital vorhalten (weil Staaten, so die traditionelle Lehre der Volkswirtschaft, nicht pleite gehen) und können diese auch noch als Sicherheit bei der EZB hinterlegen. Ein bombensicheres, renditeintensives Geschäft zu wechselseitigem Nutzen, der perfekte Kreislauf, vom tumben Volksmund auch als “Schneeballsystem” bezeichnet. Und weil dieses Geschäft so bombig ist, wird es eben auch großflächig praktiziert, wie die Entwicklung der letzten Jahre zeigt.“

Wir schlossen damals mit den einer Prognose, die nach wie vor gültig ist, vielleicht sogar mehr denn je:

„Und so wird sich die Spirale noch einige Zeit weiterdrehen. Der Schneeball wird immer größer – bis dann irgendwann die Statik des gigantischen Schneeballs kollabiert. Historisch gesehen ist noch jedes Schneeballsystem gescheitert. Und genau dies wird auch mit dem europäischen Schneeballsystem passieren, schließlich gibt es kein Perpetuum mobile.

Die Frage ist nicht, ob das passieren wird, sondern wann es passiert. Und dann heißt es Abschied nehmen von unserer Wohlstandsillusion. Aber bis dahin sollten wir einfach noch die Wohlstands-Zeit und ihre sozialen Segnungen genießen – grazie Mario!“

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Mulinski

    26. Juli 2017 12:22 at 12:22

    dass die Eurozone etwa 7% der Weltbevölkerung stellt, aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet.
    Da ist es kein Wunder, dass die Söhne Afrikas umbedingt dort hin möchten.

    • Avatar

      Walter Schmid

      26. Juli 2017 14:02 at 14:02

      Ja, weit über 90 Prozent von Afrikas Söhnen kommen in erster Linie aus diesem Grund zu uns. Und Europa winkt sie herein. Das wird sich bald bitter rächen.

      • Avatar

        carsn

        26. Juli 2017 17:46 at 17:46

        Also wenn es mir so beschissen ginge, ich Angst um Leib und Leben hätte, meine Kinder zu verhungern drohen, würde ich mich auch auf den Weg machen und zu Euch kommen.
        Aber ich bin ja schon da !
        Wie verzweifelt muss man sein um das auf sich zu nehmen ?
        Die meisten von Euch können doch nur Pauschalreise mit dem Rundumsorglospaket inkl. Abhol- und Bringservice vom Airport. Am Besten noch mit Allin, dann muss man sich höchsten bei Einheiomischen noch die Steuerfreien Zigaretten besorgen. Dann hört die Zumutung aber auch schon auf.

        Kann sich hier überhaupt jemand vorstellen was das bedeutet ?!
        Ihr tut gerade so als wenn das eine lustige Reise ist, die man ja mal machen kann….
        Die kommen nicht, weil sie sich zur Zeit grad mal nicht das neueste IPhone oder den coolsten Flachbild kaufen können.
        Die EU (also WIR, nicht vergessen) wirft massenhaft billiges Fleisch auf den Afrikanischen Kontinent weil wir Europäer dekadenter weise nur Hähnchenbrustfilet essen und die Schenkel damit übrig bleiben. Hochsubventioniert von 7 % der Weltbevölkerung um damit 90 % der Söhne Afrikas daran zu hindern etwas eigenes aufzubauen. Das Fleisch ist so billig, das selbst in Afrika niemand günstiger produzieren kann.
        Ach wie klingt es mir noch in den Ohren das Mimi der Stahlproduzenten und Solarmodulverkäufer das der böse Chinese seine hochsubventionierten Produkte auf den Markt platziert.
        Wacht mal langsam auf und tretet Eurer Regierung, nun ja, nett gesagt, auf die Füße und hört auf mit Eurem Biertischgejammer.
        Die ist ein Forum für finanzielle und geldmarktpolitische Diskussionen.
        Am Ende wird das hier genau so enden wie alle Finanzforen, in denen man sich überbietet mit Merkelbashing und Flüchtlingshetze.

        • Avatar

          Walter Schmid

          26. Juli 2017 18:17 at 18:17

          Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie haben keine Ahnung von Afrika und reimen sich etwas in Ihrer Fantasie zusammen von dem Sie dann glauben, es müsse schon zutreffen. Ich war lange in Afrika, in verschiedenen Ländern und ich kann Ihnen sagen, dass der lernwillige, rechtschaffene und fleißige Afrikaner dort händeringend überall gesucht wird. Gar nicht mal die Dümmsten machen sich nach Europa auf den Weg, es sind in erster Linie die Faulsten, die schnell begreifen, dass man hier bei uns ohne Arbeit ein viel besseres Leben führen kann als in Afrika mit Arbeit. Unsere Politiker tragen dafür die Verantwortung, weil sie das zulassen und sogar noch fördern.

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            berti

            26. Juli 2017 19:43 at 19:43

            Ist nicht beides einfach zu pauschalisiert und an beidem was dran?!

            Denk ich ich zumindest. Und ich finde den Kommentar von Carsn gut!!!

            #Als ichvor kurzer Zeit in ungefähr so einem Schlauchboot gesessen hab und (ziemlich an der Küste) über das Meer gefahren bin und mir vorstellte damit über das Meer nach Europa….
            Wie crazy….

          • Avatar

            carsn

            26. Juli 2017 19:43 at 19:43

            Habe Sie irgendetwas an Fakten, oder ist das nur so ein Bauchgefühl.
            Gibt es Studien, das die Faulen kommen ?!
            Sie waren in Afrika…wie lange ist das her ?… und wo ? Tunesien? oder da wo man wirklich nichts hat, falls Sie sich da hin trauen ?

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    Wolfgang M.

    26. Juli 2017 13:27 at 13:27

    Ja, das war alles heute Morgen in verschiedenen Artikeln des Handelsblatts zu lesen. Dies verdeutlicht, welches unsinniges Lamento hier öfters zu lesen war:
    – Die Armutsdebatte in D, die aus globaler Sicht sehr fragwürdig ist.
    – Der Beweis, worauf die Rally in den letzten Jahren zurückzuführen ist (Donald Trump, haha!).
    – Das ständige Auflisten von negativen Einzel-Daten aus unternehmensspezifischer, volkswirtschaftlicher oder geopolitischer Sicht, die ständig, über Monate hinweg zu Baissespekulationen ermunterte.
    So wird der große Einbruch dann kommen, wenn die Notenbanken wegen (vielleicht des plötzlichen Auftauchens der Inflation) die Zinspolitik deutlich ändern – wollen/müssen, wenn Sie können und auf Europa fokussiert, es Mario Draghi bemerkt, dass er sein überschuldetes Italien nicht mehr mit billigem Geld retten kann. Die 100 000 Dollarfrage ist damit auch schon formuliert. Gruß

  3. Avatar

    hubi Stendahl

    26. Juli 2017 17:08 at 17:08

    „………..-aber 50% aller globalen Sozialleistungen ausschüttet.
    Da ist es kein Wunder, dass die Söhne Afrikas unbedingt dort hin möchten.“

    Ganz so ist es nicht. Prof. Gunnar Heinsohn hat das ja prima aufgearbeitet. Fazit: Es kommen nur die, die in der Heimat keinerlei Chancen besitzen. Die haben sie natürlich bei uns er srecht nicht, sodass nicht nur die Bereicherer, sondern auch die, die schon
    länger hier leben, in den nächsten Jahren ihr blaues Wunder erleben werden.

    Der Witz ist, vermittelt man den eigentlich einfachen Zusammenhang aus dem Artikel,wird man selbst von gebildeten Leuten ausgelacht.

    • Avatar

      Walter Schmid

      26. Juli 2017 17:56 at 17:56

      Was immer wieder Beleg dafür bringt, dass selbst gebildeten Menschen, insbesondere den Gutmenschen, allzu oft der Weitblick fehlt. Das Übel verschärft sich bei unseren Politikern noch dramatisch; deren Weitblick äußerst selten über eine Distanz von 4 Jahren hinausgeht.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      26. Juli 2017 18:35 at 18:35

      Ich bin absolut der Meinung, dass Afrika von den Industrieländern ausgebeutet wird, aber: Wieso erkennt man seitens der UN oder anderer supranationaler Organisationen nicht, dass ein Kontinent mit einer Geburtenrate von 4,7 Kindern/Frau bei 1,1 Mrd. Einwohnern mit keiner Entwicklungshilfe zu retten ist. Ganz zu schweigen von der Subsahara mit über 6 Kindern/Frau, in der es kaum Vegetation in unserem Sinne gibt. Es wird so salopp von einer Bevölkerungsexplosion auf 2 Mrd. Menschen in gut 30 Jahren gesprochen.Ich weiß, dies ist ein Börsenforum, aber mir ist es unbegreiflich wie oberflächlich in der Politik „wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen“ das Thema angegangen wird. Das Thema ist halt sehr unpopulär und in den nächsten Legislaturperioden noch nicht brisant. Welche Ignoranz! Gruß

      • Avatar

        Walter Schmid

        26. Juli 2017 19:18 at 19:18

        Afrika wird schon seit Jahrhunderten ausgebeutet. Früher von den Europäern inzwischen auch von den Asiaten. Geldgier, Machthunger, aber auch Fleiß und Zielstrebigkeit sind bei Europäern und Asiaten viel stärker ausgeprägt als bei den Afrikanern, was letztere dann fast immer zum Opfer werden lässt. Das ist schlimm und es ist ungerecht, aber leider funktioniert diese Welt eben so. „Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen“ ist so ziemlich der dämlichste Politikerspruch den ich kenne. Entwicklungshilfe fruchtet seit Jahrzehnten nichts. Afrika wird nie erfolgreich auf die eigenen Beine kommen. Unter westlichen Politikern herrscht aber der verbreitete Irrglaube, das müsse doch zu schaffen sein. Es ist der gleiche Irrglaube, der westliche Politiker auch immer wieder glauben lässt, die islamischen Länder demokratisieren zu können.

        • Avatar

          carsn

          26. Juli 2017 19:48 at 19:48

          ……leider funktionert die Welt so ?!
          Hallo !!!
          Sie sind ein Teil der Welt. Nicht rumschreiben, Arsch bewegen und was unternehmen. Is´ halt so ist mir zu einfach.

  4. Avatar

    Kris

    26. Juli 2017 17:39 at 17:39

    Guter Artikel und interessant zu lesen! Danke dafür!

    Jetzt müssen die Notenbanken einfach den Schnellball abschmelzen. Die finden schon die ein oder andere Hintertür und dann gehts einfach weiter. Never change a running system.

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

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