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Inflation: Bremst die Teuerung Wirtschaft und Konsum in Deutschland?

Bremst die Inflaation die Wirtschaft?

Die Inflation ist nun auch in Deutschland angekommen – mit einem Anstieg von 3,8% zum Vorjahresmonat.

Sicherlich hat der Konsum in Deutschland nicht ganz die Bedeutung, wie im Wirtschaftswunderland für Verbraucherausgaben, den USA. Aber über 50 Prozent beträgt auch hierzulande der Anteil der Konsumausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Demzufolge ist eine steigende Inflation (3,8 Prozent) nicht nur Deutschland Gift für die Kaufkraft der Konsumenten, sondern auch eine Belastung für die Wirtschaftserholung. Zusätzlich verunsichern auch noch die täglichen „Wasserstandsmeldungen“ zur vierten Coronawelle die Verbraucher. Das aktuelle HDE-Konsumbarometer zeigt bereits erste Spuren.

Die Entwicklung des BIP in Deutschland

Blicken wir zunächst auf die Konjunkturentwicklung in Deutschland, einem Nachzügler gegenüber den USA. Während es in Amerika schon wieder kräftig nach oben gegangen ist (war?), ist die Erholung in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen. Nach einem Rezessionsquartal von minus 2,1 ersten Quartal, jetzt das zweite Vierteljahr mit relativ schwachen 1,5 Prozent. Dies hat dazu geführt, dass die Commerzbank am Freitag ihren Wirtschaftsausblick für 2021 von vier auf nunmehr 3,3 Prozent heruntergeschraubt hat, das Handelsblatt Research Institute liegt mit seiner Prognose von 2,7 Prozent gleich noch eine Stufe tiefer.

Inflation: Das HDE-Konsumbarometer für August

Auch wenn das Konsumbarometer noch in der Nähe seines Nach-Coronahochs von 100,38 Punkten notiert, hat die aktuelle Erhebung doch einen kleinen Rückgang ergeben (Juli – 100,80). So gingen insbesondere die Konjunkturerwartungen der Verbraucher, ihre persönlichen Einkommenserwartung sowie die Anschaffungsneigung zurück.

Dies sei auch deshalb erstaunlich, weil in Deutschland die Normalität in vielen Bereichen wieder zurückgekehrt sei. Bewegungsdaten hätten ergeben, dass sich bereits mehr Menschen in Geschäften aufgehalten hätten als vor Corona. Cafes und Restaurants sind bereits wieder sehr gut besucht, allerdings fallen viele Großereignisse weiterhin wegen des Infektionsgeschehens aus: Ob die stark besuchten Volksfeste, Festivals oder auch Fußballspiele, die nicht auf frühere Besucherzahlen kommen können.

Die Inflation aber ist in Deutschland spürbar gestiegen – und das knabbert an der Kaufkraft der Deutschen. Jetzt müssten eigentlich die Löhne adäquat angepasst werden, in den neuen Tarifverhandlungen. Sinkende Reallöhne waren in den vergangenen Jahren bisher eher die Ausnahme.

Vergessen wir nicht: Bereits in fünf Monaten kommt der nächste Preisschub, durch die gesetzlich festgelegte Anhebung der CO2-Abgabe mit der Verteuerung der fossilen Energien. Die Inflation bekommt also von dieser Seite weiteren Rückenwind!

Was passiert gerade in den USA?

Ob der ISM-Einkaufsmanagerindex oder die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, seit März sind beide fast parallel im Absinken:

ISM Index

Renditen fallen trotz hoher Inflation

Was könnte man daraus schlussfolgern? Sicher nicht, dass die Konjunktur in den nächsten Quartalen weiter so brummt, wie in Q1 und Q2 des laufenden Jahres.

Zumal auch der ganz große Treiber der Weltwirtschaft – China – spürbare Bremsspuren in seinen Frühindikationen erkennen muss: Der neueste Einkaufsmanagerindex in China lag gerade noch knapp über der Wachstumschwelle von 50 Punkten. Aber hat der Internationale Währungsfonds IWF für China nicht ein Wachstum von 8,1 Prozent für dieses Jahr prognostiziert? Bekäme nicht speziell Deutschland, aber auch viele andere Länder Probleme, wenn der Wachstumsmotor der zweitgrößten Wirtschaft der Welt etwas stottern würde?

Fazit

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und anderen Staaten wieder etwas übertrieben eingeschätzt wird, von Seiten vieler Institute. Hatte man in Frühsommer letzten Jahres nicht noch davon gesprochen, dass es Jahre dauern würde, bis sich die Wirtschaft von Corona erholen werde? Und ein Jahr später?

Jetzt geht man von Wachstumsraten aus in diesem und im nächsten Jahr, wie in absoluten Boomphasen und glaubt bereits in Kürze das Vor-Corona-Niveau übertreffen zu können. Beides Extrema, die Realität liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Deshalb auch die vielen Engpässe in den Lieferketten, man erwartet ein riesiges Weihnachtsgeschäft, der Nachholbedarf wird als gigantisch angenommen.

Irgendwie geht mir die Bemerkung von Cathie Wood nicht aus dem Kopf, die bereits schon vor Monaten behauptet hat, sinngemäß: Die Unternehmen bestellen Waren, doppelt und dreifach, in der Erwartung eines großen Booms – und in der Hoffnung zuerst an der Reihe zu sein und um Reserven zu bekommen. Was ist aber, wenn sich Vieles als Sugar Rush herausstellt, wird man in einer paar Monaten das Adjektiv „transitory“ nicht nur gleich mehrere Wirtschaftsfelder verwendet werden wird, sondern auch für das derzeit so heiße Thema Inflation?



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1 Kommentar

  1. Kann mich Ihrem Fazit zum Großteil anschließen.

    Wir dürfen uns also eher freuen,wenn wir in eine Stagflation gehen ?

    Sehr viel besser als eine Hyperinflation scheint es auch nicht zu sein,eher noch schlimmer mit
    endlosem Stillstand und endlosem Siechtum.Scheint aber sehr gut in unsere heutige Zeit zu passen.
    Lieber Probleme aussitzen und hoffen auf bessere Zeiten ?
    Kommt mir irgendwie so vor wie in der Kohl Ära.Das Ergebnis allerdings könnte kaum schlimmer sein,wenn
    man nichts zuläßt und nichts anpackt,aber das sind ja Attribute die für einen sozialistischen Nanny Staat
    sprechen. Mitsprache ist hier ja ausgeschlossen.

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